Kurenkahn

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Kurenkahn im Hafen von Nida

Kurenkahn (auch Keitelkahn) ist die Bezeichnung für einen Bootstyp, der bis Ende des Zweiten Weltkriegs auf dem Kurischen und auf dem Frischen Haff im ehemaligen Ostpreußen als Fischerboot eingesetzt wurde.

Name[Bearbeiten]

Der Name bezieht sich auf den Volksstamm der Kuren, der unter anderem auch Namensgeber für die Nehrung und das Haff war. Der Kurenkahn ist ein ca. 12 m langes Holzboot, typisch für seine Form sind der hochgezogene Bug und eine nach hinten abschwingende Seitenlinie. Besonderheit ist aber der flache Bootsboden, der mit einem Tiefgang von ca. 40 cm zum einen das Befahren seichter Stellen im Haff zum anderen auch das problemlose Transportieren zum Beispiel von Vieh, Holz und Heu und anderen Lasten ermöglichte.

Für den Kurenkahn wird auch der Begriff „Keitelkahn“ verwendet. Die unterschiedliche Bezeichnung weist jedoch auf die jeweils verwendete Fangart hin, die sich auch bei gleichem Bootstyp mit der Jahreszeit ändern konnte. Kurenkähne verwendeten das Kur(r)ennetz, ein dreiwandiges Zugnetz mit einer Länge von ca. 250 m, das von zwei Booten ausgebracht wurde. Keitelkähne fischten mit dem Keitel - einem trichterförmigen Schleppnetz - das unter Umständen größere und mit stärkerer Segelkraft ausgestattete Boote erforderte.

Heute gibt es auf dem Kurischen Haff im litauischen Teil einige wenige Kurenkähne als Ausflugsboote für Touristen.

Siehe auch: Wittine

Kurenwimpel[Bearbeiten]

Hauptartikel: Kurenwimpel

Kurenwimpel aus Nidden (2004)

Typisch für die Kurenkähne wurden seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die „Kurenwimpel“. Sie dienten nur nebenbei zur Feststellung der Windrichtung, sondern als Erkennungszeichen des Herkunftsortes und des Fischers. Als letztere wurden sie zunehmend farbig und durch Schnitzereien (Adler, Anker, Elch, Herz, Radkreuz, Schiff) ausgeschmückt und „erzählen“ in Bildern ganze Geschichten über die Familie des Eigentümers.

Als Geburtsstunde der Kurenwimpel gilt das Jahr 1844. Die Kontrolle der zahlreichen Fischerboote auf dem Haff und die Einhaltung der den Fischerorten zugewiesenen Fischereirechte erwies sich als kaum noch möglich. Die Fischereiverwaltung erließ darauf hin eine Verordnung, nach der alle Boote (nicht nur die Fischerboote) ein weithin sichtbares Erkennungszeichen zu führen hatten. Der Wimpel am Mast musste mindestens zwei Fuß lang und einen Fuß breit sein. Jeder Ort am Haff erhielt eine bestimmte Flagge und jede Region eine bestimmte Farbe zugewiesen. Zudem konnte man an der Farbe des Wimpelschweifs den Verwendungszweck des Bootes erkennen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Woede: Die Wimpel der Kurenkähne. Geschichte - Bedeutung - Brauchtum. Würzburg 1966
  • Werner Jaeger: Die Fischerkähne auf dem kurischen Haff ISBN 3-895-34160-6
  • Martin Kakies: Die Kurische Nehrung in 144 Bildern. Rautenberg 2002, ISBN 3-8003-3009-1

Weblinks[Bearbeiten]