Heyerode

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel beschreibt einen Ortsteil von Südeichsfeld in Thüringen. Zum Ortsteil von Sontra in Hessen, siehe Heyerode (Sontra).

51.16388888888910.32344Koordinaten: 51° 9′ 50″ N, 10° 19′ 12″ O

Heyerode
Landgemeinde Südeichsfeld
Wappen von Heyerode
Höhe: 344 m ü. NN
Fläche: 5,68 km²
Einwohner: 2264 (31. Dez. 2010)
Eingemeindung: 1. Dezember 2011
Postleitzahl: 99988
Vorwahl: 036024
Karte

Lage von Heyerode in Südeichsfeld

In der Ortslage

In der Ortslage

Heyerode ist ein Dorf im Unstrut-Hainich-Kreis in Thüringen. Seit dem 1. Dezember 2011 ist die vormals selbständige Gemeinde Ortsteil der Landgemeinde Südeichsfeld.

Geografie[Bearbeiten]

Im Westen von Heyerode liegt Katharinenberg, im Norden der Mühlhäuser Stadtwald, im Osten Oberdorla und im Süden Hallungen. Gemeinsam mit Wendehausen ist Heyerode der südlichste Ort des Eichsfeldes.

Nordwestlich von Heyerode befindet sich der Sengelsberg.

Geschichte[Bearbeiten]

Heyerode wurde vermutlich um 1250 gegründet. Die erste urkundliche Erwähnung als Hoiginrade war schließlich im Jahr 1356. Es folgte im Jahr 1363 die zweite urkundliche Erwähnung als Heigenrade und eine dritte wenige Jahre später 1367 als Heygenrode. Um das Jahr 1400 wurde das Grenzhaus erbaut. Die Obermühle wurde 1546 erstmals erwähnt. Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Grenzhaus zerstört und 1630 wieder aufgebaut. 1681 wurde in Heyerode das Pestkreuz aufgestellt und geweiht. Im Jahr 1800 wurde die Pfarrei Heyerode errichtet. Die erste Zigarettenfabrik nahm 1892 ihren Betrieb auf, 1906 die erste Strickfabrik.

Das Dorf zählte nach einer statistischen Untersuchung (um 1840) 950 katholische und 10 evangelische Einwohner. Es wurden 137 Wohnhäuser, 99 Stallungen und Scheunen, vier Gemeindehäuser, eine Schule, vier Dorfkrüge (Schankwirtschaften), zwei Mühlen mit je zwei Mahlgängen und drei Bierbrauereien genannt. Die Bevölkerung betrieb zu dieser Zeit überwiegend Textilfertigung: es wurden 25 Webstühle für Wollen- und Halbwollengewebe gezählt, weitere sieben Webstühle zählten als Nebenerwerb. Zwei Schneider, vier Schuhmacher, ein Grobschmied, zwei Hausschlächter, zwei Viehhändler, ein Großhändler sowie fünf Lebensmittelhändler (Victualienhändler) wurden ebenfalls notiert. Der Viehbestand umfasste 32 Pferde, 137 Rinder, 71 Schafe, 44 Ziegen und 50 Schweine. Die Dorfflur umfasste 2107 Morgen Fläche, die landwirtschaftliche Nutzfläche umfasste davon 1400 Morgen Ackerland, 35 Morgen Gartenland, 57 Morgen Wiesen und 4 Morgen Weiden. Ferner wurden 462 Morgen Gemeindewald und 149 Morgen Brachland genannt. Der Ertrag der Felder wurde als schlecht bis mittelmäßig eingeschätzt. Der Obstbau lieferte überwiegend Kirschen und Zwetschen die als Dörrobst haltbar gemacht wurden.[1]

Am 1. Dezember 2011 schloss sich die Gemeinde Heyerode mit den drei anderen Gemeinden zur neuen Landgemeinde Südeichsfeld zusammen.

Bürgermeister[Bearbeiten]

Einige Sehenswürdigkeiten
Katholische Kirche
Blick zur Bergkirche
Das Grenzhaus Heyerode
Ehem. Gemeindeverwaltung und Anger
An der Obermühle
Die Untermühle
Fachwerkbauten in der Ortslage
Am Heimatmuseum
Grenzstein an der Untermühle mit Mainzer Rad
  • 1791 - 1823 Schulze Huhnstock
  • 1823 - 1852 Schulze Hahn
  • 1852 - 1864 Wilhelm Gutmann
  • 1864 - 1892 Wilhelm Henning
  • 1892 - 1900 Alois Gutmann
  • 1900 - 1906 Johann-Michael Hentrich
  • 1906 - 1912 Johann-Michael Henning
  • 1912 - 1913 Louis Zengerling
  • 1913 - 1914 Karl Hentrich
  • 1914 - 1915 Louis Zengerling
  • 1915 - 1915 Alois Uthe
  • 1915 - 1918 Wilhelm Ochsenfahrt
  • 1918 - 1923 August Laufer
  • 1923 - 1945 Franz Huhnstock
  • 1945 - 1945 Anton Henning
  • 1945 - 1945 Karl Hentrich
  • 1945 - 1946 Paul Hohlbein
  • 1946 - 1958 Josef Böhm
  • 1958 - 1959 Wilhelm Henning
  • 1959 - 1960 war die Stelle von einem ehrenamtlichen Bürgermeister besetzt
  • 1960 - 1961 Heinrich Vondran
  • 1961 - 1983 Erhard Vogt
  • 1983 - 2002 Wendelin Henning
  • 2002 - 2012 Andreas Henning

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten]

Die Gemeinde Neuenkirchen im nördlichen Münsterland ist die Partnergemeinde Heyerodes.

Wappen[Bearbeiten]

Blasonierung: „Von Rot und Silber gespalten und rechtsgeteilt, vorne oben ein silbernes Mühleisen, unten ein sechsspeichiges silbernes Rad, hinten eine aus Blättern stilisierte schwarzbewurzelte grüne Eiche mit umlaufender Sitzbank (in natürlichen Farben).“ - Die Flagge der Gemeinde ist grün-weiß-gespalten, belegt mit dem Gemeindewappen.

Wappenerklärung: Das Mühleisen steht für die jahrhundertelange Mühlentradition (Unter- und Obermühle), das silberne Rad für die lange Zugehörigkeit zu Kurmainz und die stilisierte Eiche für die hochragende Eiche auf dem Anger.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten]

Die Verkehrsanbindung erfolgt in Richtung Mühlhausen und Wanfried über die B 249 welche man in Katharinenberg über die Landstraße L  2104 erreicht. In südlicher Richtung führt die L  2107 (Heyerode – Hallungen – Nazza) und die L  1016 zwischen Mühlhausen und Eisenach. In östliche Richtung gelangt man nach Oberdorla über die Landstraße L  2104.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

„Bahnbrücke“, Teil der ehemaligen Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt

Von 1911 bis 1969 hatte Heyerode eine Anbindung an die noch als Vogteier Bimmel bekannte Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt, welche über den Hainich hinweg das Mühlhäuser Becken mit dem Werratal verband. Heute erfolgt die Anbindung über die Bahnhöfe in Eisenach und Mühlhausen.

Öffentlicher Personennahverkehr[Bearbeiten]

Nach Heyerode verkehrt die Buslinie L-28 der Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH auf der Strecke EisenachMihla -– NazzaHallungen – Heyerode.

Neben seiner Bedeutung für die Beförderung von Schülern ist der Busverkehr auch wichtig als Zubringer zum Bahnhof und für die auf Wandertourismus orientierten Umlandgemeinden.[2]

Radwege[Bearbeiten]

Der im Aufbau befindliche Haineck-Radweg verbindet die Ortschaften um Heyerode mit den Radwegenetzen des Werratales, der Stadt Mühlhausen und des südlichen Eichsfeldes.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Der Ort verfügt über ein relativ geschlossenes Ensemble an Fachwerkhäusern und -hofanlagen. In der Flur, am Weg zum Breitloh befinden sich an markanten Punkten Feldkreuze. An der ehemaligen Landesgrenze, beispielsweise an der Ortsverbindungsstraße nach Hallungen, findet man noch markante Grenz- und Wappensteine mit dem Mainzer Rad.

Bauwerke[Bearbeiten]

Am östlichen Ortsrand befindet sich das historische Grenzhaus, es ist der südliche Endpunkt des Mühlhäuser Landgrabens und war im Mittelalter zunächst eine Zollstelle an der Altstraße von der Reichsstadt Mühlhausen und von Oberdorla zum Werratal bei Wanfried und Treffurt. Später diente es als Forsthaus. Das Grenzhaus ist heute im Privatbesitz und dient einem Landschaftsmaler als Atelier. Die Besonderheit des Gebäudes ist, dass die Straße durch das Erdgeschoss des Hauses verläuft, ursprünglich war dieser Gebäudeteil wohl ein Torturm.

In der Ortslage befinden sich zwei Kirchen. Die am Lempertsbach an der Gemarkungsgrenze zu Hallungen gelegenen Mühlen Obermühle (bis 1960er Jahre in Betrieb) und die seit 1548 nachweisbare Untermühle (bis 1938 in Betrieb) sind repräsentative Fachwerkgebäude. Bei der Obermühle kann man noch das oberschlächtige Mühlrad vorfinden. Die Wasserzufuhr erfolgt über ein auf Stelzen gesetztes hölzernes Gerinne. Die noch funktionstüchtige Mühle ist als Technisches Denkmal ausgewiesen.[4] Oberhalb der Mühle befindet sich auf einem nach Westen abfallenden Bergsporn die Reste der Wallburg Sommerstein.[5]

Auch der ehemalige Bahnhof von Heyerode ist noch erhalten und erinnert an die Vogteier Bimmel. Von 1911 bis 1969 hatte Heyerode einen Bahnhof, es lag an der als Vogteier Bimmel bekannten Bahnstrecke Mühlhausen–Treffurt, die über den Hainich hinweg das Mühlhäuser Becken mit dem Werratal verband.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Seit 1996 findet einmal jährlich „Rock am Bahnhof“ statt, ein Open-Air-Festival, bei dem auch schon berühmte Bands wie Revolverheld aufgetreten sind. Bei der jährlich stattfindenden Heyeröder Kirmes traten bereits bekannte Sänger wie Stefan Mross oder Oliver Thomas auf.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Heyerode gedenkt des Wirkens des Pfarrers Theodor Helbig, der trotz Verbot Gottesdienste für polnische Zwangsarbeiter hielt und dafür 1940 Gestapohaft auf dem Erfurter Petersberg erdulden musste.[6]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten]

  • Alf Zengerling (1884-1961), deutscher Filmregisseur und Drehbuchautor

Sonstiges[Bearbeiten]

Als Zeugnisse eines derben Volkshumors bildeten sich oft bereits vor Jahrhunderten Besonderheiten des jeweiligen Dorfes charakterisierende Neck- und Spitznamen heraus. Demnach lebten hier im Ort die Heyröder Huppenmannerchen - von Huppe = Nuckel, Baby-Schnuller - In Heyerode wurden Zigarren gefertigt, daher traf man vor Zeiten im Ort viele Männer mit Zigarrenstummeln im Mund auf der Straße an.[7]

Als Folge der Eisenbahntrassierung wurde bei Heyerode ein 500 m langer Einschnitt in das anstehende Muschelkalkgestein erforderlich. Für Geologen bietet dies eine wertvolle Studiengrundlage zum Gebirgsaufbau des Hainich.[8]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Raymund Falk: Die Wüstung Reichensachsen bei Heyerode und die Besiedlung der Hainich-Mittelgebirgslandschaft. In: Verein für Eichsfeldische Heimatkunde (Hrsg.): Eichsfeld-Jahrbuch. Heft 1, Mecke Druck und Verlag, Duderstadt 1993, S. 127–160.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Edgar Rademacher: Die Orte Arenshausen, Geismar, Katharinenberg, Diedorf und Heyerode im Spiegel der Statistik um 1840. In: Kulturbund der DDR, Kreiskabinett Worbis (Hrsg.): Eichsfelder Heimathefte. Heft 2, Heiligenstadt 1988, S. 175.
  2. Verkehrsgesellschaft Wartburgkreis mbH - Fahrplan
  3.  ARTIFEX-KARTEN (Hrsg.): RadTouren im Hainich. ARTIFEX Kartenverlag, Bad Langensalza 2003, ISBN 3-932071-12-3.
  4.  Volker Große, Klaus Herzberg: Obermühle / Untermühle Heyerode. In: Maik Pinkert (Hrsg.): Mühlen im Obereichsfeld. Ein Kompendium. Eichsfeld-Verlag, Heiligenstadt 2008, S. 180–182.
  5.  Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag, Jena 2001, S. 233–234.
  6. Thüringer Verband der Verfolgten des Naziregimes - Bund der Antifaschisten und Studienkreis deutscher Widerstand 1933-1945 (Hg.): Heimatgeschichtlicher Wegweiser zu Stätten des Widerstandes und der Verfolgung 1933-1945, Reihe: Heimatgeschichtliche Wegweiser Band 8 Thüringen, Erfurt 2003, S. 306, ISBN 3-88864-343-0
  7. Rolf Aulepp Spitznamen der Orte und ihrer Bewohner im Kreise Mühlhausen In: Eichsfelder Heimathefte, Heft 1, Heiligenstadt 1987, S. 78-83.
  8.  Geyer, Patzelt, Schäfer, Naturpark Eichsfeld-Hainich-Werratal (Hrsg.): Geologie erleben. Geologische Route durch den Naturpark. F.W. Cordier, Heiligenstadt 2003, ISBN 3-929413-63-9, S. 8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Heyerode – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien