Dominique de Villepin

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Dominique de Villepin (als Außenminister)
Dominique de Villepin bei der Vorstellung seiner neuen Partei, République Solidaire. Paris, Halle Freyssinet.

Dominique Marie François René Galouzeau de Villepin [dɔmiˈnik maˈʀi fʀɑ̃ˈswa ʀəˈne galuˈzo dəvilˈpɛ̃] (* 14. November 1953 in Rabat, Marokko) ist ein französischer Politiker (UMP, République Solidaire), Diplomat und Schriftsteller.

Als enger Mitarbeiter von Jacques Chirac, war er von 1995 bis 2002 Generalsekretär des Élysée und danach unter den Regierungen Raffarin I, II und Raffarin III jeweils Außenminister und später Innenminister. Schließlich wurde er am 31. Mai 2005 durch Jacques Chirac zum neuen Regierungschef ernannt. Im Zuge der Bewegung gegen den Ersteinstellungsvertrag (contrat première embauche - CPE) und der Affäre Clearstream II gab Villepin jegliche Bestrebungen auf eine Kandidatur bei den Präsidentschaftswahlen von 2007 auf und trat am 15. Mai 2007 von jeglichen Ämtern zurück.

Als Mitglied des UMP war er dort das Haupt der politischen Bewegung des "Villepinismus". Am 19. Juni 2010 gründete Villepin eine neue Partei mit dem Namen République Solidaire (Solidarische Republik).[1]

Leben[Bearbeiten]

Herkunft[Bearbeiten]

Dominique Marie François René Galouzeau de Villepin ist der Sohn von Xavier Galouzeau de Villepin, ein Senator erst des Zentrums und dann später der UMP, und von Yvonne Hétier, Ratsvorsitzende eines Verwaltungsgerichts.

Dominique de Villepin entstammt entfernt dem französischen Amtsadel. Er ist der direkte Nachfahre in vierter Generation von Marie-Eugénie de Blair de Baltayock, Baronin von Seewald (1815–1896) und ehemalige Bewohnerin des Schlosses von Châteauneuf-sur-Loire. Der Baronstitel wurde ihr von ihrem lothringischen Großvater Alexis de Crolbois vermacht, geadelt durch Franz II., Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation, am 15. März 1794. Gemäß der offiziellen Verkündigung wurde Alexis de Crolbois der Adelstitel für seine Verdienste am Hof von Trier und in Anerkennung seiner Stellung als enger Berater des Kurfürsten und Prinzen von Nassau von Saarbrücken verliehen, ebenso wie seinen Nachfahren beiderlei Geschlechtes.

Marie-Eugénie de Blair de Baltayock heiratete im 18. Jh. den Anwalt François-Xavier Galouzeau. Letzterer vermachte seinen Nachkommen seinen Familiennamen mit dem Zusatz "de Villepin" in Gedenken an seine Urgroßmutter Marie Tourmont de Villepin, sie selbst wiederum Tochter von Louis de Tourmont de Villepin, Graf von Tourmont de Villepin, und Marie Victorine de Varenne.

Dominique de Villepin entstammt somit einer Familie mit einer langen Tradition des Staatsdienstes, worunter sich Offiziere, Diplomaten, Unternehmensführer und Schüler der prestigeträchtigsten Schulen der französischen Republik (insbesondere der Militärschule Saint-Cyr, der École polytechnique, der HEC und der ENA) finden lassen. Die direkte Nachkommenschaft von Marie-Eugénie de Blair de Baltayock und ihres Ehemannes François-Xavier Galouzeau beinhaltet 18 Mitglieder der Ehrenlegion, darunter 16 für militärische Leistungen.

Jugend und Ausbildung[Bearbeiten]

Dominique de Villepin verbrachte einen Großteil seiner Kindheit im Ausland: in Afrika (u.a. Marokko), in den Vereinigten Staaten und in Lateinamerika, insbesondere in Venezuela. Später kehrt er nach Frankreich zurück und geht in ein privates Jesuitenkolleg, "Le Caousou", wo er seine Schulzeit mit einem BAC mit dem Vermerk "sehr gut" im Alter von 16 Jahren abschließt. Als Gymnasiast in Caracas ist er mit 15 Jahren anlässlich der Jugendbewegungen im Mai 1968 der einzige Streikende an seiner Schule.

Daraufhin beginnt de Villepin ein Studium am Institut d'études politiques de Paris, während er parallel einen Jura-Kurs der Universität besucht, um später an die École nationale d'administration zu wechseln, welches er 1980 ("Jahrgang Voltaire") verlässt, an der Seite von Henri de Castries, Renaud Donnedieu de Vabres, François Hollande und Ségolène Royal. Er schloss als 25. seines Jahrgangs ab.

1977 tritt de Villepin der bürgerlichen Partei Rassemblement pour la République unter Jacques Chirac bei.

Seinen Militärdienst leistet Villepin in der Marine als Offizier auf dem Flugzeugträger Clemenceau ab, bevor er seinen ersten Posten im französischen Außenministerium (Ministère des affaires étrangères et européennes) antritt.

Nach seinem Abschluss an der ENA schlägt er 1980 eine Diplomatenlaufbahn als Sekretär des Außenministeriums ein. Von 1984 bis 1992 ist er der Reihe nach erster Sekretär der französischen Botschaft in den USA, Direktor des Pressedienstes derselben Botschaft und Ratsvorsitzender der französischen Botschaft in Indien.

Heirat und Kinder[Bearbeiten]

Dominique de Villepin ist mit Marie-Laure Le Guay, geboren am 2. November 1962 in Paris seit dem 3. August 1985 verheiratet. Ihr Vater ist Roger Le Guay, dessen Familie ursprünglich aus Martinique stammt, ein amtlicher Börsenmakler in Paris.

Die Ehe hat drei Kinder hervorgebracht, darunter Marie Steiss, ein 1986 geborenes international bekanntes Mannequin.

Berufliche Laufbahn[Bearbeiten]

Nach einer Karriere im diplomatischen Dienst wurde der politische Seiteneinsteiger, der sich nie einer Wahl gestellt hat, 1993 Stabschef des damaligen Außenministers Alain Juppé. Im Präsidentschaftswahlkampf 1995 hielt er als einer der wenigen im konservativen Lager von Anfang an zu Jacques Chirac, der ihn dafür mit dem Posten des Generalsekretärs (ranghöchsten Beamten) im Élysée-Palast belohnte.

Dominique de Villepin (nach seinen Initialen besonders in Frankreich auch kurz DDV [ˌdeˌdeˈve] genannt) bekleidete ab 7. Mai 2002 das Amt des Außenministers. Als Außenminister sprach er sich vehement gegen den Angriff der USA auf den Irak aus. Im Februar 2003 erhielt seine Rede im UN-Sicherheitsrat – an diesem Ort ungewöhnlich – Applaus und weltweite Aufmerksamkeit.[2] Nach einer Kabinettsumbildung wurde er am 31. März 2004 zum Innenminister ernannt.

Am 31. Mai 2005 wurde er von Staatspräsident Jacques Chirac zum Premierminister berufen, nachdem sein Vorgänger Jean-Pierre Raffarin nach der Niederlage beim Referendum zur EU-Verfassung den Rücktritt eingereicht hatte.

Von Februar bis April 2006 stand der Regierungschef wegen einer Arbeitsrechtsreform unter Druck. Massendemonstrationen von Schülern und Studenten überall in Frankreich wurden von Gewerkschaften und Linksparteien unterstützt. Schließlich trat auch UMP-Chef Nicolas Sarkozy offen gegen die Reform ein. De Villepins Gesetzentwurf zur Lockerung des Kündigungsschutzes für Berufseinsteiger wurde schließlich aufgegeben.

Zum Ende der Amtszeit von Chirac war de Villepin in eine Verleumdungsaffäre verwickelt: Er soll auf Anfrage Chiracs Geheimdienst-Mitarbeiter auf Innenminister Nicolas Sarkozy wegen möglicher Geheimkonten angesetzt haben. Der Name Sarkozys stand auf einer gefälschten Liste von Politikern und Managern mit angeblichen Schwarzgeldkonten beim Luxemburger Finanzdienstleister Clearstream. Im Mai 2006 musste de Villepin sich einem Misstrauensantrag der linken Opposition stellen. Dank der komfortablen Mandatsmehrheit der UMP im Parlament war seine Stellung nicht ernsthaft gefährdet, dennoch blieben viele Parteifreunde der Abstimmung fern.

Nach dem Sieg Sarkozys bei der französischen Präsidentschaftswahl übergab de Villepin am 15. Mai 2007 dem scheidenden Präsidenten Jacques Chirac sein Rücktrittsschreiben. In Frankreich endet mit der Amtszeit eines Präsidenten auch automatisch die der Regierung.[3]

Im Juli 2007 nahm die französische Staatsanwaltschaft die Ermittlungen in der Clearstream-Affäre wieder auf und eröffnete Ende des Monats ein Ermittlungsverfahren gegen de Villepin, unter anderem wegen „Mittäterschaft bei verleumderischer Denunziation“.[4] Seit dem 21. September 2009 musste sich de Villepin vor Gericht verantworten. Am 28. Januar 2010 wurde er freigesprochen. Die Staatsanwaltschaft kündigte an, in Berufung gehen zu wollen.[5]

Am 11. Dezember 2011 kündigte de Villepin in einem Interview mit dem Fernsehsender TF1 an, für die Präsidentschaftswahlen 2012 zu kandidieren.[6] Er erreichte aber nicht die notwendigen 500 Unterstützerunterschriften und konnte daher nicht zur Wahl antreten. Nach eigenen Angaben fehlten ihm 30 Unterschriften.[7]

Am 11. September 2012 nahm ihn die Polizei in Gewahrsam und befragte ihn in einer Gendarmeriekaserne in Paris zu einem Betrugsfall. Er soll Régis Bulot, den wegen Betrug inhaftierten, ehemaligen Leiter von Relais & Châteaux, vor dem Zugriff der Justiz beschützt haben.[8]

Literarische Verarbeitung[Bearbeiten]

In dem rund 200 Seiten starken Comic "Quai d'Orsay - Hinter den Kulissen der Macht" des französischen Comiczeichners Christophe Blain und des langjährigen Ministerialarbeiters Abel Lanzac (Pseudonym) dient Villepin als Vorlage für die Hauptfigur, den fiktiven französischen Außenminister Alexandre Taillard de Vorms, der sich angesichts eines drohenden Krieges in dem fiktiven arabischen Land Lousdem gegen die amerikanischen Kriegsbestrebungen stellt. Der Comic bezieht sich eindeutig auf den Irakkrieg, lediglich die Namen von Politikern wurden verändert. Taillard de Vorms wird als energischer, aber auch exentrischer Politiker dargestellt.[9]

Schriften[Bearbeiten]

  • 2001: Les Cent-Jours ou l'esprit de sacrifice, éd. Perrin (über das Ende Napoleons, ausgezeichnet mit dem Preis der Fondation Napoléon)
  • 2002: Le cri de la gargouille. éd. Albin Michel
  • 2003: Éloge des voleurs de feu. éd. NRF-Gallimard
  • 2003: Vorwort von Vers un nouveau monde? éd. Stanley Hoffmann
  • 2003: Vorwort von Aventuriers du monde 1866–1914: Les grands explorateurs français au temps des premiers photographes (Sammelband)
  • 2004: Le requin et la mouette

Der US-amerikanische Verlag Melville House gab unter dem Titel Towards a New World in den USA eine Auswahl der Reden Villepins als Außenminister vom Mai 2002 bis März 2004 in Buchform heraus.

Zitate[Bearbeiten]

Während einer Rede im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 14. Februar 2003, kurz vor Beginn des Irakkrieges:[10]

„L'option de la guerre peut apparaître a priori la plus rapide. Mais n'oublions pas qu'après avoir gagné la guerre, il faut construire la paix.“
(„Die Option eines Krieges kann a priori als die schnellste erscheinen. Aber vergessen wir nicht, dass nachdem der Krieg gewonnen ist, der Frieden aufgebaut werden muss.“)

Als Begründung, wieso er nicht zu Wahlen antrete:

Abgeordnete sind „des connards élus par des nuls“, also von Versagern gewählte Vollidioten.[11]

Literatur[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  1. http://www.nzz.ch/nachrichten/international/kampfansage_an_sarkozy_1.5302715.html
  2. Caroline Wyatt: Profile: Dominique de Villepin (englisch) In: news.bbc.co.uk. BBC. 28. Januar 2010. Archiviert vom Original am 27. Januar 2013. Abgerufen am 27. Januar 2013.
  3. Villepin tritt am Mittwoch zurück, Neue Zürcher Zeitung vom 11. Mai 2007
  4. Justiz ermittelt gegen Ex-Premier Villepin (Die ursprüngliche Seite ist nicht mehr abrufbar.)[1] [2] Vorlage:Toter Link/www.tagesschau.de → Erläuterung, tagesschau.de vom 27. Juli 2007
  5. Spiegel-Online 29. Januar 2010: Sarkozy-Rivale Villepin soll erneut vor Gericht
  6. Sarkozys Erzfeind Villepin will Präsident werden. Süddeutsche Zeitung. 12. Dezember 2011. Abgerufen am 13. Dezember 2011.
  7. Sarkozy-Rivale Villepin vor dem Aus. Süddeutsche.de, 16. März 2012, abgerufen am 19. März 2012.
  8. Untersuchung gegen Ex-Premierminister Villepin
  9. [3]
  10. Déclarations de politique étrangère: Intervention du Ministre des Affaires Étrangères, M. Dominique de Villepin, au Conseil de Sécurité des Nations Unies, New York, 14. Februar 2003
  11. http://fboizard.blog.lemonde.fr/fboizard/2005/10/lhomme_qui_saim.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Dominique de Villepin – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien