Interview

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Dieser Artikel behandelt die Befragung eines oder mehrerer Menschen. Für den gleichnamigen Film des Regisseurs Theo van Gogh siehe Das Interview, für den Film von und mit Steve Buscemi siehe Interview (2007), für die Zeitschrift von Andy Warhol siehe Interview (Zeitschrift). Zur wissenschaftlichen Methode der Befragung siehe dort.
Hans Eichel am Abend der Bundestagswahl 2002 beim Interview im Bundestag

Ein Interview ('ɪntɐvjuː) ist eine Befragung mit dem Ziel, persönliche Informationen oder Sachverhalte zu ermitteln. Für einige Interviewformen ist eine Schulung der Fragesteller (so genannte Interviewer) üblich (etwa wenn die Ergebnisse mehrerer Interviewer vergleichbar sein sollen).

Etymologie[Bearbeiten]

Der Begriff ist ableitbar vom lateinisch: inter-, französisch entre- sowie lat. -videre, frz. -voir, dann daraus frz. entrevue bzw. s'entrevoir. Frei übersetzt: sich gegenseitig (kurz) sehen.

Interview im Journalismus[Bearbeiten]

Interview mit Angela Merkel, 2011

Die bekannteste Form ist das journalistische Interview, das für Textbeiträge, den Rundfunk und das Fernsehen mit einer Person der Zeitgeschichte (Politiker und andere Persönlichkeiten, die ein öffentliches Interesse betreffen) durchgeführt wird. Es taucht sowohl als Journalistische Darstellungsform, aber auch als Recherchemittel auf. Journalistische Interviews werden nach Walther von La Roche unterschieden nach:

  • Interview zur Person,
  • Interview zur Sache,
  • Interview zur Meinung.

Während in der Presse- und Radioberichterstattung mit Interviews vor allem journalistische Ziele verfolgt werden, nehmen in den Fernsehprogrammen außerhalb der speziellen Berichterstattungssendungen vorwiegend unterhaltende Formen des Interviews breiten Raum ein. Medienwissenschaftler nehmen an, dass sowohl von den Zuschaueranteilen als auch vom öffentlichen Ansehen etwa die Talkshow mit Sabine Christiansen die klassischen TV-journalistischen Formate („Im Kreuzfeuer“) in den Schatten gestellt haben. Bekannte Interviewer im Deutschen Fernsehen waren bzw. sind z. B.: Günter Gaus („Zur Person“), Sandra Maischberger, Johannes B. Kerner und Reinhold Beckmann.

In einigen Wissensgebieten haben sich journalistische Sonderformen zunehmend Geltung und Sendeplätze erobert, namentlich Wissenschaftsjournalisten und Medizinjournalisten, deren Arbeitsmittel neben der Durchforstung der aktuellen Forschungsergebnisse und deren allgemeinverständliche mediengerechte Aufbereitung das Experteninterview ist.

Eines der folgenschwersten Interviews, die ein Interviewter je gegeben hat, dürfte eines des damaligen Chefs der Deutschen Bank, Rolf Breuer, sein. Am 3. Februar 2002 bezweifelte er gegenüber dem Fernsehdienst Bloomberg TV, dass die Finanzbranche dem Medienunternehmer Leo Kirch noch "weitere Fremd- oder gar Eigenmittel" gebe. Nach jahrelangen Gerichtsverfahren sprach das Oberlandesgericht München in einem Vergleich mit der Deutschen Bank den Erben Kirchs einen Ausgleich von rund 900 Millionen Euro für die Nachteile zu, die Kirch und dessen Unternehmen dadurch entstanden waren. [1]

Wissenschaft[Bearbeiten]

Hauptartikel: Befragung

Einen großen Stellenwert als Basis für die Analyse- und Dokumentationsarbeit haben Interviews wissenschaftlich in der Sprachwissenschaft (Sprachatlas, Mundartforschung), in der Volkskunde (Gewährsleute, Oral History), in der Geschichtswissenschaft (Zeitzeugen, Technikgeschichte, Sozialgeschichte) sowie in der empirischen Sozialforschung.

Andere Arten der Befragung[Bearbeiten]

Ein Bundesligafußballer wird interviewt

Eine spezielle Art ist das strukturierte Einstellungsinterview, ggf. in Gestalt eines umfangreichen standardisierten Fragebogens. Ähnlich verhält es sich mit dem Erstgespräch mit einem Kandidaten im Executive Search.

In der medizinischen Diagnostik nennt man das Interview durch den behandelnden oder in der Klinik stationär aufnehmenden Arzt die Anamnese.

In der psychologischen und psychologisch-pädagogischen Diagnostik dienen diagnostische Interviews dazu, über einzelne Individuen möglichst umfangreiche, aussagekräftige Informationen zutage zu fördern. In qualitativen Interviews soll durch gezieltes Hinterfragen von Antworten und durch freies Erzählen sowie themenzentrierte Ausführungen der Probanden ein möglichst vorurteilsfreies und nicht von normengestützten Vergleichsinteressen geleitetes Bild der Persönlichkeit oder der individuellen Denkleistungen erzeugt werden. So können z. B. Aussagen über das individuelle, inhaltlich-mathematische Denken (siehe auch: Qualitative Diagnostik) oder andere Sachgebiete gemacht werden.

Weitere Abwandlungen des Interviews sind das polizeiliche Verhör und die gerichtliche Befragung.

Bei der Pressekonferenz werden eher Stellungnahmen verbreitet und nur vereinzelte Fragen gestellt.

Eine Form des Interviews ist die Straßenumfrage, die als Meinungsumfrage allerdings nicht repräsentativ ist.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Klaus Ott und Andrea Rexer: Zahltag. In: Süddeutsche Zeitung vom 20. Februar 2014, S. 19

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Interviews – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikiquote: Interview – Zitate
 Wiktionary: Interview – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen