Lilli Wislicenus-Finzelberg

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Trauernde auf dem Familiengrab Wislicenus-Finzelberg

Lilli Wislicenus-Finzelberg (* 5. November 1872 in Andernach als Elisabeth Emma Charlotte Finzelberg; † 14. Dezember 1939 in Berlin) war eine deutsche Bildhauerin.

Inhaltsverzeichnis

Leben [Bearbeiten]

Lilli Finzelberg war nach ihrer Schwester Helene (* 1869) die zweite Tochter von Hermann Finzelberg, einem Chemiker bei Schering in Berlin. Sie verließ Andernach mit neun Jahren und lebte bis zu ihrem 15. Lebensjahr bei ihrem Onkel, dem Maler Hermann Wislicenus in Düsseldorf.

Sie studierte an der Technischen Hochschule Charlottenburg Bildhauerei bei den Dozenten Otto Geyer und Adolf Jahn.[1] Über den Vater wurde sie mit Otto von Bismarck bekannt gemacht, der ihr für eine Büste Modell saß. Sie schenkte ihm ihr Werk Bauernjunge mit zwei Blumentöpfen, das diesem so gut gefiel, dass er es an exponierter Stelle in seinem Empfangszimmer in Friedrichsruh aufstellte.

1896 heiratete sie ihren Vetter, den Maler Hans Wislicenus mit dem sie zusammen aufgewachsen war. Lilli Finzelberg signierte ihre Skulpturen von da ab mit dem Künstlernamen Lilli Wislicenus-Finzelberg. Das Ehepaar bekam einen Sohn, Hans Hermann Wislicenus, der wie der Vater Maler wurde und den Künstlernamen Jean Visly verwendete.[2]

Lilli und Hans Wislicenus starben im Dezember 1939 im Abstand von einem Tag. Sie wurden auf dem Friedhof Wilmersdorf in Berlin bestattet. Das Familiengrab wurde mit der Skulptur einer Trauernden geschmückt, die Lilli Wislicenus-Finzelberg 1910 selbst schuf.

Werk (Auswahl) [Bearbeiten]

  • um 1888: Junge mit Frosch (ein Gipsabguss und ein weiteres Exemplar im Besitz des Schriftstellers Paul Oskar Höcker)
  • 1892: Porträtrelief (Bronze) für das Grabmal des Industriellen Louis Schwartzkopff, auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin
  • ausgestellt 1901: Porträtbüste (eines ungenannten Mannes), Große Berliner Kunstausstellung 1901[3]
  • publiziert 1901: Fries für ein Musikzimmer, nach einem Lied von Franz Schubert[4]
  • 1902: Reliefs für das Grabmal von Emil Götze, auf dem Luisenfriedhof III in Berlin (nicht erhalten)[5]
  • um 1903: Reliefs am Grabmal der Familie Paul Köthner, auf dem Friedrichswerderscher Friedhof in Berlin[6]
  • 1910: Trauernde (Bronze) am Grabmal Wislicenus-Finzelberg (weiteres Exemplar auf dem Wwedenskoje-Friedhof in Moskau[7])
  • 1915: Bismarck-Standbild (Bronze) in der Säulenhalle des Bismarckturms in Rathenow (1942 eingeschmolzen)[8][9][10]
  • ca. 1920: stehender Frauenakt mit gefesselten Händen und einer Kopfbinde (Bronze, 66 cm)[11]
  • ca. 1920: Gefallenen-Ehrenmal der Technischen Hochschule (Berlin-) Charlottenburg[1]

sowie undatiert:

Zitat [Bearbeiten]

Der Schriftsteller Paul Oskar Höcker, während des Ersten Weltkriegs als Hauptmann und Kompaniechef im Feld, schrieb aus seinem Quartier in Belgien an seine Familie: „Mein Quartier enthält einen eleganten Salontisch, einen Stuhl mit der Waschschüssel, eine Matratze auf dem Boden und auf dem Kaminsims einen lieben alten Bekannten. Das ist ein Gipsabguß des Jungen mit dem Frosch, den eine verehrte künstlerische Freundin, Frau Lili Wislicenus-Finzelberg, als sechzehnjähriges Mädchen modelliert hat. Der kleine Bursche steht daheim auch auf dem Spielschrank meines jüngsten Töchterchens, und ich trage ihm Grüße nach Westend auf, wo es am Sedantage ein Geburtstagskind gibt, von dem ich nicht weiß, ob es meinen Feldpostbrief erhalten hat...“[14]

Literatur [Bearbeiten]

  • Klaus Schäfer: Notizen zu Leben und Werk der Bildhauerin Lilli Wislicenus-Finzelberg. In: Historischer Verein Andernach e.V. (Hrsg.): Andernacher Annalen, 8 (2009), S. 139–155.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Lilli Wislicenus-Finzelberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise [Bearbeiten]

  1. a b Wislicenus, Lilli. In: Ulrich Thieme, Felix Becker u. a.: Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 36, E. A. Seemann, Leipzig 1947, S. 108.
  2. Biografie Jean Visly auf www.wislicenus.info, abgerufen am 23. November 2012
  3. Berliner Architekturwelt, 4. Jahrgang 1901/1902, Heft 6 (vom September 1901), S. 158.
  4. Berliner Architekturwelt, 4. Jahrgang 1901/1902, Heft 8 (vom November 1901), S. 252.
  5. Birgit Jochens, Herbert May: Die Friedhöfe in Berlin-Charlottenburg. Geschichte der Friedhofsanlagen und deren Grabmalkultur. Stapp Verlag, Berlin 1994, ISBN 3-87776-056-2, S. 120.
  6. Berliner Architekturwelt, 7. Jahrgang 1904/1905, Heft 6 (vom September 1904), S. 180.
  7. Foto der Trauernden-Skulptur auf dem Wwedenskoje-Friedhof in Moskau
  8. Ulrich Wanke: Rathenow, Otto von Bismarck und der Bismarckturm. In: Brandenburgische Denkmalpflege, 4. Jahrgang 1995, Heft 2, S. 78–84. (online als PDF-Dokument mit 8,98 MB)
  9. Bismarckturm Rathenow auf www.bismarcktuerme.de, abgerufen am 23. November 2012
  10. a b Abbildungen auf http://www.wislicenus.info/hans_wislicenus.htm, abgerufen am 23. November 2012
  11. Vorstellung der Skulptur bei einem kanadischen Antiquitätenhändler, weitere Fotografien bei einer US-amerikanischen Galerie: [1] [2] [3]
  12. Verweis in einem Auktionsportal
  13. Beschreibung und Foto
  14. Webarchiv vom 30. September 2007 der eingelagerten Webseite: Brief von Hauptmann Paul Oskar Höcker, Kompaniechef