Haus der Kunst

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Dieser Artikel erläutert das Haus der Kunst in München, für das Haus der Kunst in Baden, Niederösterreich, siehe Haus der Kunst (Baden), für das ehemalige Haus der Kunst in Radebeul siehe Goldschmidtvilla (Radebeul).
Haus der Kunst, 2013

Das Haus der Kunst ist ein Ausstellungsgebäude in der Münchener Prinzregentenstraße am südlichen Ende des Englischen Gartens. Es wurde von 1933 bis 1937 unter persönlicher Anteilnahme Adolf Hitlers nach Plänen von Paul Ludwig Troost als Haus der Deutschen Kunst errichtet. Derzeitiger Direktor des reinen Ausstellungshauses ohne eigene Sammlung ist Okwui Enwezor.[1]

Grundriss

Architektur[Bearbeiten]

Mit Troosts Entwurf wurde der erste Monumentalbau des nationalsozialistischen Regimes verwirklicht.

Gestalt und Fassaden[Bearbeiten]

Der zweigeschossige, doppelt symmetrische Museumsbau im Stil eines reduzierten Neoklassizismus ist 175 m lang und im Mittelteil 50 m breit, nach Westen und Osten verschmälert er sich durch Gebäuderücksprünge.[2] Der Haupteingang liegt in der Mitte der Südfassade, weitere Eingänge führen von der Mitte der Nordseite zur Nordgallerie und an den Schmalseiten in die Seitenflügel. Beiden Längsseiten ist jeweils ein 21-achsiger Portikus aus kolossalen, nicht kannelierten, die gesamte Gebäudehöhe einnehmenden Säulen vorgelagert, der jeweils durch Eckpfeiler abgeschlossen wird. Dem Portikus auf der südlichen Schauseite an der Prinzregentenstraße war ursprünglich über die volle Breite eine Freitreppe vorgelagert, sie wurde 1971 im Zuge von Straßenumgestaltungen bis auf den Mittelteil abgebrochen. Auf der Rückseite ist das Untergeschoss aufgrund eines Abfalls des Geländes ebenerdig zugänglich. Dort führt eine Treppenanlage auf das Niveau der Erdgeschosses. Durch die beiden Vorhallen und die Treppenanlagen ergibt sich eine Gesamttiefe von 75 m.

Der Sockelbereich ist mit Nagelfluh verkleidet, die Außenfassaden mit Kalkstein aus dem Donautal bei Kelheim. Die Treppen und äußeren Bodenflächen sind aus Granit.[3]

Innere Einrichtung[Bearbeiten]

Auch im Inneren ist das Haus der Kunst symmetrisch aufgebaut. Die sogenannte Ehrenhalle in voller Gebäudehöhe schließt sich mittig an den Eingang an und führt bis zur Nordgallerie durch. Links und rechts davon liegen je ein großer gestreckter Ausstellungssaal, umgeben von einer Folge kleinerer Räume. Die Ausstellungsräume können beliebig abgeteilt werden, so dass mehrere Ausstellungen zur selben Zeit stattfinden können. Auf der Südseite liegen langgestreckt die Verwaltungsräume, im Norden das ehemalige Restaurant, heute Nordgalerie. Nur diese Gebäudeteile sind zweistöckig, im Obergeschoss liegen jeweils Ausstellungsräume. Die Säle in voller Höhe sowie die Ausstellungsräume im oberen Stockwerk sind durch Oberlichte beleuchtet.[4] Das Gebäude verfügte von Anfang an über mehrere Aufzüge, eine aufwändige Heizungs- und Klimaanlage und einen Luftschutzkeller,[5] der seit 2011 für Ausstellungen genutzt wird.

Im Inneren sind die Böden mit Solnhofener Plattenkalk belegt, Türstöcke und Sockelleisten bestehen aus Jura-Marmor. In der Ehrenhalle sind Böden, Treppen und Verkleidungen aus einem roten Marmor aus dem Marmorwerk Saalburg, Türen und Sockelleisten hier sind aus Tegernseer Marmor.[3]

Im Untergeschoss befindet sich auf der Ostseite die Goldene Bar in ehemaligen Künstlerfestraum. Die Wandmalereien von Karl Heinz Dallinger wurden bis 2004 wieder freigelegt. Auf Blattgold-Hintergrund zeigen sie exotische Motive zur Herkunft von alkoholischen Getränken und Genussmitteln aus aller Welt. Im Untergeschoss des Westflügels nutzt der Club P1 das ehemalige Bierstüberl. Der ehemalige Luftschutzbunker wird seit 2011 gelegentlich als Ausstellungsfläche genutzt.

Architekturkritik[Bearbeiten]

Die monumentale Ausstellungshalle ist ein Spätwerk des Architekten Paul Ludwig Troost und gehört zusammen mit den gleichzeitigen Parteibauten Troosts am Königsplatz zu den ersten großen Bauprojekten des Nationalsozialismus. Es handelt sich jedoch nicht um einen spezifischen, nationalsozialistischen Baustil, sondern Troost hat hier die Formensprache des Neoklassizismus aus seiner Hauptschaffenszeit vor dem Ersten Weltkrieg ins Extreme vereinfacht, Details reduziert und ins Monumentale vergrößert.[2] Nach eigenen Angaben wollte Troost im Gegensatz zur „modernen Sachlichkeit“ ein „aus der Seele des Volkes empfundenes“ Gebäude errichten, „edle Proportionen und gediegenes Material“ sollten dem Bau „den Charakter eines Tempels der Kunst geben“.[6]

Architekt Troost und Hitler erhoben immer wieder den Anspruch, einen „Tempel“ oder ein „Heiligtum“ der Kunst zu schaffen. Die architektonischen Elemente Portikus und Kolonade wurden daher aus der antiken Architektur entlehnt, sie bleiben aber Kulisse.[7] Der nationalsozialistische Charakter und der Eindruck des Gebäudes als monströs ergibt sich weniger aus den Formen oder einzelnen architektonischen Elementen, sondern aus der Einbindung in den faschistischen Staat.[8] Das Ergebnis wird als Vereinfachung des klassischen Vorbilds statt einer künsterlischen Auseinandersetzung damit beschrieben. Die übermäßige Betonung der Waagrechten wird entgegen der antiken oder der klassizistischen Architektur nicht gegen konstrastierende Vertikalen ausbalanciert, sondern bleibt einseitig.[7]

Geschichte[Bearbeiten]

Eröffnung 1937
Mittelhalle; 2006
Klassizistisches Mosaik unter dem Portikus

Nachdem 1931 der Glaspalast im Alten Botanischen Garten abgebrannt war, gründeten die Münchner Künstlerverbände Münchner Künstlergenossenschaft, Münchener Secession und Münchener Neue Secession die „Ausstellungsleitung München“ um ein neues Ausstellungshaus für ihre jährlichen Kunstausstellungen und weitere Veranstaltungen zu errichten.[9] Sie beauftragten noch 1931 den Münchner Architekturprofessor Adolf Abel mit einem Neubau an selber Stelle. Als Adolf Hitler im Januar 1933 Reichskanzler wurde, verwarf er unmittelbar vor dem geplanten Baubeginn im Frühjahr 1933 das Projekt. Der Bauplatz im alten Botanischen Garten war für seine monumentalen Pläne nicht ausreichend. Er ordnete als neuen Standort den südlichen Eingang zum Englischen Garten an. Den Auftrag für eine neue Planung erteilte er persönlich an Paul Ludwig Troost,[10] der für Hitler schon die NSDAP-Zentrale Braunes Haus umgebaut hatte.

Im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Die Grundsteinlegung des neuen Hauses der Deutschen Kunst erfolgte am 15. Oktober 1933 durch Hitler.[5] Nachdem Troost schon 1934 starb, wurde der Bau von seinem Mitarbeiter Leonhard Gall unter Beteiligung seiner Witwe Gerdy Troost fortgeführt. In der NS-Kulturpolitik war das Gebäude als der maßgebliche Ausstellungsbau des Reiches vorgesehen. Die ab 1936 für Berlin geplante Kunsthalle sollte ausdrücklich nicht in Konkurrenz zum Haus der Deutschen Kunst stehen. Damit sollte auch die Rolle Münchens als führende Kunststadt Deutschlands wieder hergestellt werden.[7]

Zur Finanzierung organisierte Gauleiter Adolf Wagner eine Initiative bayerischer und deutscher Industrieller mit der Aufforderung, Hitler das Gebäude zu schenken. Die ersten Zusagen konnte er Hitler zu dessen Geburtstag am 20. April 1933 überreichen. Als Träger des Hauses wurde eine Anstalt des Öffentlichen Rechts gegründet. Die konstituierende Sitzung fand im Juni 1933 statt, die Satzung der Anstalt Haus der Deutschen Kunst (Neuer Glaspalast) wurde am 14. Juli 1933 formal erlassen.[11]

Die 18 Grundsteinstifter waren, laut einer hierzu nach Eröffnung angebrachten Erinnerungstafel: Hermann Schmitz (Vorstandsmitglied der I.G. Farben, Ludwigshafen-Heidelberg), August von Finck (München), Robert Bosch (Stuttgart), Friedrich Flick (Berlin), Adolf Haeuser (Frankfurt/M.), August Diehn (Berlin), Theodor Feise (Berlin), Fritz Rechberg (Hersfeld), Jacob Hasslacher (Duisburg-Ruhrort), Paul Müller (Generaldirektor der Dynamit Nobel AG, Troisdorf), Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (Berlin), Wilhelm von Opel (Rüsselsheim), Ludwig Roselius (Bremen), August Rosterg (Kassel), Willy Sachs (Schweinfurt), Karl Friedrich von Siemens (Berlin), Ludwig Schuon (München), Philipp Reemtsma (Hamburg).[12] Zusammen brachten sie drei der vorgesehenen fünf Millionen Reichsmark auf,[11] weitere 400.000 Mark brachte die Stadt München ein. Bauindustrie und Reichsbahn erbrachten Sachleistungen als Spenden.[13] Die Kosten stiegen am Ende auf 12 Millionen Mark, die Spenden reichten bei weitem nicht aus, um sie zu decken. Deshalb wurde ein zinsloses Darlehen der Deutschen Gesellschaft für Öffentliche Arbeiten eingeholt, obwohl deren Bedingungen nicht eingehalten wurden.[7]

Das Gebäude wurde am 18. Juli 1937 mit der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ eröffnet. Erster Direktor war Karl Kolb. Nahezu zeitgleich wurde im Galeriegebäude am Hofgarten (das heutige Deutsche Theatermuseum) die Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Bis 1939 fand jährlich der „Tag der Deutschen Kunst“ statt, bei dem Adolf Hitler als Redner auftrat. Die als jährliche Verkaufsausstellung konzipierte „Große Deutsche Kunstausstellung“ fand bis 1944 statt.

Trotz des Anspruches, ein Tempel der „deutschen Kunst“, somit der nationalsozialistischen Kunst zu sein, war das Konzept von Beginn kommerziell angelegt: So gab es eine umfangreiche Gastronomie (die heute noch existierende wieder eröffnete „Goldene Bar“, ein „Bierstüberl“, in dem sich heute die DiskothekP1“ befindet, sowie ein zentrales Restaurant). Sämtliche Ausstellungen dienten hauptsächlich dem Verkauf, wobei Hitler als Hauptkäufer auftrat und sich als Mäzen inszenierte.

1938 wünschte Hitler, dass gegenüber dem Haus der Deutschen Kunst ein Haus der Deutschen Architektur errichtet werden sollte. Darin wären Architektur und Kunstgewerbe ausgestellt worden. Das Gebäude hätte eine vereinfachte Variante des Hauses der Deutschen Kunst werden sollen, ohne Freitreppe und die Kolonaden wären in die Gebäudeflucht integriert worden. Das Projekt kam nicht über Vorentwürfe hinaus.[14]

Besatzungszeit[Bearbeiten]

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude fast unbeschädigt, Während der amerikanischen Besatzung wurde das Gebäude als Offizierskasino genutzt. Einer Anekdote nach wurde dabei im Gebäude ein Basketballfeld angelegt, so dass bei der Wiedereröffnung als Museum noch Markierungen am Fußboden sichtbar waren.[15] Im Sommer 1946 beherbergte das Haus als erste Ausstellung nach dem Krieg die Internationale Jugendbuchausstellung. 1947 fand die Schau „Französische Malerei vom Impressionismus bis zur Gegenwart“ auf Betreiben der amerikanischen Militärregierung mit Unterstützung der französischen Direction de l’Education Publique statt und zeigte erstmals auf deutschem Boden wieder internationale Kunst der Moderne. Ludwig Grote organisierte 1949 eine Ausstellung Der blaue Reiter mit im Dritten Reich verfehmten Künstlern, die in München und Umgebung vor und nach dem Ersten Weltkrieg gearbeitet hatten.[16]

Ausstellungsleitung Haus der Kunst[Bearbeiten]

Die US-Militärregierung wollte die Verantwortung für das Gebäude in die Hände der Künstlerverbände geben. 1948 gründeten daher die zum Teil wieder entstandenen, zum Teil neu gegründeten Künstlervereine Münchener Secession, Neue Gruppe und Neue Münchener Künstlergenossenschaft einen Verein „Ausstellungsleitung Haus der Kunst München e.V.“ als Träger des Ausstellungsbetriebs.[9] Das Gebäude selbst ging als Sondervermögen an den Freistaat Bayern.[17] Der Westflügel des Gebäudes wurde von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung genutzt. Während dem Wiederaufbau der Alten Pinakothek wurden bis 1958 ausgewählte Werke aus deren Bestand gezeigt, anschließend bis 1971 solche der Neuen Pinakothek und bis 1989 der Neuen Staatsgalerie. Von 1989 bis 2001 zeigte der Westflügel Stücke der Staatsgalerie Moderne Kunst bis diese in die Pinakothek der Moderne umzog. Von 2001 bis 2007 nutzte das "Theater im Haus der Kunst" des Bayerischen Staatsschauspiels den Westflügel.[18]

Die Ausstellungsleitung organisierte ab 1949 die jährliche „Große Kunstausstellung München“ und als gesellschaftliche Veranstaltung einen Faschingsball im Haus der Kunst. Dieser half die Ausstellungstätigkeit zu finanzieren. Nach einer Übergangsphase mit den Amerikanern betrieb die Ausstellungsleitung ab 1950 unter Peter Ade das Gebäude eigenständig, sie organisierte Ausstellungen mit einem Schwerpunkt auf die Klassische Moderne, aber auch kulturhistorische Themen wie „Kultur und Mode“ (1950) fanden Platz. Ab 1955 stand auch der Mittelteil des Hauses für Ausstellungen zur Verfügung. Dass das Haus von den Künstlervereinen getragen wurde, trug ihm hervorragende Kontakte zu Museen im In- und Ausland ein und ermöglichte viele Leihgaben.[19] Das Haus der Kunst arbeitete oft mit anderen Museen zusammen und organisierte Wanderausstellungen oder beteiligte sich an ihnen. Die Picasso-Ausstellung von 1955 ging anschließend nach Köln und Hamburg und war das letzte Mal, dass das Bild Guernica in Europa ausgeliehen wurde.[20]

Geschäftsführer Ade organisierte ab 1955 nach amerikanischem Vorbild einen Mäzenatenkreis des Haus der Kunst aus Industrievertretern. Schon 1958 spendeten diese jährlich Beiträge von etwa 500.000 Mark. Die Hälfte der Summe diente zum Ankauf von Werken Münchner Künstler, so dass der Verein eine umfangreiche Kunstsammlung aufbaute.[17]

Seit 1961 zeigte im Haus der Kunst auch die Freie Münchner und Deutsche Künstlerschaft in der Ausstellungsreihe „Herbstsalon“, später „Kunstsalon“ und „Neuer Kunstsalon“ Werke ihrer Mitglieder in der nördlichen Galerie des Hauses. Im Rahmen des Kulturprogramms der Olympischen Sommerspiele 1972 fand im Haus der Kunst eine Sonderausstellung Weltkulturen und moderne Kunst statt. Dazu errichtete Architekt Paolo Nestler einen zweigeschossigen Anbau über die volle Nordseite. Die Stahlrohrkonstruktion mit flächiger Verglasung griff den Rhythmus der Säulen auf. Zwei Treppentürme an den Außenseiten und ein Klangkörper im Westen waren mit weißen Platten verkleidet. Der Anbau wurde nach den Olympischen Spielen wieder abgerissen.[3]

Das Haus der Kunst organisierte unter Ade drei große Schauen mit ägyptischen Werken: 1976 Nofretete - Echnaton, 1979 Götter und Pharaonen und 1980 die Schau „Tutanchamun“, für die die ägyptische Antikenbehörde einen der Sarkophage, die berühmte Kopfmaske und weitere hochkarätige Stücke aus dem Grab Tutanchamuns zum letzten Mal international verlieh.[21] 1982 musste Peter Ade das Haus der Kunst verlassen. Der bayerische Rechnungshof sah nach 37 Jahren in der Vielzahl seiner Ämter Interessenkonflikte.[22] Er ging zur Hypo-Kulturstiftung und eröffnete 1983 für diese die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung. Nachfolger Ades wurden Hermann Kern (1982–1985) und Magdalena Huber-Ruppel (1985–1990). 1991 schloss das Haus für eine Generalsanierung.[23]

Seit 1980 stehen vor der Westseite des Haus der Kunst die Bronzeplastik Liegende Figur von Henry Moore und ein bewegliches Edelstahl-Kunstwerk von George Rickey namens Vier schräge Linien.[3]

Stiftung Haus der Kunst[Bearbeiten]

Ende der 1980er Jahre hatte das Haus der Kunst massive Finanzprobleme. Unter Ade hatte sich der Betrieb des Haus der Kunst vollständig selbst getragen.[24] Dazu trugen verschiedene Ursachen bei. Ades Nachfolger konnten keine Ausstellungen mit gleichem Publikumszustrom organisieren und so neben weniger direkten Einnahmen auch weniger Spenden einwerben. Andererseits ließen sich die Verantwortlichen entsprechend dem Zug der Zeit wesentlich erhöhte Gehälter auszahlen, Kosten für kulturelle Dienstleistungen aber auch Versicherungen stiegen erheblich. Der Freistaat Bayern trat deshalb auch in den Betrieb des Hauses ein.[17] Seit 1992 wird das Haus der Kunst durch die "Stiftung Haus der Kunst München, gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH" betrieben. In ihr schlossen sich der Freistaat Bayern und die Schörghuber Unternehmensgruppe als Hauptsponsor zusammen, weitere Gesellschafter waren die Mäzenatenvereinigung „Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst München e.V.“ und die Ausstellungsleitung Große Kunstausstellung.[25] Die Stiftungsgründung geht auf die Zusage der Familie Schörghuber zurück, das Haus der Kunst für mindestens zehn Jahre mit jeweils einer Million Mark (ab 2002 500.000 Euro) zu fördern.

Erster Direktor der neuen Organisation wurde 1993 Christoph Vitali. Er eröffnete seine Amtszeit mit der Ausstellung elan vital. Das Auge des Eros in der er Klassische Moderne thematisch mit zeitgenössischer Kunst zusammenbrachte. Dieser Epochen übergreifende Ansatz blieb sein Schwerpunkt auch bei den Schauen Ernste Spiele. Der Geist der Romantik in der deutschen Kunst und Die Nacht. Unter Vitali wurde das Haus der Kunst 1995 auch einer von nur drei europäischen Partnern der Wanderausstellung die zum ersten und einzigen Mal Werke des Impressionismus der Barnes Foundation, Philadelphia außerhalb ihrer eigenen Räume zeigte.[26]

Der Schriftzug „Allianz Arena“ auf dem Dach des Hauses der Kunst.

Der nächste Leiter des Hauses, Chris Dercon, ließ in den Jahren 2003 bis 2004 das in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts veränderte und umgebaute Innere des Hauses in seinen Originalzustand zurückversetzen. Unter seiner Leitung erweitert das Haus der Kunst ab 2003 wieder seinen Fokus und zeigt Architektur, Film und Fotografie, Mode und Design. Außerdem thematisierte Dercon die Vergangenheit des Gebäudes und die Rolle der Kunst im Dritten Reich. Große Publikumserfolge wurden die Ausstellungen mit Werken von Andreas Gursky und Ai Weiwei. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zierte das Gebäude der Schriftzug „Allianz Arena“. Da das Stadion keine Sponsorennamen tragen durfte, wurde der Schriftzug von dort vorübergehend abmontiert.[27] Ebenfalls 2006 versteigerte der Freundeskreis Haus der Kunst seine seit 1958 aufgebaute Kunstsammlung für insgesamt 5,2 Millionen Euro, die zweckgebunden zur Kunstförderung angelegt wurden.[17] Im Zuge der Finanzkrise ging davon allerdings rund eine Million verloren.[28]

2011 begann eine Kooperation des Haus der Kunst mit der Sammlung Goetz. Im ehemaligen Luftschutzbunker des Haus der Kunst werden in unregelmäßigen Abständen Teile der Videokunst-Sammlung von Ingvild Goetz gezeigt. Seit Oktober 2011 leitet Okwui Enwezor das Haus der Kunst.[29] Enwezor baute Verbindungen zu anderen Kultureinrichtungen in München auf und kooperierte mit der Bayerische Staatsoper und den Münchner Kammerspielen.

Verschiedene Probleme in der Organisation des Hauses kamen Mitte 2014 zusammen. Die Familie Schörghuber gab bekannt, dass sie aus der Kunstförderung und auch dem Haus der Kunst aussteigen und künftig nur noch caritative Zwecke unterstützen würde. Aus dem Mäzenatenverein „Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst“ trat neben der Familie Schörghuber, auch die Allianz aus. In Folge von Richtungsstreitigkeiten zwischen dem Vorsitzenden Andreas Langenscheidt und der Gegenkandidatin Katrin Stoll, Inhaberin von Neumeister Münchner Kunstauktionshaus, traten gleichzeitig 13 der 29 Mitglieder des Kuratoriums zurück, darunter die Vertreter von BMW und Munich Re.[17]

Mit dem Rückzug von Schörghubers fehlten im Etat von jährlich rund 7 Millionen Euro etwa 8%. Zudem waren die Ausstellungen der Jahre seit etwa 2011 weniger publikumsträchtig als zu Zeiten von Vitali und Dercon, so dass die Einnahmen des Hauses unter einer Million lagen.[28] Schon 2012 musste der Freistaat Bayern ungeplant mit 534.000 Euro zur Deckung des Defizits einspringen.[30] Für die Generalsanierung des Gebäudes ab 2016 hat der Freistaat Bayern 58 Millionen bereitgestellt. Übernehmen wird das Projekt der Londoner Architekt David Chipperfield.[31] Eine Beteiligung des Freundeskreises und dessen Vermögens ist vorgesehen, aber wegen der Zweckbindung Kunstförderung umstritten.[30] Seit 2014 und bis Ende 2015 steht Direktor Okwui Enwezor auch nur eingeschränkt zur Verfügung, weil er zudem Leiter der Biennale di Venezia für 2015 ist.

Der bisherige Verein Ausstellungsleitung, der sich 2014 in Künstlerverbund im Haus der Kunst umbenannt hat, bringt eigene Probleme in den Betrieb des Hauses ein. Seit 2011 findet seine große Kunstausstellung der Münchner Künstler nur noch alle zwei Jahre statt. Damit entfielen in den Jahren ohne Ausstellung aber öffentliche Fördermittel, so dass der Verein nach dem Jahr 2012 seine Finanzen weitgehend aufgebraucht hatte. Im nächsten Zwischenjahr 2014 fand deshalb in der Nordgalerie eine nur siebentägige Schau mit anschließender Versteigerung statt.[32]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans Kiener: Das Haus der Deutschen Kunst zu München. In: Grosse Deutsche Kunstausstellung 1938. Im Haus der Deutschen Kunst zu München, 10. Juli – 16. Oktober 1938, Offizieller Ausstellungskatalog. 3. Auflage. Verlag F. Bruckmann KG, München 1938, S. 17–25.
  • Sabine Brantl: Haus der Kunst 1937 - 1997. Eine historische Dokumentation, hrsg. Haus der Kunst, München 1997.
  • Peter Ade: Picasso, Kokoschka und all die anderen … Meine abenteuerlichen Jahre für die Kunst. Nymphenburger, München 2001, ISBN 3-485-00872-9, der Autor war Direktor, 1947–1983.
  •  Sabine Brantl: Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus (= Edition Monacensia). Allitera, München 2007, ISBN 978-3-86520-242-0 (Digitalisat, abgerufen am 28. August 2012).
  • Klaus-Peter Schuster: Nationalsozialismus und "Entartete Kunst". Prestel 1988, ISBN 3791308432
  • Stefan Schweizer: „Unserer Weltanschauung sichtbaren Ausdruck geben“. Nationalsozialistische Geschichtsbilder in den historischen Festzügen zum „Tag der Deutschen Kunst“. Wallstein-Verlag, Göttingen 2007, ISBN 978-3-8353-0107-8.
  • Robert Thoms: Große Deutsche Kunstausstellung München 1937–1944. Verzeichnis der Künstler in zwei Bänden. = The artists in the Great German Art Exhibition Munich 1937–1944. Band 1: Maler und Graphiker. Neuhaus, Berlin 2010, ISBN 978-3-937294-01-8.
  •  Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München. Mitte. In: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmäler in Bayern. Kreisfreie Städte und Landkreise. Bd. I.2/1, 3 Drittelbände, Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 821–822.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haus der Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Okwui Enwezor wird neuer Chef im Haus der Kunst Süddeutsche Zeitung, Ausgabe vom 19. Januar 2011
  2. a b Habel, Hallinger, Weski 2009, S. 821 f.
  3. a b c d Bayerischer Architekten- und Ingenieur-Verband: München und seine Bauten nach 1912, Bruckmann 1984, ISBN 3-7654-1915-X, S. 146–147
  4.  Josef Hugo Biller und Hans-Peter Rasp: München Kunst und Kultur. Stadtführer und Handbuch. 15 Auflage. Ludwig, München 2003, ISBN 3-7787-5125-5, S. 333, DNB 967677831.
  5. a b Tobias Hellmann: Haus der deutschen Kunst. 1937-1945 − eine Dokumentation. Geschichte des Hauses. Abgerufen am 28. August 2012.
  6. Petra Raschke: Spektakel, Siedlungen und Straßen. 100 Jahre BSZ: Die Bauberichterstattung in der Bayerischen Staatszeitung von 1933 bis 1934. Verlag Bayerische Staatszeitung GmbH, 25. Mai 2012, abgerufen am 28. August 2012.
  7. a b c d Karl Arndt: Das ›Haus der Deutschen Kunst‹ – ein Symbol der neuen Machtverhältnisse. In: Klaus Peter Schuster: Nationalsozialismus und "Entartete Kunst". Prestel 1988, ISBN 3791308432, S. 61–82
  8. Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus – Bayern 1933-1945. Architekturmuseum der TU-München 1993, ISBN 3-7814-0360-2, S. 12 unter Verwendung eines Zitates von Wolfgang Fritz Haug.
  9. a b Haus der Kunst: Ausstellungsleitung
  10. Karl Arndt: Münchener Architekturszene 1933/34 als ästhetisch-politisches Konfliktfeld. In: Martin Broszat, Elke Fröhlich und Anton Grossmann (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit. Bd. III: Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt, S. 443–484. Oldenbourg, München 1981 ISBN 3-486-42381-9, 9783486423815
  11. a b Hans Joachim Hecker: Missbrauchtes Mäzenatentum? Die Gründung der Anstalt des öffentlichen Rechts Haus der Deutschen Kunst (Neuer Glaspalast) im Juni 1933. In: Klaus Peter Schuster: Nationalsozialismus und "Entartete Kunst". Prestel 1988, ISBN 3791308432, S. 56–60
  12. Karl Heinz Roth (Bearb.): OMGUS. Ermittlungen gegen die I.G. Farben AG. Greno-Verlag, Nördlingen 1986, S. 163.
  13. Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus – Bayern 1933-1945. Architekturmuseum der TU-München 1993, ISBN 3-7814-0360-2, S. 350
  14. Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus – Bayern 1933-1945. Architekturmuseum der TU-München 1993, ISBN 3-7814-0360-2, S. 350 f.
  15. Ade 2001, S. 30
  16. Haus der Kunst: Nach dem Krieg
  17. a b c d e sueddeutsche.de: Haus der Kunst – Streit unter Freunden, 13. Juli 2014
  18. Haus der Kunst: Geschichte – FAQs
  19. Ade 2001, S. 61
  20. Ade 2011, S. 74
  21. Haus der Kunst: Einzug der Moderne
  22. Ade 2001, 345 f.
  23. Süddeutsche Zeitung: Die Chefs, 12. Juli 2014, S. R5
  24. Ade 2001, S. 312 f.
  25. Haus der Kunst: Gründung der Stiftung Haus der Kunst München
  26. Barnes Foundation: Great French Paintings from the Barnes Foundation
  27. Schriftzug „Allianz Arena“ im "Feriendomizil" in der Prinzregentenstraße
  28. a b sueddeutsche.de: Querelen um Museum, 30. Juli 2014
  29. Haus der Kunst: Kritischer Rückbau
  30. a b sueddeutsche.de: Haus der Kunst – Schlachtschiff mit Schlagseite, 1. Juli 2014
  31. Haus der Kunst wird saniert
  32. Münchner Merkur: Energisches Lebenszeichen, 26. Juli 2014

48.14416666666711.585833333333Koordinaten: 48° 8′ 39″ N, 11° 35′ 9″ O