Koyaanisqatsi

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Filmdaten
Originaltitel Koyaanisqatsi
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Hopi
Erscheinungsjahr 1982
Länge etwa 82 Minuten
Altersfreigabe FSK 6
Stab
Regie Godfrey Reggio
Drehbuch Ron Fricke
Michael Hoenig
Godfrey Reggio
Alton Walpole
Produktion Godfrey Reggio
Francis Ford Coppola
Musik Philip Glass, zus. Musik: Michael Hoenig
Kamera Ron Fricke
Schnitt Ron Fricke
Alton Walpole
Besetzung

-

Koyaanisqatsi [ˈkɔɪjɑːnɪsˌkatsi] ist der erste Teil der Qatsi-Trilogie von Godfrey Reggio, der sich mit dem Eingriff des Menschen in die Natur und generell zivilisationskritisch mit der menschlichen Lebensweise beschäftigt. Der Film erschien 1982 in den Kinos. Mit seinen Fortsetzungen Powaqqatsi (1988) und Naqoyqatsi (2002) bildet Koyaanisqatsi die Qatsi-Trilogie.

Außergewöhnlich ist die Abwesenheit von Worten und handelnden Personen, der Film besteht ausschließlich aus aneinandermontierten, assoziativen Bildsequenzen und der von Philip Glass komponierten Musik.

Als Inspiratoren werden im Abspann unter anderem die Künstler Georgia O’Keeffe und Guy Debord, der Philosoph/Theologe Ivan Illich und der Wirtschaftswissenschaftler Leopold Kohr genannt. Unterstützung bekam der Film von Francis Ford Coppola und George Lucas und erreichte so ein breites Publikum.

Der Filmwissenschaftler James Monaco erklärte Koyaanisqatsi zu einem der fünf wichtigsten Filme der Gegenwart (seit 1980).

Inhalt[Bearbeiten]

Szenen des Films[Bearbeiten]

Der Titel kommt nur langsam ins Bild, begleitet von sehr tiefen Stimmen, die den Titel des Filmes singen – langsam und immer wieder.

Felszeichnungen der Fremont werden sichtbar. Es folgt eine meditative Sequenz, die sich erst nach und nach als Zeitlupenaufnahme eines Triebwerks einer startenden Rakete entziffern lässt. Nach einem harten Schnitt sind über eine längere Zeit Bilder diverser Felsformationen zu sehen, später in Zeitraffer sich bildende Wolken und - diesmal wieder in Zeitlupe - Wellen im Wasser. Es folgen Landschaften in Flugaufnahme.

Eine nächste Sequenz zeigt zuerst Bauwerke der Energieversorgung - Stromleitungen, Kraftwerke - und später auch riesige Maschinen des Tagebaus. Sprengungen zerstören Berghänge. Die Sequenz endet mit Bildern eines Atompilzes.

Die Kamera verfolgt eine Straße in eine große Stadt, der Verkehr wird immer dichter. Menschen liegen am Strand, im Hintergrund die riesige Architektur der Stadt. Es wird Nacht, doch die Stadt schläft nie, Fahrzeuge bewegen sich von Ampeln gesteuert in geraden Linien durch die Straßen. Großaufnahmen von Mikrochips im Gegenschnitt. Die Musik wird in dieser Sequenz, die „The Grid“ (das Gitter) genannt wird, immer hektischer und beunruhigender.

Menschen werden sichtbar. Sie führen ein hektisches Leben, an der Börse, in Fabriken bei der Automontage oder der Wurstherstellung, in Zeitraffer sieht man die Uhrwerkartigkeit des Lebens. Abends im S-Bahnhof auf den riesigen Rolltreppen ähneln sie den aus einer Wurstmaschine quellenden Würsten. Schließlich wird wieder aus der Stadt herausgefahren.

Zum Ende des Films wird die Eingangsszene wieder aufgegriffen: Die Rakete steigt in die Luft auf, trudelt jedoch und gerät in Brand. Noch in der Zeitlupe zerfällt sie in ihre Einzelteile und verbrennt. Die Kamera verfolgt ein brennendes Teil der Rakete, das noch ein wenig aufsteigt und dann in Richtung Boden fällt. Der Film wird angehalten und ausgeblendet. Es ist eine von den Hopi-Indianern überlieferte Prophezeiung zu lesen:
„Wenn wir wertvolle Dinge aus dem Boden graben, laden wir das Unglück ein.
Wenn der Tag der Reinigung nah ist, werden Spinnweben hin und her über den Himmel gezogen.
Ein Behälter voller Asche wird vom Himmel fallen, der das Land verbrennt und die Ozeane verkocht.“

Schauplätze[Bearbeiten]

Abriss eines Gebäudes des Pruitt-Igoe-Wohngebietes 1972

Für den Film wurde neben im Laufe von sieben Jahren aufgenommenem Material auch Archivmaterial verwendet, z. B. beim am Anfang und Ende gezeigten Start einer Saturn-V-Rakete der Apollo-12-Mission und bei einer explodierenden und wieder zur Erde herabstürzenden (unbemannten) Atlas B. Hierbei handelt es sich um den 1. Start einer Atlas LV-3C Centaur-A am 8. Mai 1962 vom amerikanischen Weltraumbahnhof Cape Canaveral.

Pruitt-Igoe war ein städtisches Wohnungsbauprojekt in St. Louis, Missouri. Es wird in den USA häufig als Beispiel für Fehlschläge im sozialen Wohnungsbau und der Stadterneuerung verwendet. Dem Abriss von Pruitt-Igoe wurde in den amerikanischen Medien besondere Aufmerksamkeit zuteil und ist heute als Anti-Schablone Teil der Populärkultur. Der postmoderne Architekt Charles Jencks bemerkte gar, dass der Abriss jenen Tag markiert, als die Nachkriegs-Moderne endete („the day Modern Architecture died.“[1])

Name und Botschaft[Bearbeiten]

Reggio wählte als Filmtitel bewusst ein Wort, das keiner Schriftsprache entstammt. Koyaanisqatsi, das mit „Leben im Ungleichgewicht“ übersetzt werden kann, ist ein Wort aus der nur mündlich existierenden Sprache des nordamerikanischen Indianerstamms der Hopi. Die Art und Weise der Darstellung der modernen Kultur mit ihren bizarr-schönen Aufnahmen, in Verbindung mit der unruhigen Musik und dem beinah tragischen Ende, zeigt, wie entfernt das aktuelle Leben in der Zivilisation von der Natur des Menschen ist.

Rezeption[Bearbeiten]

Hans-Christoph Blumenberg kritisierte an dem Film die „beliebige Fortschritts-Kritik (die plakativer nicht sein könnte) aus der wolkigen Höhe einer fernen Mythologie“, zeigte sich aber beeindruckt von dem „seltsamen rauschartigen Zustand, den dieser Film, einer Droge gleich, sogar in den Köpfen von Skeptikern auszulösen vermag“.[2]

Filmmusik[Bearbeiten]

Da es sich bei Koyaanisqatsi um einen dialogfreien Film handelt, spielt die Musik eine herausragende Rolle. Sie wurde von Philip Glass komponiert und vom Philip Glass Ensemble interpretiert.

  1. Koyaanisqatsi (3:30)
  2. Vessels (8:03)
  3. Cloudscape (4:41)
  4. Pruit Igoe (7:02)
  5. The Grid (14:50)
  6. Prophecies (8:10)
  • Stücke der Neueinspielung, unter Berücksichtigung aller Teile, erschienen 1998 bei Nonesuch Records:
  1. Koyaanisqatsi (3:28)
  2. Organic (7:43)
  3. Cloudscape (4:34)
  4. Resource (6:39)
  5. Vessels (8:05)
  6. Pruit Igoe (7:53)
  7. The Grid (21:23)
  8. Prophecies (13:36)

Rezeption[Bearbeiten]

Diese Filmmusik wurde später auch in verschiedensten anderen Produktionen eingesetzt:

  • Das Stück „Pruit Igoe“ wurde in einer umgeschnittenen Variante in dem ersten Trailer des Videospieles GTA IV verwendet und findet sich auch später im Spiel auf dem Radiosender „The Journey“ wieder.
  • Die Titelmusik und die Ingame-Musik des Computerspiels Delta ist eine Interpretation von Teilen der Filmmusik („Pruit Igoe“, „Koyaanisqatsi“) durch den Computerspiel-Musiker Rob Hubbard.
  • Das Stück „Koyaanisqatsi“ wird bei Scrubs – Die Anfänger in der Staffel 5 in den Folge 5 „Mein neuer Gott“ und 17 „Mein Bleistift“ angespielt, als der Hausmeister versucht, J.D. bzw. Carla einen bösen Blick zuzuwerfen.
  • In der Folge 15 der 21. Staffel der Simpsons (Der gestohlene Kuss) wird der Song „Pruit Igoe“ in einem Ausschnitt aus dem fiktiven Film „Koyaanis-Scratchy: Death out of Balance“ verwendet[4]. In Episode 19 der 22. Staffel (Die Mafiosi-Braut) schaut sich der Busfahrer Otto das DVD-Cover von Koyaanisqatsi an, nachdem er (mutmaßlich) halluzinogene Pilze verzehrt hat. Der Komponist der Filmmusik Philip Glass wird ausdrücklich erwähnt.
  • In Folge 5 der 6. Staffel der Gilmore Girls "We've Got Magic To Do" stellt Kirk pantomimisch 'The Journey of Man' zu „Koyaanisqatsi“ dar.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Charles Jencks. The Language of Post-Modern Architecture. Rizzoli. 1977. Page 9.
  2. Hans-Christoph Blumenberg: Die schärfste Droge, Die Zeit, 1983, Nr. 46
  3. http://www.discogs.com/Various-Watchmen-Music-From-The-Motion-Picture/release/1830050
  4. http://simpsonspedia.net/index.php?title=Der_gestohlene_Kuss

Weblinks[Bearbeiten]