Marienburg (Ordensburg)

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Die Marienburg
Die Marienburg um 1895
Das Ordensschloss von der Seite des Haupteingangs, um die Mitte des 19. Jahrhunderts (Lithographie).
Das Ordensschloss von der Nogat-Seite, um die Mitte 19. Jahrhunderts (Lithographie).
Ansicht um 1850

Die Marienburg ist eine Ordensburg, die etwa 60 km südöstlich von Danzig an der Nogat, einem Mündungsarm der Weichsel, bei der polnischen Stadt Malbork liegt. Von 1309 bis 1454 war die Burg Sitz der Hochmeister des Deutschen Ordens im Deutschordensstaat. Die weiträumige Burganlage ist der größte Backsteinbau Europas.

Bau[Bearbeiten]

Grundriss der Burganlage

Die mittelalterliche Burganlage lässt sich in drei große Baugruppen gliedern: das Vorschloss (auch: Vorburg), das Mittelschloss und das Hochschloss. Den Gebäuden dieser drei Bereiche waren unterschiedliche Aufgaben zugeordnet, die - entsprechend den verschiedenen Aufgaben - auch architektonisch äußerst unterschiedlich gestaltet sind.

Hochschloss[Bearbeiten]

Das Hochschloss stellt den ältesten Teil der Marienburg dar und ist dem Typ des kastellartigen, quadratischen Konventshauses zuzurechnen. Dabei diente der Vierflügelbau als Stützpunkt und Unterkunft der Ordensritter. Der um 1280 fertiggestellte Nordflügel des Hochschlosses beherbergte neben der Kapelle und dem Kapitelsaal zunächst auch den Schlafsaal (Dormitorium) der Ritterbrüder.

Bis 1344 wurde die Kapelle unter dem Hochmeister Dietrich von Altenburg zur Sankt Marien-Kirche ausgebaut, indem er einen, über den Baukörper des Hochschlosses hinausragenden, polygonalen Chor anbauen ließ. An der Außenwand des Chorschlusses befand sich bis 1945 in einer Nische ein mit farbigem Glasmosaik überzogenes, vollplastisches Madonnenbild.

Mittelschloss[Bearbeiten]

Das Mittelschloss wurde ab 1309 errichtet und beherbergte wichtige, für die Verwaltung des Ordens und des Landes notwendige Einrichtungen. Im Mittelschloss befand sich auch die Residenz des Hochmeisters mit den Repräsentationsräumen. Unter Siegfried von Feuchtwangen, der 1309 den Hochmeistersitz von Venedig nach Marienburg verlegte, und Luther von Braunschweig wurde das Mittelschloss ausgebaut.

Der bedeutendste Gebäudeteil des Mittelschlosses ist wohl der Hochmeisterpalast. Der um 1400 vollendete Profanbau, der wahrscheinlich nach Plänen des aus Koblenz stammenden Baumeisters Nikolaus Fellenstein errichtet wurde, stellt eine architektonische Besonderheit dar: In seiner Form entspricht der Hochmeisterpalast dem Typus eines Wohnturmes (Donjon) und weist neben niederdeutsch-gotischen Elementen auch Einflüsse italienischer und flämisch-burgundischer Bautradition auf. Damit verweist der Bau auch auf die weitreichenden Beziehungen des Deutschen Ordens an der Wende zum 15. Jahrhundert.

Der Sommer- und der Winterremter (Remter oder Rempter: eingedeutschte Form des lat. Wortes Refectorium, dt. Speisesaal), zwei im Hochmeisterpalast gelegene Säle, wurden für Repräsentationszwecke des Hochmeisters errichtet und gehören in ihrer Architektur zu den eindrucksvollsten Innenräumen des späten Mittelalters. Die Sterngewölbe der beiden lichtdurchfluteten, quadratischen Säle werden jeweils von einer einzigen schlanken Granitsäule getragen.

Eine Steinkugel in der Wand über dem Kamin im Sommerremter - so erzählt die Legende - soll während der Belagerung durch den polnischen König Jagiello im Jahr 1410 auf diesen, das Gewölbe tragenden Pfeiler geschossen worden sein, um den Hochmeister und seine Berater durch das einstürzende Gewölbe zu töten.

Zwischen 1822 und 1828 wurde der Sommerremter nach Entwürfen Karl Friedrich Schinkels gestaltet. Nach Gemälden des Berliner Historienmalers Carl Wilhelm Kolbe unter Mitarbeit von Albert Höcker geschaffene Glasfenster zeigten Szenen aus der Ordensgeschichte. Im etwas kleineren Winterremter sind Reste der mittelalterlichen Wandmalereien des Malers Peter vom Anfang des 15. Jahrhunderts zu finden.

Der neben dem Hochmeisterpalast im Mittelschloss gelegene große Remter, rund 30 Meter lang, hat leichte Sterngewölbe, die von drei schlanken roten Granitpfeilern getragen werden.

Vorschloss[Bearbeiten]

Die Vorburg war ab 1309 in Ansätzen vorhanden. In der St. Lorenz-Kapelle, einem bescheidenen Bau mit Flachdecke, an die Außenmauer der Vorburg gelehnt, fanden die Gottesdienste für die Halbbrüder des Deutschritterordens und für die dienenden Schwestern statt. Die Kapelle enthielt eines der größten Meisterwerke der Malerei des 14. Jahrhunderts in den Ordenslanden, den Altar aus dem Ordensschloss Graudenz. Hochmeister Dietrich von Altenburg ließ das Komturhaus bauen und eine Pfahlbrücke über den Fluss schlagen.

Eine Verstärkung der Verteidigungsanlagen wurde unter Heinrich von Plauen in der Mitte des 15. Jahrhunderts (Plauen-Bollwerk) durchgeführt. Es besteht seit dieser Zeit ein kompliziertes Mauer-Graben-Zwinger-System mit teilweise vierfachem Mauerring. Die Verteidigungswälle im nördlichen und östlichen Vorfeld wurden im Zeitraum 165659 von dem Schweden erbaut.

Marienkirche[Bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten]

Ordenszeit[Bearbeiten]

Im Zuge seiner Ostexpansion sicherte der Deutsche Orden die eroberten Gebiete durch den Bau von Burgen. Zu diesen gehörte auch die Marienburg, die zwischen 1270 und 1300 am Ufer der Nogat, eines Mündungsarms der Weichsel, errichtet wurde. Sie diente ursprünglich als Sitz des Landmeisters. Ihren Namen erhielt die Burg nach der Schutzpatronin des „Ordens der Brüder vom Deutschen Haus St. Mariens in Jerusalem“, wie die vollständige Bezeichnung des Deutschen Ordens lautete.

Während der Orden in Osteuropa große militärische Erfolge erzielte, musste er im Heiligen Land schwere Rückschläge hinnehmen. 1271 ging seine Hauptfestung Montfort verloren. Mit der Festung Akkon fiel 1291 das letzte Bollwerk der Kreuzfahrer im Heiligen Land. Daraufhin verlegte der Deutsche Orden seinen Hauptsitz nach Venedig. Ein Jahrzehnt später reifte die Erkenntnis, dass an eine erfolgreiche Rückeroberung Palästinas nicht zu denken war. Als alternatives Betätigungsfeld bot sich Preußen an.

Als 1307 der Templerorden aufgelöst wurde und 1308 bzw. 1309 die Übernahme von Danzig durch den Deutschen Orden erfolgte, verlegte Hochmeister Siegfried von Feuchtwangen im September 1309 seinen Sitz von Venedig in die Marienburg. Die Festung wurde nach und nach zum Schloss ausgebaut, da sie sich für die Repräsentationszwecke eines so mächtigen Ordens bald als zu beengt erwies. Beispielsweise fanden hier die großen Kapitel des Gesamtordens statt, an denen auch Deutschmeister und Meister aus Livland teilnahmen und auf denen der Hochmeister des Ordens gewählt wurde. Im Laufe des 14. Jahrhunderts weilten regelmäßig auch Repräsentanten des europäischen Hochadels bei Preußenfahrten in der Marienburg.

Nach der Niederlage des Ordens in der Schlacht bei Tannenberg gegen Polen-Litauen kam es 1410 erstmals zu einer weitreichenden Belagerung der Marienburg. Dabei gelang es Heinrich von Plauen, die Festung zu halten.

Im Dreizehnjährigen Preußischen Städtekrieg konnte 1454 Hochmeister Ludwig von Erlichshausen die Burg zunächst erfolgreich gegen den polnischen König Kasimir IV. Jagiello verteidigen. Der König unterstützte den Preußischen Bund, in dem sich zahlreiche Städte und Stände gegen den Orden zusammengeschlossen hatten. Da der Hochmeister jedoch mit den Soldzahlungen in Rückstand geriet, musste er die Burg 1455 an seine rebellierenden Söldner verpfänden. Diese verkauften die Festung kurzerhand an den polnischen König.

Polnische und preußische Herrschaft[Bearbeiten]

Der Hochmeister verlegte seinen Sitz nach Königsberg (das heutige Kaliningrad), und am 7. Juni 1457 zog der König von Polen in die Marienburg ein. Im Zweiten Frieden von Thorn trat der Orden Stadt und Burg endgültig ab an das Preußen Königlichen, d.h. polnischen Anteils. Der restliche Ordensstaat wurde 1525 in das weltliche Herzogtum Preußen umgewandelt, das bis 1635 noch polnischer Lehenshoheit unterstand.

Während des Dreißigjährigen Krieges, in den Jahren 1626 und 1629, besetzten die Schweden die Burg und ein weiteres Mal von 1656 bis 1660 während des Schwedisch-Polnischen Krieges. Mit der 1. Polnischen Teilung kam die Marienburg 1772 zum Königreich Preußen und gehörte ab 1773 zur neugeschaffenen Provinz Westpreußen.

Durch die folgende Nutzung, etwa als Kaserne, wurden viele Elemente der mittelalterlichen Architektur zerstört, und es gab sogar Pläne, das Hochschloss zugunsten eines neuen Magazinbaus abzureißen. Dagegen wandten sich u. a. Friedrich Gilly und Friedrich Frick, die ab 1794 Ansichten der Marienburg veröffentlichten. 1803 rief der Dichter Max von Schenkendorf zur Rettung der Marienburg auf, und 1804 verbot König Friedrich Wilhelm III. weitere Abrissarbeiten. Ab 1817 begannen Restaurierungsmaßnahmen, an denen auch Karl Friedrich Schinkel beteiligt war. Er reiste 1819 im Auftrage des Staatskanzlers Karl August von Hardenberg, der das Hardenbergfenster im Großen Remter stiftete, zur Marienburg. Der Oberpräsident Heinrich Theodor von Schön ließ sie umfassend restaurieren und erhielt dafür von König Friedrich Wilhelm IV. den Ehrentitel „Burggraf von Marienburg“.

Kaiserreich[Bearbeiten]

Während des Deutschen Kaiserreichs spielte die Burg unter der Regierung von Kaiser Wilhelm II. eine wichtige Rolle in der nationalen Identität. Die Ordensburg war eine der offiziellen Pfalzen des Kaisers. In den Jahre 1896 bis 1918 wurde die Marienburg von Conrad Steinbrecht nachhaltig restauriert. Daneben wurde ab 1907 als Ersatz für die Marineakademie und -schule Kiel die Marineschule Mürwik in Flensburg erbaut, bei der man sich am Bau der Ordensburg Marienburg orientierte. Im Ersten Weltkrieg war die Marienburg zudem der Sitz des Oberkommandos der VIII. Armee unter Hindenburg und Ludendorff.

Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Später ideologisierte der Nationalsozialismus den Deutschen Orden und damit auch die Marienburg, ähnlich wie das Tannenberg-Denkmal. Die NSDAP und SS bzw. ihre Funktionäre nutzten sie häufig für Tagungen, Feierlichkeiten und Aufmärsche. Ab 1934 wurde mit dem Bau eines großen Amphitheaters auf der Ostseite der Burg begonnen. Es gab auch Planungen für den Neubau einer „NS-Ordensburg“ nordöstlich der mittelalterlichen Anlage, die aber nicht mehr verwirklicht wurden.

Zerstörung und Wiederaufbau[Bearbeiten]

Kanzel in der zerstörten Marienkirche (2009)

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Burg zu 60 Prozent zerstört. Danach fiel sie an Polen und wurde vom polnischen Staat wiederaufgebaut.

Seit einigen Jahren ist auch die Marienkirche wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese wurde nicht renoviert, sondern bisher nur gegen Einsturz gesichert; das Ausmaß der Zerstörung wird so auf eindringliche Weise dokumentiert.

Die Marienburg ist heute einer der wichtigsten Anziehungspunkte für Touristen in Polen; sie wird überwiegend als Museum genutzt. Seit dem 7. Dezember 1997 zählt die Marienburg zum Weltkulturerbe der UNESCO.

Besichtigungen[Bearbeiten]

  • Täglich geöffnet, montags nur eingeschränkt.
  • Im Winter öffnet die Burg nur zu schneefreien Tagen.
  • Im Sommer von morgens bis spät abends durchgehend geöffnet (Führung oder individuell mit Audioguide).

Bilder[Bearbeiten]

Panorama

Verweise[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Conrad Steinbrecht: Untersuchungs- und Wiederherstellungs-Arbeiten am Hochschloss der Marienburg. Ernst & Korn, Berlin 1885. (Digitalisat)
  • August Witt: Marienburg, das Haupthaus des deutschen Ritter-Ordens in dem ehemaligen und in dem gegenwärtigen Zustande. Mit zwei Ansichten. Königsberg 1854 (Volltext).
  • Bernhard Pawelcik: Marienburg. Verlags-Gesellschaft für Städtebau, Berlin 1930
  • Johannes Voigt: Geschichte Marienburgs, der Stadt und des Haupthauses des deutschen Ritter-Ordens in Preußen. Königsberg 1824, 588 Seiten (Druckfehler-Berichtigung auf S. 589-590) (Volltext).
  • Ludwig Lucas: Geschichtliche Nachrichten von Stadt und Schloß Marienburg in Preußen. In: Beiträge zur Kunde Ostpreußens, Band 2, Königsberg 1819
    • Erster Abschnitt: Von der Gründung der Stadt Marienburg bis zur Erhebung derselben zum Sitze des Hohmeisters (1309), S. 238-254, online
    • Zweiter Abschnitt: Von der Erhebung Marienburgs zum Sitze des Hochmeisters bis zum Ende der Regierung Winrichs von Kniprode (1309-1382), S. 306-334, online.
  • Bernhard Schmid: Die Marienburg : Ihre Baugeschichte Aus dem Nachlass herausgegeben, ergänzt und mit Abbildungen versehen von Karl Hauke, Würzburg : Holzner 1955.
  • Franz Albert Heinen: NS-Ordensburgen - Vogelsang, Sonthofen, Krössinsee. Ch. Links Verlag, Berlin 2011, 1. Auflage, ISBN 978-3-86153-618-5

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Marienburg – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien
 Commons: Marienkirche (Marienburg) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

54.04222222222219.031666666667Koordinaten: 54° 2′ 32″ N, 19° 1′ 54″ O