Rathenow
| Wappen | Deutschlandkarte | |
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| Basisdaten | ||
| Bundesland: | Brandenburg | |
| Landkreis: | Havelland | |
| Höhe: | 29 m ü. NN | |
| Fläche: | 105,68 km² | |
| Einwohner: |
25.061 (31. Dez. 2011)[1] |
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| Bevölkerungsdichte: | 237 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 14712 | |
| Vorwahl: | 03385 | |
| Kfz-Kennzeichen: | HVL (früher: RN) | |
| Gemeindeschlüssel: | 12 0 63 252 | |
| Stadtgliederung: | 6 Ortsteile | |
| Adresse der Stadtverwaltung: |
Berliner Str. 15 14712 Rathenow |
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| Webpräsenz: | ||
| Bürgermeister: | Ronald Seeger (CDU) | |
| Lage der Kreisstadt Rathenow im Landkreis Havelland | ||
Rathenow [ˈʁaːtənoː] ist eine amtsfreie Stadt an der Havel, etwa 70 Kilometer westlich von Berlin und Verwaltungssitz des Landkreises Havelland in Brandenburg. Das heutige Stadtgebiet ist identisch mit dem von 1992 bis 2001 existierenden Amt Rathenow.
Inhaltsverzeichnis |
Geografie [Bearbeiten]
Stadtgliederung [Bearbeiten]
Als Ortsteile der Stadt sind nach der Hauptsatzung[2] ausgewiesen:
Als Wohnplätze der Stadt sind ausgewiesen:
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Geschichte [Bearbeiten]
Schon in früher Vorzeit wurde die Gegend um Rathenow besiedelt. Im Jahr 1157 wurde auf der Steckelsberger Gemarkung ein Burgwall erwähnt, der als Ursprung der Stadt gilt. Die erste urkundliche Erwähnung datiert auf das Jahr 1216. Im Jahre 1295 verlieh Markgraf Otto IV. Rathenow das Stadtrecht. Unter dem Dreißigjährigen Krieg hatte die Stadt schwer zu leiden. Im Jahr 1648 wohnten nur noch 48 Menschen in der Stadt. Während des Schwedisch-Brandenburgischen Krieges fand in der Stadt eine Schlacht statt, die die brandenburgischen Truppen kriegsentscheidend gewannen.
Rathenow wird als Wiege der industriellen Optik in Deutschland bezeichnet. Johann Heinrich August Duncker entwickelte in Rathenow die erste Vielspindelschleifmaschine zur rationellen Herstellung von Brillengläsern und begründete dort 1801 die optische Industrie. Bekannt war auch die Ziegelindustrie; ein Großteil der Ziegel für die Bauten von Schloss Sanssouci, des Holländischen Viertels in Potsdam und des Roten Rathauses in Berlin stammen aus Rathenower Produktion.
Nach der Neuorganisation der Kreisgliederung im preußischen Staat im Jahr 1816 war Rathenow Verwaltungssitz des Kreises Westhavelland im Regierungsbezirk Potsdam in der preußischen Provinz Brandenburg.
1889–91 wurde die Zietenhusarenkaserne errichtet (einfach gegliederte Ziegelbauten).
Am 1. Juni 1925 schied die Stadtgemeinde Rathenow aus dem Landkreis Westhavelland aus und bildete fortan einen eigenen Stadtkreis, der als Exklave mitten im Kreisgebiet lag.
Vom 2. April 1900 bis 1945 war Rathenow der Ausgangsbahnhof der Kreisbahn Rathenow-Senzke-Nauen.
In der Zeit des Nationalsozialismus war in der Kaserne der Zietenhusaren eine Reitschule der Polizei untergebracht. Das Bethaus der Jüdischen Gemeinde in der Fabrikenstraße 2 wurde während des Novemberpogroms 1938 verwüstet und später von der NSV in ein Kinderheim umgewandelt. Heute befindet sich dort eine Einrichtung der Pestalozzischule für Lernbehinderte. Im Zweiten Weltkrieg errichteten die Nationalsozialisten an der Milower Landstraße ein Außenlager des KZ Sachsenhausen, in dem mindestens 1.000 Männer (nach anderen Angaben auch Frauen) Zwangsarbeit in den Arado-Flugzeugwerken verrichten mussten. Außerdem wurden in 33 Rathenower Lagern mindestens 4.975 Zwangsarbeiter und in 12 Westhavelländer Lagern mindestens 2.070 Zwangsdeportierte ausgebeutet (Stand 1943/44).[3][4][5][6] Die Emil Busch AG betrieb 6 eigene Lager mit mindestens 1.600 Zwangsarbeiterinnen und -arbeitern (1943/44). Alle Lager waren den Betrieben zugeordnet. Im Kriegsgefangenenlager STALAG IIIa (Lange Pannen) waren mehr als 166 Gefangene zur Zwangsarbeit konzentriert. Am 18. April 1944 wurde ein Teil Rathenows durch einen US-amerikanischen Bomberverband zerstört. Dieser war ursprünglich zum Ziel Berlin unterwegs, dort aber durch heftiges Flakfeuer zum Umdrehen gezwungen und lud dann einen Teil der Fracht über der ersten sich bietenden Stadt ab. Dabei entstand der größte Brand in der Tischlerei Blöbaum, über deren Gelände zwei Sprengbomben und dutzende von Brandbomben niedergingen.
Kurz vor Kriegsende im Mai 1945 zerschossen die anrückenden sowjetischen Truppen mehr als 75 Prozent der Stadt. Sie wurde von einigen versprengten Truppen unter dem Kommando von Generalfeldmarschall Keitel verteidigt.
Durch die Verwaltungsreform 1952 wurde die Stadt Verwaltungssitz des Kreises Rathenow.
Am 17. Juni 1953 kam es im Zuge des Volksaufstandes auch in Rathenow zu heftigen Protesten. Dabei wurde der Betriebsschutzleiter des HO-Geschäfts und SED-Mitglied Wilhelm Hagedorn von aufgebrachten Demonstranten gelyncht.[7]
Während der Zeit der DDR arbeiteten im VEB Rathenower Optische Werke (ROW) mehrere tausend Menschen. Ein Großteil des Ostblocks wurde von hier aus mit Brillen und optischen Geräten beliefert. Mit der deutschen Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion brachen diese Märkte schlagartig weg.
Im Zuge der Ämterbildung in Brandenburg erteilte der Minister des Innern des Landes Brandenburg der Bildung des Amtes Rathenow am 30. Juni 1992 seine Zustimmung[8]. Als Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 3. Juli 1992 festgelegt. Das Amt hatte seinen Sitz in der Stadt Rathenow und bestand aus fünf Gemeinden und der Stadt Rathenow des damaligen Kreises Rathenow:
- Böhne
- Göttlin
- Grütz
- Semlin
- Steckelsdorf und der Stadt
- Rathenow
Am 6. Dezember 1993 wurde Rathenow im Rahmen der Kreisreform Kreisstadt des Landkreises Havelland.
Infolge der Eingliederung der Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf[9] in die Stadt Rathenow mit Wirkung vom 31. Dezember 2001 wurde das Amt Rathenow mit Wirkung zum 31. Dezember 2001 aufgelöst[10].
Basierend auf den immer noch vorhandenen qualifizierten Fachkräften eröffnete der Optikerkonzern Fielmann im Jahr 2002 ein neues Produktions- und Logistikzentrum mit 600 Beschäftigten in der Stadt.
Trotzdem ist die Stadt geprägt von hoher Arbeitslosigkeit und Abwanderung jüngerer Einwohner. Ein Großteil der Gebäude im Plattenbaugebiet Rathenow Ost – darunter mehr als eintausend Wohneinheiten – wurde bereits abgerissen.
Eingemeindungen [Bearbeiten]
- 1. März 1948: Gemeinde Neu Friedrichsdorf[11]
- 1. Juli 1950: Gemeinde Neue Schleuse[11]
- 31. Dezember 2001: Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf[9]
Bevölkerungsentwicklung [Bearbeiten]
Politik [Bearbeiten]
Bürgermeister [Bearbeiten]
- 1994 – 2002 – Hans-Jürgen Lünser
- ab 2002 – Ronald Seeger (CDU)
Stadtverordnetenversammlung [Bearbeiten]
Die Stadtverordnetenversammlung Rathenow setzt sich aus 32 Mitgliedern und dem hauptamtlichen Bürgermeister zusammen.
(Stand: Kommunalwahl am 28. September 2008)[12]
Wappen [Bearbeiten]
Das Wappen bzw. Siegel der Stadt wurde bis heute dreimal geändert. Das erste bekannte Siegel stammt von 1347:
Blasonierung: „Geharnischter Mann (Mgf.) mit Speer hinter Mauer, welcher Schild mit mgfl. Adler in linker Hand trägt.“
Um 1400 tauchte dann ein verändertes Siegel auf. Wohl durch die Zeit, in der die mgfl. Herrschaft schwach war, verschwand er auch aus dem Siegel:
Blasonierung: „Engel der Adlerschild hält, neben dem eine Weintraube, ein Eichen- oder Kieferzweig liegen.“[13]
Das heutige Wappen wurde am 18. März 1993 genehmigt, aber schon 1939 eingeführt:
Blasonierung: „In Silber ein rotbezungter goldbewehrter befiederter roter Adlerkopf, seitlich und unten von drei sechsstrahligen blauen Sternen begleitet.“[14]
Flagge [Bearbeiten]
Die Stadtflagge ist weiß, zeigt den Adlerkopf. Die Sterne sind mastseitig verschoben, sodass ihre Mittelachse auf 2/5 der Flaggenlänge liegt.
Städtepartnerschaften [Bearbeiten]
Partnerstädte der Stadt sind:
Złotów (Flatow) in Polen und
Rendsburg in Schleswig-Holstein
Kultur und Sehenswürdigkeiten [Bearbeiten]
Vom 22. April 2006 bis 15. Oktober 2006 fand in Rathenow die Landesgartenschau des Landes Brandenburg unter dem Motto Den Farben auf der Spur statt, die knapp 500.000 Gäste besuchten. Dazu wurden umfangreiche Baumaßnahmen sowohl auf dem Weinberg als auch dem Schwedendammgelände durchgeführt. So wurde eine stark verfallene Mühle komplett umgebaut. Sie diente vor und während der Gartenschau der LAGA GmbH als Geschäftsstelle und beherbergt ein „grünes“ Klassenzimmer. Nach der Landesgartenschau zog die Musikschule Rathenow – nach kurzen Umbaumaßnahmen – in die Räumlichkeiten ein. Auf dem Gelände der Rathenower Landesgartenschau eröffnete am 28. April 2007 der Optikpark Rathenow.
Einzigartig in Mitteleuropa ist das Vorhaben, die Untere Havel zu renaturieren. Innerhalb der nächsten Jahrzehnte wird hier ein natürlicher Fluss (wieder-)entstehen. Dadurch werden die Auen größer, der Flusslauf kurviger und das Hochwasser-Risiko minimiert.
Kulturzentrum Rathenow (Theater, Optikindustriemuseum, Kunstausstellungen und Restaurant) im Zentrum der Stadt.
Das Rolfsche Fernrohr (Rathenower Refraktor) ist ein weltweit einzigartiges Brachymedial-Fernrohr. Erbaut wurde es vom Ingenieur Edwin Rolf in den Jahren 1949 bis 1953. Das Fernrohr ist ein technisches Denkmal und wurde von 1994-1996 vollständig saniert. Seit 2008 kann das Teleskop im Rathenower Optikpark besichtigt werden.
Im Südosten der Stadt befindet sich das Naturschutzgebiet Wolzensee.
Bauwerke [Bearbeiten]
In der Umgebung der St.-Marien-Andreas-Kirche befinden sich einige erhaltene Fachwerkhäuser, welche unlängst restauriert wurden. Ansonsten ist die Altstadt nach fast völliger Kriegszerstörung von Bauten aus der Nachkriegszeit geprägt.
In der Stadt steht das größte barocke Sandsteindenkmal Norddeutschlands, welches an den Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm erinnert, der in der Schlacht von Fehrbellin 1675 die Schweden besiegte. Das Denkmal wurde 1736–38 von Johann Georg Glume nach einem Modell von Bartolomé Damart geschaffen und zeigt den Großen Kurfürsten in der Tracht eines römischen Imperators auf einem Postament, an dem Allegorien und Schlachtenreliefs angebracht sind.
Auf dem Weinberg, einem innenstadtnahen Erholungspark (2006 Teil der Landesgartenschau), steht der 1914 eingeweihte Bismarckturm, errichtet zu Ehren Otto von Bismarcks, der in der Nähe von Rathenow in Schönhausen/Elbe geboren wurde. Der Turm wurde 1945 schwer beschädigt, in den 1960er Jahren gab es Umbauversuche zu einer Sternwarte, 2003 wurde er nach Sanierung wieder eingeweiht.
Am Friedrich-Ebert-Ring befindet sich eine ausgedehnte Wohnanlage aus dreigeschossigen Zeilenbauten, die 1929–31 von dem Architekten Otto Haesler (damals: Celle) errichtet wurde. Es handelt sich dabei um die architektonisch wohl bedeutendste Wohnsiedlung der Weimarer Republik auf dem Gebiet des heutigen Landes Brandenburg. Durch eine Sanierung Mitte der 1990er Jahre wurden die Proportionen der Fassaden durch das Aufbringen eines Wärmedämmsystems empfindlich gestört.
Der Architekt Otto Haesler, der nach dem Zweiten Weltkrieg in die DDR übergesiedelt war, hatte für die kriegszerstörte Innenstadt von Rathenow einen Wiederaufbauplan vorgelegt, der ebenfalls radikal auf der Zeilenbauweise basierte. Dieser Plan wurde nur in Rudimenten realisiert. So konnte Haesler rund um den Platz der Jugend in der Altstadt 1950/51 einige Gebäude tatsächlich bauen. Sie lehnen sich – zum Beispiel mit dem Motiv der erkerartig hervortretenden, verglasten Treppenhäuser – an die Entwürfe des Architekten der zwanziger Jahre an, erreichen allerdings deren Eleganz nicht mehr. Kurz darauf wurde in der DDR der Baustil der „Nationalen Tradition“ obligatorisch; insofern sind die Haesler-Bauten in der Rathenower Altstadt ein seltenes Beispiel für eine sozial engagierte Architektur im Stil der Vorkriegs-Avantgarde in der Anfangszeit der DDR.
Kirchen [Bearbeiten]
Die in der Altstadt gelegene evangelische St.-Marien-Andreas-Kirche wurde Anfang des 13. Jahrhunderts im spätromanischen Stil errichtet und im 15. und 16. Jahrhundert nach Plänen von Meister Lindemann zu einer dreischiffigen Hallenkirche umgestaltet. Sie wurde nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wieder aufgebaut.
Weitere evangelische Kirchen sind die Auferstehungskirche, ein als Friedhofskapelle 1914-1917 errichteter Backsteinbau von Curt Steinberg, sowie die 1932 im Stil des Neuen Bauens errichtete Lutherkirche. Darüber hinaus befindet sich in Rathenow eine Landeskirchliche Gemeinschaft, sowie weitere evangelische Kirchen in den Ortsteilen von Rathenow.
Die erste katholische Kirche seit der Reformation in Rathenow wurde im Jahr 1893 als Kirche St. Georg eingeweiht. Ihre Pfarrei gehört zum Erzbistum Berlin. Eine weitere katholische Kirche befindet sich am Horstenweg im Ortsteil Steckelsdorf (Ausbau). Es ist die 1962 geweihte Kirche St. Josef, benannt nach Josef von Nazaret. Heute gehört diese Kirche zur Pfarrei St. Elisabeth mit Sitz in Tangermünde, und damit zum Bistum Magdeburg.
Die neuapostolische Gemeinde Rathenow wurde 1908 gegründet, ihre Kirche befindet sich an der Kleinen Hagenstraße. Die kleine Evangelisch-Freikirchliche Gemeinde (Baptisten) hat 2011 ihr neues Gemeindezentrum eingeweiht. Darüber hinaus sind die Siebenten-Tags-Adventisten, die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und die Zeugen Jehovas in Rathenow vertreten.
Denkmale [Bearbeiten]
- Denkmal für die Opfer des Faschismus (von 1951) auf dem Stufenunterbau des 1942 eingeschmolzenen Kaiser-Wilhelm-I.-Denkmals auf dem heutigen Platz der Freiheit
- Gedenkstätte für die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus auf dem Städtischen Friedhof westlich der Großen Milower Straße für 98 Zwangsarbeiter aus verschiedenen Ländern. Auf dem gleichen Friedhof sind 56 weitere Opfer der Zwangsarbeit begraben
- Gedenkstätte für Zwangsarbeiter und ihre Kinder auf dem 1943 errichteten „Ausländerfriedhof“ in einem Wald zwischen Bammer Straße und der B188, zu erreichen über die Neufriedrichsdorfer Straße
- Jüdischer Friedhof mit Gedenkstein für die von den Nationalsozialisten umgebrachten jüdischen Bürger der Stadt an der Neufriedrichsdorfer Straße 17
- Gedenktafel am ehemaligen Betsaal der Jüdischen Gemeinde Fabrikenstraße 2 zur Erinnerung an die ausgerottete Gemeinde
- Gedenktafel an der Dorfkirche des Ortsteils Steckelsdorf für die jüdischen Opfer der Umschulungsorganisation Landwerk („Hachschara“) am Horstenweg 5/6
- Gedenktafel für Pfarrer August Froehlich am Pfarrhaus von St. Georg Rathenow in der Friesacker Straße
Siehe auch: Liste der Baudenkmale in Rathenow mit den in der Denkmalliste des Landes Brandenburgs eingetragenen Baudenkmalen.
Wirtschaft und Infrastruktur [Bearbeiten]
Wirtschaft [Bearbeiten]
Optische Industrie [Bearbeiten]
Die Wirtschaftsentwicklung der Stadt Rathenow ist eng mit der Entwicklung der optischen Industrie verbunden. Nach Etablierung der späteren Rathenower Optische Werke (ROW) siedelten sich ab Ende des 19. Jahrhunderts bis zu 300 Unternehmen der optischen Industrie in Rathenow an. Viele Jahrzehnte arbeiteten mehrere Tausend Menschen in diesem Bereich. Nach 1949 avancierte Rathenow beispielsweise zum alleinigen Fabrikationsort für Brillen in der DDR. Einige der nach 1990 privatisierten Nachfolgeunternehmen von ROW sind weiterhin im Bereich der optischen Industrie tätig (z. B. Mikroskopbau durch Askania).
Verkehr [Bearbeiten]
Straßenverkehr [Bearbeiten]
Rathenow liegt am Kreuzungspunkt der Bundesstraßen B 102 (Richtung Brandenburg und Neustadt (Dosse)) und B 188 (Richtung B 5 Hamburg–Berlin und Stendal).
Busverkehr [Bearbeiten]
In und um Rathenow verkehren Busse der Havelbus Verkehrsgesellschaft, die die einzelnen Ortsteile und die umliegenden Städte und Gemeinden mit Rathenow verbinden.
Schienenverkehr [Bearbeiten]
Am Bahnhof Rathenow verlaufen die Bahnlinien Berlin–Hannover und Brandenburg–Neustadt (Dosse). Von Dezember 2007 bis Dezember 2009 hielten hier auch Züge der IC-Linie Stettin-Berlin-Amsterdam. Aktuell (2012) bestehen folgende Bahnverbindungen im Regionalverkehr: RE 4 nach Ludwigsfelde über Berlin, RB 51 nach Brandenburg (Havel) und RB 13 nach Stendal. Die Verbindung nach Neustadt (Dosse) wurde Ende 2003, das Teilstück von Rathenow nach Rathenow-Nord Ende 2005 eingestellt.
Flugverkehr [Bearbeiten]
Privaten und gewerblichen Flugverkehr gibt es in Stechow, etwa acht Kilometer nordöstlich der Stadt; der nächste internationale Flughafen ist der Flughafen Berlin-Tegel in 65 Kilometer Entfernung.
Schiffsverkehr [Bearbeiten]
Durch die Lage Rathenows an der Havel kann Schifffahrt betrieben werden. Es gibt einen Hafen und eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe ins Havelland.
Bildung [Bearbeiten]
In Rathenow gibt es die vier Grundschulen Am Weinberg, Friedrich Ludwig Jahn, Geschwister Scholl sowie die Grundschule Otto Seeger in Rathenow-West. Als weiterführende Schulen existieren das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium, die Gesamtschule Bruno H. Bürgel und die Oberschule Johann Heinrich August Duncker. Es gibt außerdem noch mit der Schule für geistig Behinderte Spektrum und der allgemeinen Förderschule J.H. Pestalozzi zwei Förderschulen in Rathenow.
Weitere Bildungseinrichtungen sind die Musikschule Rathenow, die Musik-, Kunst-, und Volkshochschule Havelland, das Oberstufenzentrum Havelland und das Bildungs- und Technologiezentrum für Augenoptik des Landes Brandenburg.
Sport [Bearbeiten]
Aushängeschild der Stadt Rathenow ist der in der Fußball-Regionalliga Nordost spielende Verein FSV Optik Rathenow. Aufgrund der direkten Lage an der Havel bietet die Stadt darüber hinaus verschiedene Wassersportmöglichkeiten. Außerdem gibt es Fußball-, Handball- und Leichtathletikvereine. Auch Kampfsportarten können erlernt werden.
Persönlichkeiten [Bearbeiten]
Ehrenbürger [Bearbeiten]
- Friedrich Heinrich Ernst Graf von Wrangel (* 13. April 1784 in Stettin; † 1. November 1877 in Berlin), preußischer Generalfeldmarschall; seit 1856
- Johann Friedrich Meuß (* 26. Juli 1813 in Rathenow; † 5. Februar 1878 in Rathenow), Apotheker und Ziegeleibesitzer; seit dem 26. Juli 1877
- Otto von Bismarck, wurde einst mit den Stimmen der Rathenower Wahlmänner in den Preußischen Landtag gewählt und begann so seine politische Laufbahn; seit dem 15. Juni 1875
- Max Hobrecht ́(* 13. Dezember 1827 in Königsberg (Ostpreußen); † 1. September 1899 in Rathenow); seit dem 13. Dezember 1897
- Friedrich Lange (* 5. Juni 1844 in Mohrin, Kreis Königsberg/Neumark; † 7. September 1916 in Biesenthal) 27 Jahre Bürgermeister der Stadt Rathenow; seit dem 16. Juli 1906
- Karl Mertens (* 17. März 1903 in Rathenow; † 24. September 1988 in Rathenow), Bildhauer; seit 1987
- Erika Guthjahr, geb. Pelzer (* 12. September 1916 in Rathenow; † 23. Februar 2005 in Rathenow), Malerin, Schriftstellerin und Heimatforscherin; seit dem 12. September 1996
- Otto Martin Günter Thonke (* 17. Oktober 1928 in Rathenow); seit dem 6. Mai 2009
- Friedrich Klaus Otto Eichler (* 29. März 1939 in Leipzig); seit dem 6. Mai 2009
Söhne und Töchter der Stadt [Bearbeiten]
- Stephan Bodecker (1384–1459), Bischof von Brandenburg
- Johann Heinrich August Duncker (1767–1843), Begründer der deutschen optischen Industrie
- Wilhelm Schneider (1781–1811), Pianist und Komponist
- Karl Adolph Paalzow (1823–1908), Physiker
- Gustav Hermann von Alvensleben (1827–1905), Militär
- Friedrich Wilhelm Kaeding (1843–1928), Stenograph
- Otto Weber (1889–1972), kommunistischer Politiker
- Käthe Miethe (1893–1961), Schriftstellerin
- Georg Mierdel (1899–1987), Elektrotechniker, Physiker und Hochschulprofessor
- Kurt Laube (1905-1987), kommunistischer Widerstandskämpfer, Interbrigadist, Sekretär der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) im Land Brandenburg und im VVN-Generalsekretariat
- Walter Mönch (1905–1994), Romanist und Literaturwissenschaftler
- Joachim Mrugowsky (1905–1948), Arzt und NS-Verbrecher
- Wolfgang Imle (1909–2001), Politiker
- Günter Scheel (1924–2011), Historiker und Archivar
- Wolfgang Gruner (1926–2002), Kabarettist, Schauspieler und Regisseur
- Immo Stabreit (* 1933), Diplomat
- Hans-Joachim Geffert (* 1935), Heimatforscher und -schriftsteller
- Hans-Günter Naumann (1935–2010), Politiker, Mitglied des Bayerischen Landtags (SPD)
- Dietrich Weber (1935–2008), Germanist und Literaturwissenschaftler
- Peter Rabenalt (* 1937 im heutigen Ortsteil Semlin), Filmkomponist und -wissenschaftler
- Bernd Rabehl (* 1938), Soziologe
- Heinz Bartsch (* 1939), Arbeitswissenschaftler und Ingenieur
- Rosemarie Köhn (* 1939), Bischöfin von Hamar (Norwegen) von 1993 bis 2006 (zweite Frau weltweit als evangelische Bischöfin ernannt)
- Kurt-Dieter Grill (* 1943), Politiker
- Barbara Heinisch (* 1944), Malerin
- Wulf Herzogenrath (* 1944), Kunsthistoriker und Kurator
- Gerhard Günther (* 1955), Mitglied des Thüringer Landtags (CDU)
- Christoph Dieckmann (* 1956), Journalist und Autor
- Jörg Friedrich (* 1959), Ruderer
- Jörg Freimuth (* 1961), Leichtathlet
- Uwe Freimuth (* 1961), Leichtathlet
- Christian Görke (* 1962), Politiker (Die Linke)
- Stephan Schill (* 1964), Schauspieler
- Christian Rudolf (* 1965), Schauspieler, Moderator und Sänger
- Kerstin Köppen (* 1967), Ruderin
- Mario Streit (* 1967), Ruderer
- Jörg Heinrich (* 1969), Fußballspieler
- Christian Beeck (* 1971), Fußballspieler
- Marco Tschirpke (* 1975), Musik-Kabarettist
- Katrin Bühring (* 1977), Schauspielerin
- Julia Mitrici (* 1982), Schauspielerin
- Dennis Mast (* 1992), Fußballspieler
Weitere Persönlichkeiten, die mit der Stadt in Verbindung stehen [Bearbeiten]
- Samuel Christoph Wagener (1763–1845), Feldprediger und Schriftsteller
- August Froehlich (1891–1942), römisch-katholischer Priester, Pfarrer in Rathenow, Widerstandskämpfer gegen das NS-Regime, starb im KZ Dachau.
- Regina Thoss (* 1946), Sängerin, lebte einige Jahre in Rathenow
- Victoria Herrmann (* 1969), Fernsehmoderatorin, wuchs in Rathenow auf und absolvierte eine Lehre bei den Rathenower Optischen Werken
Weblinks [Bearbeiten]
Info Rathenow Rathenow und seine Geschichte
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Amt für Statistik Berlin-Brandenburg: Bevölkerung im Land Brandenburg am 31. Dezember 2011 nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden (PDF; 31,71 KB), Stand 31. Dezember 2011. (Hilfe dazu)
- ↑ Hauptsatzung der Stadt Rathenow vom 20. April 2011 PDF
- ↑ Zur Geschichte – Zwangsarbeit: RAA Brandenburg, Interkultur. Beiträge Nr. 17 "Fremdarbeiter in der NS-Zeit", Seiten 20-35
- ↑ Archiv Kulturzentrum Rathenow; Akte Emil Busch AG Rathenow, Berliner Str. 5; Barackenlager – Bauunterlagen, Pacht- und Mietverträge
- ↑ Märkische Allgemeine Zeitung – Berichte 2001-2002 von Zeitzeugen
- ↑ Broschüre "Zwangsarbeit während der Zeit des Faschismus in Rathenow/Westhavelland" von Dieter Seeger (2012)
- ↑ Tod in Rathenow. In: Der Spiegel. Nr. 25, 2003 (online).
- ↑ Bildung des Amtes Lehnin. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 30. Juni 1992. Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nummer 52, 24. Juli 1992, S. 952.
- ↑ a b Eingliederungen der Gemeinden Böhne, Göttlin, Grütz, Semlin und Steckelsdorf in die Stadt Rathenow. Bekanntmachung der Ministers des Innern vom 8. Oktober 2001. Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 12. Jahrgang, Nummer 44, S. 694 vom 30. Oktober 2001 PDF
- ↑ Auflösung des Amtes Rathenow. Mitteilung des Ministeriums des Innern Vom 8. Oktober 2001. Amtsblatt für Brandenburg – Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 12. Jahrgang, Nummer 44, Potsdam, den 30. Oktober 2001, S. 694 PDF
- ↑ a b Beitrag zur Statistik Landesbetrieb für Datenverarbeitung und Statistik Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005 19.5 Landkreis Havelland PDF
- ↑ statistik-berlin-brandenburg.de (PDF; 2,4 MB) Seite 48
- ↑ Evamaria Engel, Lieselott Enders, Heinrich Schich (Hrsg.): Städtebuch Brandenburg und Berlin. Stuttgart 2000, Seite 443.
- ↑ Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
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