Deutscher Fernsehpreis

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Logo des Deutschen Fernsehpreises 2009

Der Deutsche Fernsehpreis war ein Fernsehpreis, der im Oktober 1998 von den Fernsehsendern Das Erste, ZDF, RTL und Sat.1 gegründet wurde. Als Vorbild diente der US-amerikanische Fernsehpreis Emmy, wenngleich der Deutsche Fernsehpreis nicht von einer Fernsehakademie vergeben wird. Die beiden ehemaligen Fernsehpreise Telestar (Das Erste und ZDF) und Goldener Löwe (RTL) gingen im Deutschen Fernsehpreis auf. Die Preisverleihung findet seit 1999 jedes Jahr Ende September bzw. Anfang Oktober statt. Bisher wurden alle Preise im Kölner Coloneum vergeben. Im Februar 2014 wurde bekannt, dass der Gesellschaftervertrag zwischen ARD, ZDF, RTL und Sat.1 gekündigt wurde und es somit nach 2014 keinen weiteren deutschen Fernsehpreis mehr geben wird.[1] Mittlerweile ist bekannt, dass die beteiligten Sender von ARD, ZDF, RTL und Sat.1 einen Nachfolger des Fernsehpreises in einer anderen Form planen.[2]

Kriterien der Preisverleihung[Bearbeiten]

Ziel des Deutschen Fernsehpreises ist es, die Qualität des deutschen Fernsehprogrammes zu fördern und hervorragende Leistungen für das Fernsehen zu würdigen. Kriterien und Procedere sind in einem Statut geregelt.

Für den Preis qualifizieren sich alle Fernsehproduktionen deutschen Ursprungs oder mit maßgeblicher kreativer und wirtschaftlicher Mitwirkung durch deutsche Auftraggeber, die bundesweit zwischen dem 1. September des jeweiligen Vorjahres und dem 31. August des laufenden Jahres ausgestrahlt wurden. In jeder Preiskategorie werden nicht früher als vier Wochen vor der Verleihung jeweils drei bis fünf Nominierungen bekanntgegeben. Jeder Nominierte erhält eine Urkunde. Die Preisträger erhalten die Preisskulptur und eine Urkunde. Abgesehen von den Förderpreisen sind die Preise undotiert. Außerdem können Preise wie der Sonderpreis, die Förderpreise oder der Ehrenpreis der Stifter ohne vorherige Nominierung vergeben werden.

Reform 2010[Bearbeiten]

In einer umfangreichen Reform (ausführlicher Bericht: Deutscher Fernsehpreis 2010#Reform der Preisvergabe) wurden im Vorfeld der Verleihung 2010 bis auf die beiden Hauptdarsteller-, Sonder-, Ehren- und Förderpreise alle anderen persönlichen Kategorien (u.a. für Nebendarsteller und Regisseure) gestrichen und neben einem Jury- auch ein Publikumspreis hinzugefügt. Das gab WDR-Intendantin Monika Piel als damalige Vorsitzende des Stifterkreises bekannt.[3] Diese Streichungsaktion löste Proteste der Filmschaffenden aus, die in den Änderungen eine „beispiellosen Abwertung der Fiktion“ sehen. In einem dringenden Appell riefen sie die Stifter auf, diese Veränderungen noch einmal zu überdenken, somit einer „Missachtung der Urheber und Gestalter der Filme, Sendungen und Serien“ entgegenzuwirken.[4][5] Im Vorfeld der Preisverleihung 2011 gaben die Veranstalter bekannt, dass sie die Konzeptänderung beibehalten wollen, somit das gekürzte Kategoriensystem bestehen bliebe.[6]

Außergewöhnliche Ereignisse[Bearbeiten]

Einen Eklat gab es im Jahr 2008, als Marcel Reich-Ranicki während der Gala den ihm zugedachten Fernsehpreis ablehnte. Er wollte damit vor allem auf die seiner Meinung nach miserable Qualität des Programms im deutschen Fernsehen hinweisen.[7]

Jury[Bearbeiten]

Über die Nominierungen und Preisträger entscheidet eine unabhängige Jury, die aus neun bis zwölf Mitgliedern besteht, die für jeweils zwei Jahre berufen werden, wobei eine Wiederberufung nach diesem Zeitraum möglich ist. Die Mitglieder der Jury dürfen zu Rundfunk- und Fernsehanbietern in keinem arbeitsrechtlichen Verhältnis stehen. Aktuelle Mitglieder sind: Moderatoren Bettina Böttinger und Wigald Boning, Schauspieler Tim Bergmann, Stromberg-Autor Ralf Husmann, Christoph Keese von der Axel Springer AG, TV Spielfilm-Chefredakteur Lutz Carstens, Polyphon-Geschäftsführerin Beatrice Kramm, Funkkorrespondenz-Chefredakteur Dieter Anschlag und Journalistin Klaudia Wick.[8]

Sender, die Fernsehproduktionen selbst herstellen oder herstellen lassen und die bundesweit empfangbar sind, können der Jury je zwei Vorschläge pro Kategorie unterbreiten. Darüber hinaus können die Jurymitglieder unbeschränkt in alle Kategorien Vorschläge einbringen. Auch Fachverbänden kann das Vorschlagsrecht gegeben werden.

Aus allen Vorschlägen werden per Mehrheitsentscheid zunächst drei Nominierungen, sodann aus den Nominierungen die Preisträger von der Jury gewählt.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Verleihung fand am 2. Oktober 1999 in Köln statt. Jedes Jahr ist ein anderer der beteiligten Sender Ausrichter der Verleihung:

Jahr Datum Sender Moderation
1999 2. Oktober RTL Jochen Busse, Johannes B. Kerner, Gabi Bauer und Kai Pflaume
2000 7. Oktober ZDF Ulla Kock am Brink
2001 6. Oktober Sat.1 Anke Engelke und Hape Kerkeling
2002 5. Oktober Das Erste Sandra Maischberger und Dirk Bach
2003 27. September RTL Günther Jauch
2004 9. Oktober ZDF Thomas Gottschalk
2005 15. Oktober Sat.1 Anke Engelke und Hugo Egon Balder
2006 20. Oktober Das Erste Jörg Pilawa
2007 29. September RTL Marco Schreyl
2008 11. Oktober ZDF Thomas Gottschalk
2009 26. September Sat.1 Anke Engelke und Bastian Pastewka 1
2010 9. Oktober Das Erste Sandra Maischberger und Kurt Krömer
2011 2. Oktober RTL Marco Schreyl und Nazan Eckes
2012 2. Oktober ZDF Oliver Welke und Olaf Schubert
2013 2. Oktober Sat.1 Oliver Pocher und Ilka Bessin 2
2014 2. Oktober Das Erste Sandra Maischberger, Hans Sigl und Klaas Heufer-Umlauf[9]

1 Anke Engelke & Bastian Pastewka moderierten im Jahr 2009 in der Rolle des Volksmusik-Duos Wolfgang & Anneliese.
2 Ilka Bessin moderierte im Jahr 2013 in der Rolle der übergewichtigen Langzeitarbeitslosen Cindy aus Marzahn.

Moderation[Bearbeiten]

Häufigkeit Name Jahr(e)
3 Anke Engelke 2001, 2005, 20091
Sandra Maischberger 2002, 2010, 2014
2 Thomas Gottschalk 2004, 2008
Marco Schreyl 2007, 2011
1 Jochen Busse 1999
Johannes B. Kerner 1999
Gabi Bauer 1999
Kai Pflaume 1999
Ulla Kock am Brink 2000
Hape Kerkeling 2001
Dirk Bach 2002
Günther Jauch 2003
Hugo Egon Balder 2005
Jörg Pilawa 2006
Bastian Pastewka 20091
Kurt Krömer 2010
Nazan Eckes 2011
Oliver Welke 2012
Olaf Schubert 2012
Oliver Pocher 2013
Ilka Bessin 20132
Klaas Heufer-Umlauf 2014
Hans Sigl 2014

1 Anke Engelke & Bastian Pastewka moderierten in der Rolle des Volksmusik-Duos Wolfgang & Anneliese.
2 Ilka Bessin moderierte im Jahr 2013 in der Rolle der übergewichtigen Langzeitarbeitslosen Cindy aus Marzahn.

Preisträger[Bearbeiten]

Die Trophäe des Deutschen Fernsehpreises nach der Verleihung 2009 in den Händen von Christian Berkel, der im als bester Film ausgezeichneten Thriller Mogadischu mitspielte. An seiner Seite seine Ehefrau Andrea Sawatzki.

Preise, Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

2007: Preis der beleidigten Zuschauer für den „Kauf“ von „Fans“ zur Verleihung 2006 in Köln-Ossendorf.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Deutscher Fernsehpreis – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. DWDL.de - Beschlossen: Der Deutsche Fernsehpreis ist tot. In: dwdl.de. 22. Februar 2014, abgerufen am 22. Februar 2014.
  2. DWDL.de - Es geht um einen Umbau, nicht um einen neuen Anstrich. In: dwdl.de. 12. September 2014, abgerufen am 12. September 2014.
  3. "Deutscher Fernsehpreis" wird reformiert. auf: wunschliste.de
  4. Kritik am "Deutschen Fernsehpreis" hält an. auf: wunschliste.de (Bericht über die Proteste der Filmschaffenden)
  5. Autoren üben scharfe Kritik am "Deutschen Fernsehpreis". (Bericht über die Proteste der Filmschaffenden)
  6. RTL überträgt "Deutschen Fernsehpreis" im Oktober auf wunschliste.de (Bericht über die bevorstehende Preisverleihung 2011 und das beibehaltene, gekürzte Kategoriensystem)
  7. Martin U. Müller: Eklat bei Gala: Reich-Ranicki lehnt Deutschen Fernsehpreis ab. auf: Spiegel Online. 11. Oktober 2008. Abruf 16. September 2009
  8. Vorstellung der Jury auf deutscherfernsehpreis.de
  9. Ein Trio moderiert den Deutschen Fernsehpreis 2014 auf dwdl.de, abgerufen am 12. September 2014