Kożuchów

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Kożuchów
Wappen von Kożuchów
Kożuchów (Polen)
Kożuchów
Kożuchów
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Lebus
Landkreis: Nowa Sól
Fläche: 5,95 km²
Geographische Lage: 51° 45′ N, 15° 36′ O51.7515.6Koordinaten: 51° 45′ 0″ N, 15° 36′ 0″ O
Höhe: 99 m n.p.m
Einwohner: 9697
(30. Jun. 2013)[1]
Postleitzahl: 67-120
Telefonvorwahl: (+48) 68
Kfz-Kennzeichen: FNW
Wirtschaft und Verkehr
Straße: Nowa SólŻagań
Nächster int. Flughafen: Breslau
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Gemeindegliederung: 22 Ortschaften
19 Schulzenämter
Fläche: 178,82 km²
Einwohner: 16.298
(30. Jun. 2013)[2]
Bevölkerungsdichte: 91 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0804043
Verwaltung (Stand: 2012)
Bürgermeister: Andrzej Ogrodnik
Adresse: Rynek 1A
67-120 Kożuchów
Webpräsenz: www.kozuchow.pl

Kożuchów [kɔˈʒuxuf] (deutsch Freystadt) ist eine Stadt im Powiat Nowosolski in der Woiwodschaft Lebus in Polen. Sie liegt in der historischen Region Niederschlesien.

Geschichte[Bearbeiten]

Kożuchów

Die Gründung der Stadt erfolgte um 1260 durch Herzog Konrad I. von Glogau auf dessen Vorwerk in Siegersdorf. Dieses Dorf am Siegerbach war etwa 40 Jahre zuvor durch fränkische Siedler im Zuge der Besiedlung der Grenzwälder um Sagan errichtet worden. Die neue Stadt mit Marktplatz (Ring) und rechtwinkligen Straßenzügen, die zunächst Cosuchow genannt wurde, war mitten in das alte Waldhufendorf hineingebaut worden. Umgeben war die Stadt von einer doppelten Stadtmauer.

Kirche und Hospital zum Heiligen Geist

Das älteste Gotteshaus von Freystadt ist die Heiliggeist-Kirche, die zunächst Dorfkirche von Nieder-Siegersdorf war. Sie ist erstmals für das Jahr 1273 mit der Nennung eines Pfarrers Heinrich von Cosuchow belegt. Das bei dieser Kirche bestehende Hospital wurde um 1280 erbaut und dem Deutschen Orden übergeben. Für das Jahr 1295 sind der Kastellan Dietrich von Pesna und ein Erbvogt belegt. Von Dietrich von Pesna erwarb Peter Unglowbe, Patrizier zu Sagan[3] die Dörfer Zissendorf (Cisów), Nieder-Siegersdorf (Podbrzezie Dolne) und Reichenau (Słocina) im Umland von Freystadt. Einkünfte aus diesen Allodien stiftete er dem Spital zum Heiligen Geist zu Freystadt zu seinem und seiner Familie Seelenheil. Erst Ende des 13. Jahrhunderts wurde am Ring in Wrigenstat die Pfarrkirche St. Marien errichtet, die 1488, 1554 und 1637 durch Stadtbrände zerstört worden ist. Den verheerenden Brand von Freystadt in der Nacht vom 8. auf den 9. Juli 1637 schilderte der Dichter Andreas Gryphius in Fewrige Freystadt.[4] Mit diesem Bericht, der auf seinen eigenen und den Beobachtungen weiterer Augenzeugen beruhte, machte sich Gryphius viele Feinde, weil er nicht nur die kriegsbedingte Lage Freystadts realistisch schilderte, sondern auch das Versagen der städtischen Obrigkeit bei der Brandbekämpfung kritisierte.[5]

Zwischen 1369 und 1467 war Freystadt Sitz des Glogauer Teilherzogtums Freystadt, dessen Herzöge auf der Freystadter Burg residierten. Um 1450 besaß Freystadt, das eine bedeutende Tuchmacherzunft hatte, Münz- und Braurecht. 1488 ließ Herzog Johann II. von Sagan, der 1476 nach dem Tod des Glogauer Herzogs Heinrich XI., mit dem die direkte Glogauer Linie der Schlesischen Piasten erlosch, Ansprüche auf dessen Erbe und dadurch den Glogauer Erbfolgestreit auslöste, die Stadt plündern und anzünden.

Die herzogliche Burg wurde später zu einem Schloss umgebaut. Ab 1520 war sie an Hans von Rechenberg verpfändet, der die Reformation in Freystadt einführte und 1558–1590 an Fabian von Schoenaich. 1675 wurde das Schloss von der Stadt erworben, die es 1685 den Karmelitern übergab, die dort ein Kloster einrichteten und 1705 eine Kirche erbauten. Freystadt zählte zu den sechs schlesischen Städten, denen in der Altranstädter Konvention vom 1. September 1707 das Recht zur Errichtung einer evangelischen Gnadenkirche gewährt wurde, die zwei Jahre später als Gnadenkirche zum Weinberg Jesu errichtet wurde. Nach dem Übergang an Polen 1945 wurde sie dem Verfall preisgegeben und Anfang der 1970er Jahre abgetragen.

Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 fiel Freystadt zusammen mit dem Herzogtum Glogau, das seit 1344 ein Lehen der Krone Böhmen war, an Preußen. Ab 1816 war es Sitz des Landkreises Freystadt, mit dem es bis 1945 verbunden blieb. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts zählte Freystadt knapp 3000 Einwohner. Nachteilig in wirtschaftlicher Hinsicht wirkte sich der Bau der Chaussee BerlinBreslau aus, die über das benachbarte Neustädtel an Freystadt vorbeiführte. Zudem führte die Eisenbahn-Hauptstrecke Berlin-Breslau an Freystadt vorbei.

Als Folge des Zweiten Weltkriegs wurde Freystadt zusammen mit dem größten Teil Schlesiens durch die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz 1945 unter polnische Verwaltung gestellt und in Kożuchów umbenannt. Die deutsche Bevölkerung wurde, sofern sie nicht schon vorher geflohen war, bis 1947 vertrieben. Seit dem Deutsch-polnischen Grenzvertrag von 1990 gehört Kożuchów endgültig zu Polen. 1953 verlor Kożuchów den Kreissitz an das benachbarte Nowa Sól (Neusalz an der Oder). 1961 lebten 7512 Einwohner in der Stadt, heute sind es etwa 9600 (2005).

Gemeinde (Gmina Kożuchów)[Bearbeiten]

Die Stadt- und Landgemeinde Kożuchów umfasst ein Territorium von 179 km² und hat etwa 16.000 Einwohner. Zu ihr gehören folgende Orte (deutsche Namen bis 1945) mit einem Schulzenamt:

  • Bielice (Bielitz)
  • Broniszów (Brunzelwaldau)
  • Bulin (Bullendorf)
  • Cisów (Zissendorf)
  • Czciradz (Zyrus)
  • Drwalewice (Wallwitz)
  • Dziadoszyce (Döringau)
  • Kożuchów (Freystadt in Schlesien) – Stadt
  • Książ Śląski (Fürstenau)
  • Lasocin (Lessendorf)
  • Mirocin Dolny (Nieder Herzogswaldau)
  • Mirocin Górny (Ober Herzogswaldau)
  • Mirocin Średni (Mittel Herzogswaldau)
  • Podbrzezie Dolne (Nieder Siegersdorf)
  • Podbrzezie Górne (Ober Siegersdorf)
  • Radwanów (Seiffersdorf)
  • Słocina (Reichenau)
  • Sokołów (Zäcklau)
  • Solniki (Zölling)
  • Studzieniec (Streidelsdorf)
  • Stypułów (Herwigsdorf)
  • Zawada (Grund)
  • sowie ohne Schulzenamt: Kierzkowice

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Gotisches Schloss aus dem 14. Jahrhundert
  • Gotische Stadtpfarrkirche zur hl. Jungfrau Maria aus dem Ende des 13. Jahrhunderts
  • Fast vollständig erhaltene Stadtmauer aus dem 14./15. Jahrhundert
  • Zahlreiche Bürgerhäuser am Ring und in den Gassen der Stadtmitte aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kożuchów – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 16. November 2013.
  2. Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2013. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 16. November 2013.
  3. Wuttke (1908), Die Inventare der Nichtstaatlichen Archive Schlesiens, 1. Die Kreise Grünberg und Freystadt, Breslau, E. Wohlfarth, 1908, Urkunde Nr. 1 vom 30.September 1349
  4. Fewrige Freystadt/Andreae Gryphii. Gedruckt zur Polnischen Lissa/bey Wigand Funken
  5. Marian Szyrocki: Andreas Gryphius. Sein Leben und Werk. Tübingen 1964, S.26f.
  6. Izabela Taraszczuk: Das (Glas-)Fenster zur Welt. Das Schloss im niederschlesischen Freystadt (Kożuchów) stellte Werke der Künstlerin Elżbieta Altevogt aus. In: Schlesien heute, Nr. 7/2012, Senfkorn Verlag Alfred Theisen, S. 44