Mediapart

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Mediapart
Beschreibung Französische Internetzeitung (entgeltlich)
Verlag Société Editrice de Mediapart
Erstausgabe 2008
Erscheinungsweise Täglich drei Ausgaben,

84.000 Online-Abonnenten (März 2014)

Chefredakteur Edwy Plenel (Directeur de la publication)
Weblink mediapart.fr

Mediapart ist eine französische Internet-Zeitung, die 2008 gemeinsam gegründet wurde von: François Bonnet (1995-2006 leitender Redakteur bei Le Monde), Gérard Desportes (früher u.a. Chefredakteur der Tageszeitung Libération), Laurent Mauduit (1994-2006 leitender Redakteur bei Le Monde) und Edwy Plenel (insgesamt 25 Jahre lang Redakteur bei Le Monde, 1996-2004 in leitender Funktion).

Einnahmen erzielt Mediapart nur durch zahlende Abonnenten, die Website beinhaltet keinerlei Werbung, was sowohl eine gute Qualität als auch die Unabhängigkeit von Konzernen ermöglichen soll.

Um profitabel zu sein, benötigt die Zeitung laut Angaben des Mitgründers François Bonnet 50.000 Abonnenten[1][2]; diese Schwelle wurde Mitte 2011 überschritten[3]. Im November 2013 betrugt die Zahl der Abonnenten 80.000[4], im März 2014 waren es 84.000.[5]

Im März 2014 gab Chefredakteur Edwy Plenel bekannt, dass die Zeitung ab 2015 in die Trägerschaft einer gemeinnützigen Gesellschaft (société à but non lucratif) überführt werden solle. Für diese Gesellschaft werden neue Investoren bzw. Anteilseigner gesucht. Der Fonds Odyssée Venture, der eine Million investiert hatte und dafür 20 % des Kapitals hält, wird sich dann zurückziehen; er taxiert den Wert seiner Anteile auf 2,5 Millionen Euro.[6]

Erlösmodell[Bearbeiten]

Nach dem Erlösmodell von Mediapart bezahlen die Nutzer zwischen fünf und neun Euro im Monat und erhalten dafür Zugang zu drei aktuellen Online-Ausgaben täglich sowie dem gesamten Archiv. Sie haben die Wahl zwischen zwei Bereichen: „Le Journal“ ist das redaktionelle Angebot der Journalisten, die nicht zuletzt investigativen Journalismus bieten wollen; demgegenüber werden die Inhalte von „Le Club“ hauptsächlich von den Usern gestaltet. Durch das Nebeneinander von redaktionellen Berichten, Blogs und Kommentaren sollen sich die verschiedenen Angebote ergänzen.[7]

Öffentliche Resonanz[Bearbeiten]

Weit über Frankreich hinaus wurde die Zeitung im Frühjahr 2010 bekannt, als sie Informationen publik machte, aus denen sich der Verdacht ergibt, der Präsidentschaftswahlkampf 2007 von Nicolas Sarkozy sei möglicherweise auch durch illegale Spenden aus dem Vermögen der L’Oréal-Erbin Liliane Bettencourt finanziert worden.[8]

Im Oktober 2010 wurden mehreren Journalisten und Redaktionen, die sich mit der Bettencourt-Affäre intensiv befassen, in einer Einbruchserie gezielt Notebooks und CDs entwendet. Neben Le Monde und Le Point war auch Mediapart davon betroffen.[9] Anschließend schrieben Mediapart und die satirische Zeitschrift Le Canard enchaîné, Staatspräsident Sarkozy lasse Journalisten abhören, die an der Aufklärung der Bettencourt-Affäre arbeiten. Der Generalsekretär des Elysée-Palastes Claude Guéant und der Chef des französischen Inlandsgeheimdienstes Bernard Squarcini kündigten daraufhin an, gegen Mediapart Anzeige wegen Verleumdung zu erstatten; Anfang 2011 wurde gemeldet, der Prozess solle im Oktober 2011 stattfinden.[10] Guéant, der unterdessen zum französischen Innenminister avancierte, hat in der Sommerpause 2011 seine Klage „kommentarlos zurückgezogen“.[11]

Im Frühjahr 2013 war Mediapart maßgeblich an der Aufdeckung der Cahuzac-Affäre beteiligt.[12] Der am 19. März 2013 entlassene französische Haushaltsminister Jérôme Cahuzac hatte am französischen Fiskus vorbei hohe Geldbeträge im Ausland angelegt. Laut Mediapart-Chefredakteur Edwy Plenel hat diese Affäre „ein demokratisches Erdbeben“ ausgelöst, dessen Folgen nicht absehbar seien: „Nur weil eine kleine, unabhängige Redaktion wie Mediapart vier Monate lang stur blieb, ist diese Geschichte ans Licht gekommen und die Mauer der Lügen durchbrochen. Das ist nicht normal.“[13]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe Mediapart.fr: die Pioniere des Paid Content, Meedia Topstory vom 1. Juni 2010; ferner Wir lassen uns nicht einschüchtern, taz online vom 30. Januar 2011.
  2. Skeptisch zu den Überlebensaussichten dieser entgeltlichen Internetzeitung Thomas Knüwer: Mediapart – der falsche Traum, Handelsblatt-Blog, 24. März 2009.
  3. So Stefan Ulrich: „Keine Fesseln mehr“, Süddeutsche Zeitung online vom 14. Juni 2011.
  4. Jutta Sommerbauer: Das französische Onlinemedium »Mediapart« finanziert sich nur durch Abos. Dabei ist es sogar hochprofitabel. "Die Presse", Print-Ausgabe, 17. November 2013
  5. Siehe Mediapart veut devenir une société à but non lucratif, L’Express online vom 14. März 2014.
  6. Siehe L’Express vom 14. März 2014, Einzelnachw. 5.
  7. Siehe Einzelnachweis 1 sowie Lena Bopp: Online-Journalismus: Es ist etwas weniger komfortabel, FAZ online, 5. Juni 2009.
  8. Siehe z.B. Sascha Lehnartz: Die verlorene Ehre des Präsidenten Sarkozy, Welt online, 7. Juli 2010.
  9. Siehe Die Handschrift der Geheimdienste, FAZ online vom 2. November 2010.
  10. Siehe Elysée erstattet nach Bespitzelungsvorwurf Anzeige gegen Medien, Der Standard online vom 6. November 2010 und Guéant contre Mediapart: procès en octobre 2011, Le Nouvel Observateur online vom 6. Januar 2011 (abgerufen am 11. Januar 2011).
  11. Siehe Jürg Altwegg: Drei Kugeln in den Kopf, FAZ vom 3. September 2011, S. 33.
  12. Siehe Adrian Lobe: Ein gefährlicher kleiner Fisch unter Haien, NZZ online vom 2. April 2013; Tanja Kuchenbecker: Gefürchtet bei Politikern, Handelsblatt online vom 4. April 2013; Michaela Wiegel: Der Journalist, der Hollande in Bedrängnis brachte, FAZ online vom 4. April 2013.
  13. Siehe Michaela Wiegel: Ein Hauch von fin de règne, FAZ online vom 3. April 2013.