Kruszwica

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Kruszwica
Wappen von Kruszwica
Kruszwica (Polen)
Kruszwica
Kruszwica
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Kujawien-Pommern
Landkreis: Inowrocław
Fläche: 6,64 km²
Geographische Lage: 52° 40′ N, 18° 20′ O52.66666666666718.333333333333Koordinaten: 52° 40′ 0″ N, 18° 20′ 0″ O
Einwohner: 9070
(30. Jun. 2014)[1]
Postleitzahl: 88-150
Telefonvorwahl: (+48) 52
Wirtschaft und Verkehr
Straße: WłocławekGniezno
Nächster int. Flughafen: Posen-Ławica
Gemeinde
Gemeindeart: Stadt- und Landgemeinde
Fläche: 262,19 km²
Einwohner: 19.766
(30. Jun. 2014)[1]
Bevölkerungsdichte: 75 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 0407063
Verwaltung (Stand: 2007)
Bürgermeister: Tadeusz Gawrysiak
Adresse: ul. Nadgoplańska 4
88-150 Kruszwica
Webpräsenz: kruszwica.um.gov.pl
Marktplatz von Kruszwica
Denkmal für die Opfer des Faschismus,
Marktplatz von Kruszwica
Das Evangeliar von Kruszwica

Kruszwica (dt. Kruschwitz) ist eine historisch bedeutende Stadt an der Seenplatte von Gniezno und am nördlichen Ende des Gopło-Sees im Powiat Inowrocławski der Woiwodschaft Kujawien-Pommern. Sie ist Sitz der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde und ein wichtiger Punkt auf dem Piastenweg.

Geografie und Natur[Bearbeiten]

Die Stadt Kruszwica liegt an der nördlichen Spitze des großen Gopło-Sees, da wo die Noteć, wichtigster Nebenfluss der Warthe, weiter in Richtung Bydgoszcz bishin nach Santok fließt. Sie ist von vielen Waldgebieten umgeben und ein beliebtes Ausflugsziel vieler Touristen. In der Stadt leben auf 6,64 km² derzeit ca. 9.000 Einwohner.

Stadtgliederung und Gemeinde[Bearbeiten]

Zur Stadt- und Landgemeinde Kruszwica gehören folgende Ortschaften:

polnischer Name deutscher Name
(1815-1918)
deutscher Name
(1939-45)
Bachorce Bacharcie Bachenbruch
Baranowo Gut Baranowo Lammfeld
Bródzki Königsthal Königstal
Brześć Gut Brzesc Briesen
Chełmce Chelmce Grünholm
Chełmiczki Chelmiczki Bühlau
Chrosno Chrosno Reisern
Cykowo Cykowo Ziegenfeld
Giżewo Gut Gizewo Gießbach
Głębokie Gut Glembokie Deipenhof
Gocanówko Gut Gocanowko Gotenheim
Gocanowo Gocanowo Gotendorf
Grodztwo Grodztwo Winrichsburg
Janocin Gut Janocin Ginsterbusch
Janowice Gut Janowitz Hansenhof
Karczyn Gut Karczyn Talrode
Karsk Karsk Karsen
Kicko Kicko Katten
Kobylnica Kobelnica Blessendorf
Kobylniki Gut Kobelnik Roßau
Kruszwica Kruschwitz 1939-43 Wikingen
1943-45 Kruschwitz
Lachmirowice Gut Lachmirowitz Möwenhof
Łagiewniki Lagiewnik Büttenhof
Mietlica Gut Mietlica Schmalsee
Orpikowo Orpikowo Seebach
Ostrówek Gut Ostrowek Oberwerth
Ostrowo Gut Ostrowo am Goplo Spitzwerder
Papros Papros Farnen
Piaski Gut Piaski Sandfeld
Piecki Pietzki Teerofen
Polanowice Gut Polanowitz Waltersmark
Popowo Gut Popowo Strandhof
Przedbojewice Gut Przedbojewitz
1908-18 Gut Schedbojewitz
Albrechtshof
Racice Gut Racice
1906-18 Raschleben
Raschleben
Różniaty Rozniaty Barnefeld
Rusinowo Gut Ruschinowo
1908-18 Ruschingen
Ruschingen
Rzepiszyn Emmowo Emmenhofen
Rzepowo Friedrichowo
1906-18 Friedrichau
Röwenfeld
Skotniki Königlich Skotniki
1906-18 Gut Skotniki
Hürdenfeld
Słabęcin Slabencin Ruppertsfeld
Słabęcinek Slabencinek Ruppertshof
Sławsko Górne Liliendorf Liliendorf
Sławsko Wielkie Groß Slawsk Lilienfeld
Sokolniki Sokolnik Falken
Sukowy Gut Sukowy Wächterhof
Szarlej Scharley Altschanze
Tarnówko Gut Tarnowko Tarnen
Tarnowo Gut Tarnowo Schlehen
Witowice Gut Witowice
1910-18 Weitendorf
Weitendorf
Witowiczki Gut Witowiczki Weitenhof
Wola Wapowska Wola Wapowska 1940-43 Freidorf
1943-45 Freiwappen
Wróble Gut Wroble Sperlingshof
Zaborowo Zaborowo Hinterwalden
Żerniki Zernik Schönwerth
Złotowo Zlotowo Schlotterbach

Geschichte[Bearbeiten]

Der Mäuseturm von Kruszwica, 1866
Der Mäuseturm von Kruszwica heute
Ständige Ausstellung im Mäuseturm von Kruszwica
Das große Schloss Kruszwica im 17. Jahrhundert
Zugbrücke, Burgruine Kruszwica
Die Basilica minor in Kruszwica
Kath. Kirche Hl. Teresa von Ávila
Der Pałac Kobylniki als Grand Hotel bei Kruszwica

Kruszwica gilt als Hauptstadt des legendären Gründers der ersten polnischen Königsdynastie – der Piasten. Die ältesten Siedlungsspuren stammen aus der Jungsteinzeit (3.900 - 1.800 v.Chr.). Auf 500 v. Chr. wird eine Burg auf dem Ostrów Rzępowski (derzeit Półwysep Rzępowski) datiert. Die Besiedelung war durch die besonders fruchtbaren Böden, die natürlichen Ressourcen und die geografische Lage begünstigt. Die Entwicklung der Stadt wurde auch durch die Lage an der Bernsteinstraße und dem Weg von Großpolen in die Kiewer Rus begünstigt. Kruszwica wurde in dieser Zeit ein kleines, weltoffenes Dorf. Im 8.-9. Jahrhundert war Kruszwica die Hauptstadt des Stammesstaates der Goplanen. Ende des 9. Jahrhunderts wurde es dem Staat der Polanen einverleibt, dessen Hauptburg sich in Gniezno befand. An jene Ereignisse knüpft die später entstandene Sage von Popiel und den Mäusen an, die erstmals von dem Chronisten Gallus Anonymus niedergeschrieben wurde. Die früh überlieferte, in Polen sehr populäre Sage erzählt, Popiel II., der Herzog von Polen, sei mit seiner Frau nach einem heimtückischen Mord um 840 auf den Mäuseturm von Kruszwica am Gopło-See geflohen und dort von den Mäusen gefressen worden. Danach trat Piast als Nachfolger Popiels die Herrschaft über Polen an. Laut der aus dem 13. Jahrhundert stammenden Chronik von Großpolen war der Wagenbauer Piast Vater von Siemowit und Siemowit der Vater von Lestek, dessen Sohn wiederum Siemomysł war, der Vater Mieszkos I. – des ersten historischen Herrschers Polens.

Die wahrscheinlich wichtigste Burg der Goplanen war eine stark verteidigte Siedlung ca. 20km südlich von Kruszwica. Sie wurde zusammen mit dem Stamm der Goplanen in den Stamm der Polanen eingegliedert. Deshalb entstand in Kruszwica während des 10. und 11. Jahrhunderts auch ein bedeutendes Stadtzentrum mit einer Burg auf der Halbinsel, auf der die polnischen Fürsten und Könige residierten. Die Burg Kruszwica wurde beträchtlich ausgebaut. Und in Kruszwica kreuzten sich wichtige Handelswege, die nach Litauen und Ruthenien sowie von Kalisz nach Gdańsk führten. Kruszwica war auch ein bedeutendes Zentrum des Handwerks. Aus den hiesigen Solen wurde Siedesalz gewonnen. Von dem polnischen Begriff kruszwy (Salzblöcke) wurde auch der Name der Stadt abgeleitet.

Die große Blütezeit Kruszwicas wurde 1096 stark erschüttert, als dem rebellierenden Zbigniew (Polen) Zuflucht gewährt wurde und Władysław I. Herman die Stadt schließlich niederbrennen ließ. Kruszwica feierte im 12. und 13. Jahrhundert dennoch seine Wiederauferstehung und seine höhere Einwohnerzahl. Gallus Anonymus rief die Stadt seinerzeit castrum Crusuicz, im Jahr 1133 Cruciuis und 1193 Crusvicia. 1149 fand hier eine Zusammenkunft mit Markgraf Albrecht der Bär, Otto I. (Bayern) und anderen Fürsten statt. Im Jahr 1157 führte Kaiser Barbarossa ein Heer in diese Gegend. Seit Ende des 12. Jahrhunderts war die Burg Kruszwica Sitz des Kastellan von Kruszwica. Er errichtete schon wenig später in Kruszwica den Stift St. Peter und Paul sowie die Burgkirche St. Wita. Im 12. Jahrhundert entstanden auch noch weitere Kirchenbauten, u.a. das Hospital St. Godehard von Hildesheim. Während dieser Zeit soll Kruszwica auch Bischofssitz des Bistum Włocławek gewesen sein. [2] Das Bistum war während der Jahre 1123-24 gut aufgestellt während des Apostolischen Legats. Die Ära Bolesław III. Schiefmund und Bolesław IV. gab Kruszwica einen weiteren Aufschwung, bis Bolesław Pobożny 1271 die Stadt erneut niederbrennen ließ. Im Juni 1230 gab Konrad von Masowien dem Deutschen Orden im Vertrag von Kruschwitz das benachbarte Kulmerland als Lehen oder Schenkung zwischen den Flüssen Weichsel, Drewenz und Ossa mit einer Reihe von Hoheitsrechten, die nur dem Landesherrn zustanden, wie z. B. das Salzregal und das Münz- und Zollrecht. Damit erhielt der Orden weitgehende Souveränität in diesem Gebiet. Alles von den Pruzzen zu erobernde Land sollte dem Orden zu gleichen Rechten gehören.

1332 wurde die Burg vom Deutschen Orden erobert und für fünf Jahre besetzt. Von 1350-55 baute König Kazimierz Wielki das große Schloss (mit "Mäuseturm") als Sitz des Kastellans und Starosten.

1422 erhielt Kruszwica das Stadtrecht durch König Władysław II. Jagiełło. [3] Der schwedische Überfall 1655-57 beim Potop stürzte Kruszwica in den Ruin. Das große Schloss wurde zusammen mit der Stadt vollständig niedergebrannt.

Ein erneuter Aufstieg setzte erst Ende des 19. Jahrhunderts ein, als hier eine Zuckerfabrik (1880), eine Eisenbahnlinie (1889) und eine Reihe kleinerer Betriebe gebaut wurden. Während dieser Zeit half Kruszwica auch der Bau des Kanał Bydgoski, der den Schiffsverkehr auf der Noteć verstärkte. Seit dem 5. August 1772 gehörte Kruszwica infolge der Teilungen Polens allerdings zum Königreich Preußen und hieß deutsch Kruschwitz. Die Folgen der Germanisierungspolitik Bismarcks waren spätestens ab 1874 auch hier zu spüren. Bis zur Befreiung der Stadt beim Großpolnischen Aufstand blieb die Piasten-Burgruine für Polen deshalb ein viel besuchtes, patriotisches Kultursymbol des Polentums.

Während der Jahre 1919-39 investierte man in Kruszwica stark in die Ernährungs- und Agrarindustrie. In den Jahren 1952–1956 wurde der bedeutendste Industriebetrieb errichtet, die Kujawischen Fettindustriewerke (Kujawskie Zakłady Przemysłu Tłuszczowego), eine der größten Margarinefabriken in Polen.

Im Juni 1960 fanden in Kruszwica die landesweiten Feierlichkeiten zum 1.000-jährigen Jubiläum der Gründung des ersten polnischen Staates statt. Eine Verwaltungsreform gliederte Kruszwica danach der Woiwodschaft Bydgoszcz zu. Seit 1999 ist sie Teil der Woiwodschaft Kujawien-Pommern.

Kruszwica taucht als Handlungsort bedeutender polnischer Literaturwerke auf bei:

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

  • Stadtzentrum am westlichen Ufer des Gopło-Sees. Die Bebauung des Marktes und der benachbarten Straßen stammt aus dem 19. und 20. Jahrhundert
  • Mäuseturm Kruszwica, ein Überbleibsel des großen, von den Schweden zerstörten Schlosses. König Kazimierz Wielki hatte es Mitte des 15. Jahrhunderts zusammen mit dem Mäuseturm hier als Sitz des Kastellan und Starosten von Kruszwica errichten lassen. Vom Mäuseturm erhält man einen herrlichem Ausblick über die Stadt und den Gopła-See; Im Mäuseturm zeigt eine Ständige Ausstellung die Stadtgeschichte von Kruszwica
  • die romanische Stiftsbasilika St. Peter und Paul aus den Jahren 1120-40. Das dreischiffige Gotteshaus ist aus Granit- und Sandsteinquadern gebaut. Es heißt, dass es „Zeuge von neun Jahrhunderten” ist. Die Kirche ist eine der ältesten Kirchen Polens, vermutlich die älteste überhaupt. Restauriert Mitte des 19. und 20. Jahrhunderts.
  • Kath. Kirche Hl. Teresa von Ávila am Kruszwicaer Markt aus dem Jahre 1922
  • Zuckerfabrikgebäude aus dem 19. Jahrhundert
  • frühe Besiedlung am südlichen Ende der Halbinsel Rzępowski
  • Nadgoplański Park Tysiąclecia (1882,65 ha großes Naturschutzgebiet)

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten]

1772 war Kruszwica mit 79 Einwohnern die damals kleinste Stadt im Königreich Preußen.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten]

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Durch die Stadt Kruszwica oder seine nahen Nachbarschaftsorte verlaufen folgende Bahnlinien:

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Durch die Stadt Kruszwica verlaufen folgende Bundesstraßen:

Flugverkehr[Bearbeiten]

Der Internationale Flughafen Posen-Ławica ist der nahegelegenste Flughafen von Kruszwica aus.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Heinz Guderian, deutscher Heeresoffizier (ab 1940 Generaloberst), Kommandeur großer Panzerverbände und in der Endphase des Zweiten Weltkrieges zeitweilig Chef des Generalstabes des Heeres der Wehrmacht.
  • Ewa Lewańska, Malerin
  • Stanisław Makowski, Kapitän der British Army und Soldat der französischen Widerstandsbewegung
  • Jan Kasprowicz, polnischer Schriftsteller, Dichter, literarischer Übersetzer und Hochschullehrer
  • Stanisław Przybyszewski, polnischer Schriftsteller, der zu Beginn seiner Laufbahn auf Deutsch schrieb
  • Zbigniew Przybyszewski, Kommandeur, heroischer Verteidiger der polnischen Halbinsel Hela
  • Janusz Drzewucki, polnischer Dichter, Literaturkritiker, Journalist, Herausgeber
  • Juliusz Trzciński, polnischer Politiker, Minister im "Ersten Rat von Wincenty Witos"

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kruszwica – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2014. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (PDF), abgerufen am 6. Dezember 2014.
  2. Nach Jan Długosz wurde unter Mieszko I. in Kruszwica ein Bistum für Kujawien geschaffen, das aber bald wieder aufgelöst wurde. Leider ist die Auflösung des Bistums nirgends dokumentiert. Belegt ist dagegen 1123 die Gründung des Bistums in Włocławek durch Bolesław III. Schiefmund. Deshalb halten manche Historiker Długoszs Aussage für zweifelhaft.
  3. König Władysław II. Jagiełło verlieh am 8.Juni 1422 die Magdeburger Stadtrechte