Jeremy Thorpe

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Jeremy Thorpe (* 29. April 1929 in London) ist ein britischer Politiker der Liberal Party.

Leben[Bearbeiten]

Sein Vater war der britische, konservative Politiker John Henry Thorpe. Thorpe besuchte das Eton College und danach das Trinity College in Oxford, wo er Rechtswissenschaften studierte. Nach seinem Studium war er als Rechtsanwalt tätig.

Von 1959 bis 1979 war Thorpe Abgeordneter im Parlament des Vereinigten Königreichs für North Devon. Sein Vorgänger war der Abgeordnete James Louis Lindsay und nach Thorpe folgte der Abgeordnete Antony Speller für North Devon. Vom 18. Januar 1967 bis 10. Mai 1976 war Thorpe Parteivorsitzender der Liberal Party. [1] Ihm folgte nach Thorpes Rücktritt als Parteivorsitzender Jo Grimond übergangsweise, der bereits auch vor Thorpe den Parteivorsitz innehatte.

Anschuldigungen der Homosexualität[Bearbeiten]

Im Jahr 1971 ging Norman Scott, ein früherer Bekannter von Thorpe mit der Behauptung an die Öffentlichkeit, er und Thorpe hätten ein sexuelles Verhältnis miteinander gehabt. Dies geschah zu einer Zeit, in der Homosexualität im Vereinigten Königreich noch strafbar war. Thorpe bestritt die Vorwürfe und wurde durch eine interne Untersuchungskommission innerhalb der Liberal Party davon freigesprochen, was Scott jedoch nicht davon abhielt seine Behauptungen weiter aufrechtzuerhalten.[2] Im Oktober 1976 wurde Scott von einem Bekannten mit einer Schusswaffe bedroht, wobei Scotts Hund erschossen wurde. In dem anschließenden Gerichtsverfahren behauptete Scott, er sei nur deswegen noch am Leben, weil die Schusswaffe Ladehemmmung gehabt habe. Während der öffentlichen Gerichtsverhandlung wiederholte Scott seine Aussagen bezüglich des Verhältnisses mit Thorpe und gab anzügliche Briefe, die angeblich von Thorpe stammten, an die Presse weiter. Als Folge des öffentlichen Skandals musste Thorpe vom Vorsitz der Liberal Party zurücktreten. Der Täter wurde zu einer kurzen Haftstrafe verurteilt. Nach seiner Entlassung 1977 behauptete er, von Thorpe angestiftet worden zu sein, Scott zu töten. Daraufhin wurde Thorpe 1979 vor Old Bailey wegen versuchten Mordes und Anstiftung zum Mord angeklagt. Als Zeugen der Anklage traten auch Angeordnete der Liberal Party auf, die gegen Zusicherung von Straffreiheit berichteten, wie im kleinen Kreis innerhalb der Liberal Party diskutiert worden sei, wie man sich am besten Scotts entledigen könne.[3] Allerdings war die Glaubwürdigkeit dieser Zeugen nicht unumstritten. Auch dem vorsitzenden Richter wurde Befangenheit zugunsten des Angeklagten vorgeworfen. Schließlich kam die Geschworenen-Jury nach längeren Beratungen zu einem Freispruch.

Nach dem Ende seiner politische Karriere zog sich Thorpe in sein Privatleben zurück: später erkrankte er an der Parkinson-Krankheit. [4] 1999 schrieb Thorpe seine Autobiografie In My Own Time.

In erster Ehe war er mit Caroline Allpass von 1968 bis 1970 und war danach mit Marion Stein ab 1973 verheiratet. Thorpe hat einen Sohn.

Literatur[Bearbeiten]

  1. Peter Bessell: Cover-Up: The Jeremy Thorpe Affair. Simons Books, 1980.
  2. Lewis Chester, Magnus Linklater, David May: Jeremy Thorpe: A Secret Life. Fontana, 1979.
  3. Roger Courtier und Barrie Penrose: The Pencourt Files. HarperCollins, 1978.
  4. Simon Freeman und Barrie Penrose, Rinkagate: The Rise and Fall of Jeremy Thorpe. Bloomsbury, 1996.
  5. Matthew Parris: Great Parliamentary Scandals. Robson Books, 1995.
  6. Jeremy Thorpe: In My Own Time. Politico's, 1999, ISBN 1-902301-21-8.
  7. Auberon Waugh: The Last Word: An Eye-witness Account of the Thorpe Trial. Michael Joseph, 1980.
  8. Julian Glover, The Dictionary of Liberal Biography. Politico's, 1998.
  9. Dominic Carman: No Ordinary Man: A Life of George Carman. Hodder & Stoughton, 2002.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Parliament: Bust of Jeremy Thorpe
  2. The Independent: Forgiven: The belated rehabilitation of Jeremy Thorpe
  3. Roger Courtiour, Barrie Penrose: The Pencourt file, Harper & Row San Francisco (1978) ISBN 0060133430
  4. Guardian:Jeremy Thorpe: I remember the lot