C/1811 F1 (Großer Komet)

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C/1811 F1 (Großer Komet)
Der Komet von 1811(Zeichnung von W. H. Smyth)
Der Komet von 1811
(Zeichnung von W. H. Smyth)
Eigenschaften des Orbits (Animation)
Epoche: 5. September 1811 (JD 2.382.760,5)
Orbittyp langperiodisch
Numerische Exzentrizität 0,9951
Perihel 1,035 AE
Aphel 423,7 AE
Große Halbachse 212,4 AE
Siderische Umlaufzeit ~3095 a
Neigung der Bahnebene 106,9°
Periheldurchgang 12. September 1811
Bahngeschwindigkeit im Perihel 41,3 km/s
Geschichte
Entdecker Honoré Flaugergues
Datum der Entdeckung 25. März 1811
Ältere Bezeichnung 1811 I

C/1811 F1 (auch Großer Komet von 1811 und Komet Flaugergues genannt) war ein Komet, der im Jahr 1811 mit dem bloßen Auge gesehen werden konnte. Er wird aufgrund seiner außerordentlichen Helligkeit zu den „Großen Kometen“ gezählt.

Entdeckung und Beobachtung[Bearbeiten]

Als dieser Komet am Abend des 25. März 1811 von Honoré Flaugergues in Viviers tief am Horizont entdeckt wurde, befand er sich noch über 2,7 AE von der Sonne entfernt im Asteroidengürtel. Er bewegte sich am Himmel rasch nördlich, und Flaugergues konnte ihn an den folgenden Abenden zunächst bis zum 1. April beobachten.

Am 11. April fand Jean-Louis Pons, der nichts von der Entdeckung erfahren hatte, den Kometen zufällig noch einmal und konnte eine Position bestimmen. Auch Franz Xaver von Zach beobachtete ihn an diesem Abend bei Marseille. Für den Rest des April und im Verlauf des Mai konnte der Komet mit dem bloßen Auge beobachtet werden.

Aus den Beobachtungsdaten gelang es Johann Karl Burckhardt im Juni eine erste parabolische Bahn zu berechnen, aus der Heinrich Wilhelm Olbers schloss, dass der Komet im Laufe des Oktobers sehr hell werden würde. Gegen Ende Mai konnte der Komet nur noch schwierig beobachtet werden, da er immer noch tief am Himmel stand und nun in die Dämmerung eintrat. Die letzten Beobachtungen vor der Annäherung des Kometen an die Sonne erfolgten durch Flaugergues am 29. Mai, Zach am 2. Juni, José Joaquín Ferrer y Cafranga in Havanna am 15. Juni und Alexander von Humboldt in Paris am 16. Juni.

Flaugergues konnte ihn dann am 18. August zum ersten Mal wieder sehr nahe am Horizont sehen. Olbers fand ihn am Morgen des 22. August wieder auf und Johann Elert Bode am Abend desselben Tages mit einem Teleskop. Am folgenden Morgen sah Bode auch erstmals einen kurzen Schweif. Eine knappe Woche später beschrieb Olbers ihn als 3° lang und erkannte zwei auffällige seitliche Bänder in Parabelform, die den nicht sichtbaren Kometenkern umgaben.

Im Laufe des September war der Komet auch am dunklen Himmel zu sehen, so dass ihn viele Beobachter zum ersten Mal erblickten, Wilhelm Herschel beobachtete in Glasgow einen 11-12° langen Schweif mit einer Krümmung am Ende. Am 6. Oktober berichtete er bereits von einem 25° langen Schweif, danach gingen die beobachteten Schweiflängen wieder zurück.

Der Komet von 1811 über Sankt Goar und der Burg Katz

Alexis Bouvard und Giuseppe Piazzi versuchten, unter Berücksichtigung der neueren Beobachtungen bessere parabolische Orbits zu berechnen, aber die erste noch ungenaue elliptische Umlaufbahn wurde erst durch Flaugergues im Oktober berechnet. Genauere Bahnelemente wurden dann kurz darauf von Friedrich Wilhelm Bessel ermittelt.

Am 4. November beschrieb William John Burchell in Südafrika den Kometen als einen „schwachen nebligen Stern von 3 mag“. Am 5. November berichtet Herschel noch von einem Schweif von 12,5°, und am 19. November noch von etwa 6° Länge. Ab Mitte Dezember konnten die seitlichen Bänder nicht mehr unterschieden werden. Ab Anfang 1812 wurde der Komet, der wieder südwärts am Himmel wanderte, immer schwächer und schwerer zu beobachten. Zach sah ihn am 11. Januar zum letzten Mal.

Von der Erde aus gesehen ging der Komet am 9. Februar zum zweiten Mal an der Sonne vorbei und ab Mitte Februar vergrößerte sich der Abstand zwischen Sonne und Komet am Himmel wieder. Ferrer berechnete im März elliptische Bahnelemente für den Kometen, die zeigten, dass der Komet im Juni und August noch einmal am Nachthimmel zu beobachten sein würde, wenn ihm die Erde wie zu Beginn des Jahres wieder auf etwa 3 AE nahe kommen würde. Er suchte ab Anfang Juli mit einem Refraktor nach dem Kometen und fand ihn am Morgen des 11. Juli. Er konnte ihn noch bis zum 15. Juli verfolgen. Danach wurde er nur noch von Vincent Wisniewsky in Nowotscherkassk gesehen, der seine Helligkeit am 12. August mit einem Stern von 11 mag verglich. Das letzte Mal sah er ihn am 17. August, zu dieser Zeit war der Komet bereits über 4,5 AE von der Sonne entfernt.[1] Zu dieser Zeit waren bereits fast 17 Monate seit seiner Entdeckung vergangen, dies war für die damalige Zeit die längste Zeitspanne, über die ein Komet jemals beobachtet werden konnte.[2][3]

Der Komet erreichte am 20. Oktober eine Helligkeit von 0 mag.[4]

Umlaufbahn[Bearbeiten]

Für den Kometen konnte aus den Beobachtungsdaten über einen Zeitraum von 505 Tagen durch Norbert Herz 1892 eine elliptische Umlaufbahn bestimmt werden,[5] die um rund 107° gegen die Ekliptik geneigt ist.[6] Der Komet läuft damit im gegenläufigen Sinn (retrograd) wie die Planeten durch seine Bahn. Im sonnennächsten Punkt der Bahn (Perihel), den der Komet am 12. September 1811 durchlaufen hat, befand er sich mit etwa 154,9 Mio. km Sonnenabstand im Bereich der Umlaufbahn der Erde. Bereits am 22. August hatte er sich der Venus bis auf 99 Mio. km genähert, während er am 16. Oktober mit 1,22 AE/182,7 Mio. km die größte Annäherung an die Erde erreichte. Dies ist für einen Großen Kometen ein ungewöhnlich weiter Abstand zur Erde, nur zwei andere Große Kometen sind der Erde nicht näher als 1 AE gekommen, nämlich C/1807 R1 und C/1995 O1 (Hale-Bopp).

Der Komet bewegt sich auf einer extrem langgestreckten elliptischen Bahn um die Sonne, die fast senkrecht zu den Bahnen der Planeten steht. Eine solche Bahn ist über lange Zeit relativ stabil, da keine Annäherungen an die großen Planeten stattfinden. Nach den mit einer gewissen Unsicherheit behafteten Bahnelementen könnte er im Altertum bereits um das Jahr –930 erschienen sein. Bei der letzten Passage durch das innere Sonnensystem im Jahr 1811 wurde seine Bahnexzentrizität geringfügig um 0,0003 und seine Große Halbachse von etwa 196 AE auf etwa 207 AE vergrößert, so dass sich seine Umlaufzeit etwas erhöhte. Wenn er um das Jahr 3290 den sonnenfernsten Punkt (Aphel) seiner Bahn erreicht, wird er etwa 61,7 Mrd. km von der Sonne entfernt sein, fast 413-mal so weit wie die Erde und fast 14-mal so weit wie Neptun. Seine Bahngeschwindigkeit im Aphel beträgt nur etwa 0,11 km/s. Der nächste Periheldurchgang des Kometen wird möglicherweise um das Jahr 4800 stattfinden.[7]

Auswirkungen auf den Zeitgeist[Bearbeiten]

  • Napoleon I, der Kaiser der Franzosen, betrachtete die spektakuläre Erscheinung des Kometen als ein Omen, das auf den Erfolg seines geplanten Russlandfeldzugs 1812 hinwies.
  • Am Abend des 2. Juni 1811 ereignete sich ein Erdbeben in Südafrika. Wie Burchell berichtete, verband die Bevölkerung dieses Ereignis mit dem Erscheinen des Kometen.
  • Das Jahr 1811 brachte viele hervorragende Weine hervor, viele Weinhändler sprachen noch jahrelang von „Kometenwein“. Gute Weine gab es in Bordeaux, Burgund und vom Douro in Portugal. Insbesondere der Jahrgang 1811 aus dem Château Lafite-Rothschild wird als der feinste rote Bordeaux angesehen, der je gemacht wurde.[3]

Rezeption in der Literatur[Bearbeiten]

  • Jean Paul wurde durch den Kometen von 1811 zu seinem letzten großen Roman Der Komet angeregt.
  • Johann Peter Hebel verfasste eine literarische Reminiszenz an den Kometen in seinem kalendarischen Werk Der Rheinländiſche Hausfreund oder Neuer Kalender auf das Jahr 1813.[8]
  • Der russische Schriftsteller Lew Nikolajewitsch Tolstoi verarbeitete den Kometen Flaugergues literarisch in seinem Werk Krieg und Frieden. Etwa in der Mitte des Werkes beschrieb er, wie die Person Pierre den Kometen beobachtet.
  • Jules Verne schrieb 1878: „Der Große Komet von 1811... war der Anlass, weshalb das Jahr seines Erscheinens geläufig als ‚das Kometenjahr’ gewürdigt wird...“

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gary W. Kronk: Cometography: C/1811 F1 (Great Comet). Abgerufen am 28. Juli 2014 (englisch).
  2. D. A. J. Seargent: The Greatest Comets in History: Broom Stars and Celestial Scimitars. Springer, New York, 2009, ISBN 978-0-387-09512-7, S. 129–131.
  3. a b G. W. Kronk: Cometography - A Catalog of Comets, Volume 2. 1800–1899. Cambridge University Press, 2003, ISBN 0-521-58505-8, S. 19–28.
  4. Donald K. Yeomans: NASA JPL Solar System Dynamics: Great Comets in History. Abgerufen am 17. Juni 2014 (englisch).
  5. N. Herz: Bestimmung der Bahn des großen Kometen von 1811. Wien, 1892.
  6. NASA JPL Small-Body Database Browser: C/1811 F1. Abgerufen am 21. Juli 2014 (englisch).
  7. SOLEX 11.0 von A. Vitagliano. Abgerufen am 2. Mai 2014 (englisch).
  8. J.P. Hebel: Der Komet von 1811. Abgerufen am 28. Juli 2014.