Schlesische Piasten

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Die Schlesischen Piasten waren eine von fünf Linien der Herrscherdynastie der Piasten.[1]. Fünf schlesische Piasten wurden polnische Seniorherzöge.

Geschichte[Bearbeiten]

Um 600 n. Chr. wanderten Westslawen in das Gebiet um Weichsel und Oder ein. Die Sammelbezeichnung Polanen (etwa „Feldbewohner“) wird im Geographus Bavarus (9. Jahrhundert) jedoch noch nicht erwähnt. Die Polanen dürfen auch nicht mit den Poljanen verwechselt werden, die von der Nestorchronik in der Nähe von Kiew erwähnt werden. Der erste historisch greifbare Piastenherrscher war Mieszko I. († 992), der von seiner Machtbasis in Großpolen aus die Nachbargebiete Kleinpolen, Schlesien und Pommern unterwarf und sein Reich, das er noch „Schinesghe“ nannte, im Dagome Iudex formal dem Papst schenkte, um es sich von diesem bestätigen zu lassen. Im Jahre 1000 wurde Polen durch Gründung des Erzbistums Gnesen (samt Bistum Breslau) eine eigene Kirchenprovinz und durch die Krönung Boleslaws I. zum Königreich, jedoch nahmen nicht alle folgenden Herrscher den Königstitel an.

In der vergeblichen Hoffnung, damit Erbstreitigkeiten zu vermindern, teilte Bolesław III. Schiefmund (1102–1138) zusammen mit der Einführung der Senioratsverfassung Polen unter seinen vier Söhnen auf:

Stammeltern der Schlesischen Piasten waren Herzog Władysław II. „der Vertriebene“ und Agnes, Tochter des österreichischen Markgrafen Leopold III. Sie wurden 1146 zusammen mit ihren Söhnen von Władysławs Stiefbrüdern vertrieben und fanden Aufnahme am Hof des römisch-deutschen Königs Konrad III.

Erst vier Jahre nach dem Tode Władysławs durften seine Söhne Boleslaw I. und Mieszko I. 1163 mit Hilfe Kaiser Friedrichs I. nach Schlesien zurückkehren, welches ihnen ihr Onkel Herzog Bolesław Kraushaar übertragen musste. Nachdem die Brüder zunächst gemeinsam regiert hatten, kam es im Zuge von Streitigkeiten zur Teilung des Landes. Der ältere Boleslaw erhielt Mittel- und Niederschlesien mit dem Zentrum Breslau, Mieszko erhielt das kleinere oberschlesische Gebiet Ratibor-Teschen, das 1177 um die Kastellaneien Beuthen und Auschwitz vergrößert wurde. 1202 musste Boleslaws Sohn Heinrich I. seinem Onkel Mieszko das Gebiet von Oppeln überlassen, der 1210 als Mieszko IV. für ein Jahr Seniorherzog von Polen wurde. Gleichzeitig wurde das gegenseitige Erbrecht zwischen den schlesischen Piastenzweigen aufgehoben. Damit spaltete sich die Linie der Herzöge von Oppeln ab. Immerhin wurde 1232 auch Heinrich Seniorherzog von Polen. Sein Sohn Heinrich II., musste schwer um die Position des Seniorherzogs kämpfen. Der letzte Schlesier in dieser Position war Heinrich IV. Probus, als Seniorherzog Heinrich III., er starb 1290.

Bereits 1289 unterwarf sich Herzog Kasimir II. von Cosel-Beuthen als erster schlesischer Teilherrscher der böhmischen Lehenshoheit. Bis 1342 nahmen, bis auf Schweidnitz, alle schlesischen Piastenfürsten ihre Fürstentümer vom König von Böhmen zu Lehen. Nachdem der polnische König Kasimir III. der Große bereits 1335 im Vertrag von Trentschin auf jegliche Ansprüche auf Schlesien verzichtet hatte, war die Inkorporation Schlesiens in die Krone Böhmen problemlos möglich geworden. Als letztes schlesisches Herzogtum gelangte nach dem Tod des kinderlosen Herzogs Bolko II. 1368 das Herzogtum Schweidnitz als ein Erbfürstentum an Böhmen.[2] Der testamentarische Übergang dieses Herzogtums an Böhmen wurde anlässlich der Heirat von Bolkos Nichte und Erbin Anna von Schweidnitz mit dem böhmischen König und römisch-deutschen Kaiser Karl IV. vereinbart.

In männlicher Linie erlosch die Dynastie der schlesischen Piasten 1675 mit Georg Wilhelm von Liegnitz-Brieg-Wohlau, in weiblicher 1707 mit dessen Schwester Charlotte von Holstein-Sonderburg-Wiesenburg.

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. Piasten ist eine von dem polnischen Historiker Adam Naruszewicz (1733–1796) geprägte, von den Angehörigen des Herrschergeschlechts nie selbst geführte Sammel-Bezeichnung einer Herrscherdynastie
  2. Der polnische Chronist Janko von Czarnkow berichtete um 1370, dass die schlesischen Piasten von da an nicht mehr als Glieder der Erbfolge für den polnischen Thron in Betracht gezogen wurden.