Kondensstreifen

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Die Kondensstreifen entstehen (wie bei dieser DC-8-72) erst ein Stück hinter den Triebwerken, wenn sich die Abgase abgekühlt haben.
Kondensstreifen einer vierstrahligen Lockheed C-141B
„Straßenkreuzung am Himmel“ mit mammatusähnlichen Ausstülpungen
großflächige Bedeckung des Himmels mit Kondensstreifen über Neuschottland
Kondensstreifen über Rheda-Wiedenbrück, Deutschland
Kondensstreifen von B-17-Bombern und P-47-Begleitjägern (oben) im Zweiten Weltkrieg
Kondensfahnen von Schiffen vor der US-Ostküste (Atlantischer Ozean) am 11. Mai 2005

Kondensstreifen sind Wolken, die meist oberhalb von etwa 8 km entstehen, wenn wasserdampf- und rußhaltige Triebwerksabgase von Luftfahrzeugen auf frostige Luft treffen. Sie können in ansonsten wolkenfreien Gebieten ent- und fortbestehen, in denen die Voraussetzungen für eine natürliche Wolkenbildung nicht erfüllt sind. Sie zählen zur Gruppe der Cirren und stellen auch eine wichtige Klasse anthropogener Wolken dar.

Ihre Erscheinung variiert je nach vorherrschenden Wind-, Temperatur- und Feuchtigkeitsverhältnissen. In feuchter Luft können sie auch in niedrigeren Höhen auftreten. Dort können sie statt aus Eiskristallen auch aus Tröpfchen bestehen.

Entstehung[Bearbeiten]

In der Reiseflughöhe von Langstreckenjets ist es mit unter −40 °C kalt genug, dass auch in völlig trockener Luft Kondensstreifen entstehen, denn die Verbrennungsprodukte von Kerosin sind im Wesentlichen Kohlendioxid und Wasserdampf. Bei der Verwirbelung mit kalter Umgebungsluft nimmt der Sättigungsdampfdruck viel stärker ab als der Partialdruck des Wassers, mit der Folge einer Übersättigung. Die Rußteilchen im Abgas erlauben die rasche Keimbildung, indem sich Wassermoleküle daran anlagern. Bei der tiefen Temperatur entstehen direkt Eiskristalle.

Form[Bearbeiten]

Bis zu einer Größe von etwa 100 Nanometern streuen die Kristalle kaum Licht, dann zunächst vorwiegend blaues Licht. Erst durch Anlagerung weiterer Wasserteilchen erreichen sie eine Größe, in der sie Licht unabhängig von dessen Wellenlänge streuen und hell weiß werden. Das erklärt die charakteristische Lücke zwischen Triebwerken und Kondensstreifen. Die Streifen nehmen an Breite zu und berühren sich bei vierstrahligen Jets zunächst paarweise. Durch das Auseinanderweichen der Luft im unteren Teil der Wirbelschleppe wird aber die Lücke in der Mitte zunächst breiter und die Streifen von den innen liegenden Triebwerken tauchen unter den äußeren Strahlen weg. Weitere Turbulenz erzeugt einen einzigen breiten Streifen, der insgesamt absinkt.

Persistenz und Wandel[Bearbeiten]

Der weitere Verlauf hängt stark von der Situation ab, insbesondere von der relative Feuchte. In ca. 70 % der Fälle ist die Luft untersättigt, die relative Feuchte liegt also unter 100 %, und die Kondensstreifen lösen sich innerhalb weniger Minuten auf. Die vertikale Erstreckung beträgt dann je nach Flugzeugtyp 300 bis 500 m.

Bei einer Feuchte um 100 % löst sich der Kondenstreifen dadurch auf, dass die relative Feuchte durch sein Absinken abnimmt. Wie schnell einzelne Volumenelemente unsichtbar werden, hängt über die Partikelgröße von der ursprünglichen Lage im Strahl ab. Es können sich mammatusähnliche Ausstülpungen bilden.

Bei größerer Übersätigung der Umgebungsluft bleiben die Kondensstreifen längere Zeit bestehen. In großer Höhe sind Feuchten bis über 200 % möglich. Die Menge des aus der Atmosphäre aufgenommenen Wasserdampfs kann dann den Triebwerksausstoß um einige Größenordnungen übersteigen. Die Lebensdauer kann mehrere Stunden betragen, in einem Fall war ein einzelner Kondensstreifen über 17 Stunden auf einem Satellitenbild zu erkennen.[1] Je nach anliegender Windscherung kann die Breite der Kondensstreifen auf über 20 km anwachsen und sind dann nur noch schwer von natürlich gebildeten Cirren zu unterscheiden. In der Fachwelt wird dann von Kondensstreifen-Cirren gesprochen. Diese können über mehrere Tage am Himmel verbleiben.[2] Meist jedoch lösen sie sich durch großräumiges Absinken der Luft bald auf oder gehen durch großräumige Hebung in eine geschlossene Wolkendecke über.

Negative Streifen[Bearbeiten]

Fliegt ein Flugzeug dicht über einer dünnen Wolkendecke, so kann der von ihm bewirkte Abwind die Wolke auflösen.

Kondensstreifen von Raketen[Bearbeiten]

Auch bei der Verbrennung von Raketentreibstoffen entstehen im Wesentlichen – je nach Art des Treibstoffs – Wasserdampf und gegebenenfalls auch feste Bestandteile wie Ruß. Die Booster von Feststoffraketen beinhalten vorwiegend Ammoniumperchlorat und Aluminium, woraus dann in allen Höhen sehr dichte Aerosolstreifen aus Salzsäure und Aluminiumoxid entstehen. Kondensstreifen von Raketen zeigen wegen des meist senkrechten Flugverlaufs und der Wirkung des Windes eine starke Abhängigkeit von Windrichtung und Windstärke. Daraus resultiert oft ein zickzackförmiger Verlauf, der jedoch nicht mehr der eigentlichen Flugbahn entspricht.

Auswirkungen auf das Klima[Bearbeiten]

Der Luftverkehr beeinflusst das Klima hauptsächlich über drei Arten: Emission von Kohlendioxid und Stickoxiden sowie Bildung von Kondensstreifen. Die anthropogenen Kondensstreifen bedecken einen kleinen Teil des Himmels und reduzieren damit durch Reflexion an ihrer Oberseite tagsüber die Sonneneinstrahlung (kühlender Effekt) und erhöhen so die planetare Albedo (vgl. Wolke). Andererseits absorbieren Eiskristalle die vom Erdboden kommende Strahlung und re-emittieren weniger energiereiche Strahlung (Treibhauseffekt), was eine Erwärmung nach sich zieht. Es wird daher vermutet, dass das Klima durch die Kondensstreifen des Flugverkehrs beeinflusst wird. Die Stärke dieses Effekts und seine Rolle in Bezug auf die globale Verdunkelung bzw. auch globale Erwärmung sind bisher nur mit großen Unsicherheiten bekannt, es wird jedoch lokal ein Einfluss auf die Globalstrahlung von bis zu 2 W/m2 geschätzt. Linienförmige Kondensstreifen bedecken dabei im Mittel etwa 0,5 % des Himmels über Zentraleuropa, am Tag mit 0,7 % etwas mehr als mit rund 0,25 % in der Nacht. Dabei sind die schwer messbaren Kondensstreifen-Zirren nicht berücksichtigt und es gibt Anzeichen, dass der Bedeckungsgrad aller Kondensstreifen weitaus höher liegt. Eine DLR-Studie fand heraus, dass die Kondensstreifen-Zirren über Zentraleuropa zeitweilig bis zu zehn Prozent des Himmels bedecken können.

Die Aufwärmung der Erdatmosphäre durch Kondensstreifen-Zirren ist mit 31 mW/m2 etwas größer als der Effekt durch das ausgestoßene CO₂. Der Strahlungsantrieb von Kondensstreifen alleine wird durch Kondensstreifen-induzierte Bewölkung sogar um das Neunfache übertroffen. Durch dieses Wissen könnten durch einfache Maßnahmen der Einfluss auf den Klimawandel verringert werden – beispielsweise indem besonders feuchte Gebiete umflogen (wobei der dadurch verbundene Mehrausstoß berücksichtigt werden muss) oder Modifikationen an Treibstoff oder Triebwerk vorgenommen werden, damit der Ausstoß von Ruß und Wasserdampf reduziert werden kann.[2]

Auch können die sonstigen Aerosolpartikel der Flugzeugabgase noch über Tage und vergleichsweise großräumig die natürliche Wolkenbildung verändern.

Kondensstreifen von Schiffen[Bearbeiten]

Auch die Abgase großer Schiffsmotoren können lange, bodennahe Kondensfahnen hinterlassen.[3][4]

Siehe auch[Bearbeiten]

  • Hagelflieger, Wetterbeeinflussung durch das Ausbringen bestimmter Stoffe in Wolken
  • Chemtrails, angeblich (absichtlich) mit Chemikalien angereicherte Kondensstreifen

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kondensstreifen – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. P. Minnis, et al.: Transformation of contrails into cirrus during SUCCESS. In: Geophysical Research Letters. 25, Nr. 8, 1998, S. 1157-1160. doi:10.1029/97GL03314.
  2. a b Klimafaktor Kondensstreifen: Effekt größer als der CO2-Ausstoß des Flugzeugs, Forschung aktuell im Deutschlandfunk am 31. März 2011
    Klimaerwärmung durch Kondensstreifen-Zirren, DLR 30. März 2011
    Klimaeffekt von Kondensstreifen-Zirruswolken abgeschätzt, DLR im April 2011
  3. DLR: Bild "Kondensstreifen von Schiffen vor der Bretagne" ; zugehörige Bildunterschrift "Kondensstreifen von Schiffen vor der Bretagne"
  4. Engl. Wikipedia: „Ship tracks