Martin Margiela

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Martin Margiela (* 9. April 1957 in Löwen) ist ein belgischer Modedesigner, der 1988 die Modemarke Maison Martin Margiela gründete und durch seine intellektuell-avantgardistischen Modekreationen internationale Bekanntheit erzielte.

Leben und Werk[Bearbeiten]

Maison Martin Margiela Etikett

Martin Margiela studierte an der Antwerpener Königlichen Akademie der Schönen Künste, wo er 1981 seinen Abschluss machte. In den ersten Jahren arbeitete Margiela zunächst als Stylist. Von 1984 bis 1987 war er Assistent von Jean-Paul Gaultier. 1988 gründete er zusammen mit Jenny Meirens , einer Brüsseler Einzelhändlerin, das Maison Martin Margiela als Neuf SARL. 1997 ernannte der damalige CEO von Hermès, Jean-Louis Dumas, Margiela überraschend zum Chefdesigner der Damenmode des Hauses, wo ihn 2004 Jean-Paul Gaultier ablöste.[1][2]

Margiela gilt als Modernist und Dekonstruktivist: Bereits existente, recyclete Kleidungsstücke werden auseinander genommen und neu zusammengesetzt, die Nähte nach außen gewendet. Als er in den späten achtziger Jahren damit begann, galt seine Vorgehensweise als spektakulär: Er machte sichtbar, was in der Mode bisher verborgen geblieben war – ihren Konstruktionscharakter.[3] Übergroße Ärmel setzte er an zu schmalen Schulterpartien an, aus alten Damenhandschuhen fertigte er Blusen, aus VHS-Magnetbändern elegante Stolen, Westen aus einzelnen Stoffteilen hielt er mit braunem Klebeband zusammen. Eines seiner Markenzeichen sind Huf-ähnliche Schuhe in Tabi-Form.

Für die Modenschau-Gala anlässlich des 40-jährigen Jubiläums von Designer-Kollegin Sonia Rykiel 2008, zu welchem zahlreiche renommierte Modeschöpfer eigene Entwürfe beisteuerten, kreierte Margiela einen Mantel im Perücken-Stil, der nicht nur auf die rotblonde Haarpracht von Sonia Rykiel, sondern auch auf Margielas Aufwachsen "in einem Limburger Elternhaus mit dem Handel von Perücken und Parfums" anspielte.[4][5] Perücken tauchten als Motiv immer wieder in Margielas Entwürfen auf.

Margielas Lieblings-Farbe weiß findet sich auch in seinem Pariser Atelier und den eigenen Boutiquen wieder, bspw. durch weiß übermalte antike Möbel bis hin zum weiß lackierten Kaffee-Automaten, weiß getünchte Wände oder schlicht-weiße Verpackungsmaterialien (Einkaufstaschen).[6]

Ende 2009 zog sich Margiela, der sein Unternehmen ab 2002 sukzessive an Renzo Rosso, Eigentümer der Diesel-Gruppe, verkauft hatte, ins Privatleben zurück.[7]

Margiela war dafür bekannt, sich nicht fotografieren zu lassen und auch keine persönlichen Interviews zu geben.[8] In sonstigen Interviews, die per Fax geführt wurden, sprach Margiela statt von sich selbst vom Maison Martin Margiela in der ersten Person Plural ("wir").[9] Bei seinen Modenschauen erschien er nicht auf dem Laufsteg. Dies sollte den Fokus weg von der Person des Designers, hin auf die Kreationen selbst lenken. Es existiert in den Medien offenbar nur ein einziges, 2008 von der New York Times veröffentlichtes, neueres Foto von ihm.[10]

Durch zahlreiche Ausstellungen, bspw. in Museen, war Margiela in der Kunstwelt fest etabliert. Eine Übersichtsschau seines 20-jährigen Schaffens war vom 20. März – 1. Juni 2009 im Haus der Kunst in München, zu sehen.[11][12][13][14]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. At the ateliers, The New Yorker (engl.), 30. März 1998
  2. Gaultier wird Designer bei Hermès, Textilwirtschaft, 19. Mai 2003
  3. Katrin Kruse, Namenlose Sichtbarkeit, ZEIT ONLINE, 8. Juni 2006
  4. Margiela channels Rykiel, New York Times (engl.), 4. Oktober 2008
  5. Am Martinstag der Modewelt, FAZ, 1. Oktober 2008
  6. http://www.dasmagazin.ch/index.php/das-unbekannte-gesicht/ (Version vom 23. November 2010 im Internet Archive)Vorlage:Webarchiv/Wartung/Linktext_fehlt dasmagazin.ch, 26. September 2008
  7. Martin Margiela verlässt seine Marke
  8. Namenlose Sichtbarkeit, Die Zeit, 12. Juli 2006
  9. Maison Martin Margiela, muenchen.bayern-online.de, März 2009
  10. Fashion's Invisible Man, The New York Times (engl.), 1. Oktober 2008
  11. Maison Martin Margiela - '20' - Haus der Kunst, lealoves.blogspot.com, 19. März 2009
  12. Metropolis vom 4. April 2009, arte.tv, 4. April 2009
  13. Birgit Sonna, Exaltierte Nähte und Ponys, Art-Magazin.de, 23. März 2009
  14. Martin Margiela - Der letzte Schrei, Süddeutsche Zeitung, 20. März 2009