Bensberg

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Bensberg (Begriffsklärung) aufgeführt.
Ehemaliges Stadtwappen von Bensberg bis 1974
Bensberg, Gesamtansicht vom Kardinal-Schulte-Haus aus auf das alte und das neue Schloss
Zugang zur U-Bahn in Bensberg
Schlosspark
Schloss Bensberg
Rathaus

Bensberg ist der Wohnplatz 52 von Bergisch Gladbach und gehört zum Statistik-Bezirk 5 der Stadt.

Lage und Beschreibung[Bearbeiten]

Bensberg liegt im Süden der Stadt Bergisch Gladbach und grenzt an die Städte Köln, Overath und Rösrath. Eine besondere Sehenswürdigkeit ist das neue Schloss Bensberg, heute ein Nobelhotel, in dem der Meisterkoch Joachim Wissler arbeitet. Nicht weit entfernt befindet sich das burgähnliche Alte Schloss mit dem Rathaus, das 1964–1969 nach Plänen des Architekten Gottfried Böhm für die damalige Stadt Bensberg gebaut wurde.

Geschichte[Bearbeiten]

Rathaus der ehemaligen Stadt

Bensberg wurde urkundlich zum ersten Mal im Jahre 1139 erwähnt. Die Burganlage aus dieser Zeit diente ab dem 13. Jahrhundert den Grafen von Berg teilweise als Residenz, da die bergischen Landesherrn in ihrem Land ihren Regierungssitz ständig wechselten. Die zunächst zum Landesausbau von den Grafen von Berg selbst erbaute Burg Bensberg wurde später als Wohnburg ausgebaut und von den Grafen und späteren Herzögen von Berg, wie andere landesherrliche Burgen im Eigenbesitz der Landesherrn benutzt, um von hier aus das Bergische Land zu regieren. 1218 wurde mit Engelbert II., Erzbischof von Köln, einer der mächtigsten Reichsfürsten seiner Zeit, die Burg Bensberg da er von hier aus, wegen der Nähe zu Köln, beide Territorien regieren konnte. Er wurde von Friedrich II. während seines Aufenthalts in Italien als Reichsverweser eingesetzt und zum Vormund und Erzieher des jungen Königssohnes Heinrich bestellt, den er im Jahr 1222 in Aachen zum König Heinrich VII. krönte. Er blieb bis zum Tod dessen Vormund und war damit die politisch stärkste Person des Reiches. Zu Bensberg gehörten zu dieser Zeit die Ortschaften Herkenrath, Dürscheid, Immekeppel und Refrath. Während der Herrschaft des Herzogtums Berg gehörte Bensberg zum Amt Porz (ursprünglich Amt Bensberg).

Einen ersten wirtschaftlichen Aufschwung erfuhr Bensberg durch den Bau des neuen Schlosses zu Beginn des 18. Jahrhunderts, als Herzog Johann Wilhelm II. (im Volksmund: Jan Wellem) ein barockes Jagdschloss errichten ließ, das in unmittelbarer Nähe seines Jagdreviers, des Königsforsts, steht. In der Franzosenzeit hatte Bensberg von 1807–1813 verwaltungsmäßig den Status Kanton Bensberg im Großherzogtum Berg.

1947 erhielt Bensberg die Stadtrechte. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog es die Menschen von der Stadt Köln aufs Land nach Bensberg und Umgebung. Insbesondere im Westen des damaligen Stadtgebietes, in den Ortsteilen Refrath, Frankenforst und Lustheide entstanden seit Ende der 1950er Jahre zahlreiche Neubaugebiete. Köln versuchte, dieser Abwanderung entgegenzuwirken und durch Eingemeindungspläne die Abwanderer wieder einzugliedern. Im Rahmen der Kommunalen Neugliederung kam es ab 1964 zu zahlreichen Neugliederungsvorschlägen auf lokaler, regionaler und auf Landesebene. „Geheimpläne“ sorgten zunächst für heftige Diskussionen auf lokaler Ebene. Vorschläge zur Neugliederung machten der Oberkreisdirektor, der Regierungspräsident, mehrere Gutachter, die Stadt Köln, die Stadt Bergisch Gladbach, die Stadt Bensberg und der Innenminister. Bis zuletzt wehrte sich die Stadt Bensberg gegen eine Städtefusion mit Bergisch Gladbach. Eine Verfassungsbeschwerde wurde 1976 in Münster abgewiesen.

Mit dem Inkrafttreten der kommunalen Neugliederung am 1. Januar 1975 verlor Bensberg seine Selbständigkeit; das vormalige Stadtgebiet gehört seitdem größtenteils zu Bergisch Gladbach (49,25 km², 41.958 Einwohner); kleinere Teile wurden in die Gemeinden Overath (6,87 km², 2773 Einwohner), Kürten (4,86 km², 1918 Einwohner, unter anderen die Ortschaft Dürscheid) und Rösrath (0,69 km², 44 Einwohner) eingegliedert (siehe auch: Köln-Gesetz).[1]

Mit der Zusammenlegung mussten neue Strukturen organisiert werden. Man entschied sich, Wohnplätze einzuführen, die teilweise nicht mehr mit den früheren und von den Einwohnern „gefühlten“ Stadtteilen übereinstimmen. Ältere Bürger denken sicherlich manchmal mit Wehmut an die Zeit, als Bensberg noch für weite Teile östlich des Bahndamms bzw. für die ganze frühere Stadt Bensberg Erwähnung fand. Heute bildet Bensberg zusammen mit den Wohnplätzen Bockenberg, Kaule, Moitzfeld, und Lückerath den Statistischen Bezirk 5.

Das Stadtarchiv Bergisch Gladbach sichert nicht nur die historische Überlieferung der Stadt Bergisch Gladbach (alte und neue Stadt) und ihrer Wohnplätze und Vorgängergemeinden, sondern auch der ehemaligen Stadt Bensberg. Das in der Stadtmitte gelegene Stadtarchiv macht diese Archivalien der Öffentlichkeit zugänglich und gibt außerdem eine eigene Buchreihe zur Stadtgeschichte heraus.

Hexenverfolgung[Bearbeiten]

In Bensberg wurden 1602 acht Frauen als Hexen verbrannt, darunter fünf aus Odenthal und eine Frau vom „Bloemengut“ aus Nittum. 1612 traf das Todesurteil Agnes Polwirth und 1613 Katharina Güschen, alle aus Nittum. Die angeklagte Christina Kirschbaum erhängte sich nach mehrfachen Folterungen im Hexenturm von Bensberg. Vom Prozess gegen Katharina Güschen berichtet ein Teil der noch überlieferten Protokolle. Der damalige Schultheiß Gottfried Borken leitete das Verfahren. Nach einjähriger Haft im Bensberger Hexenturm wurde Katharina Güschen „am Steinenbrückchen“, unweit von Bensberg-Lustheide, am 10. Januar 1613 erhängt und verbrannt. In Bensberg befindet sich am Rathaus (Wilhelm-Wagnet-Platz) eine Gedenktafel zur Erinnerung an die Hexenprozesse.[2][3][4]

Bergbau[Bearbeiten]

In der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es aufgrund der Ausweitung des Erzabbaus im Bensberger Erzrevier zu einem weiteren Bevölkerungsanstieg. Neue Verhüttungstechniken ermöglichen die Verhüttung der bis dahin ungenutzten Zinkblende. Heute ist der Erzbergbau ohne Bedeutung. Mit der Schließung der Grube Weiß am 1. Dezember 1957 ging der Bergbau im heutigen Stadtgebiet Bergisch Gladbach zu Ende. Als letzte Grube des Bensberger Erzreviers wurde 1978 die Grube Lüderich geschlossen.[5][6][7][8]

Bevölkerung[Bearbeiten]

Nach der EDV-Einwohnerdatei verfügte Bensberg am 31. Dezember 2010 über insgesamt 5.468 Einwohner (davon 342 Ausländer). Die Altersgruppe über 65 Jahre war mit 1.478 Einwohnern (davon 48 Ausländer) deutlich stärker als die Altersgruppe unter 18 Jahre mit nur 801 Einwohnern (davon 32 Ausländer).

Bürgermeister 1945–1974[Bearbeiten]

  • 1945–1946: Matthias Kiel
  • 1946–1956: Jean Werheit
  • 1956–1974: Ulrich Müller-Frank

Stadtdirektoren 1946–1974[Bearbeiten]

  • 1946–1949: Theodor Hötter
  • 1949–1970: Wilhelm Wagener
  • 1970–1974: Alexander Lammers

Kultur[Bearbeiten]

Mit dem Puppenpavillon Bensberg beherbergt Bensberg seit 1988 eines der bekanntesten stationären Puppentheater der rheinisch-bergischen Region. Es wurde 1988 von der Puppenspielerin Heide Hamann gegründet. In seinen letzten Lebensjahren bis zu seinem Tod (am 12. Dezember 1998 in Bergisch Gladbach) spielte dort unter anderem der Puppenspieler Rudolf Fischer. Der Puppenspieler Gerd J. Pohl übernahm 2008 die Leitung von Heide Hamann.

Gastronomie[Bearbeiten]

In Bensberg befindet sich laut Guide Michelin und weiteren Restaurantführern eines der 10 besten Restaurants in Deutschland: das „Vendôme“ im Schloss Bensberg (Koch Joachim Wissler).

Sport[Bearbeiten]

Bensberg verfügt über mehrere Sportvereine, zum Beispiel die beiden Fußballvereine FC Bensberg 02 und SC 27. Der TV Bensberg ist ein erfolgreicher Turnverein. Insbesondere seine Basketballabteilung, deren erste Damenmannschaft lange in der 1. Bundesliga spielte, und die Jugendarbeit (u. a. ein zweiter und ein dritter Platz bei Deutschen Meisterschaften), ist überregional bekannt. Der Tennisclub Grün-Gold Bensberg spielt aktuell in der Zweiten Bundesliga und hat mit David Prinosil einen ehemaligen Davis-Cup-Spieler in seinen Reihen. Die Eissporthalle Saaler Mühle ist die Spielstätte des ESV Bergisch Gladbach, der ebenfalls für seine Jugendarbeit bekannt ist.

Sakralgebäude[Bearbeiten]

Schulen[Bearbeiten]

  • Albertus-Magnus-Gymnasium Bensberg
  • Otto-Hahn-Gymnasium Bensberg
  • Otto-Hahn-Realschule Bensberg
  • Johannes-Gutenberg-Realschule Bensberg
  • Katholische Grundschule Bensberg (Eichelstraße)
  • Evangelische Grundschule Bensberg (Gartenstraße)

Verkehr[Bearbeiten]

Mit der Kölner Stadtbahnlinie 1 (Bensberg – Weiden) erreicht man die Kölner Innenstadt in ungefähr 30 Minuten. Die Linie endete früher in Höhe der Falltorstraße. Im Mai 2000 wurde der Tunnel für die Verlängerung der Strecke um 487 Meter bis zum Bus- und U-Bahnhof Bensberg in Betrieb genommen.

Früher gab es in Bensberg einen Bahnhof an der Bahnstrecke Köln-Mülheim–Lindlar, der auf Höhe des heutigen Autohauses auf der Kölner Straße lag, und ein Bahnbetriebswerk. Die Strecke ist in diesem Abschnitt aber schon seit 1965 stillgelegt. Das Problem des Bensberger Bahnhofes war, dass er außerhalb der wesentlich höher liegenden Innenstadt lag und somit für den Personenverkehr unpraktisch war. Das Empfangsgebäude wurde abgerissen, der alte Bahndamm ist heute noch zu sehen.

Seit Jahren wird in Bergisch Gladbach eine sehr kontroverse Diskussion darüber geführt, ob über den Bahndamm eine Stadtautobahn von der A4 in das Zentrum von Bergisch Gladbach gebaut werden soll.

Söhne und Töchter der ehemaligen Stadt[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1.  Martin Bünermann, Heinz Köstering: Die Gemeinden und Kreise nach der kommunalen Gebietsreform in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1975, ISBN 3-555-30092-X.
  2. Hetty Kemmerich: Sagt, was ich gestehen soll, Dortmund 2004, S. 179ff, 288, 291.
  3. Erika Münster-Schröer: Hexenverfolgung in Jülich-Berg und der Einfluss Johann Weyers, in: Spee Jahrbuch 2000, Trier 2000, S. 81.
  4. Anton Jux: Eine Hexen-Verbrennung am Hagdorn im Jahre 1612, in: Bergischer Kalender 1959, S. 90-92.
  5. Herbert Stahl (Redaktion), Gerhard Geurts, Herbert Ommer: Das Erbe des Erzes, Die Grube Weiß, Bergisch Gladbach 2003, ISBN 3-00-011243-X
  6. Herbert Stahl (Redaktion), Gerhard Geurts, Herbert Ommer: Das Erbe des Erzes, Band 2, Die Gruben auf den Gangerzlagerstätten im Erzrevier Bensberg. Köln 2004, ISBN 3-00-014668-7
  7. Herbert Stahl (Redaktion), Gerhard Geurts, Hans-Dieter Hilden, Herbert Ommer: Das Erbe des Erzes, Band 3, Die Gruben in der Paffrather Kalkmulde. Bergisch Gladbach 2006, ISBN 3-932326-49-0
  8. Herbert Stahl (Redaktion), Gerhard Geurts, Hans-Dieter Hilden, Herbert Ommer, Siegfried Raimann: Das Erbe des Erzes, Band 4, Der Lüderich, Bergisch Gladbach 2008, ISBN 3-932326-52-0

Literatur[Bearbeiten]

  • Johann Bendel, Heimatbuch des Landkreises Mülheim am Rhein, Geschichte und Beschreibung, Sagen und Erzählungen, Köln-Mülheim 1925
  • Veronika Darius: Der Architekt Gottfried Böhm. Bauten der sechziger Jahre. Düsseldorf: Beton-Verlag 1988 (Baumeisterforum).
  • Albert Eßer (Hrsg.): Bergisch Gladbacher Stadtgeschichte. Bergisch Gladbach 2006
  • Paul Falk: 75 Jahre Karneval in Bensberg. Bergisch Gladbach 1979
  • Willi Fritzen: Die alte Grafen- und Herzogsresidenz Bensberg. Bergisch Gladbach 1985
  • Kurt Kluxen: Geschichte von Bensberg. Paderborn 1976
  • Peter Köster: Städte-Ehe - Die Neugliederung von Bensberg und Bergisch Gladbach 1964–1976. Stadtarchiv Bergisch Gladbach. Beiträge zur Geschichte der Stadt Bergisch Gladbach Band 6. Bergisch Gladbach 1999. ISBN 3-9804448-3-X
  • Lothar Speer: Die Erstnennung Bensbergs in der Urkunde von 1138 / 1139. Wem gehörte die Burg Bensberg im 12. Jahrhundert?. In: Heimat zwischen Sülz und Dhünn 12, 2005, S. 4–8
  • Herbert Stahl: Die Grube Jungfrau und das Schloss Bensberg, in: Rheinisch-Bergischer Kalender 2005, 75. Jahrgang, Heider Verlag Bergisch Gladbach o.J., S, 213 ff.
  • Herbert Stahl: Nationalpolitische Erziehungsanstalt im Schloss Bensberg, Zur Geschichte des Schlosses als schulische Einrichtung in: Rheinisch-Bergischer Kalender 2013, 83. Jahrgang, Heider Verlag Bergisch Gladbach o.J., S, 91 ff.

Weblinks[Bearbeiten]

50.9656337.157032Koordinaten: 50° 58′ N, 7° 9′ O