Majakowskoje
| Siedlung
Majakowskoje/Nemmersdorf
Маяковское
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Majakowskoje (russisch Маяко́вское, deutsch Nemmersdorf) ist ein Ort im Rajon Gussew (Kreis Gumbinnen) der Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)) in Russland und Zentrum der Majakowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Majakowskoje).
Inhaltsverzeichnis |
Geographische Lage [Bearbeiten]
Majakowskoje liegt südwestlich von Gussew (Gumbinnen) an der Angerapp im ehemaligen Ostpreußen. Durch den Ort verläuft die Fernstraße R 508 von Gussew nach Osjorsk (Darkehmen, 1938–1946 Angerapp). Sie wird im Ort gekreuzt von einer Nebenstraße, die von Rjasanskoje (Hallwischken, 1938–1946 Hallweg) über Schutschkowo (Szuskehmen, 1936-1938 Schuskehmen, 1938-1946 Angerhöh) und Iwaschkino (Kollatischken, 1938–1946 Langenweiler) nach Gussew führt.
Eine Bahnanbindung besteht über die zwölf Kilometer entfernte Bahnstation in Gussew an der Strecke von Kaliningrad (Königsberg (Preußen)) nach Tschernyschewskoje (Eydtkuhnen, 1938–1946 Eydtkau), einem Teilstück der ehemaligen Preußischen Ostbahn.
Ortsname [Bearbeiten]
Der ehemalige, aus dem Prußischen abgeleitete Name Nemmersdorf weist auf Sümpfe in der Umgebung hin (nemiršele, „Sumpf-Vergissmeinnicht“).
Nach dem damaligen Ortsnamen wurde das Massaker von Nemmersdorf benannt, das mutmaßlich Angehörige der Roten Armee am 21. Oktober 1944 an deutschen Zivilisten begingen.
Geschichte [Bearbeiten]
Das ehemalige Nemmersdorf galt als das größte Kirchdorf im Landkreis Gumbinnen, dessen Gründungszeit in das 13. Jahrhundert zurückreichte[2]. Die urkundliche Ersterwähnung erfolgte im Jahr 1515 in einer Verordnung des Hauptamtes Insterburg (heute russisch: Tschernjachowsk)[3].
Im Jahre 1910 zählten Dorf und Gut Nemmersdorf insgesamt 484 Einwohner[4], deren Zahl bis 1933 auf 607 und bis 1939 auf 637 anstieg[5]. Zwischen 1874 und 1945 war Nemmersdorf namensgebender Ort und Sitz des Amtsbezirks Nemmersdorf innerhalb des Landkreises Gumbinnen im Regierungsbezirk Gumbinnen der preußischen Provinz Ostpreußen. Zur Gemeinde Nemmersdorf gehörten die Ortsteile Kaimelswerder (russisch: Maximowka), Gut Pennacken (1938–1946 Werfen, russisch: Orlowka), Waldhaus Nemmersdorf, Gut Schroedershof sowie das Vorwerk Moskau.
Als Folge des Zweiten Weltkrieges kam Nemmersdorf unter sowjetische Administration und erhielt 1946 die neue Ortsbezeichnung „Majakowskoje“. Bis zum Jahre 2009 war der Ort Zentrum des „Majakowski Sowjet“ (Dorfsowjet Majakowskoje), in den 27 Ortschaften eingegliedert waren. Aufgrund einer Struktur- und Verwaltungsreform im Jahre 2009[6] wurde Majakowskoje zentraler Ort der „Majakowskoje selskoje posselenije“ (Landgemeinde Majakowskoje), in der sechs „Siedlung“ (possjolok) genannte Orte zusammenfasst sind.
Amtsbezirk Nemmersdorf [Bearbeiten]
Am 18. März 1874 wurde der neu errichtete Amtsbezirk Nemmersdorf von 13 Landgemeinden und fünf Gutsbezirken gebildet[7]:
| Name (bis 1938) | Name (1938–1946) | Name (seit 1946) | Bemerkungen |
|---|---|---|---|
| Landgemeinden: | |||
| Aweningken | Aweningken | Tambowskoje | |
| Eggelauken | Eggelauken | 1902 in die Landgemeinde Gerschwillauken eingegliedert |
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| Ganderkehmen | Ganderkehmen | Dunajewka | 1928 in die Landgemeinde Kiaulkehmen eingegliedert |
| Gerschwillauken | Gerschwillauken | Kasakowo | 1935 in die Gemeinde Jungort eingegliedert |
| Gerwischken | Richtfelde | Schaworonkowo | |
| Kiaulkehmen | Jungort (seit 1935) |
Dunajewka | |
| Kollatischken | Langenweiler | Iwaschkino | |
| Nemmersdorf | Nemmersdorf | Majakowskoje | |
| Pagramutschen | Pagramutschen | Gribowo | |
| Reckeln | Reckeln | Schiguli | |
| Skripitschken | Skripitschken | Tambowskoje | |
| Tittnaggen | Krügertal | Markino | |
| Wandlaudszen ab 1936: Wandlaudschen |
Rotenkamp (Ostpr.) | Ossinowka | |
| Gutsbezirke: | |||
| Heinrichsdorf | Heinrichsdorf | Chimkino | 1928 in die Landgemeinde Kiaulkehmen eingegliedert |
| Kaimelswerder | Kaimelswerder | Maximowka | 1928 in die Landgemeinde Nemmersdorf eingegliedert |
| Nemmersdorf | Nemmersdorf | Majakowskoje | 1928 in die Landgemeinde Nemmersdorf eingegliedert |
| Pennacken | Werfen | Orlowka | 1928 in die Landgemeinde Nemmersdorf eingegliedert |
| Szemlauken | Szemlauken |
Am 1. Januar 1945 umfasste der Amtsbezirk Nemmersdorf die sieben Gemeinden: Jungort, Krügertal, Langenweiler, Nemmersdorf, Reckeln, Richtfelde und Rotenkamp. Er gehörte zum Landkreis Gumbinnen.
Majakowski Sowjet (Dorfsowjet Majakowskoje) [Bearbeiten]
Bis 2009 war Majakowskoje zentraler Ort des „Majakowski sowjet“ (Dorfsowjet Majakowskoje) im Rajon Gussew. Zugehörig waren 27 Ortschaften[8]:
| Heutiger Name | Name (bis 1938) | Name (1938–1946) |
|---|---|---|
| Bolschakowo Большаково | Groß Mixeln | Groß Mixeln |
| Chimkino Химкино | Heinrichsdorf | Heinrichsdorf |
| Dunajewka Дунаевка | Kiaulkehmen | Jungort |
| Grosnoje Грозное | Plimballen (Kreis Schloßberg) |
Osterfelde |
| Iwaschkino Ивашкино | Kollatischken | Langenweiler |
| Karajewo Караваево | Lampseden | Lampshagen |
| Konopljowo Коноплёво | Norgallen | Wiekmünde |
| Kostino Костино | Stobricken | Krammsdorf |
| Luschki Лужки | Schublauken | Schublau |
| Maximowka Максимовка | Kaimelswerder | Kaimelswerder |
| Marejewka Мареевка | Thuren | Thuren |
| Markino Маркино | Plimballen (Kreis Gumbinnen) |
Mertinshagen |
| Markino Маркино | Tittnaggen | Krügertal |
| Mischkino Мишкино | Budballen | Moorbude |
| Noworetschje Новоречье | Stulgen | Hasenrode |
| Orlowka Орловка | Adomlauken | Adamshausen |
| Orlowka Орловка | Austinehlen | Austinshof |
| Orlowka Орловка | Pennacken | Werfen |
| Ossinowka Осиновка | Wandlaudszen/ Wandlaudschen |
Rotenkamp |
| Pisarewo Писарево | Girnehlen | Mühlenruh |
| Pospelowo Поспелово | Klein Mixeln | Klein Mixeln |
| Proletarski Пролетарский | Norgallen | Wiekmünde |
| Schaworonkowo Жаворонково | Gerwischken | Richtfelde |
| Schiguli Жигули | Reckeln | Reckeln |
| Sytschjowo Сычёво | Tutteln | Tutteln |
| Tambowskoje Тамбовское | Skripitschken | Skripitschken |
| Tambowskoje Тамбовское | Awewingken | Aweningken |
Kirche [Bearbeiten]
Kirchengebäude [Bearbeiten]
Die Nemmersdorfer Feldsteinkirche[9] wurde auf Anordnung Herzogs Albrecht von Preußen vorgenommen, aber erst - nach dessen Tod - 1589 verwirklicht. Es handelte um einen einfachen, rechteckigen Bai nahe der Angerapp (russisch: Angrapa), mit Sakristeianbau im Osten. 1769 wurde das Gotteshaus erneuert, der Altar soll aus der Werkstatt Isaac Rigas stammen.
Die ehemals kleinere der Kirchenglocken von 1748 wurde zu Kriegsende für Munitionszwecke abgeliefert, überdauerte aber den Krieg. Sie erhielt einen neuen Platz in der St.-Mauritius-Kirche im niedersächsischen Almstedt nahe Hildesheim.
Auch das Gotteshaus hat beide Weltkriege überstanden, trotz Beschädigung im Jahre 1944. Das Kirchenschiff ist erhalten, nun jedoch flach gedeckt, der Turm fehlt.
Nach 1945 wurde die Kirche zweckentfremdet und als Wirtschaftsgebäude genutzt. Anfang der 1960er Jahre wurde es umgebaut und dient jetzt als Kulturhaus und Bibliothek.
Kirchengemeinde [Bearbeiten]
Ursprünglich wurde das Kirchspiel Nemmersdorf von Gawaiten (1938-1946 Herzogsrode, seit 1946: Gawrilowo) aus versehen. Zwischen 1633 und 1647 war auch Ischdaggen (1938–1946 Branden, seit 1946: Lermontowo) hierher eingepfarrt.
Bis 1945 war Nemmersdorf mit seiner überwiegend evangelischen Bevölkerung Pfarrdorf im Kirchenkreis Gumbinnen (Gussew) in der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.
In der Zeit der Sowjetunion war kirchliches Leben untersagt. Erst in den 1990er Jahren bildeten sich in der Oblast Kaliningrad neue evangelische Gemeinde, von denen die der Salzburger Kirche in Gussew Majakowkoje am nächsten liegt. Sie gehört zur Propstei Kaliningrad in der Evangelisch-Lutherischen Kirche Europäisches Russland[10].
Pfarrer [Bearbeiten]
An der Nemmersdorfer Pfarrkirche amtierten bis 1945 30 evangelische Geistliche[11]:
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Majakowskoje selskoje posselenije (Landgemeinde Majakowskoje) [Bearbeiten]
Seit Inkrafttreten der Struktur- und Verwaltungsreform der Oblast Kaliningrad im Jahre 2009[12] ist Majakowskoje namensgebender Ort sechs „Siedlung“ (possjolok) genannter Ortschaften innerhalb der „Majakowskoje selskoje posselenije“ (Landgemeinde Majakowskoje):
- Kasakowo Казаково
(Gerschwillauken) - Kostino Костино
(Stobricken, 1938–1946 Krammsdorf) - Majakowskoje Маяковское
(Nemmersdorf) - Mischkino Мишкино
(Budballen, 1938–1946 Moorbude) - Proletarski Пролетарский
(Norgallen, 1938–1946 Wiekmünde) - Schiguli Жигули
(Reckeln).
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Itogi Vserossijskoj perepisi naselenija 2010 goda. Kaliningradskaja oblastʹ. (Ergebnisse der allrussischen Volkszählung 2010. Oblast Kaliningrad.) Band 1, Tabelle 4 (Download von der Website des Territorialorgans Oblast Kaliningrad des Föderalen Dienstes für staatliche Statistik der Russischen Föderation)
- ↑ Nemmersdorf in der Kreisgemeinschaft Gumbinnen
- ↑ Geschichte von Majakowskoje-Nemmersdorf
- ↑ Uli Schubert, Gemeindeverzeichnis
- ↑ Michael Rademacher, Deutsch-österreichisches Ortsbuch
- ↑ Nach dem Gesetz über die Zusammensetzung und Territorien der munizipalen Gebilde der Oblast Kaliningrad vom 25. Juni/1. Juli 2009, nebst Gesetz Nr. 255 vom 30. Juni 2008, präzisiert durch Gesetz Nr. 370 vom 1. Juli 2009
- ↑ Rolf Jehke, Amtsbezirk Nemmersdorf
- ↑ Genealogy net
- ↑ Nemmersdorfer Kirche
- ↑ Ev.-luth. Propstei Kaliningrad
- ↑ Friedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung im Jahre 1945, Hamburg, 1968, Seite 100
- ↑ siehe oben Fußnote 5
Literatur [Bearbeiten]
- Ralph Giordano: Ostpreußen ade. 5 Auflage. dtv, München Juni 1999, ISBN 3-423-30566-5, S. 99 ff.