Mahathir bin Mohamad

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Dr. Mahathir bei einer Rede vor der UNO am 25. September 2003 in New York

Tun Mahathir bin Mohamad, kurz (Doktor) Mahathir oder einfach Dr. M genannt (* 20. Dezember 1925 in Alor Setar), war zwischen 1981 und 2003 Premierminister von Malaysia.

Beginn seiner Karriere[Bearbeiten]

Mahathir war zunächst Kinderarzt und praktizierte lange Jahre auf der in der Andamanensee gelegenen Inselgruppe Langkawi, bevor er in die Politik ging. In der ständig an der Regierung beteiligten Partei UMNO kam er in den 1970er Jahren an die Macht. Gleichzeitig war er damit führender Politiker des Regierungsbündnisses Barisan Nasional, in dem die UMNO und andere Parteien den Proporz der verschiedenen Ethnien des multikulturellen Malaysia nachbilden.

Wirtschaftspolitik[Bearbeiten]

Mahathir zählt ähnlich wie Singapurs langjähriger Staatschef Lee Kuan Yew zu einer einflussreichen Generation südostasiatischer Staatsmänner, die eine bemerkenswerte wirtschaftliche Entwicklung beförderten, aber autoritär und mit harter Hand regierten – gefürchtet und geschätzt, nicht unbedingt demokratisch (asian style democracy), jedoch nicht ohne Verdienste für ihr Land. Er setzte zum Beispiel das umstrittene Wasserkraftprojekt Bakun in Gang. Seine keynesianische Wirtschaftspolitik ermöglichte die hohen Wachstumsraten der malaysischen Wirtschaft. Dabei wurden die muslimischen Malaien gegenüber der chinesischen und indischen Minderheit bevorzugt (siehe auch Malaysische Neue Ökonomische Politik).

Affäre um Anwar Ibrahim[Bearbeiten]

Sein langjähriger Vize-Premier und vorgesehener Nachfolger Anwar Ibrahim wurde 1998 von Mahathir entmachtet und im nächsten Jahr inhaftiert (wegen angeblicher Korruption, später auch wegen angeblicher homosexueller Praktiken). 2004 wurde er aus der Haft entlassen. Der damalige US-Vizepräsident Al Gore übte auf einer APEC-Konferenz scharfe Kritik an der Behandlung Anwar Ibrahims und erklärte seine Unterstützung für die demokratische Reformbewegung des Landes.[1]

Kriegsverbrecher Kommission[Bearbeiten]

2007 gründete Mahathir die Kuala Lumpur Kriegsverbrecher Kommission als Alternative zum internationalen Gerichtshof in Den Haag welchem er eine Voreingenommenheit bei der Auswahl von Verfahren anrechnet.[2]

Antisemitismus[Bearbeiten]

Mahathir bin Mohamad hat sich bei zahlreichen Gelegenheiten rassistisch und antisemitisch über Juden geäußert. So behauptete er, sie seien „nicht bloß hakennasig, sondern verstehen Geld instinktiv“. Schindlers Liste, Steven Spielbergs berühmter Film über den Holocaust, wurde von Mahathirs Regierung mit der Begründung verboten, der Film wäre „zu pro-jüdisch“.[3] Hohe Wellen schlug besonders eine Eröffnungsrede, die der malaysische Staatschef auf der Tagung der Organisation der Islamischen Konferenz im Jahr 2003 hielt. Darin sagte er:

“The Europeans killed 6 million Jews out of 12 million, but today the Jews rule the world by proxy ... They get others to fight and die for them ... They survived 2,000 years of pogroms not by hitting back, but by thinking. They invented . . . socialism, communism, human rights, and democracy so that persecuting them would appear to be wrong - so they may enjoy equal rights with others. With these they have now gained control of the most powerful countries.”[3]

Während westliche Kommentatoren entsetzt reagierten, verteidigten Vertreter mehrerer moslemischer Staaten, darunter Afghanistans Präsident Hamid Karzai, Mahathirs Rede.[4]

Im Jahr 1984 untersagte er den New Yorker Philharmonikern die Einreise nach Malaysia, da diese ein Stück des jüdischen Komponisten Ernest Bloch aufführen wollten. Er machte „die Juden“ für die asiatische Finanzkrise im Jahr 1997 verantwortlich und verteilte auf einem Kongress seiner Partei UMNO antisemitische Schriften wie die Protokolle der Weisen von Zion sowie Henry Fords Der internationale Jude.[5]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mahathir bin Mohamad – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. BBC News: World: Asia-Pacific Malaysian anger at Gore rebuke, 17. November 1998.
  2. Philosophers stone: Philosophers Stone. Philosophers Stone. Abgerufen am 20. Dezember 2011.
  3. a b The Boston Globe: Rousing Muslim bigotry, 23. Oktober 2003.
  4. http://findarticles.com/p/articles/mi_m0WDQ/is_2003_Oct_20/ai_109021654
  5. Wolfgang Benz: Die Protokolle der Weisen von Zion - Die Legende von der jüdischen Weltverschwörung. S. 101; Verlag C.H. Beck 2007 ISBN 978-3-406-53613-7

Malaiischer Name: Der Namensbestandteil „bin Mohamad“ ist ein Patronym und kein Familienname; die Person heißt also Mahatir. Das arabische Wort „bin“ („b.“) oder „binti“/„binte“ („bt.“/„bte.“) bedeuted „Sohn von“ oder „Tochter von“.