Königliches Schloss Berchtesgaden

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
180°-Ansicht des Schloss Berchtesgaden mit Stiftskirche und Schlossplatz

Das Königliche Schloss Berchtesgaden ist ein ehemaliges Augustiner-Chorherrenstiftsgebäude in Berchtesgaden, dessen Anfänge etwa ins Jahr 1102 zurückreichen und das nach mehreren Umbauten auch als Residenz der Fürstpropstei Berchtesgaden diente. Ab 1810 befand es sich im Besitz des Bayerischen Königshauses und ist heute Eigentum des Wittelsbacher Ausgleichsfonds.

Geschichte[Bearbeiten]

Die Anfänge[Bearbeiten]

Der Innenhof des Schlosses

Gräfin Irmingard von Sulzbach gelobte die Gründung eines Augustiner-Chorherrenstifts. Ein Jahr nach ihrem Tod nahm dessen Errichtung 1102 seinen Anfang und wurde 1112 (nach anderen Quellen 1116) durch den ersten Propst Eberwin dann kontinuierlich fortgesetzt. Beginnend mit bis zu sieben Chorherren (die ersten aus Rottenbuch im Allgäu) veranlasste Eberwin Rodungen und erweiterte das Stift nach und nach. So wurde unter seiner Ägide 1122 ein Bauabschnitt oder „Notbau“ der zum heutigen Schlossensemble gehörenden Stiftskirche St. Peter und Johannes der Täufer von dem Salzburger Erzbischof Konrad geweiht.[1][2] Dem folgten nach seinem Tod in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts ein massivere Bauausführung als dreischiffige romanische Pfeilerbasilika und vermutlich auch die ersten Türme, von denen es jedoch weder eine Beschreibung noch ein Abbildung gibt.[3]

In den folgenden Jahrhunderten wurden die angrenzenden Klostergebäude ebenfalls immer weiter ausgebaut. Auf der Ostseite des um 1180 erbauten romanischen Kreuzgangs entstand eine zweischiffige gotische Halle. Ihr folgten auf der Südseite um 1500 Renaissance-Säle. 1725 entstand der barocke Südflügel. Da die Chorherren nie genug Geld hatten, alles auf einmal zurückzubauen und ein gänzliche neues Gebäude zu errichten, haben sich die Bauten bis heute erhalten.

Als Sitz der jeweiligen Stifts- und Fürstpröpste fungierten diese Gebäude zugleich als weltliche Residenz der Landesherren eines reichsunmittelbaren Staates, der als Berchtesgadener Land bzw. Fürstpropstei Berchtesgaden bis zu seiner Mediatisierung im Zuge der Säkularisation im Jahre 1803 existierte.

Siehe auch Geschichtsabschnitte: Fürstpropstei Berchtesgaden und Berchtesgaden

Jagdschloss der bayerischen Könige[Bearbeiten]

Nach der Säkularisation im Jahr 1803 und dem damit verbundenen Ende der pröpstlichen Herrschaft war das Land Berchtesgaden erst dem neugegründeten Kurfürstentum Salzburg, ab 1805 dem Kaiserreich Österreich und 1809 für kurze Zeit Napoleons Frankreich einverleibt worden. 1810 kam es schließlich zum Königreich Bayern.

1818 wurde der älteste Teil des Schlosses als Sommersitz für König Maximilian I. eingerichtet, während die erste und zweite Etage sowie das Archivgebäude bis 1828 an das Landgericht verpachtet waren. Neben Maximilian I. hielten sich auch noch die ihm nachfahrenden bayerischen Könige Ludwig I. und Maximilian II., der sich zudem in Berchtesgaden die Königliche Villa errichten ließ, [4] und insbesondere der Prinzregent Luitpold und dessen Sohn König Ludwig III. des Öfteren im ehemaligen Stift auf.[5]

Nachdem er 1918 im Zuge der Novemberrevolution seine Anwartschaft auf den Thron verloren hatte, bezog Kronprinz Rupprecht von Bayern mit seiner Familie das Schloss in Berchtesgaden. Ihr Aufenthalt währte von 1922 bis 1933 und es kamen darin drei seiner Kinder zur Welt.

Derzeit wird das Schloss zuweilen noch von Rupprechts Enkel Franz Herzog von Bayern als Nebenwohnsitz genutzt.

Nutzung durch das Landgericht Traunstein[Bearbeiten]

1952 hat das Landgericht Traunstein im Schloss den bundesweit Aufsehen erregenden „Küßwetter-Prozess“ geführt. Der Forstmeister Georg Küßwetter und weitere Forstleute waren der Brandstiftung mehrerer Almhütten sowie der Sprengung des einstigen Wehrmachthauses unter dem Blaueisgletscher angeklagt. Küßwetters Anstiftung dieser Straftaten war nicht zuletzt in seiner Touristenfeindlichkeit begründet, wollte er doch im Fall des Wehrmachtshauses dessen Nutzung als neue Blaueishütte durch den Alpenverein verhindern.[6][7][8]

Museen[Bearbeiten]

Schlossmuseum[Bearbeiten]

Räume[Bearbeiten]

Bereits Kronprinz Rupprecht machte das Schloss der Öffentlichkeit zugänglich. 30 von 120 Räumen werden noch heute gezeigt. Rupprecht richtete sie mit originalen Möbel, Tapisserien und Gemälden aus der jeweiligen Zeit ein. Drei reich bestückte Rüstkammern zeigen Jagdgewehre und -pistolen aus drei Jahrhunderten. Saufedern, Hellebarden und Partisanen flankieren hochwertige Rüstungen.

Auch besondere Möbelstücke warten auf den Besucher. Der sogenannte Liedertisch aus dem Jahr 1591 ist ein Tisch, dessen aus Solnhofener Stein bestehende Tischplatte mit Salpetersäure bearbeitet wurde. Auf der Tischplatte befindet sich eine sechsstimmige Motette von Palästrina, die Passion Christi, ein immerwährender Kalender, Allegorien der Planeten und das Wappen des Hauses Wittelsbach.

Ein barocker Schreibschrank aus dem Jahre 1750 ist als Sträflingsschrank bekannt. Der Schreinermeister Johann Georg Wahl fertigte ihn für Kurfürst Karl Theodor von der Pfalz an, nachdem ihn dieser wegen Missbrauchs des Kurfürstlichen Siegels zu einer Haftstrafe verurteilt hatte. Der Schrank sollte eine Begnadigung Wahls erwirken. Er enthält 72 Schubladen, wovon zwei Geheimschubladen sind. Er ist mit Intarsien aus Perlmutt, Elfenbein, Ebenholz und gefärbten Holz verziert.

Großer Speisesaal mit Tafelaufsatz aus Nymphenburger Porzellan

Im Schloss befindet sich in den ehemaligen Wohnräumen Kronprinz Rupprechts der Große Speisesaal, in dem das wertvolle Nymphenburger Porzellan als Dekor benutzt wird. Man kann einen Tafelaufsatz von 1755 betrachten, der den Nymphenburger Schlossgarten darstellen soll. Als der Tafelaufsatz zum ersten Mal präsentiert wurde, war er eine solche Attraktion, dass das wertvolle Porzellan durch Wachen geschützt werden musste.

Neben dem Mobiliar sind viele Kunstwerke und Gemälde im Schloss zu besichtigen, darunter wertvolle Werke von berühmten Künstlern wie Tilman Riemenschneider, Veit Stoß, Peter Gertner, Barthel Beham und Gemälde der Münchner Schule.

Im Sommer ist bei schönem Wetter auch der kleine Rosengarten zu besichtigen.

Führungen[Bearbeiten]

Die Räume sind nur im Rahmen einer Führung zu besichtigen, die sich über 30 Räume erstreckt. Diese werden ganzjährig angeboten. Vor und um Weihnachten bietet das Schloss Berchtesgaden Abendführungen an. Der Schein von gedimmten Lüstern und bis zu 800 Kerzen vermittelt dem Besucher eine besondere Atmosphäre. Während der Führung warten außerdem ein paar Überraschungen auf den Besucher. In der Vorweihnachtszeit gibt es besondere Adventsführungen mit weihnachtlichen Texten und Gesang. Das Schloss Berchtesgaden bietet außerdem eine Musikführung an, während der eine Sängerin in verschiedenen Räumen passende Musik vorträgt und so den Museumsbesuch lebendiger wirken lässt. Geboten werden Stücke von Mozart bis Sinatra.

Rehmuseum[Bearbeiten]

Seit dem Jahr 2005 ist in den Stallungen des Schlosses das Rehmuseum untergebracht. Vor allem für Jagd- und Naturfreunde bietet es einen interessanten Einblick in die Wildwissenschaft.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Augustinerchorherrenstift Berchtesgaden – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Manfred Feulner: Berchtesgaden – Geschichte des Landes und seiner Bewohner. S. 18
  2. A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit, Stichwort: Geschichte des Landes, S. 106 bis 111, S. 107–108.
  3. A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Stichwort: Stiftskirche S. 338 f.
  4. Dieter Meister: Der Ruhepol von Königen, Künstlern, Kaffeetrinkern und Kindern. In: Berchtesgadener Anzeiger, ohne Datumsangabe
  5. Hellmut Schöner (Hrsg.), A. Helm: Berchtesgaden im Wandel der Zeit. Stichwort: Schloß S. 310
  6. Endlich ist der Standort lawinensicher. In: Süddeutsche Zeitung, 9. August 2009, zu Absatz „Küßwetter“
  7.  Schaun’s in die Ramsau. In: Der Spiegel. Nr. 32, 1952 (online).
  8. Zum Beleg des Prozessdatums Zitat aus Hellmut Schöner: Berchtesgadener Alpen: Gebirgsführer für Wanderer und Bergsteiger S. 105 oben

47.63326944444413.003061111111Koordinaten: 47° 37′ 59,8″ N, 13° 0′ 11″ O