Nordstjernen

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Nordstjernen
Die Nordstjernen im Hafen von Molde, 2008

Die Nordstjernen im Hafen von Molde, 2008

p1
Schiffsdaten
Flagge NorwegenNorwegen (Postflagge) Norwegen
Schiffstyp Post- und Passagierschiff
Klasse Etterkrigsflåten
Rufzeichen LATU[1]
Heimathafen Bergen[1]
Eigner M/S Nordstjernen AS c/o RS Platou Finans[1]
Reederei Vestland Marine Sp. z o.o.
Bauwerft Blohm + Voss (Hamburg, Deutschland)
Baunummer 787[1]
Stapellauf 26. Oktober 1955
Übernahme 24. Februar 1956
Verbleib in Fahrt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
88,78[1] m (Lüa)
Breite 12,64 m
Tiefgang max. 4,50 m
Vermessung 2.191 BRZ / 1.234 NRZ[1]
 
Besatzung 29 - 35
Ab 1955
Maschine dieselmechanisch
1 × Burmeister & Wain
Maschinen-
leistung
3.000 PS (2.206 kW)
Geschwindigkeit max. 16 kn (30 km/h)
Propeller 1 × 4-Blatt-Verstellpropeller
Ab 1983
Maschine dieselmechanisch
1x Dieselmotor (MaK 8M453AK)
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
2.650 kW (3.603 PS)
Geschwindigkeit max. 16 kn (30 km/h)
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 656 tdw
Zugelassene Passagierzahl zuletzt: 400 auf 5 Passagierdecks[2]
PaxKabinen 74
Sonstiges
Klassifizierungen

Det Norske Veritas

Registrier-
nummern

IMO-Nr. 5255777[1]

Das Motorschiff Nordstjernen (dt. Polarstern) ist ein denkmalgeschütztes norwegisches Passagierschiff. Es war bis zu seiner Außerdienststellung im Jahr 2012 das älteste Schiff der Reederei Hurtigruten ASA und verkehrte mit Unterbrechungen von 1956 bis Ende März 2012 auf der Hurtigrute an der Küste Norwegens im Liniendienst. Die Nordstjernen ist damit das Schiff mit der bisher längsten Einsatzdauer im Hurtigruten-Dienst.[3]

Geschichte[Bearbeiten]

Vorgängerin[Bearbeiten]

Die Vorgängerin war das 1937 gebaute Dampfschiff Nordstjernen. Dieses Schiff sank in der Nacht zum 22. September 1954 nach einer Kollision mit einem Felsen im Raftsund, dabei kamen vier Passagiere ums Leben. Diese waren über Bord gesprungen und schwammen zum vermeintlich rettenden nahen Ufer. Hier gelang es ihnen aber nicht die senkrecht aus dem Wasser ragenden Felsen zu erklimmen.[4]

Bau und Indienststellung[Bearbeiten]

In Tromsø, 2008

Die Nordstjernen gehört zusammen mit der Ragnvald Jarl und der Finnmarken zu drei Schiffen, die in den Jahren 1954 bis 1956 auf der Werft Blohm & Voss in Hamburg gebaut wurden. Die Nordstjernen trägt die Baunummer 787. Während man die Ragnvald Jarl und Finnmarken als Schwesterschiffe bezeichnen kann, unterscheidet sich die zuerst gebaute Nordstjernen von diesen vor allem durch die mittschiffs angeordnete Maschine und den dort gelegenen „klassischen“ Schornstein. Der Stapellauf erfolgte am 26. Oktober 1955. Am 24. Februar 1956 wurde das Schiff an die Reederei Det Bergenske Dampskibsselskab (BDS) abgeliefert und ging anschließend auf Jungfernfahrt. Das Schiff ist mit 2.194 BRZ vermessen.

Einsatz[Bearbeiten]

Die Nordstjernen war seit ihrer Jungfernfahrt bis zum Jahr 2012 ausschließlich bei Reedereien der Hurtigrute eingesetzt. Von der Reederei BDS wurde sie im Jahr 1979 an die Reederei TFDS übereignet und ging im März 2007 an die Hurtigruten Group. Die Nordstjernen wurde zuletzt ganzjährig im Liniendienst eingesetzt. Zuvor war sie zwischen 1968 und 1982 und ab Mitte der 1990er Jahre in den Sommermonaten regelmäßig auf der Route nach Svalbard im Einsatz, sowie zwischen 1976 und 1979 regelmäßig auf der Route von Bergen nach Lerwick auf den Shetlands.

Ausmusterung bei Hurtigruten ASA[Bearbeiten]

Im Oktober 2011 gab die Reederei bekannt, dass die Nordstjernen zum Fahrplanwechsel im Frühjahr 2012 durch die wieder in den Liniendienst zurückkehrende Finnmarken (2002) ersetzt werden und außer Dienst gestellt werden soll.[5] Nach ihrer Außerdienststellung wurde sie im Sommer 2012 noch ein letztes Mal für Spitzbergen-Kreuzfahrten eingesetzt, bevor das Schiff zum Verkauf aufgelegt wurde.[6]

Weitere Verwendung[Bearbeiten]

Schornstein der Nordstjernen in BDS-Farben, 2013

Im November 2012 wurde das Schiff von der Vestland Rederi AS erworben. Mit Bergen entspricht ihr neuer Heimathafen jenem ihrer ursprünglichen Reederei BDS. Von Ende 2012 bis Ende Juli 2013 lag das Schiff für umfassende Überholungsarbeiten in einer Werft in Danzig. Die norwegische Denkmalschutzbehörde Riksantikvaren, die das Schiff unter Schutz gestellt hat, hat sich mit 2,5 Millionen norwegischen Kronen an den Arbeiten beteiligt und diese begleitet.[3] Die Nordstjernen, die an ihrem Schornstein nun wieder ihre ursprünglichen BDS-Farben trägt, nahm Anfang August 2013 am Traditionsschiff-Anlass Fjordsteam in Bergen teil,[7] und soll künftig als Hotelschiff und für Charter-Touren eingesetzt werden.[8]

Von Juni bis August 2015 wird Hurtigruten das Schiff wieder einsetzen. Dabei wird es Expeditionsreisen rund um Spitzbergen anbieten.[9]

Zwischenfall[Bearbeiten]

Am Abend des 11. November 2013 lief die Nordstjernen im Karmsund bei Haugesund auf Grund. Sie lag stabil auf einer Schäre und es drang zunächst kein Wasser ein. Am folgenden Morgen wurde sie erfolgreich freigeschleppt und konnte in Haugesund anlegen. Der Vorfall wurde polizeilich untersucht.[10] Bei einer Inspektion durch das Seefahrtsamt wurde festgestellt, dass mehrere Ballasttanks Löcher aufwiesen. Rumpf und Deck hatten strukturelle Schäden erlitten. Ein geringer Wasserzulauf in einen Laderaum war unter Kontrolle.[11] Ein Vertreter der norwegischen Denkmalschutzbehörde äußerte, dass sich die Behörde an den Reparaturarbeiten beteiligen werde. Man sei froh darüber, dass bei dem Vorfall keine Menschen zu Schaden kamen und der Sachschaden nicht größer war. Alles sei reparierbar.[12] Die Reparaturen erfolgten bei der Westcon-Werft in Ølensvåg und wurden Ende Januar 2014 abgeschlossen.[13]

Maschinenanlage und Antrieb[Bearbeiten]

Die Nordstjernen war ursprünglich mit einem Dieselmotor von Burmeister & Wain ausgestattet, der eine Leistung von etwa 3.000 PS entwickelte und einen Vierblatt-Propeller antrieb.

Im Winter 1982/83 wurde das Schiff auf der Werft Mjellem & Karlsen in Bergen modernisiert und mit einem 8-Zylinder-Dieselmotor des Typs MaK 8M453AK ausgerüstet, der über ein Reduktionsgetriebe auf einen Verstellpropeller wirkt.[4] Von den drei Hauptgeneratoren des Schiffes wurden mittlerweile zwei durch Neubauten ersetzt.[1]

Ausstattung[Bearbeiten]

Heckansicht

Das Schiff war zuletzt bei normaler Küstenfahrt für 410 Passagiere zugelassen, bei direkter Küstenfahrt, also auf der Hurtigrute, waren 600 Passagiere erlaubt. Es verfügt über 62 Kabinen mit 168 Betten. Die Ausstattung und Einrichtung des Schiffes ist bis heute weitgehend im traditionellen Stil erhalten geblieben. Als Ladegeschirr dienen zwei Kräne mit einer Tragfähigkeit von je einer Tonne sowie ein Kran mit einer Tragfähigkeit von zwei Tonnen. Im Gegensatz zu den modernen Schiffen auf der Hurtigrute, konnte die Nordstjernen zuletzt keine Fahrzeuge mehr transportieren. Bis Mitte der 1990er Jahre erfolgte die Verladung von bis zu drei PKW mittels der Bordkräne.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Nordstjernen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g h Schiffsdaten auf Det Norske Veritas, aufgerufen am 5. Dezember 2010
  2. Schiffsinformationen der Reederei, aufgerufen am 12. Dezember 2010
  3. a b M/S «Nordstjernen» på vei hjem (Norwegisch) Riksantikvaren. 30. Juli 2013. Abgerufen am 31. Juli 2013.
  4. a b Norwegische Postschiffe: „MS Nordstjernen“, aufgerufen am 13. Dezember 2010
  5. http://www.lofotposten.no/lokale_nyheter/article5758077.ece
  6. MS Nordstjernen - last voyages will be on Spitsbergen, 30. Oktober 2011, abgerufen am 16. November 2011
  7. M/S «Nordstjernen» (Norwegisch) Fjordsteam. Abgerufen am 31. Juli 2013.
  8. Hotellskip, charterturer M/S "Nordstjernen" (Norwegisch) luksusyachter.no. Abgerufen am 31. Juli 2013.
  9. Neue Spitzbergen Expeditionen mit Hurtigruten. 26. September 2014, abgerufen am 27. September 2014.
  10. Marianne Nilsen, Eivind Aarre, Anders Haga: «Nordstjernen» på grunn ved Haugesund (Norwegisch) In: Bergens Tidende. 12. November 2013. Abgerufen am 13. November 2013.
  11. Einar Tho: Strukturelle skader i skrog og dekk (Norwegisch) In: Haugesunds Avis. 12. November 2013. Abgerufen am 13. November 2013.
  12. Reparasjonen kommer til å ta minst en måned (Norwegisch) In: nrk.no. 12. November 2013. Abgerufen am 13. November 2013.
  13. M/S «Nordstjernen» reparert (Norwegisch) Riksantikvaren. 30. Januar 2014. Abgerufen am 7. Februar 2014.