Ostpreußisches Landesmuseum

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Ostpreußisches Landesmuseum
Lüneburg - Heiligengeiststraße - Ostpreußisches Landesmuseum 01 ies.jpg
Ostpreußisches Landesmuseum
Daten
Ort Lüneburg
Art Kulturhistorisches Museum
Eröffnung 1987
Leitung Dr. Joachim Mähnert
Website http://ostpreussisches-landesmuseum.de

Das Ostpreußische Landesmuseum erinnert an die Geschichte, Kunst und Kultur, aber auch an Landschaft und Tierwelt Ostpreußens. In seinem umfassenden geographischen und historischen Anspruch ist es weltweit einzigartig. Seit 2010 ist sein Auftrag um eine deutschbaltische Abteilung erweitert worden.

Auftrag[Bearbeiten]

Das Museum sammelt Kulturgut aus Ostpreußen sowie der Deutschbalten, um diesen Teil deutscher und europäischer Geschichte zu bewahren, zu erforschen und im nationalen wie internationalen Rahmen zu vermitteln. Mit diesem länderübergreifenden Ansatz will das Museum einen Beitrag zum gegenseitigen besseren Verständnis und zur Völkerverständigung leisten. Da das historische Ostpreußen heute zu Litauen, Polen und Russland gehört und die Deutschbalten auf dem Gebieten der heutigen Republiken Estland und Lettland lebten, pflegt das Museum zu Kultureinrichtungen dieser Länder einen intensiven Austausch. Träger des Ostpreußischen Landesmuseums ist die Ostpreußische Kulturstiftung. Das Museum wird durch die Bundesregierung auf Grundlage eines Beschlusses des Deutschen Bundestages und das Land Niedersachsen auf Grundlage des §96 BVFG institutionell gefördert. Für die Förderung durch den Bund ist der Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien zuständig; für Niedersachsen ist es das Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Grenzüberschreitende Kulturarbeit[Bearbeiten]

Die grenzüberschreitende Kulturarbeit ist für das Ostpreußische Landesmuseum von zentraler Bedeutung. Jedes Jahr werden mehrere Ausstellungen des Ostpreußischen Landesmuseums in Museen in Polen, Russland und Litauen präsentiert. Daneben werden jährlich weitere grenzüberschreitende Projekte, wie Studienreisen oder internationale Schulprojekte, durchgeführt. Gemeinsame Veranstaltungen sollen die gegenseitigen Vorurteile abbauen und damit zu einem besseren Verständnis zwischen den Deutschen und ihren östlichen Nachbarn beitragen. Ziel ist es, einen wesentlichen Beitrag zu einem weiter zusammenwachsenden, friedlichen Europa zu leisten.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Niedersachsen wurde nach dem Zweiten Weltkrieg Hauptansiedlungsgebiet von Millionen Vertriebenen aus den deutschen Ostgebieten jenseits von Oder und Neiße. In der Lüneburger Region waren Anfang der 1950er Jahre so viele Ostpreußen ansässig, dass man hier zeitweilig vom "Klein-Ostpreußen“[2] in der Heide sprach. Im Rahmen von Neuanfang und Integration bemühten sich die Vertriebenen um die Bewahrung ihrer kulturellen Identität.

1958 entstand so aus der Initiative des 1906 in Tilsit geborenen Forstmeisters Hans-Ludwig Loeffke und anderer Ostpreußen das ehrenamtlich geführte "Ostpreußische Jagdmuseum – Wild, Wald und Pferde“ im Lüneburger Alten Kaufhaus am Alten Kran. Ein Jahr später fiel es einer Brandstiftung zum Opfer.[3] Siegfried Lenz hat dem Brand eines ostpreußischen Heimatmuseums in seinem 1978 erschienenen Roman "Heimatmuseum" ein Denkmal gesetzt. Anders als im Roman richtete sich die Lüneburger Brandstiftung aber nicht gegen das Museum. Der Schaden war dennoch groß, nur vereinzelte Exponate konnten gerettet werden. 1964 konnte es an neuem Standort in der Lüneburger Salzstraße neu eröffnet werden. Anfang der 1980er Jahre erweiterte sich die Programmatik des Museums und es folgte eine Umbenennung in "Ostpreußisches Jagd- und Landesmuseum". Dies geschah aufgrund der von der Bundesregierung 1982 erarbeiteten "Grundsatzkonzeption zur Weiterführung der ostdeutschen Kulturarbeit", welche die Gründung von "Landesmuseen der großen ostdeutschen Regionen" vorsah. Das Ostpreußische Landesmuseum war das erste dieser Art. In einem mehrstöckigen Neubau wurde es 1987 zum Ostpreußischen Landesmuseum umgestaltet. Seitdem wird die Museumsarbeit mit hauptamtlich beschäftigten Wissenschaftlern professionell betrieben. Gründungsdirektor war Dr. Friedrich Jacobs.

Dauerausstellung[Bearbeiten]

Auf derzeit über 1.500 qm und 3 Etagen verteilt sich die Dauerausstellung des Ostpreußischen Landesmuseums. Aktuell gliedert sie sich in 8 Schwerpunkte:

Landesgeschichte

Die Landesgeschichte ist in mehrere Abschnitte unterteilt: Ur- und Frühgeschichte, der Ordensstaat (bis 1525), Herzogtum Preußen (1525-1701), Königreich Preußen bis zur Reichsgründung (1701-1871), Kaiserzeit (1871-1918), Weimarer Republik (1919-1932) und „Drittes Reich“ (1933-1945) mit anschließender Flucht und Vertreibung.

Naturkunde

Naturgetreue Dioramen in klimatisierten Überdruckvitrinen und Tierpräparate vermitteln einen Eindruck ostpreußischer Landschaften wie die Kurische Nehrung, Masuren, das Oberland, die Rominter Heide und der so genannte Elchwald. Auch die naturkundliche Forschung etwa der Vogelwarte Rossitten wird thematisiert.

Jagd

Auf Basis der umfangreichen Jagdsammlung des Vorläufermuseums „Ostpreußisches Jagdmuseum“ sowie der bedeutenden jagdlichen Tradition Ostpreußens werden Jagdreglements, historische Jagdformen, Jagdwaffen, besondere und ausgerottete Tierarten, Schwarz-, Reh-, Rot- und Elchwildtrophäen, das Jagdgebiet Rominter Heide, Forstämter und Waldentwicklung gezeigt.

Bildende Kunst: Malerei, Graphik und Plastik

Das Ostpreußische Landesmuseum verfügt über mehr als Tausend Gemälde und weit über 10.000 Graphiken. Gesammelt werden in Ostpreußen gebürtige Künstler, Absolventen der dortigen Kunstakademie sowie Bilder, welche die Region selbst thematisieren. Neben heute wenig bekannten Namen verfügt das Museum auch über Bestände von Größen wie etwa Lovis Corinth und Käthe Kollwitz.

Geistesgeschichte

Ostpreußen prägte viele Geistesgrößen von internationaler Bedeutung. Die Ausstellung erinnert u.a. an Nikolaus Kopernikus, Simon Dach, Immanuel Kant, Johann Gottfried Herder, E.T.A. Hoffmann, Siegfried Lenz.

Kunsthandwerk

Gezeigt werden Bernsteinbearbeitung, Einschlüsse von Insekten, Bernsteinketten, Bernsteinkunsthandwerk, Goldschmiedekunst aus Königsberg und Keramik aus Cadinen.

Ländliche Wirtschaft

Ländliches Leben, Landwirtschaft und Fischerei waren sozial und wirtschaftlich von herausragender Bedeutung für Ostpreußen. Neben volkskundlichen Gerätschaften werden auch die ostpreußischen Güter sowie die Zucht wichtiger Nutztierrassen vorgestellt. Besonders bekannt und heute noch züchterisch von Bedeutung ist das Trakehner Pferd.

Deutschbalten

Das Ostpreußische Landesmuseum erweitert sich um eine deutschbaltische Abteilung. Schon jetzt gibt es einen kleinen deutschbaltischen Bereich.

Wechselausstellungen[Bearbeiten]

Das Ostpreußische Landesmuseum präsentiert in seinen zwei Wechselausstellungsbereichen jährlich 4 bis 6 Wechselausstellungen. Von 1987 bis 2013 wurden knapp 140 Ausstellungen in Lüneburg gezeigt. Aufgrund seines nationalen Auftrags zeigt das Museum ebenfalls jährlich mehrere Ausstellungen an anderen Orten in Deutschland.

Übersicht über bedeutende Wechselausstellungen:

  • »Alles brannte!« Jüdisches Leben und seiner Zerstörung in den preußischen Provinzen Hannover und Ostpreußen (2013/14) (mit Katalog)
  • Im Streit der Stile. Die Künstlerkolonie Nidden zwischen Impressionismus und Expressionismus (2013/14) (mit Katalog)
  • Das Erleben des Elementaren. Der Expressionist Karl Eulenstein (2013)
  • Glanz und Elend. Mythos und Wirklichkeit der Herrenhäuser im Baltikum (2012/13) (mit Katalog)
  • Vertraute Ferne. Kommunikation und Mobilität im Hanseraum (2012) (mit Katalog)
  • "Ich übertrage das Gefühl". Der ostpreußische Maler Eduard Bischoff (1890-1974) (2011/12)
  • Ich habe dich bei deinem Namen gerufen (2011)
  • Fahrt in die Sonne. Ernst Mollenhauer in der Künstlerkolonie Nidden (2010/11)
  • Königin Luise von Preußen. Leben und Mythos (2010)
  • Der ostpreußische Maler Karl Kunz aus Herzogswalde (1904 -1969) (2008)
  • Der Mythos Trakehnen - 275 Jahre Hauptgestüt Trakehnen (2007)
  • Gestaltet in Ostpreußen - Der Bildhauer Hermann Brachert (2007)
  • "Zum Besten der Ostpreußenhilfe" - Spenden für den Wiederaufbau ab 1915 (2006/07) (mit Katalog)
  • Zwischen Haff, Heide, Harz und Helgoland - 100 Jahre staatlicher Naturschutz (2006)
  • Königsberg in Bildern und Visionen (2005)
  • Kirche im Dorf: Ausstellung des Geheimen Staatsarchivs Preußischer Kulturbesitz, Berlin (2003/04)
  • 100 Jahre Cadiner Keramik - 1903-2003 (2003) (mit Katalog)
  • Volkskunde des Memellandes - Die Sammlung Hugo Scheu aus Heydekrug (2002)
  • Der Maler und Nazigegner Emil Stumpp-Köpfe und Landschaften aus bewegter Zeit (2001)
  • Kunst aus dem Deutschordensland Preußen (2001) (mit Katalog)
  • Frühe Ansichten Ost- und Westpreußens im Steindruck (2001)
  • Bernsteinschätze aus der Marienburg (2000) (mit Katalog)
  • Juden in Ostpreußen (1998) (mit Katalog)

Bibliothek[Bearbeiten]

Die Präsenzbibliothek umfasst mehr als 15.000 Titel. Der Schwerpunkt der Spezialbibliothek liegt auf Publikationen zu Ost- und Westpreußen, dem deutsch-baltischen Siedlungsgebiet, zum Deutschen Orden, der Geschichte Ostpreußens und den Themen der nach 1945 erfolgten Integration und Bewahrung der kulturellen Identität der aus Ost- und Westpreußen Vertriebenen. Ein wichtiger Bestandteil sind Biographien, Prosa und Lyrik von Menschen, Schriftstellern und Dichtern, die ihre Heimat in Ost- und Westpreußen hatten.

Kulturreferat[Bearbeiten]

Das an das Ostpreußische Landesmuseum angegliederte Kulturreferat widmet sich den Themen Ostpreußen, historisches Baltikum, sowie den Siedlungsgebieten der Russlanddeutschen. Seine Aufgabe ist es, über die vielfältigen Aspekte der Kultur und Geschichte der Deutschen in diesen Gebieten zu informieren und sie einem breiten Publikum bekannt zu machen. Über das Kulturreferat finden über das ganze Jahr verteilt regelmäßige Veranstaltungen, wie Vorträge, Seminare, Tagungen, Lesungen, Buchvorstellungen, Filmvorführungen und Konzerte, statt. Zudem organisiert das Kulturreferat auch - oftmals in Zusammenarbeit mit Schulen und anderen Bildungseinrichtungen in Deutschland, Polen, Russland, Estland, Lettland und Litauen - Schulprojekte, Lehrerfortbildungen und Studienfahrten, um Menschen miteinander in Dialog zu bringen.

Kinderclub[Bearbeiten]

Neben den umfangreichen Angeboten für Gruppen und Schulklassen verfügt das Museum über einen eigenen Kinderclub. Er dient vorrangig dazu, Kindern aus eher bildungsfernen Schichten einen niedrigschwelligen Zugang zu den Lern- und Freizeitangeboten eines Museums zu verschaffen. Das Angebot gilt für Kinder von 6 bis 14 Jahren.

Erweiterungspläne[Bearbeiten]

Nach Beschluss einer neuen Museumskonzeption wurde 2010 die Integration einer Deutschbaltischen Abteilung beschlossen. Dies geschieht in enger Kooperation mit der in Lüneburg ansässigen Deutschbaltischen Kulturstiftung, aber auch mit dem Nordost-Institut als dem zentralen Forschungsinstitut für das Baltikum. Zugleich soll die Dauerausstellung grundlegend modernisiert werden. Thematisch hinzukommen die Abteilungen „Integration der Vertriebenen nach 1945“ sowie „Bewahrung des deutschen Kulturerbes in Ostpreußen und dem Baltikum heute“. Das Ostpreußische Landesmuseum plant hierfür einen Um- und Erweiterungsbau mit einem neuen Haupteingang in der Heiligengeiststraße. Bereits 2008 erfolgte der Ankauf des Hauses Heiligengeiststr. 38 in Lüneburg, welches mit den dahinter liegenden Flurstücken der Erweiterung dienen soll. Der Beginn der Arbeiten ist für 2013 angesetzt, die Fertigstellung ist für 2015 geplant. Das Architekturbüro Sunder-Plassmann aus Kappeln wurde für die Arbeiten beauftragt.

Lage[Bearbeiten]

Das Ostpreußische Landesmuseum liegt inmitten der historischen Altstadt Lüneburgs. Der Bahnhof befindet sich fußläufig circa 10 -15 Minuten entfernt

Zertifizierung[Bearbeiten]

Das Museum wurde 2011 vom Museumsverband Niedersachsen/Bremen als professionell arbeitende Einrichtung im Rahmen der Museumsregistrierung zertifiziert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Jörn Barfod: Das Ostpreußische Landesmuseum – Entstehung und Entwicklung. In: Jahrbuch für ostdeutsche Volkskunde, 34/1991, S. 381-399,
  • Ronny Kabus (Hrsg.): Ostpreußen. Landschaft, Geschichte, Kultur. Husum Verlag, Husum 1997, ISBN 3-88042-812-3.
  • Ronny Kabus: Museum mit Zukunft? Der Beitrag des Ostpreußischen Landesmuseum zur Erforschung, Pflege und Verbreitung von Geschichte und Kultur Ostpreußens. In: Neue Forschungen zur Geschichte des Preussenlandes, vornehmlich zur neueren Kulturgeschichte. Marburg, 2003. S. 209-228.
  • Ronny Kabus: Lenin Luther Lorbass. Erbarmung! Norderstedt 2014, ISBN 978-3-7322--9968-3, S. 246-301.
  • Joachim Mähnert: Von Lüneburg in die Welt. Transnationale Kulturarbeit im Ostpreußischen Landesmuseum. In: Vertraute Ferne. Kommunikation und Mobilität im Hanseraum, Husum 2012, S. 100-106., ISBN 978-3-89876-632-6
  • Joachim Mähnert: Das Deutschbaltische Museum als Abteilung des Ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg. In: Jahrbuch des baltischen Deutschtums 2012, Oldenburg, 2011. S. 8 -20, ISBN 978-3-923149-66-7
  • Ulrich Müller : Flucht ins Museum? Flucht im Museum? Das Ostpreußische Landesmuseum Lüneburg zwischen Mythos, Erinnerung, Geschichte und Gegenwart. In Museum revisited. Transdisziplinäre Perspektiven auf eine Institution im Wandel. Transcript Verlag, Bielefeld 2010, S. 249-260, ISBN 978-3-8376-1377-3
  • Silke Straatman: Elche, Bernstein und Planetenforscher. Kinder entdecken das Ostpreußische Landesmuseum. Husum Verlag, Husum 2006, ISBN 978-3-89876-303-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://ostpreussisches-landesmuseum.de/ueberuns/leitbild.html
  2. Landeszeitung für die Lüneburger Heide, 9. Februar 1950.
  3. http://spiegel.de/spiegel/print/d-43063121.html

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Ostpreußisches Landesmuseum – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien


53.24619444444410.407444444444Koordinaten: 53° 14′ 46″ N, 10° 24′ 27″ O