Landgraf

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Adelstitel Landgraf; zu weiteren Bedeutungen dieses Begriffs siehe Landgraf (Begriffsklärung).
Friedrich III., der Strenge, Landgraf von Thüringen und Markgraf von Meißen, Historiengemälde des 19. Jahrhunderts auf der Albrechtsburg in Meißen

Der Landgraf (lat.: comes provincialis, comes patriae, comes terrae, comes magnus, comes provinciae, comes principalis, lantgravius) ist ein Fürstentitel und steht über dem einfachen Grafenstand. Im Heiligen Römischen Reich waren spätestens ab dem Spätmittelalter Land-, Mark- und einige Pfalzgrafen dem Reichsfürstenstand angehörig und damit den Herzögen faktisch gleichgestellt.

Entwicklung der Landgrafenwürde[Bearbeiten]

Anfänglich war der Landgraf ein hoher königlicher bzw. kaiserlicher Amtsträger, der in einem Herrschaftsgebiet, ursprünglich innerhalb der Reichsgrenzen gelegen, die hohe Gerichtsbarkeit unmittelbar vom deutschen König zum Lehen hatte. Der Landgraf übte dabei in Gebieten, in denen die alten Grafenrechte stark zersplittert waren, die Nachfolge des früheren Gaugrafen als Standesrichter über alle Freien und Adligen aus. Hierbei lag keine Vermittlung eines Herzogs, Bischofs oder Pfalzgrafen vor. Landgrafschaften waren primär politische Schöpfungen, um die Macht der bis dato allmächtigen Stammesherzöge abzuschwächen und die Versuche von Grafen zu unterbinden, ohne kaiserliche Legitimation die hohe Gerichtsbarkeit in ihrer Grafschaft auf Personen auszudehnen, die zuvor nur der königlichen Gerichtsbarkeit unterworfen waren. Sie dienten damit der Bewahrung alter königlicher Rechte. Die Inhaber der Landgrafenwürde besaßen meist andere Grafenrechte, die in der persönlichen Bedeutung über den Rechten als Landgraf standen, weshalb die Landgrafenwürde meist erst hinter den anderen Würden aufgeführt wurde. Eine Ausnahme stellen Thüringen und Hessen dar. In diesen Ländern wurde die Landgrafenwürde an die Ludowinger vergeben, die dort auch über bedeutende Grafen- und Grundherrschaftsrechte sowie andere Regalien verfügten. Dadurch konnten sie die richterlichen Rechte eines Landgrafen über andere Freie und Adlige zur Stärkung ihrer Territorialrechte außerhalb ihrer eigentlichen Besitzungen benutzen, bis sie schließlich im Bereich ihrer Landgrafschaft quasi herzogliche Rechte ausübten und zu Reichsfürsten ernannt wurden. Der Landgrafentitel diente dabei der Zusammenfassung und Überhöhung aller übrigen einzelnen Grafenrechte. Alle übrigen Landgrafschaften waren weit weniger bedeutend und besaßen auch nicht aufgrund der Landgrafschaft, sondern höchstens aufgrund ihrer übrigen gräflichen Rechte, den Reichsfürstenstand.

Am bedeutendsten waren im Hohen Mittelalter die Landgrafen von Thüringen, deren Landgrafentitel durch die Nachfahren der Heiligen Elisabeth im Haus Hessen von Thüringen ins benachbarte Hessen „einwanderte“, während der Landgrafentitel in Thüringen selbst, nach dem Herrschaftsantritt durch das Wettiner Herzogenhaus, vom Titel eines Herzogs von Sachsen überdeckt wurde. In Thüringen scheint der landgräfliche Titel auf den Vorsitz der Grafen im Landfriedensgericht zurückzugehen.[1]

Im Jahre 1292 wurde die neugegründete Landgrafschaft Hessen vom Kaiser als Reichsfürstentum bestätigt. Die Brabanter Linien in Hessen – das Haus Hessen – führten bis ins 19. Jahrhundert den Landgrafentitel, bevor der Landgraf von Hessen-Kassel 1803, nach Beschluss des Reichsdeputationshauptschlusses, vom Kaiser des Heiligen Römischen Reiches mit der Würde eines Kurfürsten bedacht wurde. (Obwohl Kurfürst kein Titel sondern nur eine Stellung war, gelang es dem nach wie vor Landgrafen nach zähem Kampf sich primär als Kurfürst bezeichnen zu dürfen.) Der Landgraf von Hessen-Darmstadt wurde durch Napoleon I. zum Großherzog erhoben. Die Fürsten nannten sich fortan Kurfürst, respektive Großherzog und souveräner Landgraf. Die zeitweilig an Darmstadt zurückgefallene Landgrafschaft Hessen-Homburg wurde 1817 als souveränes Fürstentum im Deutschen Bund wiederhergestellt. Als 1866 der dortige regierende Landgraf kinderlos verstarb, fiel die Landgrafschaft Hessen-Homburg endgültig an das Großherzogtum Hessen (Darmstadt) zurück. Im selben Jahr wurde, infolge des Preußisch-Österreichischen Krieges, Kurhessen durch Preußen annektiert und das Territorium Hessen-Homburg fiel ebenfalls an das Königreich Preußen.

Im Haus Hessen wird schließlich ab 1920, nach dem Verlust der Kurfürsten- bzw. Großherzogstitel, heute wieder der Name Prinz und Landgraf von Hessen getragen. Jedoch nur der jeweilige Chef des Hauses tritt in der Öffentlichkeit auch als Landgraf von Hessen auf, alle anderen Familienmitglieder bezeichnen sich öffentlich als Prinz oder Prinzessin von Hessen.

Übersicht über die Landgrafschaften[Bearbeiten]

  • Weitere Landgrafschaften:
    • Sundgau
    • Niederelsass
    • Hafferberg
    • Hessen
    • Leuchtenberg
    • Stefling
    • Thüringen: Gründung der Landgrafschaft um 1111/1112. Erster Landgraf war bis 1130 der Feldherr Hermann I. von Winzenburg († 1138), danach wurden die Ludowinger als Landgrafen eingesetzt.
    • Leiningen im Wormsgau

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.regionalgeschichte.net/hauptportal/bibliothek/glossar/alphabet/a/adel.html

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Mayer: Über Entstehung und Bedeutung der älteren deutschen Landgrafschaften. Mittelalterliche Studien – Gesammelte Aufsätze, ed. F. Knapp (Sigmaringen 1958) 187–201. Auch in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Germanische Abteilung 58 (1938) 210–288.
  • Theodor Mayer: Herzogtum und Landeshoheit, Fürsten und Staat. Studien zur Verfassungsgeschichte des deutschen Mittelalters (Weimar 1950) 276–301.
  • T. Eichenberger: Patria. Studien zur Bedeutung des Wortes im Mittelalter (6.–12. Jahrhundert). Nationes – Historische und philologische Untersuchungen zur Entstehung der europäischen Nationen im Mittelalter 9 (Sigmaringen 1991).
  • F.J. van Droogenbroeck: De betekenis van paltsgraaf Herman II (1064-1085) voor het graafschap Brabant. Eigen Schoon en De Brabander 87 (Brüssel 2004) 1–166.
  • Wilhelm Franck: Die Landgrafschaften des heiligen römischen Reichs, Braunschweig 1873, S. 76-80 im Internet Archive

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Landgraf – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen