Haus der Kunst

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Dieser Artikel erläutert das Haus der Kunst in München, für das Haus der Kunst in Baden, Niederösterreich, siehe Haus der Kunst (Baden), für das ehemalige Haus der Kunst in Radebeul siehe Goldschmidtvilla (Radebeul).
Flaches Panorama der Kolonaden in Frontalansicht im Winter, durch kahle Bäume
Südfassade des Haus der Kunst (2014)
Das Bild zeigt wie stark das Gebäude durch die Horizontalen geprägt ist
Südwestecke des Haus der Kunst mit Namensschriftzug (2013)

Das Haus der Kunst ist ein Ausstellungsgebäude in der Münchener Prinzregentenstraße am südlichen Ende des Englischen Gartens. Es wurde von 1933 bis 1937 unter persönlicher Anteilnahme Adolf Hitlers nach Plänen von Paul Ludwig Troost als Haus der Deutschen Kunst errichtet.

Das Haus ohne eigene Sammlung organisiert und zeigt Ausstellungen Zeitgenössischer und Moderner Kunst. Es steht als Sondervermögen im Eigentum des Freistaats Bayern und wird von der „Stiftung Haus der Kunst“ unter Beteiligung des Zusammenschlusses der Münchner Künstlerverbände unter dem Namen „Künstlerverbund im Haus der Kunst“ (früher: Ausstellungsleitung Große Kunstausstellung e.V.) und der Mäzenatenvereinigung „Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst München e.V.“ betrieben. Seit 2011 ist Okwui Enwezor des Direktor des Hauses.[1]

Architektur[Bearbeiten]

Strichzeichnung des Grundrisses
Grundriss
Die monumentale Halle, aufgebaut auf ein Gebäuderaster
Mittelhalle
Blick nach schräg oben mit Säulen und Kasetten in der Decke des Portikus
Blick unter den Portikus
Die massive Fassade in diagonaler Ansicht, mit der Reihe der Säulen, der Freitreppe und einigen Ästen der Pappeln vor dem Gebäude
Haupteingang

Mit Troosts Entwurf wurde der erste Monumentalbau des nationalsozialistischen Regimes verwirklicht.

Baukörper und Fassaden[Bearbeiten]

Der doppelt achsen-symmetrische Museumsbau im Stil eines reduzierten Neoklassizismus ist 175 m lang und im Mittelteil 50 m breit, nach Westen und Osten verschmälert er sich durch Gebäuderücksprünge.[2] Die Konstruktion beruht auf einem durchgehenden Raster, das aus Stahlträgern errichtet wurde. Die Träger sind mit Steinplatten verkleidet, so dass das Gebäude wie ein Steinbau wirkt. Der Haupteingang liegt in der Mitte der Südfassade, weitere Eingänge führen von der Mitte der Nordseite zur Nordgallerie und an den Schmalseiten in die Seitenflügel. Beiden Längsseiten ist jeweils ein 21-achsiger Portikus aus kolossalen, nicht kannelierten, die gesamte Gebäudehöhe einnehmenden Säulen vorgelagert, der jeweils durch Eckpfeiler abgeschlossen wird. Dem Portikus auf der südlichen Schauseite an der Prinzregentenstraße war ursprünglich über die volle Breite eine Freitreppe vorgelagert, sie wurde 1971 im Zuge von Straßenumgestaltungen in der Tiefe reduziert und bis auf den Mittelteil abgebrochen. Auf der Rückseite ist das Untergeschoss aufgrund eines Abfalls des Geländes ebenerdig zugänglich. Dort führt eine Treppenanlage auf das Niveau des Erdgeschosses. Durch die beiden Vorhallen und die Treppenanlagen ergibt sich eine Gesamttiefe von 75 m.

Der Sockelbereich ist mit Nagelfluh verkleidet, die Außenfassaden mit Kalkstein aus dem Donautal bei Kelheim. Die Treppen und äußeren Bodenflächen sind aus Granit.[3] Vor dem Gebäude steht eine Reihe Pappeln, die ein traditioneller Alleebaum in München sind.

Innere Einrichtung[Bearbeiten]

Auch im Inneren ist das Haus der Kunst symmetrisch aufgebaut. Die sogenannte Ehrenhalle in voller Gebäudehöhe schließt sich mittig an den Eingang an und führt bis zur Nordgallerie durch. Links und rechts davon liegen je ein großer gestreckter Ausstellungssaal, umgeben von einer Folge kleinerer Räume. Die gesamte Ausstellungsfläche beträgt 5040 m².[4] Die Ausstellungsräume können beliebig abgeteilt werden, so dass mehrere Ausstellungen zur selben Zeit stattfinden können. Auf der Südseite liegen langgestreckt die Verwaltungsräume, im Norden das ehemalige Restaurant, heute Nordgalerie. Nur diese Gebäudeteile sind zweistöckig, im Obergeschoss liegen jeweils Ausstellungsräume. Die Säle in voller Höhe sowie die Ausstellungsräume im oberen Stockwerk sind durch Oberlichte beleuchtet.[5] Das Gebäude verfügte von Anfang an über mehrere Aufzüge, eine aufwändige Heizungs- und Klimaanlage und einen Luftschutzkeller,[6] der seit 2011 für Ausstellungen genutzt wird.

Im Inneren sind die Böden mit Solnhofener Plattenkalk belegt, Türstöcke und Sockelleisten bestehen aus Jura-Marmor. In der Ehrenhalle sind Böden, Treppen und Verkleidungen aus einem roten Marmor aus dem Marmorwerk Saalburg, Türen und Sockelleisten hier sind aus Tegernseer Marmor.[3]

Im Ostende der nördlichen Galerie liegt die Goldene Bar im ehemaligen Künstlerfestraum. Die Wandmalereien von Karl Heinz Dallinger wurden bis 2004 wieder freigelegt. Auf Blattgold-Hintergrund zeigen sie exotische Motive zur Herkunft von alkoholischen Getränken und Genussmitteln aus aller Welt. Im Untergeschoss des Westflügels nutzt der Club P1 das ehemalige Bierstüberl.

Planung und Bau[Bearbeiten]

Nachdem 1931 der Glaspalast im Alten Botanischen Garten abgebrannt war, gründeten die Münchner Künstlerverbände Münchner Künstlergenossenschaft, Münchener Secession und Münchener Neue Secession die „Ausstellungsleitung München“ um ein neues Ausstellungshaus für ihre jährlichen Kunstausstellungen und weitere Veranstaltungen zu errichten.[7] Sie beauftragten noch 1931 den Münchner Architekturprofessor Adolf Abel mit einem Neubau an selber Stelle. Nachdem Adolf Hitler im Januar 1933 Reichskanzler wurde, verwarf er unmittelbar vor dem geplanten Baubeginn im Frühjahr 1933 das Projekt. Den Auftrag für eine neue Planung erteilte er persönlich an Paul Ludwig Troost,[8] der für Hitler schon die NSDAP-Zentrale Braunes Haus umgebaut hatte. Der Bauplatz im alten Botanischen Garten war für Hitlers monumentalen Pläne nicht ausreichend. Er ordnete als neuen Standort den südlichen Eingang zum Englischen Garten an.

Ursprünglich wollte Hitler dort ein „Parteiforum“ errichten, das aus dem Haus der Deutschen Kunst, einem Museum für Zeitgeschichte und einem Haus des Partei-Statthalters bestehen sollte, die um einen repräsentativen Platz angeordnet wären. Troost lehnte diese Pläne ab, weil ihr Flächenbedarf zu stark in den Englischen Garten eingreifen würde. An diesem frühen Punkt seiner Karriere ließ Hitler sich noch von fachlichen Argumenten überzeugen und begrenzte das Projekt an dieser Stelle auf das Haus der Deutschen Kunst.[9] In der NS-Kulturpolitik war das Gebäude als der maßgebliche Ausstellungsbau des Reiches vorgesehen. Die ab 1936 für Berlin geplante Kunsthalle sollte ausdrücklich nicht in Konkurrenz zum Haus der Deutschen Kunst stehen. Damit sollte auch die Rolle Münchens als führende Kunststadt Deutschlands wieder hergestellt werden.[10]

Zur Finanzierung organisierte NSDAP-Gauleiter Adolf Wagner eine Initiative bayerischer und deutscher Industrieller mit der Aufforderung, Hitler das Gebäude zu schenken. Die ersten Zusagen konnte er Hitler zu dessen Geburtstag am 20. April 1933 überreichen. Als Träger des Hauses wurde eine Anstalt des Öffentlichen Rechts gegründet. Die konstituierende Sitzung fand im Juni 1933 statt, die Satzung der Anstalt Haus der Deutschen Kunst (Neuer Glaspalast) wurde am 14. Juli 1933 formal erlassen.[11]

Die 18 Grundsteinstifter waren, laut einer hierzu nach Eröffnung angebrachten Erinnerungstafel: Hermann Schmitz (Vorstandsmitglied der I.G. Farben, Ludwigshafen-Heidelberg), August von Finck (München), Robert Bosch (Stuttgart), Friedrich Flick (Berlin), Adolf Haeuser (Frankfurt am Main.), August Diehn (Berlin), Theodor Feise (Berlin), Fritz Rechberg (Hersfeld), Jacob Hasslacher (Duisburg-Ruhrort), Paul Müller (Generaldirektor der Dynamit Nobel AG, Troisdorf), Gustav Krupp von Bohlen und Halbach (Berlin), Wilhelm von Opel (Rüsselsheim), Ludwig Roselius (Bremen), August Rosterg (Kassel), Willy Sachs (Schweinfurt), Karl Friedrich von Siemens (Berlin), Ludwig Schuon (München), Philipp Reemtsma (Hamburg).[12] Zusammen brachten sie drei der vorgesehenen fünf Millionen Reichsmark auf,[11] weitere 400.000 Mark brachte die Stadt München ein. Bauindustrie und Reichsbahn erbrachten Sachleistungen als Spenden.[13] Die Kosten stiegen am Ende auf 12 Millionen Mark, die Spenden reichten bei weitem nicht aus, um sie zu decken. Deshalb wurde ein zinsloses Darlehen der Deutschen Gesellschaft für Öffentliche Arbeiten eingeholt, obwohl deren Bedingungen nicht eingehalten wurden.[10]

Die Grundsteinlegung des neuen Hauses der Deutschen Kunst erfolgte am 15. Oktober 1933 durch Hitler.[6] Nachdem Troost schon 1934 starb, wurde der Bau von seinem Mitarbeiter Leonhard Gall unter Beteiligung der Witwe Gerdy Troost fortgeführt.

1938 wünschte Hitler, dass gegenüber dem Haus der Deutschen Kunst ein Haus der Deutschen Architektur errichtet werden sollte. Darin wären Architektur und Kunstgewerbe ausgestellt worden. Das Gebäude hätte eine vereinfachte Variante des Hauses der Deutschen Kunst werden sollen, ohne Freitreppe und die Kolonnaden wären in die Gebäudeflucht integriert worden. Das Projekt kam nicht über Vorentwürfe hinaus.[14]

Architekturkritik[Bearbeiten]

Die monumentale Ausstellungshalle ist ein Spätwerk des Architekten Paul Ludwig Troost und gehört zusammen mit den gleichzeitigen Parteibauten Troosts am Königsplatz zu den ersten großen Bauprojekten des Nationalsozialismus. Es handelt sich jedoch nicht um einen spezifischen, nationalsozialistischen Baustil, sondern Troost hat hier die Formensprache des Neoklassizismus aus seiner Hauptschaffenszeit vor dem Ersten Weltkrieg ins Extreme vereinfacht, Details reduziert und ins Monumentale vergrößert.[2] Nach eigenen Angaben wollte Troost im Gegensatz zur „modernen Sachlichkeit“ ein „aus der Seele des Volkes empfundenes“ Gebäude errichten, „edle Proportionen und gediegenes Material“ sollten dem Bau „den Charakter eines Tempels der Kunst geben“.[15]

Architekt Troost und Hitler erhoben immer wieder den Anspruch, einen „Tempel“ oder ein „Heiligtum“ der Kunst zu schaffen. Die architektonischen Elemente Portikus und Kolonnade wurden daher aus der antiken Architektur entlehnt, sie bleiben aber Kulisse.[10] Der nationalsozialistische Charakter und der Eindruck des Gebäudes als monströs ergibt sich nicht aus einzelnen architektonischen Elementen, sondern aus deren gebündelten Anordnung.[16] Als Vorbild Troosts gilt das Alte Museum von Karl Friedrich Schinkel auf der Berliner Museumsinsel. Der Münchner Bau wird aber als Vereinfachung des Vorbilds statt einer künstlerischen Auseinandersetzung damit beschrieben. Die übermäßige Betonung der Waagrechten wird entgegen der antiken oder der klassizistischen Architektur nicht gegen konstrastierende Vertikalen ausbalanciert, sondern bleibt einseitig.[10][17]

Dass Christoph Vitali, Leiter des Haus der Kunst zwischen 1993 und 2003 das Gebäude als „wunderbare Museumsarchitektur“ bezeichnete und die architektonische Qualität der Ausstellungsräume, die Schönheit und Ausgewogenheit von Proportionen und Raumfolge lobte,[18] spricht einerseits für die Qualität der monumentalen Räume mit optimaler Beleuchtung. Andererseits wird es von Architektur-Historiker Winfried Nerdinger als Vernachlässigung des ideologischen und systematischen Rahmens des NS-Baus interpretiert.[19] Vitali rechtfertigte seine Aussage im Rückblick damit, dass die Mauern keine Schuld tragen. Schuld hätten die auf sich geladen, die die Arbeit von 1937-1944 in diesem Haus zu verantworten hatten.[18]

Ausstellungsgeschichte[Bearbeiten]

Die Mittelhalle voll mit Besuchern in Sitzreihen, an der Schmalseite spricht Adolf Hitler an einem Rednerpult vor einer gigantischen Hackenkreuzfahne
Eröffnung 1937

Im Nationalsozialismus[Bearbeiten]

Das Gebäude wurde am 18. Juli 1937 mit der ersten „Großen Deutschen Kunstausstellung“ eröffnet. Erster Direktor war Karl Kolb. Nahezu zeitgleich wurde im Galeriegebäude am Hofgarten (das heutige Deutsche Theatermuseum) die Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Bis 1939 fand jährlich der „Tag der Deutschen Kunst“ statt, bei dem Adolf Hitler als Redner auftrat. Die als jährliche Verkaufsausstellung konzipierte „Große Deutsche Kunstausstellung“ fand bis 1944 statt.

Trotz des Anspruches, ein Tempel der „deutschen Kunst“, somit der nationalsozialistischen Kunst zu sein, war das Konzept von Beginn kommerziell angelegt: So gab es eine umfangreiche Gastronomie (die wieder eröffnete „Goldene Bar“, ein „Bierstüberl“, in dem sich heute die DiskothekP1“ befindet, sowie ein zentrales Restaurant). Sämtliche Ausstellungen dienten hauptsächlich dem Verkauf, wobei Hitler als Hauptkäufer auftrat und sich als Mäzen inszenierte.

Besatzungszeit[Bearbeiten]

Den Zweiten Weltkrieg überstand das Gebäude fast unbeschädigt, Während der amerikanischen Besatzung wurde das Gebäude als Offizierskasino mit Unterhaltungsprogramm genutzt. Einer Anekdote nach wurde dabei im Gebäude ein Basketballfeld angelegt, so dass bei der Wiedereröffnung als Museum noch Markierungen am Fußboden sichtbar waren.[20] Im Sommer 1946 beherbergte das Haus als erste Ausstellung nach dem Krieg die Internationale Jugendbuchausstellung. 1947 fand die Schau „Französische Malerei vom Impressionismus bis zur Gegenwart“ auf Betreiben der amerikanischen Militärregierung mit Unterstützung der französischen Direction de l’Education Publique statt und zeigte erstmals auf deutschem Boden wieder internationale Kunst der Moderne.

Von 1946 bis Ende 1948 fand in einem Teil des Ostflügels eine permanente Gewerbeausstellung statt, in der bayerische Unternehmen ihre Produkte vorwiegend für amerikanische Importunternehmen präsentierten. Besonders begeht waren Kunstgewerbe und Trachtenmode.[21]

Ausstellungsleitung Haus der Kunst[Bearbeiten]

Die US-Militärregierung wollte die Verantwortung für das Gebäude in die Hände der Künstlerverbände geben. 1948 gründeten daher die zum Teil wieder entstandenen, zum Teil neu gegründeten Künstlervereine Münchener Secession, Neue Gruppe und Neue Münchener Künstlergenossenschaft einen Verein „Ausstellungsleitung Haus der Kunst München e.V.“ als Träger des Ausstellungsbetriebs.[7] Das Gebäude selbst ging als Sondervermögen an den Freistaat Bayern.[22] Dabei wurde das Gebäude unter verschiedenen Nutzern aufgeteilt. Noch bis 1955 behielt die US-Armee die Mittelhalle, das Restaurant und einige angrenzende Räume für ihren Offiziersclub.

Der Westflügel des Gebäudes wurde von der Bayerischen Staatsgemäldesammlung genutzt. Während dem Wiederaufbau der Alten Pinakothek wurden bis 1958 ausgewählte Werke aus deren Bestand gezeigt, anschließend bis 1971 solche der Neuen Pinakothek und bis 1989 der Neuen Staatsgalerie. Von 1989 bis 2001 zeigte der Westflügel Stücke der Staatsgalerie Moderne Kunst bis diese in die Pinakothek der Moderne umzog. Von 2001 bis 2007 nutzte das „Theater im Haus der Kunst“ des Bayerischen Staatsschauspiels den Westflügel.[23]

Als 1955 die US-Armee endgültig aus dem Haus der Kunst auszog, wurden zwei gehobene Restaurants als Mieter in das Gebäude aufgenommen. Ein Raum im Ostflügel ging an das Restaurant Alecco. Seit 1984 wurde daraus das P1 als Disko unter der Leitung von Michael Käfer.[24] Das Untergeschoss unter dem Westflügel beherbergte das ungarische Restaurant Piroschka. 1994 schloss es und das P1 zog in seine Räume um, die es bis heute nutzt.[25] Der Ostflügel stand seitdem vollständig für Ausstellungen zur Verfügung.

Ludwig Grote organisierte 1949 eine Ausstellung Der blaue Reiter mit im Dritten Reich verfehmten Künstlern, die in München und Umgebung vor und nach dem Ersten Weltkrieg gearbeitet hatten.[26] Die Ausstellungsleitung organisierte ab 1949 die jährliche „Große Kunstausstellung München“. Auch der traditionelle Faschingsball der Künstlerverbände als gesellschaftliche Veranstaltung fand nun im Haus der Kunst statt. Der frühere Ort der Feiern, das Künstlerhaus am Lenbachplatz, war im Krieg weitgehend zerstört worden und der Ball war wichtig, um die Ausstellungstätigkeit zu finanzieren. 1950 wurde der bisherige deutsche Betriebsleiter des Offiziersclubs, Peter Ade, zum Geschäftsführer der Ausstellungsleitung und zum Direktor des Haus der Kunst. Er organisierte Ausstellungen mit einem Schwerpunkt auf die Klassische Moderne, aber auch kulturhistorische Themen wie „Kultur und Mode“ (1950) fanden Platz.Dass das Haus von den Künstlervereinen getragen wurde, trug ihm hervorragende Kontakte zu Museen im In- und Ausland ein und ermöglichte viele Leihgaben.[27] Das Haus der Kunst arbeitete oft mit anderen Museen zusammen und organisierte Wanderausstellungen oder beteiligte sich an ihnen. Die Picasso-Ausstellung von 1955 ging anschließend nach Köln und Hamburg und war das letzte Mal, dass das Bild Guernica in Europa ausgeliehen wurde.[28]

Geschäftsführer Ade organisierte ab 1955 nach amerikanischem Vorbild einen Mäzenatenkreis des Haus der Kunst aus Industrievertretern. Schon 1958 spendeten diese jährlich Beiträge von etwa 500.000 Mark. Die Hälfte der Summe diente zum Ankauf von Werken Münchner Künstler, so dass der Verein eine umfangreiche Kunstsammlung aufbaute.[22]

Seit 1961 zeigte im Haus der Kunst auch die Freie Münchner und Deutsche Künstlerschaft in der Ausstellungsreihe „Herbstsalon“, später „Kunstsalon“ und „Neuer Kunstsalon“ Werke ihrer Mitglieder in der nördlichen Galerie des Hauses. Im Rahmen des Kulturprogramms der Olympischen Sommerspiele 1972 fand im Haus der Kunst eine Sonderausstellung Weltkulturen und moderne Kunst statt. Dazu errichtete Architekt Paolo Nestler einen zweigeschossigen Anbau über die volle Nordseite. Die Stahlrohrkonstruktion mit flächiger Verglasung griff den Rhythmus der Säulen auf. Zwei Treppentürme an den Außenseiten und ein Klangkörper im Westen waren mit weißen Platten verkleidet. Der Anbau wurde nach den Olympischen Spielen wieder abgerissen.[3]

Das Haus der Kunst organisierte unter Ade drei große Schauen mit ägyptischen Werken: 1976 Nofretete – Echnaton, 1979 Götter und Pharaonen und 1980 die Schau „Tutanchamun“, für die die ägyptische Antikenbehörde einen der Sarkophage, die berühmte Kopfmaske und weitere hochkarätige Stücke aus dem Grab Tutanchamuns zum letzten Mal international verlieh.[29] 1982 musste Peter Ade das Haus der Kunst verlassen. Der bayerische Rechnungshof sah nach 37 Jahren in der Vielzahl seiner Ämter Interessenkonflikte.[30] Er ging zur Hypo-Kulturstiftung und eröffnete 1983 für diese die Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung. Nachfolger Ades wurden Hermann Kern (1982–1985) und Magdalena Huber-Ruppel (1985–1990). 1991 schloss das Haus für eine Generalsanierung.[31]

Seit 1980 stehen vor der Westseite des Haus der Kunst die Bronzeplastik Liegende Figur von Henry Moore und ein bewegliches Edelstahl-Kunstwerk von George Rickey namens Vier schräge Linien.[3]

Stiftung Haus der Kunst[Bearbeiten]

Ende der 1980er Jahre hatte das Haus der Kunst massive Finanzprobleme. Unter Ade hatte sich der Betrieb des Haus der Kunst vollständig selbst getragen.[32] Zu den Problemen trugen verschiedene Ursachen bei. Ades Nachfolger konnten keine Ausstellungen mit gleichem Publikumszustrom organisieren und so neben weniger direkten Einnahmen auch weniger Spenden einwerben. Andererseits stiegen alle Kosten erheblich. Kunst und Kultur wurden zunehmend als Dienstleistungen und Geschäft angesehen, auch Versicherungsprämien und Kosten für Sicherheitsmaßnahmen stiegen erheblich. Der Freistaat Bayern trat deshalb auch in den Betrieb des Hauses ein.[22] Seit 1992 wird das Haus der Kunst durch die „Stiftung Haus der Kunst München, gemeinnützige Betriebsgesellschaft mbH“ betrieben. In ihr schlossen sich der Freistaat Bayern und die Schörghuber Unternehmensgruppe als Hauptsponsor zusammen, weitere Gesellschafter waren die Mäzenatenvereinigung „Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst München e.V.“ und die Ausstellungsleitung Große Kunstausstellung.[33] Die Stiftungsgründung geht auf die Zusage der Familie Schörghuber zurück, das Haus der Kunst für mindestens zehn Jahre mit jeweils einer Million Mark (ab 2002 500.000 Euro) zu fördern.

Erster Direktor der neuen Organisation wurde 1993 Christoph Vitali. Er eröffnete seine Amtszeit mit der Ausstellung elan vital. Das Auge des Eros in der er Klassische Moderne thematisch mit zeitgenössischer Kunst zusammenbrachte. Dieser Epochen übergreifende Ansatz blieb sein Schwerpunkt auch bei den Schauen Ernste Spiele. Der Geist der Romantik in der deutschen Kunst und Die Nacht. Unter Vitali wurde das Haus der Kunst 1995 auch einer von nur drei europäischen Partnern der Wanderausstellung die zum ersten und einzigen Mal Werke des Impressionismus der Barnes Foundation, Philadelphia außerhalb ihrer eigenen Räume zeigte.[34]

Auf dem Dach des Hauses steht zeitweilig das große blaue Logo "Allianz [Logo] Arena", das ansonsten am Müchner Fußballstadium hängt
Der Schriftzug „Allianz Arena“ auf dem Dach des Hauses der Kunst.

Die Amtszeit von Chris Dercon als nächstem Leiter des Hauses begann mit der seit langem geplanten Entfernung der letzten Einbauten aus den 1950er und 1960er Jahren. Seitdem ist die Architektur des Haus der Kunst wieder im Originalzustand. Unter Dercons Leitung erweitert das Haus der Kunst ab 2003 seinen Fokus und zeigt Architektur, Film und Fotografie, Mode und Design. Außerdem thematisierte Dercon die Vergangenheit des Gebäudes und die Rolle der Kunst im Dritten Reich. Große Publikumserfolge wurden die Ausstellungen mit Werken von Andreas Gursky und Ai Weiwei. Während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 zierte das Gebäude der Schriftzug „Allianz Arena“. Da das Stadion keine Sponsorennamen tragen durfte, wurde der Schriftzug von dort vorübergehend abmontiert.[35] Ebenfalls 2006 versteigerte der Freundeskreis Haus der Kunst seine seit 1958 aufgebaute Kunstsammlung für insgesamt 5,2 Millionen Euro, die zweckgebunden zur Kunstförderung angelegt wurden.[22] Im Zuge der Finanzkrise ging davon allerdings rund eine Million verloren.[36]

2011 begann eine Kooperation des Haus der Kunst mit der Sammlung Goetz. Im ehemaligen Luftschutzbunker des Haus der Kunst werden in unregelmäßigen Abständen Teile der Videokunst-Sammlung von Ingvild Goetz gezeigt. Seit Oktober 2011 leitet Okwui Enwezor das Haus der Kunst.[37] Enwezor baute Verbindungen zu anderen Kultureinrichtungen in München auf und kooperierte mit der Bayerische Staatsoper und den Münchner Kammerspielen.

Verschiedene Probleme in der Organisation des Hauses kamen Mitte 2014 zusammen. Die Familie Schörghuber gab bekannt, dass sie aus der Kunstförderung und auch dem Haus der Kunst aussteigen und künftig nur noch caritative Zwecke unterstützen würde. Aus dem Mäzenatenverein „Gesellschaft der Freunde Haus der Kunst“ traten neben der Familie Schörghuber mehrere Unternehmenssponsoren aus. In der Folge gab es Richtungsstreitigkeiten[22], die im November 2014 nach dem Rücktritt von Andreas Langenscheidt vom Vorsitz der GdF durch die Wahl des ehemaligen bayerischen Kulturministers Wolfgang Heubisch zu seinem Nachfolger gelöst werden konnten. Die Gesellschaft der Freunde kann sich durch eine Satzungsänderung auch an den Kosten der ab 2016 geplanten Generalsanierung des Gebäudes durch den Londoner Architekten David Chipperfield beteiligen. Für das Projekt stellt der Freistaat Bayern 58 Millionen Euro bereit.[4]

Mit dem Rückzug von Schörghubers fehlten im Etat von jährlich rund 7 Millionen Euro etwa 8%. Zudem waren die Ausstellungen der Jahre seit etwa 2011 weniger publikumsträchtig als zu Zeiten von Vitali und Dercon, so dass die Einnahmen des Hauses unter einer Million lagen.[36] Schon 2012 musste der Freistaat Bayern ungeplant mit 534.000 Euro zur Deckung des Defizits einspringen.[38] Seit 2014 und bis Ende 2015 steht Direktor Okwui Enwezor auch nur eingeschränkt zur Verfügung, weil er zudem Leiter der Biennale di Venezia für 2015 ist.

Der bisherige Verein Ausstellungsleitung, der sich 2014 in Künstlerverbund im Haus der Kunst umbenannt hat, bringt eigene Probleme in den Betrieb des Hauses ein. Seit 2011 findet seine große Kunstausstellung der Münchner Künstler nur noch alle zwei Jahre statt. Damit entfielen in den Jahren ohne Ausstellung aber öffentliche Fördermittel, so dass der Verein nach dem Jahr 2012 seine Finanzen weitgehend aufgebraucht hatte. Im nächsten, eigentlich ausstellungsfreien Zwischenjahr 2014 fand deshalb in der Nordgalerie eine nur siebentägige Schau mit anschließender Versteigerung statt.[39]

Literatur[Bearbeiten]

  • Klaus-Peter Schuster: Nationalsozialismus und „Entartete Kunst“. Prestel 1988, ISBN 3-7913-0843-2.
  • Sabine Brantl: Haus der Kunst 1937-1997 - Eine historische Dokumentation. Haus der Kunst, 1997
  • Peter Ade: Picasso, Kokoschka und all die anderen … Meine abenteuerlichen Jahre für die Kunst. Nymphenburger, München 2001, ISBN 3-485-00872-9. (der Autor war Direktor, 1947–1983)
  •  Sabine Brantl: Haus der Kunst, München. Ein Ort und seine Geschichte im Nationalsozialismus. Edition Monacensia, Allitera, München 2007, ISBN 978-3-86520-242-0.
  •  Heinrich Habel, Johannes Hallinger, Timm Weski: Landeshauptstadt München. Mitte. In: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmäler in Bayern. Kreisfreie Städte und Landkreise. Bd. I.2/1, 3 Drittelbände, Karl M. Lipp Verlag, München 2009, ISBN 978-3-87490-586-2, S. 821–822.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Haus der Kunst – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Okwui Enwezor wird neuer Chef im Haus der Kunst Süddeutsche Zeitung, Ausgabe vom 19. Januar 2011.
  2. a b Habel, Hallinger, Weski 2009, S. 821 f.
  3. a b c d Bayerischer Architekten- und Ingenieur-Verband: München und seine Bauten nach 1912. Bruckmann 1984, ISBN 3-7654-1915-X, S. 146–147.
  4. a b Süddeutsche Zeitung: Viel Lärm um nichts, 15. November 2014, S. R6
  5.  Josef Hugo Biller, Hans-Peter Rasp: München Kunst und Kultur. Stadtführer und Handbuch. 15 Auflage. Ludwig, München 2003, ISBN 3-7787-5125-5, S. 333.
  6. a b Tobias Hellmann: Haus der deutschen Kunst. 1937–1945 − eine Dokumentation. Geschichte des Hauses. Abgerufen am 28. August 2012.
  7. a b Haus der Kunst: Ausstellungsleitung
  8. Karl Arndt: Münchener Architekturszene 1933/34 als ästhetisch-politisches Konfliktfeld. In: Martin Broszat, Elke Fröhlich, Anton Grossmann (Hrsg.): Bayern in der NS-Zeit. Band III: Herrschaft und Gesellschaft im Konflikt. Oldenbourg, München 1981, ISBN 3-486-42381-9, S. 443–484.
  9. Timo Nüsslein: Hitlers erste Bauvorhaben in München. In: Oberbayerisches Archiv. Band 137 (2013), S. 290–301, 293.
  10. a b c d Karl Arndt: Das ›Haus der Deutschen Kunst‹ – ein Symbol der neuen Machtverhältnisse. In: Klaus Peter Schuster: Nationalsozialismus und "Entartete Kunst". Prestel 1988, ISBN 3-7913-0843-2, S. 61–82.
  11. a b Hans Joachim Hecker: Missbrauchtes Mäzenatentum? Die Gründung der Anstalt des öffentlichen Rechts Haus der Deutschen Kunst (Neuer Glaspalast) im Juni 1933. In: Klaus Peter Schuster: Nationalsozialismus und „Entartete Kunst“. Prestel 1988, ISBN 3-7913-0843-2, S. 56–60.
  12. Karl Heinz Roth (Bearb.): OMGUS. Ermittlungen gegen die I.G. Farben AG. Greno-Verlag, Nördlingen 1986, S. 163.
  13. Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus – Bayern 1933–1945. Architekturmuseum der TU-München 1993, ISBN 3-7814-0360-2, S. 350.
  14. Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus – Bayern 1933–1945. Architekturmuseum der TU-München 1993, ISBN 3-7814-0360-2, S. 350 f.
  15. Petra Raschke: Spektakel, Siedlungen und Straßen. 100 Jahre BSZ: Die Bauberichterstattung in der Bayerischen Staatszeitung von 1933 bis 1934. Verlag Bayerische Staatszeitung, 25. Mai 2012, abgerufen am 28. August 2012.
  16. Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus – Bayern 1933–1945. Architekturmuseum der TU-München 1993, ISBN 3-7814-0360-2, S. 12 unter Verwendung eines Zitates von Wolfgang Fritz Haug.
  17. Hans-Peter Rasp: Eine Stadt für tausend Jahre: München, Bauten und Projekte für die Hauptstadt der Bewegung. Süddeutscher Verlag 1981, ISBN 3-7991-6124-4, S. 28.
  18. a b Christoph Vitali in: Sabine Brantl: Haus der Kunst 1937-1997 - Eine historische Dokumentation. Haus der Kunst, 1997, S. 5
  19. Winfried Nerdinger: Bauen im Nationalsozialismus – Bayern 1933–1945. Architekturmuseum der TU-München 1993, ISBN 3-7814-0360-2, S. 10f.
  20. Ade 2001, S. 30.
  21. Brantl 2007, S. 116
  22. a b c d e sueddeutsche.de: Haus der Kunst – Streit unter Freunden, 13. Juli 2014.
  23. Haus der Kunst: Geschichte – FAQs
  24. tz: 30 Jahre P1: Skandal-Partys und Promis, 19. März 2014
  25. tz: P1: So waren die Jahre 1994 bis 2003, 19. März 2014
  26. Haus der Kunst: Nach dem Krieg
  27. Ade 2001, S. 61.
  28. Ade 2011, S. 74.
  29. Haus der Kunst: Einzug der Moderne
  30. Ade 2001, 345 f.
  31. Süddeutsche Zeitung: Die Chefs. 12. Juli 2014, S. R5
  32. Ade 2001, S. 312 f.
  33. Haus der Kunst: Gründung der Stiftung Haus der Kunst München
  34. Barnes Foundation: Great French Paintings from the Barnes Foundation
  35. Schriftzug „Allianz Arena“ im "Feriendomizil" in der Prinzregentenstraße
  36. a b sueddeutsche.de: Querelen um Museum, 30. Juli 2014.
  37. Haus der Kunst: Kritischer Rückbau
  38. sueddeutsche.de: Haus der Kunst – Schlachtschiff mit Schlagseite, 1. Juli 2014.
  39. Münchner Merkur: Energisches Lebenszeichen, 26. Juli 2014.

48.14416666666711.585833333333Koordinaten: 48° 8′ 39″ N, 11° 35′ 9″ O