Kreis Hohensalza

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Verwaltungsgliederung der Provinz Posen.

Der Kreis Hohensalza (bis 1904 Kreis Inowrazlaw) im Nordosten der preußischen Provinz Posen bestand in der Zeit von 1815 bis 1919.

Vorgeschichte (1772 bis 1807)[Bearbeiten]

Das Gebiet um die westpolnische Stadt Inowrocław gehörte nach der Ersten Teilung Polens von 1772 bis 1807 vorübergehend zum Netzedistrikt in der preußischen Provinz Westpreußen. Nach dem Frieden von Tilsit wurde das Gebiet 1807 an Polen zurückgegeben.

Verwaltungsgeschichte[Bearbeiten]

Das Gebiet um die westpolnische Stadt Inowrocław (Inowrazlaw) fiel nach dem Wiener Kongress am 15. Mai 1815 erneut an das Königreich Preußen.

Im Zuge der allgemeinen Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat wurde zum 1. Januar 1818 ein Kreis Inowrazlaw neu festgelegt.

Sitz des Landratsamtes wurde die Kreisstadt Inowrazlaw.

Als Teil der Provinz Posen wurde der Kreis Inowrazlaw am 18. Januar 1871 gleichzeitig Teil des neu gegründeten Deutschen Reichs, wogegen die polnischen Abgeordneten im neuen Reichstag am 1. April 1871 protestierten.

Am 1. Juli 1886 wurde der Südteil des Kreises Inowrazlaw (Stadtgemeinde Strelno und Polizeidistrikte Strelno I und Strelno II sowie Stadtgemeinde und Polizeidistrikt Kruschwitz) abgetrennt und zu einem eigenen neuen Kreis Strelno geformt.

Am 5. Dezember 1904 wurde der Kreis Inowrazlaw in Kreis Hohensalza umbenannt.

Am 27. Dezember 1918 begann in der Provinz Posen der Großpolnische Aufstand der polnischen Bevölkerungsmehrheit gegen die deutsche Herrschaft, und bis auf den nordlichen Teil des Kreises mitsamt der Stadt Argenau geriet das Kreisgebiet innerhalb weniger Tage unter polnische Kontrolle. Ein Waffenstillstand beendete am 16. Februar 1919 die polnisch-deutschen Kämpfe, und am 28. Juni 1919 trat die deutsche Regierung mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrags den Kreis Hohensalza auch offiziell an das neu gegründete Polen ab. Deutschland und Polen schlossen am 25. November 1919 ein Abkommen über die Räumung und Übergabe der abzutretenden Gebiete ab, das am 10. Januar 1920 ratifiziert wurde. Die Räumung des unter deutscher Kontrolle verbliebenen Restgebietes mitsamt der Stadt Argenau und Übergabe an Polen erfolgte zwischen dem 17. Januar und dem 4. Februar 1920.

Aus dem Kreis Hohensalza wurde der polnische Powiat Inowrocław. 1925 wurde die Stadt Inowrocław als eigener Stadtkreis aus dem Powiat ausgegliedert. 1932 wurde der Powiat um Teile des aufgelösten Powiats Strzelno vergrößert.

Landräte[Bearbeiten]

1818–1835: Tadeusz/Thaddeus von Wolanski (1785–1865)[1]
1835–1852: Eduard Adolph Fernow († 1867)[2]
1852–1864: Emil Oscar Heinrich von Heyne
1864–1865: Ferdinand Foerster (stellvertretend)
1865–1867: Dagobert Borchert (stellvertretend)
1867–1876: Hugo Freiherr von Wilamowitz-Möllendorff (1840–1905)
1876–1889: Friedrich Graf zu Solms
1889–1897: Victor Sigismund von Oertzen (1844–1915)
1897–1902: Wilhelm Adolph Theodor Lucke (* 1859)[3]
1902–1915: Walther Buresch (1860–1928)
1915–0000: Hans von Bülow

Kommunale Gliederung[Bearbeiten]

Der Kreis Hohensalza gliederte sich zunächst in vier, nach 1886 in zwei Stadtgemeinden, die restlichen Ortschaften waren in Polizeidistrikten zusammengefasst. Am 1. Januar 1908 bestand der Kreis aus zwei Stadtgemeinden (Hohensalza und Argenau), 95 Landgemeinden und 110 Gutsbezirken.

Ausdehnung[Bearbeiten]

Der Kreis Hohensalza hatte zuletzt eine Fläche von 1030 km².

Bevölkerung[Bearbeiten]

Der Kreis Inowrazlaw hatte im Jahre 1905 61.841 Einwohner. Davon waren 70 % Polen und 30 % Deutsche. Ein Teil der deutschen Einwohner verließ nach 1919 das Gebiet. Der neugebildete polnische Powiat Inowrocław hatte 1921 noch 16 %, 1926 noch 11,5 % deutsche Einwohner.

Ortschaften[Bearbeiten]

Liste der Ortschaften im Kreis Hohensalza mit mehr als 500 Einwohnern (1910):

polnischer Name deutscher Name (1815–1920) deutscher Name (1939–1945)
Dąbrowa Biskupia Louisenfelde Luisenfelde
Gąski Gonsk
1906–1919 Eigenheim
Eigenheim
Gniewkowo Gniewkowo
1879–1920 Argenau
Argenau
Inowrocław Inowrazlaw
1904–1919 Hohensalza
Hohensalza
Jacewo Jazewo Jahnsfeld
Jaksice Jakschitz 1939–1943 Jakschitz
1943–1945 Axelhausen
Janikowo Amsee Amsee
Niszczewice Nischwitz 1939–1943 Nischwitz
1943–1945 Detleben
Prądocin Adlig Brühlsdorf Adlig Brühlsdorf
Rojewo Rojewo
1906–1919 Roneck
1939–1943 Roneck
1943–1945 Rooneck
Szadłowice Schadlowitz 1939–1943 Schadlowitz
1943–1945 Greutingen
Szymborze Szymborze Therwingen
Tarkowo Górne Tarkowo Hauland
1906–1919 Tannhofen
Tannhofen

(Bis auf wenige Ausnahmen galten nach 1815 die polnischen Ortsnamen weiter, zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden mehrere Ortsnamen eingedeutscht. Während der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg erhielten sämtliche Ortschaften deutsche Bezeichnungen.)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kreis Hohensalza – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. »http://books.google.de«
  2. »http://books.google.de«
  3. »http://books.google.de«