Lengenfeld unterm Stein

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51.21472222222210.221666666667260Koordinaten: 51° 12′ 53″ N, 10° 13′ 18″ O

Lengenfeld unterm Stein
Landgemeinde Südeichsfeld
Wappen von Lengenfeld unterm Stein
Höhe: 260 m ü. NN
Fläche: 13,34 km²
Einwohner: 1246 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Dezember 2011
Postleitzahl: 99976
Vorwahl: 036027
Karte

Lage von Lengenfeld unterm Stein in Südeichsfeld

Teilansicht des Ortes (vom Viadukt)

Teilansicht des Ortes (vom Viadukt)

Lengenfeld unterm Stein (auch verkürzend Lengenfeld/Stein) ist ein Dorf im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen. Lengenfeld/Stein ist im Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal gelegen. Der Ort wird aus historischen Gründen dem Obereichsfeld zugerechnet.[1] Seit dem 1. Dezember 2011 ist die vormals selbständige Gemeinde Ortsteil der Landgemeinde Südeichsfeld.

Geografie[Bearbeiten]

Lage[Bearbeiten]

Lengenfeld unterm Stein liegt an der hessisch-thüringischen Landesgrenze am Oberlauf der Frieda, einem rechtsseitigen Nebenfluss der Werra. Der Ort befindet sich etwa 15 Kilometer westlich der Kreisstadt Mühlhausen. Charakteristisch für den Ort ist seine Lage in einem Tal, umgeben von steil aufragenden und von Muschelkalk-Felsen gekrönten Hügeln. Der niedrigste Punkt der Ortslage befindet sich mit etwa 230 m NN im Friedatal westlich von Lengenfeld. Die höchste Erhebung ist der 476,6 m hohe Kälberberg im Osten. Weitere Erhebungen sind der Stein (457,3 m NN) im Südosten, der Dünberg (445,4 m) im Süden, der Walperbiel (450,5 m NN) im Norden und der Schlossberg (401,9 m NN) im Nordwesten.

Nachbarorte[Bearbeiten]

Die Nachbargemeinden der früher selbstständigen Gemeinde waren im Norden Effelder (Landkreis Eichsfeld, 4 km entfernt), im Osten Struth (Unstrut-Hainich-Kreis, 6 km), im Südosten Faulungen (Unstrut-Hainich-Kreis, 3 km), im Süden Hildebrandshausen (Unstrut-Hainich-Kreis, 2 km), im Westen Geismar (Landkreis Eichsfeld, 5 km).

Geschichte[Bearbeiten]

Blick vom Eisenbahnviadukt auf die südöstliche Ortslage von Lengenfeld
Schloss Bischofstein in Lengenfeld unterm Stein

Lengenfeld unterm Stein wurde im Jahr 897 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name des Ortes bedeutet langes Feld unter der Burg Stein. Lengenfeld gehörte bis 1802 zu Kurmainz und kam dann an Preußen. Von 1807 bis 1815 war es Teil des Königreichs Westphalen, um dann wieder an Preußen zurückzufallen.

Das Dorf zählte um 1840 laut einer statistischen Untersuchung 1283 katholische und 6 evangelische Einwohner. An erster Stelle wird das Schloss Bischofstein als Domänen-Gut des Herrn Müller erwähnt. Es wurde in Erbpacht verwaltet. Es wurden 160 Wohnhäuser, 203 Stallungen und Scheunen, drei Gemeindehäuser eine Schule erwähnt. Lediglich ein Lehrer unterrichtete gleichzeitig die schulpflichtigen 147 Knaben und 107 Mädchen. Die handwerkliche Weberei und Textilfertigung war im Eichsfeld weit verbreitet, in Lengenfeld fand man 47 Wolltuch-Webstühle und zwei für Leinentuch. Als sonstige Gewerbe- und Handwerksbetriebe nennt die Übersicht vier Schankwirtschaften,vier Musikanten, ein reisender Krämer, zwei Bäcker, ein Fleischer, acht Schuhmacher, ein Riemer, zwei Schneider, zwei Tischler, zwei Stellmacher, zwei Glaser, zwei Böttcher, drei Maurer, zwei Ziegeldecker, zwei Grobschmiede, zwei Schönfärber, zwei Weißbinder, zwei Besenbinder, drei Barbiere, ein Fellhändler, ein Lumpensammler, drei Gipsbrennereien und drei Kalkbrennereien, eine Bierbrauerei, ein Essigbrauer, vier Ölmühlen, vier Mahlmühlen. Man hatte auch elf Knechte und zwölf Mägde für alle anfallenden Dienste zur Verfügung. Zwölf Lebensmittelhändler (Victualienhändler) und versorgten die benötigten Lebensmittel von außerhalb. Diese Vielfalt ist für einen Landort sehr bemerkenswert und zeigt, dass Lengenfeld für die Nachbarorte als Dienstleistungszentrum und Versorgungsort von größerer Bedeutung war. Der gesamte Viehbestand umfasste 60 Pferde, 154 Rinder, 534 Schafe, 88 Ziegen und 104 Schweine. Die Dorfflur umfasste eine Fläche von 3728 Morgen, die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasste davon 1492 Morgen Ackerland, 43 Morgen Gartenland. Ferner wurden 95 Morgen Wiese, 1834 Morgen Wald und 262 Morgen Brachland genannt. Der Ertrag der Felder wurde als schlecht bis gering eingeschätzt. Neben Obstanbau wurde auch Forellenzucht erwähnt.[2]

Nach dem Zweiten Weltkrieg lag die Gemeinde bis zur Wende (DDR) am Rande des Grenzsperrgebiets der DDR und gehörte zum Bezirk Erfurt. Seit 1990 gehört Lengenfeld unterm Stein zum neu gegründeten Bundesland Thüringen. Am 1. Dezember 2011 schloss sich die Gemeinde Lengenfeld unterm Stein mit drei anderen Gemeinden zur neuen Landgemeinde Südeichsfeld zusammen.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Der letzte ehrenamtliche Bürgermeister Augustin Dienemann wurde am 6. Juni 2010 wiedergewählt.[3]

Religion[Bearbeiten]

Kirche "Mariä Geburt" in Lengenfeld
Der Eisenbahnviadukt im Ort
Die Frieda in Lengenfeld/Stein. Im Hintergrund der Eisenbahn-Viadukt.

In der Geschichte des Eichsfeldes begründet ist auch in Lengenfeld der größte Teil der Bevölkerung römisch-katholischer Konfession. Am 31. Dezember 2005 zählte der Ort 1.149 Katholiken, dies entspricht einem Bevölkerungsanteil von 87 %.

Bildung[Bearbeiten]

  • In Lengenfeld unterm Stein gibt es das Käthe-Kollwitz-Gymnasium und die Käthe-Kollwitz-Grundschule.
  • Auf dem Gelände der ehemaligen Hagemühle am westlichen Ortsrand wurde eine private Sportschule gegründet. Jugendtrainer Andreas Seipel hat mit viel Unterstützung des Sportvereins Blau-Weiss-Lengenfeld und mit der A-Trainerlizenz die Grundlage für dieses Jugendfußball-Trainingszentrum geschaffen.[4]

Medien[Bearbeiten]

Das Lengenfelder Echo ist eine seit 1999 wieder monatlich erscheinende Heimatschrift für die Gemeinde Lengenfeld unterm Stein. Das Blatt wurde in der ursprünglichen Form seit Oktober 1956 unter Leitung des Heimatforschers Lambert Rummel, des Ortschronisten Walther Fuchs und des Heimatdichters Heinrich Richwien herausgegeben und informierte über die geschichtliche Entwicklung des Ortes, Sehenswürdigkeiten und Volkskundliches aus dem Eichsfeld. Die Herausgeber mussten in den 1960er Jahren ihre Artikel von einer staatlichen Zensurbehörde überprüfen lassen, daher wurde das Erscheinen bald eingestellt.

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Eisenbahnviadukt[Bearbeiten]

Als bekanntestes Bauwerk gilt der Eisenbahnviadukt, er überspannt den Ort auf einer Länge von 237 Metern, die Höhe der Gleise ist maximal 24 Meter über Grund.[5] Die Baugeschichte der Bahnlinie verweist auf militärische Gründe, daher gab man ihr vom Volksmund scherzhaft den Beinamen Kanonenbahn. Nach der Einstellung des Bahnbetriebs im Jahr 1992 sollte der Viadukt und die Gleisanlagen demontiert werden. Dies konnte jedoch, weil man den touristischen Wert dieser Kuriosität bereits erkannt hatte, durch die Gründung eines Betreibervereins und der Ausweisung als Denkmal der Verkehrsgeschichte bislang verhindert werden. Auf der Strecke betreibt der Eichsfelder Kanonenbahnverein seit dem 15. Mai 2006 eine Fahrrad-Draisinenstrecke.[6]

Katholische Kirche[Bearbeiten]

Der Neubau der katholischen Kirche Mariä Geburt auf dem Kirchberg im Süden des Ortes entstand im neugotischen Stil zwischen 1882 und 1884. Sie wurde am 11. August 1898 geweiht und ist Teil des Südeichsfelder Krippenweges. Unter den Malereien im Inneren sind speziell die Kreuzwegdarstellungen von Joseph Richwien herauszuheben. Die Orgel mit 26 klingenden Registern stammt von dem Orgelbauer Robert Knauf aus Bleicherode.

Schloss Bischofstein[Bearbeiten]

Das Schloss Bischofstein, ein Baudenkmal, befindet sich nördlich der Ortslage am Waldrand des Schloßberges. Der 1747 errichtete Barockbau wurde von 1907 bis 1942 als private Internatsschule und von 1948 bis 1989 als Erholungsheim genutzt. Auf dem Schloss lebte in den 1920er Jahren die Schriftstellerin Beate Bonus, eine Freundin der Künstlerin Käthe Kollwitz. Während des Zweiten Weltkrieges wohnte Käthe Kollwitz bis 1943 im Schloss, wodurch die Namen der Bildungseinrichtungen des Ortes (s. oben unter Bildung) eine besondere Begründung sowie einen engen Bezug erfahren.

Menschenhöhle[Bearbeiten]

Die sogenannte Menschenhöhle ist eine wenig bekannte, aber durch einen Wanderweg erschlossene Höhle im südöstlichen Hang des Dünberges, etwa ein Kilometer südlich der Ortslage Lengenfeld.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Christoph Mähler (* 11. April 1736, † 7. Mai 1814), katholischer Priester, Jesuit, bischöflicher Provikar und Stadtpfarrer in Speyer.
  • Joseph Richwien (* 10. Januar 1912, † 6. Januar 1992), Kirchenmaler, besonders des Eichsfeldes. Ehrenbürger von Lengenfeld.

Sonstiges[Bearbeiten]

  • Zu beachten ist bei Postsendungen die genaue Schreibung des Ortsnamens als „Lengenfeld unterm Stein“ bzw. „Lengenfeld/Stein“, da dem etwa 20 km entfernten Ort Lengefeld dieselbe Postleitzahl zugeteilt wurde.
  • Als Zeugnisse eines derben Volkshumors bildeten sich bereits vor Jahrhunderten Besonderheiten des jeweiligen Dorfes charakterisierende Neck- und Spitznamen heraus. Demnach lebten hier im Ort die Lengenfelder Botterknoten - Butterknoten. Die Lengenfelder pflegten, als andernorts Packpapier längst gebräuchlich war, die Butter zum Markttag auf Rhabarberblättern feilzubieten und so dem Käufer auszuhändigen.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Anton Fick: Lengenfeld/Stein und das Amt Bischofstein im Eichsfeld.. Teil 1 (bis zum Jahr 1360), Eichsfeld-Verlag, Heiligenstadt 2006, S. 272.

Adam Richwien 1889-1928, Heimatdichter nordthüringischer Mundart, Lyrik, Prosa,Dorfheimat, 1927 Wälder, Felder, Bergeshöhn. Eine Anthologie Thüringer Mundartdichtung, hg. Karl-Heinz Sperschneider, Beitrag, Leipzig 1969 Aale Geschichtn. Erbe und Gegenwart in der Mundartdichtung zwischen Rennsteig und Harz, Beitr., hg. Heinz Sperschneider, Erfurt 1981 Thüringer Mundart, Beitr., hg. Heinz Sperschneider, Rudolstadt 1992

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Grund: Das Burgamt Bischofstein wurde von den Mainzer Erzbischöfen erworben und bestand als Verwaltungssitz bis ins 19. Jahrhundert. Entsprechend dieser Bindungen fühlt sich die Bevölkerung dieses Gebietes auch dem Eichsfeld zugehörig.
  2.  Carl August Nobrack: Ausführliche geographisch-statistisch-topographische Beschreibung des Regierungsbezirks Erfurt. Erfurt 1841, S. 162.
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatKommunalwahlen in Thüringen am 6. Juni 2010. Wahlen der Gemeinde- und Stadtratsmitglieder. Vorläufige Ergebnisse. Der Landeswahlleiter, abgerufen am 6. Juni 2010.
  4. N.N.: Andreas Seipel trainiert Groß und Klein in der Region fast rund um die Uhr. Thüringische Landeszeitung (TLZ) vom 6. August 2008 - SPORT IM EICHSFELD.
  5. Ob diese Anlage künftig noch Bestand haben kann, hängt in erster Linie von der sehr kostspieligen Brückenunterhaltung ab,
  6.  Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen (Hrsg.): «Lengenfeld unterm Stein». In: Kulturelle Entdeckungen. Landkreis Eichsfeld, Kyffhäuserkreis, Landkreis Nordhausen, Unstrut-Hainich-Kreis. Band 1 (Thüringen), Schnell & Steiner, Regensburg 2009, ISBN 978-3-7954-2249-3, S. 234–237.
  7. Rolf Aulepp: Spitznamen der Orte und ihrer Bewohner im Kreise Mühlhausen. In: Eichsfelder Heimathefte, Heft 1, Heiligenstadt 1987, S. 78-83.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Lengenfeld unterm Stein – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • l-u-st.de - Offizielle Website des Orts Lengenfeld unterm Stein