Haus der Kunst

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel erläutert das Haus der Kunst in München, für das Haus der Kunst in Baden, Niederösterreich, siehe Haus der Kunst (Baden), für das ehemalige Haus der Kunst in Radebeul siehe Goldschmidtvilla (Radebeul).
Haus der Kunst, 2013

Das Haus der Kunst ist ein Ausstellungsgebäude in der Münchener Prinzregentenstraße am südlichen Ende des Englischen Gartens. Von seiner Eröffnung im Jahr 1937 bis 1945 wurde das von Paul Ludwig Troost entworfene und von seiner Witwe Gerdy Troost unter Mithilfe von Leonhard Gall verwirklichte Gebäude Haus der Deutschen Kunst genannt. Derzeitiger Direktor des reinen Ausstellungshauses (ohne eigene Sammlung) ist Okwui Enwezor.[1] Zuvor leiteten Christoph Vitali (1994 bis 2003) und Chris Dercon (2003 bis 2011) das Haus.

Architektur und Konstruktion[Bearbeiten]

Der zweigeschossige, doppelt symmetrische Museumsbau im Stil eines reduzierten Klassizismus ist 175 m lang und im Mittelteil 75 m breit, nach Westen und Osten verschmälert er sich durch Gebäuderücksprünge. Beiden Längsseiten ist jeweils ein 21-achsiger Portikus aus kolossalen, nicht kannelierten, die gesamte Gebäudehöhe einnehmenden Säulen vorgelagert. Der zentrale, sich über beide Stockwerke erstreckende Saal sowie die Ausstellungsräume im oberen Stockwerk sind durch Oberlichte beleuchtet.[2] Das Gebäude verfügt über mehrere Aufzüge, eine Heizungs- und Klimaanlage und einen Luftschutzkeller,[3] der seit 2011 für Ausstellungen genutzt wird.

Der Stahlbeton-Skelettbau ruht auf 1180 Betonpfählen[2] und ist mit Donaumuschelkalk verkleidet.[3]

Für rund 60 Millionen Euro soll nach dem Lenbachhaus und der Pinakothek der Moderne ab 2014 auch das Haus der Kunst saniert werden. Übernehmen wird das Projekt der Londoner Architekt David Chipperfield.[4]

Geschichte[Bearbeiten]

Eröffnung 1937
Mittelhalle; 2006

Mit dem Entwurf eines Gebäudes zum Ersatz für den berühmten, 1931 abgebrannten Glaspalast an gleicher Stelle am Alten Botanischen Garten war bereits 1931 Adolf Abel beauftragt worden. Unmittelbar vor dem geplanten Baubeginn im Frühjahr 1933 verwarf Adolf Hitler dieses Projekt, ordnete als neuen Bauplatz den jetzigen Standort des Gebäudes an und übertrug Troost die Planung.[5]

Mit Troosts Entwurf wurde der erste Monumentalbau des nationalsozialistischen Regimes verwirklicht. Die Grundsteinlegung des neuen Hauses der Deutschen Kunst erfolgte am 15. Oktober 1933 durch Hitler.[3] Nach der „modernen Sachlichkeit“ wollte Troost ein „aus der Seele des Volkes empfundenes“ Gebäude errichten, „edle Proportionen und gediegenes Material“ sollten dem Bau „den Charakter eines Tempels der Kunst geben“.[6]

Die 18 Grundsteinstifter waren, laut einer hierzu nach Eröffnung angebrachten Erinnerungstafel: Hermann Schmitz (Vorstandsmitglied der I.G. Farben, Ludwigshafen-Heidelberg), August von Finck (München), Robert Bosch (Stuttgart), Friedrich Flick (Berlin), Adolf Haeuser (Frankfurt/M.), August Diehn (Berlin), Theodor Feise (Berlin), Fritz Rechberg (Hersfeld), Jacob Hasslacher (Duisburg-Ruhrort), Paul Müller (Generaldirektor der Dynamit Nobel AG, Troisdorf), Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (Berlin), Wilhelm von Opel (Rüsselsheim), Ludwig Roselius (Bremen), August Rosterg (Kassel), Willy Sachs (Schweinfurt), Karl Friedrich von Siemens (Berlin), Ludwig Schuon (München), Philipp Reemtsma (Hamburg). Diese Industriellen bildeten ein Kuratorium, welches 2 Millionen Reichsmark für das Haus aufbrachte.[7]

Das Gebäude wurde am 18. Juli 1937 mit der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ eröffnet. Nahezu zeitgleich wurde im Galeriegebäude am Hofgarten (das heutige Deutsche Theatermuseum) die Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Bis 1939 fand jährlich der „Tag der Deutschen Kunst“ statt, bei dem Adolf Hitler als Redner auftrat. Die als jährliche Verkaufsausstellung konzipierte „Große Deutsche Kunstausstellung“ fand bis 1944 statt. Erster Direktor war Karl Kolb.

Trotz des Anspruches, ein Tempel der „deutschen Kunst“, somit der nationalsozialistischen Kunst zu sein, war das Konzept von Beginn kommerziell angelegt: So gab es eine umfangreiche Gastronomie (die heute noch existierende wiedereröffnete „Goldene Bar“, ein „Bierstüberl“, in dem sich heute die DiskothekP1“ befindet, sowie ein zentrales Restaurant). Sämtliche Ausstellungen dienten hauptsächlich dem Verkauf, wobei Hitler als Hauptkäufer auftrat und sich als Mäzen inszenierte.

Während der amerikanischen Besatzung wurde das Gebäude als Offizierskasino genutzt. Einer Anekdote nach wurde dabei im Gebäude ein Basketballfeld angelegt, so dass bei der Wiedereröffnung als Museum noch Markierungen am Fußboden sichtbar waren. Im Sommer 1946 beherbergte es als erste Ausstellung nach dem Krieg die Internationale Jugendbuchausstellung.

Bis zur Eröffnung der Pinakothek der Moderne war im Westflügel die Staatsgalerie Moderner Kunst mit ihrer Dauerausstellung untergebracht, der Ostflügel wurde für Sonderausstellungen genutzt. In den 1980er Jahren wurde das Themenspektrum der Sonderausstellungen ausgeweitet, indem zur Kunst der Moderne kulturhistorische Themen hinzukamen. Die Ausstellung „Tutenchamun“ 1980/81, bei der die goldene Totenmaske des Pharao zum letzten Mal außerhalb Ägyptens zu sehen war, wurde zu einem besonderen Publikumserfolg. – Neben den von der Leitung des Hauses organisierten Ausstellungen finden auch Ausstellungen statt, die von Künstlervereinigungen initiiert sind. Seit 1949 wird im Haus der Kunst jährlich die Große Kunstausstellung München präsentiert; 2007 wurden mehr als 200 Arbeiten von 173 Künstlern gezeigt. In der Ausstellungsreihe „Herbstsalon“, später „Kunstsalon“ und „Neuer Kunstsalon“, zeigt die Freie Münchner und Deutsche Künstlerschaft seit 1961 Werke zeitgenössischer Künstler auf der nördlichen Galerie des Hauses.

In den Jahren 2003 bis 2004 wurde das in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts veränderte und umgebaute Innere des Hauses in seinen Originalzustand zurückversetzt.

Der Schriftzug „Allianz Arena“ auf dem Dach des Hauses der Kunst.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zierte das Gebäude der Schriftzug „Allianz Arena“. Da das Stadion keine Sponsorennamen tragen durfte, wurde der Schriftzug von dort vorübergehend abmontiert.[8]

Im April 2013 erklärte die Sprecherin des Hauses, das Theaterstück Breiviks Erklärung des Schweizer Regisseurs Milo Rau dürfe nicht im Haus der Kunst aufgeführt werden. Eine Klausel im Mietvertrag schließe "rechtsradikale und antisemitische Inhalte" aus. Das Münchner Volkstheater, welches für die Aufführung den Terrassensaal des Hauses anmieten wollte, äußerte sein Unverständnis über die Absage. Das Stück sei kontrovers, diene aber nicht der Verbreitung von rechtsradikalem Gedankengut.[9]

Bedeutende Ausstellungen (Auswahl)[Bearbeiten]

  • Geschichten im Konflikt. Das Haus der Kunst und der ideologische Gebrauch von Kunst 1937-1955, 10. Juni 2012 - 13. Januar 2013
  • Thomas Ruff, 17. Februar - 20. Mai 2012
  • Ellsworth Kelly. Schwarz und weiß, bis 22. Januar 2012
  • Weniger ist mehr. Bilder, Objekte, Konzepte aus Sammlung und Archiv von Herman und Nicole Daled 1966–1978, Konzeptkunst bis 25. Juli 2010
  • Michael Schmidt – Grau als Farbe. Fotografien bis 2009, 21. Mai 2010 – 22. August 2010
  • Ai Weiwei. so sorry, 2009/2010
  • Anish Kapoor, 18. Oktober 2007 – 20. Januar 2008
  • Gilbert & George, 11. Juni 2007 – 9. September 2007
  • Andreas Gursky, 17. Februar 2007 – 13. Mai 2007
  • „click doubleclick“, 8. Februar 2006 – 23. April 2006
  • „Künstlerbrüder“, 19. Oktober 2005 – 22. Januar 2006
  • Paul McCarthy, 12. Juni 2005 – 28. August 2005, “LaLa Land – Parodie Paradies”
  • Bernd und Hilla Becher, 16. Juni 2004 – 19. September 2004, "Die Typologien"
  • Carl Spitzweg, 24. Januar 2003 – 18. Mai 2003

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Kiener: Das Haus der Deutschen Kunst zu München. In: Grosse Deutsche Kunstausstellung 1938. Im Haus der Deutschen Kunst zu München, 10. Juli – 16. Oktober 1938, Offizieller Ausstellungskatalog. 3. Auflage. Verlag F. Bruckmann KG, München 1938, S. 17–25.
  • Sabine Brantl: Haus der Kunst 1937 - 1997. Eine historische Dokumentation, hrsg. Haus der Kunst, München 1997.
  • Peter Ade: Picasso, Kokoschka und all die anderen … Meine abenteuerlichen Jahre für die Kunst. Nymphenburger, München 2001, ISBN 3-485-00872-9, der Autor war Direktor, 1947–1983.
  •  Sabine Brantl: Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus (= Edition Monacensia). Allitera, München 2007, ISBN 978-3-86520-242-0 (Digitalisat, abgerufen am 28. August 2012).
  • Stefan Schweizer: „Unserer Weltanschauung sichtbaren Ausdruck geben“. Nationalsozialistische Geschichtsbilder in den historischen Festzügen zum „Tag der Deutschen Kunst“. Wallstein-Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0107-8.
  • Robert Thoms: Große Deutsche Kunstausstellung München 1937–1944. Verzeichnis der Künstler in zwei Bänden. = The artists in the Great German Art Exhibition Munich 1937–1944. Band 1: Maler und Graphiker. Neuhaus, Berlin 2010, ISBN 978-3-937294-01-8.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haus der Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Okwui Enwezor wird neuer Chef im Haus der Kunst Süddeutsche Zeitung, Ausgabe vom 19. Januar 2011
  2. a b  Josef Hugo Biller und Hans-Peter Rasp: München Kunst und Kultur. Stadtführer und Handbuch. 15 Auflage. Ludwig, München 2003, ISBN 3-7787-5125-5, S. 333, DNB 967677831.
  3. a b c Tobias Hellmann: Haus der deutschen Kunst. 1937-1945 − eine Dokumentation. Geschichte des Hauses. Abgerufen am 28. August 2012.
  4. Haus der Kunst wird saniert
  5. Karl Arndt: Münchener Architekturszene 1933/34 als ästhetisch-politisches Konfliktfeld. In: Martin Broszat, Elke Fröhlich und Anton Grossmann (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit. Bd. III: Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, S. 443–484. Oldenbourg, München 1981 ISBN 3-486-42381-9, 9783486423815
  6. Petra Raschke: Spektakel, Siedlungen und Straßen. 100 Jahre BSZ: Die Bauberichterstattung in der Bayerischen Staatszeitung von 1933 bis 1934. Verlag Bayerische Staatszeitung GmbH, 25. Mai 2012, abgerufen am 28. August 2012.
  7. Karl Heinz Roth (Bearb.): OMGUS. Ermittlungen gegen die I.G. Farben AG. Greno-Verlag, Nördlingen 1986, S. 163.
  8. Schriftzug „Allianz Arena“ im "Feriendomizil" in der Prinzregentenstraße
  9. Haus der Kunst will kein Breivik-Stück; Sueddeutsche Zeitung vom 4. April 2013

48.14416666666711.585833333333Koordinaten: 48° 8′ 39″ N, 11° 35′ 9″ O