Kali Linux

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Kali Linux
Kali Linux Logo.png
Bildschirmfoto
كالي لينكس.png
Basisdaten
Entwickler Offensive Security
Sprache(n) mehrsprachig
Aktuelle Version 1.0.7
(27. Mai 2014)[1]
Abstammung GNU/Linux
↳ Debian GNU/Linux
↳ Kali Linux
Kernel monolithisch
Chronik WhoppiX/IWHAX und Auditor, BackTrack
Architekturen i386 (x86), AMD64 (x86-64), armel, armhf
Installations­medium DVD
Lizenz GPL[2] u. a.
Sonstiges Desktop: Gnome
Website www.kali.org

Kali Linux ist eine auf Debian beruhende Distribution, die vor allem Programme für Sicherheitstests versammelt. Obwohl Kali sich in erster Linie an professionelle Computersicherheitsfachleute richtet, steht es auch Privatanwendern zur Verfügung.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Distribution wurde von Mati Aharoni[4] und Devon Kearns[5] von der Firma Offensive Security entwickelt, am 12. Dezember 2012 vorangekündigt[6] und nach einjähriger Entwicklungszeit am 13. März 2013 mit der Versionsnummer 1.0 veröffentlicht.[7][8]

Kali Linux ist der offizielle Nachfolger von BackTrack, das wiederum auf früheren Versionen der Linux-Distributionen Whoppix, IWHAX, und Auditor entwickelt wurde.[9] Der Namenswechsel von BackTrack zu Kali Linux soll dem Hersteller zufolge anzeigen, dass es sich um eine bedeutsam fortgeschrittene Neuentwicklung handelt.[10] Im Gegensatz zu seinem Vorgänger setzt Kali Linux nicht auf Ubuntu, sondern auf Debian. Das gesamte Betriebssystem wurde komplett neu erstellt und eine entsprechende Infrastruktur mit Git als Versionsverwaltung aufgebaut.[11]

Bisherige Versionen[12]
Version Veröffentlichung Neuerungen
1.0 13. März 2013  
1.0.1 14. März 2013 Fehler bei USB-Tastaturen behoben.
1.0.2 27. März 2013 Behob kleinere Fehler.
1.0.3 26. April 2013 Programme für barrierefreie Nutzung; Möglichkeit aus der LiveCD zu installieren.
1.0.4 25. Juli 2013 Zusätzliche Programme, Updates.
1.0.5 5. September 2013 Möglichkeit einer verschlüsselten Installation.
1.0.6 9. Januar 2014  
1.0.7 27. Mai 2014 Kernel 3.14, Programm- und Paketupdates, Kali Live Encrypted USB Persistence hinzugefügt
Server der RWTH Aachen

Beachtung[Bearbeiten]

Die Distribution wurde in der Fachpresse wiederholt ausführlich beschrieben und gewürdigt, beispielsweise resümierte Jörg Riether, ein Spezialist für IT-Sicherheit, anlässlich der Veröffentlichung der Version 1.0 in der Fachzeitschrift iX, dass Kali Linux „den weltweiten De-facto-Standard für auf IT-Sicherheit fokussierte Distributionen“ definiere.[13]

Einen der offiziellen Spiegelserver zum Download von Kali Linux stellt die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen,[14] also die Informatik-Fakultät der größten Universität für technische Studiengänge in Deutschland. Insgesamt millionenfach wurde Kali Linux heruntergeladen, so Offensive Security, die Herstellerfirma von Kali, es sei das meistverwendete Software-Gefüge für Computereinbruchstests.[15] Dementsprechend platzierte sich Kali Linux im Januar 2014 auch unter den 20 meistgefragten Linux-Distributionen auf der namhaften Website Distrowatch.[16]

Kali hat außerdem eine so große Aufmerksamkeit erlangt, dass 2013/14 mehrere Bücher erschienen sind, die ausdrücklich nur zu seiner Benutzung anleiten[17] und teilweise in ihrem Fachbereich Bestseller wurden.[18]

Architekturen[Bearbeiten]

Raspberry Pi
Raspberry Pi
WMUK Samsung Chromebook.JPG
Samsung Chromebook

Kali Linux ist für Computer mit verschieden aufgebauten Hauptprozessoren verfügbar: sowohl für x86er-Systeme und AMD64 als auch für die ARM-Architektur, die in vielen kleineren Geräten wie Tabletcomputern eingesetzt wird. Die ARM-Fassung von Kali kann beispielsweise auf dem Raspberry Pi und dem ARM Chromebook von Samsung benutzt werden.[19]


Programme[Bearbeiten]

Die Distribution enthält Dokumentationen und über 300 Hilfsmittel, mit denen die Sicherheit eines Computersystems getestet und bewertet werden kann.[20] Die genutzten Programme lassen sich auch einzeln unter den meisten Linux-Distributionen installieren, allerdings stellt Kali Linux automatisch Optimierungen, wie zum Beispiel modifizierte Treiber für Aircrack-ng, zur Verfügung. Die Programme werden viermal täglich aus dem Debian-Repository bezogen, womit sichergestellt wird, dass die Anwender von Kali über solide aktuelle Software-Pakete und Sicherheits-Updates verfügen.[21] Darüber hinaus können die allerneuesten, aber noch nicht ausgiebig unter Kali Linux getesteten Versionen über eine eigene Paketquelle namens „Kali bleeding edge“ bezogen werden.[22]

Wichtige in Kali Linux enthaltene Werkzeuge
Name Kurzbeschreibung
Maltego Ein Programm, um Daten über Einzelpersonen oder Unternehmen im Internet zu sammeln
Kismet Passiver Sniffer zur Untersuchung von lokalen Funknetzen (engl. „Wireless Local Area Networks“, kurz: WLANs)
Social-Engineer Toolkit (SET) Programme für verschiedene Penetrationstests mit dem Schwerpunkt auf Social-Engineering.[23]
Nmap Netzwerkscanner zur groben Analyse von Netzwerken mit der Benutzeroberfläche Zenmap.
Wireshark graphischer Netzwerksniffer
Ettercap Netzwerkmanipulationstool (zum Beispiel für Man-in-the-middle-Angriff)
John the Ripper Programm zum Knacken und Testen von Passwörtern
Metasploit Framework für das Austesten und Entwickeln von Exploits
Aircrack-ng Sammlung von Tools, die es ermöglichen, Schwachstellen in WLANs zu analysieren und auszunutzen
Nemesis Paketfälscher für Netzwerke
RainbowCrack Cracker für LAN-Manager-Hashes

Rechtliches[Bearbeiten]

Kali Linux enthält Softwaretools, die zum Teil Sicherheitsvorkehrungen umgehen und die nach § 202c StGB, dem Ende Mai 2007 inkraftgetreten sogenannten Hackerparagrafen, in Deutschland als Computerprogramme zum Ausspähen von Daten aufgefasst werden. Aufgrund dieser Gesetzeslage kann bereits der Besitz oder Vertrieb strafbar sein, sofern die Absicht zu einer rechtswidrigen Nutzung nach § 202a StGB (Ausspähen von Daten) oder § 202b StGB (Abfangen von Daten) besteht.

Literatur[Bearbeiten]

  • Willie Pritchett; David De Smet: Kali Linux Cookbook. Packt Publishing, Birmingham 2013, ISBN 978-1-78328-959-2
  • James Broad; Andrew Bindner: Penetration Testing with Kali. Syngress Media (Elsevier), Burlington, Mass. 2013, ISBN 978-0-12-407749-2
  • Joseph Muniz; Aamir Lakhani: Web Penetration Testing with Kali Linux: a practical guide to implementing penetration testing strategies on websites, web applications, and standard web protocols with Kali Linux. Packt Publishing, Birmingham 2013, ISBN 978-1-78216-316-9

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kali Linux – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKali Linux Releases. Abgerufen am 30. Mai 2014.
  2. Kali Linux. In: „Offensive-security.com“. Abgerufen am 4. Februar 2014 (englisch): „Kali Linux is a GPL-compliant Linux distribution […]“
  3. Should I Use Kali Linux? In: Kali.org. 16. Februar 2013, abgerufen am 29. Januar 2014 (englisch): „The fact of the matter is however, that Kali is a Linux distribution specifically geared towards professional penetration testing and security auditing and as such, it is NOT a recommended distribution for those unfamiliar with Linux.“
  4. Kali Linux. In: Ohloh.net. Abgerufen am 5. Februar 2014 (englisch): „Contributors : Mati Aharoni (Kali Linux Developer)“
  5. Devon Kearns, @dookie2000ca. Abgerufen am 5. Februar 2014 (englisch): „Offsec Instructor, Kali Developer, Exploit-DB Admin, Author, […]“
  6. Mati Aharoni: The Birth of Kali Linux. In: „Kali.org“. 12. Dezember 2012, abgerufen am 5. Februar 2014 (englisch).
  7. Kali Linux Has Been Released! In: „Offensive-security.com“. 13. März 2013, abgerufen am 5. Februar 2014 (englisch): „After a year of silent development, Offensive Security is proud to announce the release and public availability of “Kali Linux“, the most advanced, robust, and stable penetration testing distribution to date.“
  8. NEW – Distribution Release: Kali Linux 1.0. In: „Distrowatch.com“. 14. März 2013, abgerufen am 5. Februar 2014 (englisch): „Offensive Security has announced the release of Kali Linux 1.0 […]. This is a major new update of the project's flagship distribution formerly known as BackTrack […]“
  9. Kali Linux. In: „Offensive-security.com“. Abgerufen am 4. Februar 2014 (englisch): „Kali Linux originally started with earlier versions of live Linux distributions called BackTrack, Whoppix, IWHAX, and Auditor.“
  10. Mati Aharoni: The Birth of Kali Linux. Kali Linux – What's in a Name? In: „Kali.org“. 12. Dezember 2012, abgerufen am 5. Februar 2014 (englisch): „Hindu Goddess of time and change? Philippine martial art? Cool word in Swahili? None of the above. ‚Kali‘ is simply the name we came up with for our new distribution. Why change the name in the first place? With all these significant changes in our distribution, we felt that we needed to convey this in the project name. ‚BackTrack 6‘ didn’t do justice to our efforts in the past year, and wouldn’t convey our new message to our users. What’s the new message? We’ll let you find out for yourself.“
  11. Jörg Thoma: Aus Backtrack wird Kali. In: Golem.de. 14. März 2013, abgerufen am 29. Januar 2014: „Der Namenswechsel von Backtrack zu Kali geht mit zahlreichen Änderungen an der Linux-Distribution für Sicherheitstests in IT-Netzwerken einher. […] [Das Linux-System] nutzt den Kernel 3.7 samt der Distribution Debian und dem Desktop Gnome statt Ubuntu. Nutzer sollen trotzdem kaum Unterschiede bemerken.“
  12. Kali Linux Releases. Abgerufen am 21. Februar 2014.
  13. Jörg Riether: Reinkarnation. BackTracks Erben: Kali Linux 1.0. In: „iX – Magazin für professionelle Informationstechnik“. Heise Zeitschriften Verlag, 2013, abgerufen am 8. Februar 2014: „Wenn […] ein kleines Team von lediglich fünf Entwicklern zusammenhockt und […] Resultate vorlegt, die nebenbei auch noch den weltweiten De-facto-Standard für auf IT-Sicherheit fokussierte Distributionen definiert, dann darf man das als gelungen bezeichnen.“
  14. Official Kali Linux Downloads. Official Kali Mirrors. In: Kali.org. Abgerufen am 7. Februar 2014 (englisch).
  15. Kali Linux. In: „Offensive-security.com“. Abgerufen am 4. Februar 2014 (englisch): „With millions of downloads, it has become the most widely adopted penetration testing framework in existence and is used by the security community all over the world.“
  16. DistroWatch Page Hit Ranking. In: „Distrowatch.com“. Abgerufen am 29. Januar 2014 (englisch): „Last 12 months: 20; Last 6 months: 17; Last 3 months: 16; Last 1 month: 12.“
  17. Amazon-Suche nach "Kali Linux".
  18. Amazon.de bezeichnete den Titel „Kali Linux Cookbook“ im Februar 2014 als den „Bestseller Nr. 1 in Netzwerksicherheit“, das heißt als das bei ihm gefragteste Buch zum Thema Netzwerksicherheit.
  19. Darren Pauli: BackTrack successor Kali Linux launched. In: SC Magazine (Australien). 13. März 2013, abgerufen am 5. Februar 2014 (englisch): „Runs on Raspberry Pi, USBs. A computer small enough to fit inside the palm of a hand sits in the corner of an office, its lights blinking. It looks like a toy to most, but the small ARM-based machine is running the latest version of Backtrack, and is breaking into the corporate network.“
  20.  Abhinav Singh: Instant Kali Linux. Packt Publishing, Birmingham 2013, ISBN 978-1-84969-566-4, S. 3. Zitat: „Kali Linux contains over 300 penetration testing and assessment tools.“
  21.  Joseph Muniz, Aamir Lakhani: Web Penetration Testing with Kali Linux. 1. Auflage. Packt Publishing, Birmingham 2013, ISBN 978-1-78216-316-9, S. 24. Zitat: „The tools are streamlined with the Debian repositories and synchronized four times a day. That means users have the latest package updates and security fixes.“
  22. Kali Linux: Bleeding Edge Repositories. 25. März 2013, abgerufen am 29. Januar 2014 (englisch): „echo deb http://repo.kali.org/kali kali-bleeding-edge main >> /etc/apt/sources.list; apt-get update; apt-get upgrade
  23. Social-Engineer Toolkit. In: „TrustedSec.com“. Abgerufen am 8. Februar 2014 (englisch): „The Social-Engineer Toolkit (SET) […] is an open-source Python-driven tool aimed at penetration testing around Social-Engineering.“