Kastell Gariannonum

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Die Sachsenküstenkastelle um 380 n. Chr.
Ostmauer
Rundturm an der Ostmauer

Gariannonum, auch Garrianonum oder Garriano geschrieben, heute Burgh Castle, eine Gemeinde des County of Norfolk in England, war ein zwischen 260 und 270 n. Chr. erbautes römisches Kastell. Gariannonum sicherte zusammen mit Caister-on-Sea an der Sachsenküste das Mündungsgebiet des Yare. Die Kastellruine steht heute unter dem Schutz des English Heritage.

Name[Bearbeiten]

Der antike Name Gariannonum stammt ursprünglich von der Benennung des Flusses Gariennus, in der Geographica (2, 3, 4) des Ptolemäus aus dem 2. nachchristlichen Jahrhundert.

Lage[Bearbeiten]

Die Anlage befindet sich am Ostufer des Waveney, sechs Kilometer westlich von Great Yarmouth im Naturschutzgebiet des Broads National Park. Das Kastell wird nicht – wie einige andere – in Strabons Geographica erwähnt was aber nicht verwundert, da es erst im 4. Jahrhundert n. Chr. erbaut wurde. Der Yare wird in diesem Werk als Gariennus bezeichnet, gelegen zwischen den Metaris Aestuarium (heute Wash) im Norden und einer nicht näher bezeichneten Landzunge im Süden. Das Kastell stand damals noch direkt am Flussufer und ist auch nicht weit vom benachbarten Kastell Caister-on-Sea entfernt, das sich an der gegenüberliegenden Seite der ausgedehnten Flussmündung befindet. Römerstraßen von und nach Gariannum sind nicht bekannt, es liegt nahe, dass es nur von See aus versorgt wurde. Die Verbindung zu anderen Kastellen oder Siedlungen an der Sachsenküste wie z. B. Venta Icenorum (Caistor by Norwich) konnte rasch und bequem über die Flüsse Gariannus und über den Bure nach Brampton aufrechterhalten werden. Ob auch eine Überlandroute nach Caister on Sea existierte ist heute umstritten.

Blick auf die zerstörte Westseite

Besatzung[Bearbeiten]

Laut der Notitia Dignitatum beherbergte Gariannonor (wie es dort genannt wird) Auxiliarreiter der Equites Stablesiani Gariannonensis, eine Eliteabteilung der Stablesiani (Gardetruppe des Statthalters) unter dem Kommando des Comes litoris Saxonici per Britanniam als Garnisonstruppe (Notitia Dignitatum XXVIII).

Kastell[Bearbeiten]

Vom Grundriss her noch im Stil des 2. Jahrhunderts n. Chr. errichtet (abgerundete Ecken) wurde die Festung später mit vorkragenden Wehrtürmen nachträglich modernisiert. Diese – insgesamt zehn – Hufeisentürme wurden in regelmäßigen Intervallen an die Mauer angebaut. Die Türme hatten eine Plattform mit einer Vertiefung in der Mitte, vielleicht zur Befestigung einer Ballista.

Ungewöhnlich für römische Bauten in Großbritannien sind Wehrmauer und Bastionen des Kastells noch relativ gut erhalten. Die Mauer umschloss ein unregelmäßiges trapezförmiges Areal von ungefähr 2,4 ha. Die Ostseite ist um 15 m kürzer als die Westseite, die ungefähr 200 m lang war. Die Dicke des Mauerringes variiert allerdings an manchen Stellen. Der Westwall und Teile des Nord- und Südwalles sind 2,02 m dick, während der massivere Ostwall, erbaut auf etwas höherem Grund, mehr als 3,02 m in der Breite misst. Die westliche Sektion der Befestigung wurde im Lauf der Jahrhunderte zwar vom Yare fortgespült aber ihre Fundamente konnten noch nachgewiesen werden. In der Mitte des Ostwalles hat sich auch noch ein Tor erhalten. Die aus Flintstein bestehende Ringmauer ragt an einigen Stellen heute immer noch bis zu einer Höhe von vier Meter auf. Die Innenseite der Mauer verläuft nicht vertikal, sondern nach oben hin abgeschrägt. Diese Konstruktionsart machte eine innere Erdrampe überflüssig. Die für die Spätantike typischen Ziegelbänder an der Außenseite sorgen für eine zusätzliche Festigung der äußeren Verblendung an den Gussmörtelkern.

Die Mauern von Gariannonum in ihrem heutigen Zustand, Ansicht Innenbereich

Im Innenbereich fanden sich Spuren einer flächendeckenden Bebauung aus der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts - allerdings noch im Stil der mittleren Kaiserzeit. Eines der Gebäude war direkt an die NO-Mauer angebaut worden.[1]

Literatur[Bearbeiten]

  • Nic Fields: Rome’s Saxon Shore Coastal Defences of Roman Britain AD 250–500. (Fortress 56), Osprey, Oxford 2006, ISBN 978-1-84603-094-9.
  •  Jürgen Oldenstein: Kastell Alzey. Archäologische Untersuchungen im spätrömischen Lager und Studien zur Grenzverteidigung im Mainzer Dukat. 2009 (Habilitationsschrift Universität Mainz 1992, PDF, 14,9 MB). S. 261.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Gariannonum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Jürgen Oldenstein, 2009, S. 261

52.585471.65365Koordinaten: 52° 35′ 8″ N, 1° 39′ 13″ O