Jovan Divjak

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Jovan Divjak (2006)

Jovan Divjak (Spitzname: Onkel Jovo[1]; * 11. März 1937 in Belgrad, Jugoslawien, heute Serbien) ist ein bosnisch-serbischer General. Er wird wegen seiner Rolle als Kommandeur der sogenannten Territorialeinheiten[2] bei der Belagerung von Sarajevo während des Bosnienkrieges von vielen Bosniern als „Held der Verteidigung Sarajevos“ angesehen. Er war der einzige serbische General, der in der bosnischen Armee in der Führungsebene tätig war.[1]

Er wird von der serbischen Regierung beschuldigt, an Kriegsverbrechen im Zuge eines Angriffs am 3. Mai 1992 auf abziehende jugoslawische Streitkräfte in Sarajevo beteiligt gewesen zu sein.[3] Laut serbischen Angaben sollen dabei 42 Menschen umgekommen sein.[1] Anderen Berichten zufolge soll er erfolglos versucht haben, den Angriff zu verhindern. [2] Dies wird durch Videoaufnahmen des besagten Tages und durch Aussagen des UN-Generals McKenzie gestützt.[4] Das Haager Kriegsverbrechertribunal verzichtete nach einer Untersuchung des Ereignisses[5] auf Anklagen.[6]

Seit einigen Jahren leitet Divjak eine Hilfsorganisation für Waisenkinder aller Volksgruppen.[2] Er ist Ehrenbürger der französischen Städte Grenoble, Villerest und Saumur, sowie der italienischen Städte Padova und Montesilvano. Darüber hinaus ist er als erster Bosnier mit der höchsten Auszeichnung der französischen Ehrenlegion gewürdigt worden und erhielt 2008 von der Gesellschaft für bedrohte Völker, den Victor-Gollancz-Preis.[7]

Verhaftung in Wien[Bearbeiten]

Jovan Divjak wurde am 4. März 2011 im Flughafen Wien aufgrund eines Haftbefehls Serbiens auf Grundlage eine bilateralen Abkommens[8] verhaftet. Am 7. März fand eine Demonstration von circa 800 Menschen für seine Freilassung in Wien statt. Laut dem österreichischen Außenminister Michael Spindelegger erfolgt keine Auslieferung an Serbien.[3]

Am 8. März wurde Divjak gegen eine Kaution in der Höhe von 500.000 Euro aus der Haft entlassen. Die serbische Sonderstaatsanwaltschaft für Kriegsverbrechen stellte am 9. März einen Auslieferungsantrag. Der Auslieferungsantrag wurde am 29. Juli 2011 von der Staatsanwaltschaft Korneuburg abgelehnt[9] worauf Divjak nach Sarajevo ausreiste.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Divjak soll nicht an Serbien ausgeliefert werden. In: ORF. 7. März 2011, abgerufen am 7. März 2011.
  2. a b c Erich Rathfelder: Der General, der Sarajevo verteidigte. In: die tageszeitung. 7. März 2011, abgerufen am 7. März 2011.
  3. a b Bosnischer Ex-General auf Flughafen Wien verhaftet. In: ORF. 4. März 2011, abgerufen am 7. März 2011.
  4. http://www.youtube.com/watch?v=l4Z6cEXxmwM
  5. ROR1104. In: ICTY. 17. Juni 2003, abgerufen am 1. Mai 2011 (englisch).
  6. Serbiens Jagd auf einen serbischen General. In: Neue Zürcher Zeitung. 4. März 2011, abgerufen am 4. März 2011.
  7. Victor-Gollancz-Preisträger 2008. Jovan Divjak, General a. D. der Armee Bosnien-Herzegowinas. In: Gesellschaft für bedrohte Völker. Abgerufen am 17. März 2011.
  8. BGBl. III Nr. 20/2005. In: RIS. 16. Februar 2005, abgerufen am 1. Mai 2011.
  9. Wien liefert bosnischen Ex-General Divjak nicht aus. In: derstandard.at. 29. Juli 2011, abgerufen am 29. Juli 2011.
  10. Erich Rathfelder: Der populärste Mensch in Sarajevo. In: die tageszeitung. 1. August 2011, abgerufen am 1. August 2011.