Kochsendung

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Kochshow des Jahres 2010 mit einem Koch der US-Navy in einem regionalen, US-amerikanischen TV-Sender mit dem die US-Navy auf ihre Verdienste aufmerksam machen möchte

Eine Kochsendung ist eine Hörfunk- oder Fernsehsendung, in der es in erster Linie um Kochrezepte und das Kochen geht. Daneben werden auch Haushaltstipps gegeben, oder es können neben den Kochthemen auch Gespräche geführt werden, wie zum Beispiel in Alfredissimo.

Hörfunk[Bearbeiten]

Ein Radiokoch ist eine Person, die in einer Hörfunksendung ein Gericht und dessen Zubereitung naturgemäß lediglich mit Worten beschreibt. Da der Zuhörer dieses zumindest optisch nicht mitverfolgen kann, ist es um so elementarer, ihm beispielsweise akustisch einen Eindruck über die Beschaffenheit der Zutaten und deren Weiterverarbeitung zu vermitteln.

Geschichte[Bearbeiten]

In den USA ist die Geschichte von Radiosendungen über Kochen eng mit Werbung für bestimmte Produkte verbunden. Eine der ersten über das Radio übertragenen Kochsendungen, die sich gleichzeitig zu einer der bekanntesten US-amerikanischen Radiosendungen entwickelte, zählte die mit der fiktiven Figur Betty Crocker. Washburn Crosby Company, der Vorläufer von General Mills, entschied sich bereits im Herbst 1924 dafür, eine Radio-Kochsendung mit dieser Figur zu etablieren und erwarb dafür einen Radiosender, der in einer Region von Kalifornien über Illinois bis nach Tennessee empfangen werden konnte. Am 2. Oktober 1924 wurde die erste Radio-Kochsendung unter dem Titel Good Food ausgestrahlt. Knapp 1 Jahr später, am 21. September, begann die Ausstrahlung von Kochsendungen, die im ganzen Gebiet der USA zu empfangen waren.[1] Susan Marks bewertet diesen Schritt als mutig: Die Anzahl der Radiobesitzer war zwar von 5000 im Jahre 1920 auf 2,5 Millionen im Jahr 1924 angestiegen, aber weder gehörte das Radio zur Standardausstattung eines Haushaltes noch war der Nutzen von Radiowerbung belegt. Es zeigte sich jedoch schnell, dass über Radiosendungen weitaus mehr potentielle Kunden als über selbst die umsatzstärksten Zeitungen erreicht werden konnten.[2]

Aus der ursprünglichen Radiosendung entwickelte sich u.a. The Betty Crocker Cooking School of the Air, eine über das Radio übertragene Kochschule. Viele Zuhörer partizipierten aktiv an dieser Kochsendung, deren Beginn in den gesamten USA Aufmerksamkeit erregte. Im ersten Jahr meldeten sich nicht weniger als 47.000 Zuhörer als Schüler dieser Kochsendung an, 1933 waren es bereits 250.000.[3] Wer sich anmeldete, erhielt einen Fragebögen zu den Rezepten, die zusammen mit der Unterschrift des Einzelhändler, die bestätigte, dass der Kochschüler Mehl des Unternehmens kaufe, wieder an die Washburn Crosby Company zurückgesendet wurde. Auf diese Weise verdienten sich die Kochschüler ihr Diplom der einmal im Jahr übertragenen Abschlussfeier.[4]

Verantwortlich für die Sendungen war seit 1927 Marjorie Husted, die nicht nur die Programme schrieb, sondern gelegentlich diese auch moderierte. Am 5. Oktober 1927, in einer der ersten Sendungen, für die sie verantwortlich war, wandte sie sich mit folgenden Worten an ihre Zuhörer:

„Ich stelle Sie mir gerne vor, wenn ich hier rede. Ich kann die erfahrene Hausfrau sehen, die gerade Kartoffeln schält oder andere Arbeiten verrichtet, während sie zuhört, um ein paar kleine Ratschläge zu bekommen, die die Monotonie der alten Routine durchbrechen. Ich sehe stark eingebundene Mütter kleiner Kinder, Großmütter, Bräute und junge Hausfrauen und die, die nicht mehr raus kommen, die ans Bett gefesselt sind oder auf Hilfe angewiesen und die mir immer wieder erzählen, wie sehr sie auf unsere Sendung warten ... ist es nicht wunderbar, dass egal wo sie sind, dass wir so zusammentreffen können um die Dinge zu diskutieren, die uns alle interessieren. Ein Radio duldet keine Zeit- oder Entfernungsbeschränkungen. Es sind noch nicht so viele Jahre her, wo wir Nachbarn treffen mussten, vielleicht beim Schwatz überm Zaun, oder wo wir auf ein Vereinstreffen oder einen Nähkreis warten mussten, um Rezepte austauschen. Heute aber, obwohl ich Meilen weg bin, kann ich mit ihnen reden und Radiohörer in Massachusetts können Ideen mit Radiozuhörern in Kalifornien austauschen.“[5]

Beispiele für Radioküche[Bearbeiten]

Beispiele für Radioköche sind u.a. Marco Krainer, der in Österreich bekannt ist durch die Radiosendung „Kochen im Radio“ beim österreichischen Regionalsender „Radio Kärnten“ (ORF) sowie deutschsprachigweit durch Auftritte im TV in diversen Kochsendungen,[6] oder Helmut Gote, der als freiberuflicher Mitarbeiter für den WDR-Hörfunks mit den regelmäßigen Beiträgen „Einfach Gote!“ auf WDR 2 auftritt.[7] Auf diesem Sender gibt es aber auch eine regelmäßige Comedy-Einspielung als Parodie auf Kochsendungen mit dem Titel „Tim Mahlzeit kocht“.[8]

Fernsehen[Bearbeiten]

Die erste Kochsendung im Fernsehen wurde bereits kurz nach Aufnahme des teilweise noch experimentellen Programmbetriebs in Großbritannien bei der BBC am 21. Januar 1937 ab 9 Uhr 25 ausgestrahlt. Der französische Koch und Kochbuchautor Marcel Boulestin, der in England durch seine Kochbücher zur französischen Küche bekannt geworden war, zeigte in einer Viertelstunde die Zubereitung eines Omelettes als Teil eines fünfgängigen Menüs. Die Sendereihe wurde unter dem Titel Cook’s night out (Die Köchin/Der Koch hat Ausgang) bis 1939 ausgestrahlt[9][10] und zeigte neben der Zubereitung von Gerichten aus der klassischen französischen Küche auch einfachere Gerichte wie Salate, Frühlingsgemüse oder Eintopfgerichte.

Deutsche Fernsehsendungen[Bearbeiten]

Clemens Wilmenrod (1906–1967) war ein deutscher Schauspieler und ab 1953 der erste deutsche Fernsehkoch. Wilmenrod gilt als der Erfinder des Toast Hawaii, des Arabischen Reiterfleisches und der Gefüllten Erdbeere. Außerdem soll er den Rumtopf in Süd- und Westdeutschland populär gemacht haben. Er bewirkte angeblich auch, dass die Pute in Deutschland zu einem typischen Weihnachtsfestbraten wurde. Wilmenrod hatte keine Ausbildung als Koch. [11] Der NWDR strahlte die fünfzehnminütige Sendung ab dem 20. Februar 1953 zweiwöchentlich (ab 1957 monatlich) am Freitagabend um 21:30 Uhr aus, also zur besten Sendezeit. Bis zur Absetzung im Mai 1964 wurden 185 Folgen produziert. Wilmenrod begrüßte seine Zuschauer anfangs mit dem Satz „Ihr lieben, goldigen Menschen“, später wurde daraus „Liebe Freunde in Lucullus“ und schließlich „Verehrte Feinschmeckergemeinde“.

Zu den am längsten laufenden Kochsendungen im deutschen Fernsehen zählte Was die Großmutter noch wusste vom SWR, die von 1982 bis 2006 ausgestrahlt wurde, sowie die seit 1988 laufende Sendung Servicezeit: Essen & Trinken des WDR. Die älteste Kochsendung im deutschen Fernsehen ist “Hessen à la carte”, die seit 1981 ausgestrahlt wird.[12]

2007 wurde zum einzigen Mal die Kategorie der „besten Kochshow“ vom Deutschen Fernsehpreis ausgelobt.[13] Zur Begründung, diese neue Kategorie einzurichten, gab die Jury-Vorsitzende Klaudia Wick an: „Seriös gemachte Lebenshilfe via Fernsehen und Kochen auf allen Kanälen sind die unübersehbaren TV-Trends und Zuschauermagneten im zurückliegenden Fernsehjahr.[13]“ Der bisher einzige Preisträger wurde die Reihe Das perfekte Dinner, nominiert waren damals außerdem Lafer! Lichter! Lecker! und Schmeckt nicht, gibt’s nicht mit Tim Mälzer.

US-Amerikanische Fernsehsendungen[Bearbeiten]

Julia Child (1988)

In den USA zählt zu den bekanntesten Fernsehköchen Julia Child. Sie gilt gemeinsam mit M. F. K. Fisher, Craig Claiborne und James Beard als eine der Persönlichkeiten, die zwischen 1930 und 1970 die US-amerikanische Kochkunst und Esskultur maßgeblich beeinflussten. Von großem Einfluss war dabei ihre Kochsendung The French Chef, die das erste Mal im Jahre 1963 ausgestrahlt wurde und ein US-amerikanisches Millionenpublikum mit Französischer Küche und deren Kochtechniken vertraut machte.[14] 2009 erschien die Filmkomödie Julie & Julia von Nora Ephron, die die Lebensgeschichte von Julia Child erzählt, gleichzeitig auch die Bedeutung der Sendung in den USA unterstrich. Julia Child wurde in diesem Film von Meryl Streep gespielt.

Seit der zweiten Hälfte der 1990er Jahre nimmt in den USA die Popularität von Kochshows stetig zu. Vorreiter dieses Modetrends war Emeril Lagasse mit seiner Sendung Emeril Live. Die Fernsehgruppe Food Network nutzte diese gestiegene Interesse der Zuschauer und brachte eine Reihe neuer Shows auf Sendung. Auch die bekannte Fernehköchin Martha Stewart reagierte darauf mit neuen Sendereihen und der Herausgabe von Zeitschriften, Kochbüchern und Markenartikeln.

Literatur[Bearbeiten]

  • Susan Marks: Finding Betty Crocker: The Secret Life of America's First Lady of Food. University of Minnesota Press, 2007. ISBN 978-0-8166-5018-7

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kochsendung – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Susan Marks: Finding Betty Crocker, S.34.
  2. Susan Marks: Finding Betty Crocker, S.29.
  3. Susan Marks: Finding Betty Crocker, S.37 und S. 51.
  4. Susan Marks: Finding Betty Crocker, S.35.
  5. Susan Marks: Finding Betty Crocker, S.41. Im Original lautet das Zitat: I like to picture you as I talk. I can see experienced housekeepers peeling potatoes, or doing some other „sitting down“ job while they listen for the little hints which help relieve the monotony of the old routine. I see busy mothers of small children, grandmothers, brides and young housekeepers, and the shut-ins, who are bed-fast or helpless, who tell me they never fail to watch for this hours. ... Isn't it wonderful that no matter where you are we can meet this way to discuss the things we are all interested in? The radio admits no barrier of time or distance. Not so many years ago we had to go out visiting with near neighbors, perhaps gossiping over the back fence, or we waited for a club meeting or sewing circle to exchange recipes. But now, though I am miles away, I can talk to you, and radio friends in Massachusetts can exchange ideas whit those in California.
  6. Homepage von Marco Krainer
  7. Onlinebeispiel auf der Homepage von WDR 2
  8. Comedy auf WDR 2
  9. 21. Januar 1937 - Erster Auftritt eines Fernsehkochs: Missionar in der kulinarischen Diaspora , Beitrag vom 21. Januar 2012 in der Sendereihe Stichtag beim WDR
  10. Fünf-Gänge-Menü in der Röhre: Vor 75 Jahren startete Marcel Boulestin die erste Fernseh-Kochshow von Beatrix Novy, Beitrag vom 21. Januar 2012 in der Sendereihe Kalenderblatt beim Deutschlandfunk
  11. siehe auch http://einestages.spiegel.de
  12. Kochsendungen und Kochshows auf http://www.tvchips.de
  13. a b „2007 – Aufstand der Kochshows“, Der Tagesspiegel, 5. September 2007
  14. Betty Fussel: Masters of American Cookery: M. F. K. Fisher, James Beard, Craig Claiborne, Julia Child, University of Nebraska Press, 2005, ISBN 0-8032-6920-x, S. V - VII