Majakowskoje

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Siedlung
Majakowskoje/Nemmersdorf
Маяковское
Föderationskreis Nordwestrussland
Oblast Kaliningrad
Rajon Gussew
Gegründet 13. Jahrhundert
Frühere Namen Nemmersdorf (bis 1946)
Siedlung seit 2009
Bevölkerung 913 Einwohner
(Stand: 14. Okt. 2010)[1]
Höhe des Zentrums 60 m
Zeitzone UTC+3
Telefonvorwahl (+7) 40143
Postleitzahl 238033
Kfz-Kennzeichen 39, 91
OKATO 27 212 813 001
Geographische Lage
Koordinaten 54° 31′ N, 22° 4′ O54.52083333333322.06666666666760Koordinaten: 54° 31′ 15″ N, 22° 4′ 0″ O
Majakowskoje (Europäisches Russland)
Red pog.svg
Lage im Westteil Russlands
Majakowskoje (Oblast Kaliningrad)
Red pog.svg
Lage in der Oblast Kaliningrad‎

Majakowskoje (russisch Маяко́вское, deutsch Nemmersdorf) ist ein Ort im Rajon Gussew der russischen Oblast Kaliningrad.

Geographische Lage[Bearbeiten]

Majakowskoje liegt südwestlich von Gussew (Gumbinnen) an der Angerapp im ehemaligen Ostpreußen. Durch den Ort verläuft die Fernstraße R 508 von Gussew nach Osjorsk (Darkehmen, 1938–1946 Angerapp). Sie wird im Ort gekreuzt von einer Nebenstraße, die von Rjasanskoje (Hallwischken, 1938–1946 Hallweg) über Schutschkowo (Szuskehmen, 1936-1938 Schuskehmen, 1938-1946 Angerhöh) und Iwaschkino (Kollatischken, 1938–1946 Langenweiler) nach Gussew führt.

Eine Bahnanbindung besteht über die zwölf Kilometer entfernte Bahnstation in Gussew an der Strecke von Kaliningrad (Königsberg (Preußen)) nach Tschernyschewskoje (Eydtkuhnen, 1938–1946 Eydtkau), einem Teilstück der ehemaligen Preußischen Ostbahn.

Ortsname[Bearbeiten]

Der ehemalige, aus dem Prußischen abgeleitete Name Nemmersdorf weist auf Sümpfe in der Umgebung hin (nemiršele, „Sumpf-Vergissmeinnicht“).

Nach dem damaligen Ortsnamen wurde das Massaker von Nemmersdorf benannt, das mutmaßlich Angehörige der Roten Armee am 21. Oktober 1944 an deutschen Zivilisten begingen.

Geschichte[Bearbeiten]

In einer von der Angerapp gebildeten Schlinge etwas östlich von Nemmersdorf, auf dem Galgenberg, befinden sich Reste einer prussischen Wallburg.

Die Angerapp bei Majakowskoje (Nemmersdorf)

Das ehemalige Nemmersdorf galt als das größte Kirchdorf im Landkreis Gumbinnen, dessen Gründungszeit in das 13. Jahrhundert zurückreichte[2]. Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte im Jahr 1515 in einer Verordnung des Hauptamtes Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk)[3].

Im Jahre 1910 zählten Dorf und Gut Nemmersdorf insgesamt 484 Einwohner[4], deren Zahl bis 1933 auf 607 und bis 1939 auf 637 anstieg[5]. Zwischen 1874 und 1945 war Nemmersdorf namensgebender Ort und Sitz des Amtsbezirks Nemmersdorf innerhalb des Landkreises Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Zur Gemeinde Nemmersdorf gehörten die Ortsteile Kaimelswerder (russisch: Maximowka), Gut Pennacken (1938–1946 Werfen, russisch: Orlowka), Waldhaus Nemmersdorf, Gut Schroedershof sowie das Vorwerk Moskau.

Bei einem Vorstoß der Roten Armee am 21. Oktober 1944 wurde Nemmersdorf - mit seiner strategisch wichtigen Angerapp-Brücke - besetzt und am 23. Oktober nach einem Gegenangriff der Wehrmacht wieder geräumt. Dabei wurden 19 bis 30 getötete deutsche Zivilisten gefunden: Massaker von Nemmersdorf.

Die zweite Eroberung durch die Rote Armee erfolgte im Januar 1945. Das Dorf kam unter sowjetische Administration. Die deutsche Bevölkerung war evakuiert worden, geflohen oder umgekommen. Nemmersdorf erhielt 1946 die neue Ortsbezeichnung „Majakowskoje“ und wurde mit Sowjetbürgern besiedelt. Bis zum Jahre 2008 war der Ort Zentrum des „Majakowski Sowjet“ (Dorfsowjet Majakowskoje), in den 27 Ortschaften eingegliedert waren. Aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform im Jahre 2008[6] wurde Majakowskoje zentraler Ort der „Majakowskoje selskoje posselenije“ (Landgemeinde Majakowskoje), in der sechs „Siedlung“ (possjolok) genannte Orte zusammenfasst waren. Im Jahr 2013 wurde der Ort in den Stadtkreis Gussew eingegliedert.

Amtsbezirk Nemmersdorf[Bearbeiten]

Am 18. März 1874 wurde der neu errichtete Amtsbezirk Nemmersdorf von 13 Landgemeinden und fünf Gutsbezirken gebildet[7]:

Name (bis 1938) Name (1938–1946) Name (seit 1946) Bemerkungen
Landgemeinden:
Aweningken Aweningken Tambowskoje
Eggelauken Eggelauken 1902 in die Landgemeinde
Gerschwillauken eingegliedert
Ganderkehmen Ganderkehmen Dunajewka 1928 in die Landgemeinde
Kiaulkehmen eingegliedert
Gerschwillauken Gerschwillauken Kasakowo 1935 in die Gemeinde
Jungort eingegliedert
Gerwischken Richtfelde Schaworonkowo
Kiaulkehmen Jungort
(seit 1935)
Dunajewka
Kollatischken Langenweiler Iwaschkino
Nemmersdorf Nemmersdorf Majakowskoje
Pagramutschen Pagramutschen Gribowo
Reckeln Reckeln Schiguli
Skripitschken Skripitschken Tambowskoje
Tittnaggen Krügertal Markino
Wandlaudszen
ab 1936: Wandlaudschen
Rotenkamp (Ostpr.) Ossinowka
Gutsbezirke:
Heinrichsdorf Heinrichsdorf Chimkino 1928 in die Landgemeinde
Kiaulkehmen eingegliedert
Kaimelswerder Kaimelswerder Maximowka 1928 in die Landgemeinde
Nemmersdorf eingegliedert
Nemmersdorf Nemmersdorf Majakowskoje 1928 in die Landgemeinde
Nemmersdorf eingegliedert
Pennacken Werfen Orlowka 1928 in die Landgemeinde
Nemmersdorf eingegliedert
Szemlauken Szemlauken

Am 1. Januar 1945 umfasste der Amtsbezirk Nemmersdorf die sieben Gemeinden: Jungort, Krügertal, Langenweiler, Nemmersdorf, Reckeln, Richtfelde und Rotenkamp. Er gehörte zum Landkreis Gumbinnen.

Dorfsowjet/Dorfbezirk Majakowski 1947–2008[Bearbeiten]

Bis 2008 war Majakowskoje zentraler Ort des Dorfsowjet bzw. Dorfbezirks Majakowski im Rajon Gussew. Zugehörig waren 27 Ortschaften[8]:

Heutiger Name Name (bis 1938) Name (1938–1946)
Bolschakowo Большаково Groß Mixeln Groß Mixeln
Chimkino Химкино Heinrichsdorf Heinrichsdorf
Dunajewka Дунаевка Kiaulkehmen Jungort
Grosnoje Грозное Plimballen
(Kreis Schloßberg)
Osterfelde
Iwaschkino Ивашкино Kollatischken Langenweiler
Karajewo Караваево Lampseden Lampshagen
Konopljowo Коноплёво Norgallen Wiekmünde
Kostino Костино Stobricken Krammsdorf
Luschki Лужки Schublauken Schublau
Maximowka Максимовка Kaimelswerder Kaimelswerder
Marejewka Мареевка Thuren Thuren
Markino Маркино Plimballen
(Kreis Gumbinnen)
Mertinshagen
Markino Маркино Tittnaggen Krügertal
Mischkino Мишкино Budballen Moorbude
Noworetschje Новоречье Stulgen Hasenrode
Orlowka Орловка Adomlauken Adamshausen
Orlowka Орловка Austinehlen Austinshof
Orlowka Орловка Pennacken Werfen
Ossinowka Осиновка Wandlaudszen/
Wandlaudschen
Rotenkamp
Pisarewo Писарево Girnehlen Mühlenruh
Pospelowo Поспелово Klein Mixeln Klein Mixeln
Proletarski Пролетарский Norgallen Wiekmünde
Schaworonkowo Жаворонково Gerwischken Richtfelde
Schiguli Жигули Reckeln Reckeln
Sytschjowo Сычёво Tutteln Tutteln
Tambowskoje Тамбовское Skripitschken Skripitschken
Tambowskoje Тамбовское Awewingken Aweningken

Landgemeinde Majakowskoje 2008–2013[Bearbeiten]

Lage der Landgemeinde Majakowskoje im Rajon Gussew

Von 2008 bis 2013 war die Siedlung Majakowskskoje Verwaltungssitz der kommunalen Selbstverwaltungseinheit Landgemeinde Majakowskoje (ru. Маяковское сельское поселение, Majakowskoje selskoje posselenije) mit sechs Siedlungen. Im Jahr 2013 wurden diese Orte in den Stadtkreis Gussew eingegliedert.

  • Kasakowo Казаково
    (Gerschwillauken)
  • Kostino Костино
    (Stobricken, 1938–1945 Krammsdorf)
  • Majakowskoje Маяковское
    (Nemmersdorf)
  • Mischkino Мишкино
    (Budballen, 1938–1945 Moorbude)
  • Proletarski Пролетарский
    (Norgallen, 1938–1945 Wiekmünde)
  • Schiguli Жигули
    (Reckeln).

Kirche[Bearbeiten]

Kirchengebäude[Bearbeiten]

Die Nemmersdorfer Feldsteinkirche[9] wurde auf Anordnung Herzogs Albrecht von Preußen geplant, aber erst - nach dessen Tod - 1589 verwirklicht. Es handelte um einen einfachen, rechteckigen Bai nahe der Angerapp (russisch: Angrapa), mit Sakristeianbau im Osten. 1769 wurde das Gotteshaus erneuert, der Altar soll aus der Werkstatt Isaac Rigas stammen.

Die kleinere der Kirchenglocken von 1748 wurde zu Ende des Zweiten Weltkrieges für Rüstungszwecke abgeliefert, überdauerte aber den Krieg auf einem "Glockenfriedhof". Sie erhielt einen neuen Platz in der St.-Mauritius-Kirche im niedersächsischen Almstedt nahe Hildesheim.

Auch das Gotteshaus hat beide Weltkriege überstanden, trotz Beschädigung im Jahre 1944. Das Kirchenschiff ist erhalten, nun jedoch flach gedeckt, der Turm fehlt.

Nach 1945 wurde die Kirche zweckentfremdet und als Wirtschaftsgebäude genutzt. Anfang der 1960er Jahre wurde es umgebaut und dient jetzt als Kulturhaus und Bibliothek.

Kirchengemeinde[Bearbeiten]

Ursprünglich wurde das Kirchspiel Nemmersdorf von Gawaiten (1938-1946 Herzogsrode, seit 1946: Gawrilowo) aus versehen. Zwischen 1633 und 1647 war auch Ischdaggen (1938–1946 Branden, seit 1946: Lermontowo) hierher eingepfarrt.

Bis 1945 war Nemmersdorf mit seiner überwiegend evangelischen Bevölkerung Pfarrdorf im Kirchenkreis Gumbinnen (Gussew) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

In der Zeit der Sowjetunion war kirchliches Leben untersagt. Erst in den 1990er Jahren bildeten sich in der Oblast Kaliningrad neue evangelische Gemeinde, von denen die der Salzburger Kirche in Gussew Majakowkoje am nächsten liegt. Sie gehört zur Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland[10].

Pfarrer[Bearbeiten]

An der Nemmersdorfer Pfarrkirche amtierten bis 1945 30 evangelische Geistliche[11]:

  • Laurentius Kromdorff, 1590/1596
  • Christoph von Düben, 1603–1621
  • Christoph Baumgart, 1621–1630
  • Christoph Blume, 1630–1645
  • Abraham Merczigius, 1646
  • George Beyer, 1647–1654
  • Jacob Neukirch, 1652–1653
  • Melchior Ditzel, 1653–1670
  • Michael Terpitius, 1671–1688
  • Friedrich Paul, 1685–1686
  • Nicolaus Naps, 1686
  • Johann Keimel, 1688–1710
  • Johann Christian Hassius, 1710–1736
  • Daniel Simon Wilcke, 1736–1762
  • Reinhold Hein, 1751–1752
  • Christoph Daniel Hassenstein, 1752–1797
  • Johann Gottfried Ulrich, 1784–1796
  • Johann Alexander Deutschmann, 1796–1811
  • Heinrich Hübsch, 1811–1814
  • Christian Ferdinand Zippel, 1815–1824
  • Otto Ulrich Settegast, 1824–1827
  • Johann Christian Hirsch, 1827–1830
  • Eduard Gustav Albrecht, 1830–1844
  • Heinrich Albert Schenck, 1845–1862
  • Friedrich Gustav Dewitz, 1863–1876
  • Emil Arnold Th. Christmann, 1876–1896
  • Louis Ernst Gustav Guddas, 1896–1898
  • Georg Eugen Peter Henkys, 1899–1926
  • Hans Boretius, 1926–1935
  • Hans Puschke, 1935–1945

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
  2. Nemmersdorf in der Kreisgemeinschaft Gumbinnen
  3. Geschichte von Majakowskoje-Nemmersdorf
  4. Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis
  5. Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch
  6. Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 255 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
  7. Rolf Jehke, Amtsbezirk Nemmersdorf
  8. Genealogy net
  9. Nemmersdorfer Kirche
  10. Ev.-luth. Propstei Kaliningrad
  11. Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 100

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]