Leo Africanus

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Angebliches Porträt von Leo Africanus (Sebastiano del Piombo, um 1520)

Johannes Leo Africanus, Geburtsname: arabisch ‏الحسن بن محمد الوزان الفاسي‎, DMG al-Ḥasan b. Muḥammed al-Wazzān al-Fāsī (* um 1490 in Granada; † nach 1550 in Tunis) war ein Reisender und Geograph berberischer Abstammung.[1]

Leben[Bearbeiten]

Leo Africanus wurde ca. 1494 in Granada geboren, aber seine Familie siedelte schon bald nach seiner Geburt nach Fez um. Dort studierte er als junger Mann an der Qarawiyin-Universität und von dort aus begleitete er seinen Onkel auf dessen diplomatischen Reisen in Nachbarstaaten, wobei er auch Timbuktu besuchte.

Reisebeschreibung[Bearbeiten]

Er bereiste von Marokko aus die Sahara und den Sudan und veröffentlichte seine Erkenntnisse in seinem Werk Descrittione dell'Africa (deutsch: "Beschreibung Afrikas"), das über Jahrhunderte das Standardwerk über diesen Teil Afrikas im europäischen Raum war. Das Werk schildert vor allem den Reichtum und Prunk des Songhai-Reiches und beschreibt den Wohlstand der Karawanenmetropole Timbuktu, so dass es die Phantasien der Europäer bis ins frühe 19. Jahrhundert entfachte. Noch zweieinhalb Jahrhunderte nach seiner Erstveröffentlichung stachelte es das Interesse der nach Übersee exportierenden Staaten an und setzte somit auch indirekt die wissenschaftliche Afrikaforschung (seit etwa 1790) in Gang. Das Werk wurde als geographische Quelle durch die Erkundungen europäischer Forschungsreisender wie Mungo Park, René Caillié und Heinrich Barth obsolet. Barth, der selbst weite Teile der von Leo Africanus beschriebenen Länder persönlich besucht hatte, sollte für die renommierte Hakluyt Society eine kommentierte Übersetzung herausgeben, wurde aber durch seinen plötzlichen Tod im Jahre 1865 an der Fertigstellung gehindert. Die Ausgaben, die Ende des 19. Jahrhunderts im Auftrag der Hakluyt-Society und Mitte des 20. Jahrhunderts von französischen Wissenschaftlern publiziert wurden, stützten sich auf die gedruckten Editionen des 16. Jahrhunderts, die aber vom Herausgeber Ramusio gegenüber dem handschriftlichen Original stark überarbeitet worden waren. Viele der Mythen vom unermesslichen Reichtum Timbuktus gingen auf die Falschübersetzung durch den italienischen Herausgeber zurück, wie Dietrich Rauchenberger beim Studium der Originalhandschriften feststellen konnte.

Titelseite der englischen Ausgabe von Leo Africanus' Cosmographie. London 1600

Aufenthalt in Italien: 1518 – ca. 1530[Bearbeiten]

Leo Africanus wurde 1518 von genuesischen Korsaren gefangen genommen und in die Sklaverei verkauft. Er lebte lange Jahre in Rom unter der Obhut von Papst Leo X., wo er zum Christentum konvertierte. Seine auf arabisch begonnene "Beschreibung Afrikas" vollendete er deshalb auch in italienischer Sprache. Das genaue Jahr der Fertigstellung ist nicht bekannt, da das Werk ursprünglich nicht zur Veröffentlichung gedacht war.

Letzte Jahre in Nordafrika: ca. 1530 – ca. 1537[Bearbeiten]

Nach traditioneller Auffassung kehrte Leo um 1530 nach Tunis zurück und wandte sich wieder dem Islam zu. Dieses Datum beruht auf Spekulationen und hängt mit dem Erscheinen der ersten gedruckten Fassung seines Reisewerkes in diesem Jahr zusammen. Der deutsche Orientalist Dietrich Rauchenberger nimmt an, dass Leo bereits um 1530 Rom verließ, denn danach gibt es keine Hinweise mehr auf seine Anwesenheit in Italien. Möglicherweise verstarb der Gelehrte noch auf italienischem Boden an einer der Seuchen, die im Gefolge der auf der Halbinsel tobenden Kriege ausbrachen. In Nordafrika jedenfalls finden sich keine Dokumente mehr, die seine Anwesenheit in Tunis oder einer der anderen Städte an der nordafrikanischen Mittelmeerküste belegen. Einige Autoren vermuten jedoch, dass Leo die letzten Jahre seines Lebens in Fez verbrachte, wo er 1537 starb.[2]

Vermutlich erste Abbildung eines Targi (Tuareg-Krieger) mit dem typischen Gesichtsschleier (Ausgabe: Paris 1556)

Legenden um die Person des Leo Africanus[Bearbeiten]

Die Gestalt des Leo Africanus ist umstritten, in manchen Theorien wird seine Existenz sogar ganz in Frage gestellt. So wird u.a. behauptet, sein Werk sei von einem venezianischen Ghostwriter verfasst worden, da venezianische Kaufleute seit dem 12. Jahrhundert Handel mit Nordafrika betrieben und auf diese Weise zahlreiche Informationen gesammelt haben müssen. Dem widersprechen allerdings detaillierte autobiographische Kommentare in der Descrittione dell'Africa. Allgemein gilt Leo Africanus als reale historische Person, es ist allerdings offensichtlich, dass auf Grund seines Ruhmes und seiner Jahrhunderte währenden Monopolstellung in afrikanischer Geographie zahlreiche Mythen und Legenden um seine Person entstanden sind. Relativ bekannt wurde Leo als Person durch den in viele Sprachen übersetzten Roman des Libanesen Amin Maalouf (s. unten).

Siehe auch[Bearbeiten]

Werkausgaben[Bearbeiten]

  • La descrittione dell'Africa. In: Giovan Battista Ramusio (Hrsg.): Primo volume, et Seconda editione delle Navigationi et Viaggi. Venedig 1554.
  • Historiale description de l'Afrique, tierce partie du monde, contenant ses royaumes, regions, viles, cités, peuples, escrite de nôtre tems par Jean Leon, Africain, premièrement en langue arabesque, puis en toscane, & à présent mise en françois. Paris 1556. (Illustrierte französische Ausgabe)
  • Georg Wilhelm Lorsbach (Hrsg.): Johann Leo's des Africaners Beschreibung von Africa. Herborn 1805. (Erste deutschsprachige Ausgabe des Werkes)
  • Robert Brown (Hrsg.): The history and description of Africa and of the notable things therein contained, Written by Al-Hassan ibn-Mohammed Al-Wegaz Al-Fazi, a moor, bapticed as Giovanne Leone, but better known as Leo Africanus. Done into English in the year 1600 by John Pory. The Hakluyt Society, London 1896, 3 Bände. (Lange Zeit die maßgebliche wissenschaftliche Ausgabe)
  • R. Épaulard, H. Lhote, Th. Monod (Hrsg.): Description de l'Afrique. Paris 1958, 2 Bände.
  • Karl Schubarth-Engelschall (Hrsg.): Beschreibung Afrikas. Leipzig 1984. (unvollständige Volksausgabe, aber von einem der besten Kenner der islamischen Afrikaforschung herausgegeben)
  • Dietrich Rauchenberger (Hrsg.): Johannes Leo der Afrikaner. Seine Beschreibung des Raumes zwischen Nil und Niger nach dem Urtext. (Orientalia biblica et christiana, 13). Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04172-2. (Maßgebliche wissenschaftliche Ausgabe)

Literatur[Bearbeiten]

  • Alioune Benachenhou: Hassan ben Mohamed el Ouzzane, dit "Leon l'Africain". L'Algerie en 1515. Algier 1969.
  • Natalie Zemon Davis: Trickster travels: A sixteenth-century Muslim between worlds. New York 2006, ISBN 0-8090-9434-7.
    • deutsch: Leo Africanus. Ein Reisender zwischen Orient und Okzident. Aus dem Amerikan. von Gennaro Ghiradelli. Wagenbach Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-8031-3627-5.
  • Pekka Masonen: The Negroland Revisited. The Finnish Academy of Science and Letters, Helsinki 2000, ISBN 951-41-0886-8.
  • Dietrich Rauchenberger (Hrsg.): Johannes Leo der Afrikaner. Seine Beschreibung des Raumes zwischen Nil und Niger nach dem Urtext. (Orientalia biblica et christiana, 13). Wiesbaden 1999, ISBN 3-447-04172-2.
  • Oumelbanine Zhiri: L' Afrique au miroir de l'Europe: Fortunes de Jean Léon l'Africain à la Renaissance. (Travaux d'Humanisme et Renaissance, 247). Libr. Droz, Genf 1991, OCLC 28291357.

Roman[Bearbeiten]

Website[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Dietrich Rauchenberger (1999):Johannes Leo der Afrikaner. Seine Beschreibung des Raumes zwischen Nil und Niger nach dem Urtext , Harrassowitz Verlag, 27-28.
  2. Masonen: Negroland, 174–5.