Jewgeni Iwanowitsch Samjatin

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Jewgeni Samjatin, porträtiert von Boris Kustodijew.

Jewgeni Iwanowitsch Samjatin (russisch Евгений Иванович Замятин, wiss. Transliteration Evgenij Ivanovič Zamjatin; * 20. Januarjul./ 1. Februar 1884greg. in Lebedjan; † 10. März 1937 in Paris) war ein russischer Revolutionär und Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten]

Während seines Studiums als Schiffbauingenieur in Sankt Petersburg schloss er sich den Bolschewiki an. Er agitierte für die Partei, organisierte den Aufstand auf dem Panzerkreuzer Potemkin mit und beteiligte sich, nach der Februarrevolution 1917 aus der englischen Emigration nach Russland zurückgekehrt, aktiv an der Oktoberrevolution.

Gemäß Wolfgang Kasack „ernüchterte“ ihn „die Realität mit ihrer Gewalt, dem Primat der Ratio und der Leugnung des seelischen Lebens“.[1] 1920 beschrieb er in dem Roman Wir eine fiktive Gesellschaft, in der jegliche Individualität unterdrückt wurde. Samjatin zog sich aufgrund der indirekten Kritik an der sich im Aufbau befindenden sowjetischen Gesellschaft den Unmut der Parteiführung zu und erhielt Schreibverbot.

Der Roman Wir wurde 1924/25 in verschiedenen Sprachen im Ausland veröffentlicht. Erst 1988 erschien das Werk in der Sowjetunion in vollständiger russischer Fassung. Neben Wir veröffentlichte Samjatin auch verschiedene Märchen (Der Gott, Märchen über Fita etc.). 1929, nach schlimmster Hetze gegen ihn, verließ Samjatin, der zu Beginn der 20er-Jahre eine Ausreisemöglichkeit abgelehnt hatte (ein Ausreisevisum lag ihm vor), den sowjetischen Schriftstellerverband. 1931 erhielt er über Maxim Gorki die Erlaubnis Stalins, nach Frankreich auszureisen. Samjatin behielt bis zu seinem Lebensende die sowjetische Staatsbürgerschaft. Er starb 1937 in Paris und ist auf dem Friedhof von Thiais begraben.

Grab Samjatins auf dem Cimetière Parisien de Thiais

Später erschienene Romane anderer Autoren wie Schöne neue Welt von Aldous Huxley, 1984 von George Orwell, Nein – Die Welt der Angeklagten von Walter Jens und teilweise auch Fahrenheit 451 von Ray Bradbury weisen viele Ähnlichkeiten mit Samjatins Wir auf.

Werke (in deutscher Sprache)[Bearbeiten]

  • Wir. Kiepenheuer & Witsch, Köln 1958
  • Der Floh (zus. mit Der Linkshänder von Nikolai Leskow). Ellermann, Hamburg 1962
  • Die Geißel Gottes: Attila. Ellermann, Hamburg 1965
  • Morgen. Erzählungen, Essays, Dokumente. Limes, Wiesbaden 1967
  • Russland ist groß. Erzählungen und Satiren. Limes, Wiesbaden 1976
  • Wie der Mönch Erasmus geheilet ward (russisch/deutsch). Beigefügt: Begegnungen mit B. M. Kustodijew. Insel (Insel-Bücherei 1067), Leipzig 1986
  • Kleine Prosa. 2 Bände (Die Höhle / Der Norden). Fischer Taschenbuch, Frankfurt am Main 1989/90
  • Ausgewählte Werke. 4 Bände. Kiepenheuer, Leipzig 1991

Libretto

  • Die Nase. Oper (zusammen mit Georgij Jonin, Aleksandr Prejs und Dmitri Schostakowitsch). Musik (1927/28): Dmitri Schostakowitsch. UA 1930 Leningrad

Literatur[Bearbeiten]

  • Gabriele Leech-Anspach: Evgenij Zamjatin. Häretiker im Namen des Menschen. Harrassowitz, Wiesbaden 1976, ISBN 3-447-01710-4.
  • Leonore Scheffler: Evgenij Zamjatin. Sein Weltbild und seine literarische Thematik (= Bausteine zur Geschichte der Literatur bei den Slaven. Bd. 20). Böhlau, Köln u. a. 1984, ISBN 3-412-06783-0 (Zugleich: Tübingen, Univ., Habil.-Schr., 1983).
  • Wolf Schmid: Ornamentales Erzählen in der russischen Moderne. ČechovBabel – Zamjatin (= Slavische Literaturen. Bd. 2). Lang Frankfurt am Main u. a. 1992, ISBN 3-631-44242-4.

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Kasack: Russische Autoren in Einzelporträts (= Reclams Universal-Bibliothek. Nr. 9322). Reclam, Stuttgart 1994, ISBN 3-15-009322-8, S. 318.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Yevgeny Zamyatin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien