Metapedia

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Metapedia
Motto „Die alternative Enzyklopädie“
Beschreibung rechtsextremes Online-Lexikon
Registrierung Ja
Sprachen 16
Eigentümer „NFSE Media AB, Sweden“
Erschienen 2006

Metapedia ist ein rechtsextremes[1] Online-Lexikon, das als Wikiprojekt in 16 verschiedensprachigen Sektionen von seinen Benutzern erstellt wird. Das Projekt startete 2006 in Schweden.

Projekt[Bearbeiten]

Die erste online gestellte Sektion war die schwedische Metapedia am 26. Oktober 2006. Die deutschsprachige Sektion ging im Mai 2007 online und enthält mehrere zehntausend Artikel.[2] Die mit Abstand größte Sprachsektion ist die ungarische; inzwischen existieren über ein Dutzend Sprachversionen.[2]

Das Projekt benutzt die MediaWiki-Software. Das Schreiben von Artikeln ist nur nach Anmeldung möglich. Die Inhalte sind durch Geschichtsrevisionismus geprägt. In Bezug auf das NS-Regime treten deutlich verharmlosende Züge auf (vgl. Rechtsextremismus im Internet).[1] Die deutschsprachige Metapedia bezeichnet sich selbst als „national gesinnt“ und „Weltnetz-Enzyklopädie“.

Laut Impressum zeichnet die Firma „NFSE Media AB, Sweden“ mit Sitz in Linköping für die Internetpräsenz von Metapedia verantwortlich.[3] Die Firma wird von Lennart Berg betrieben.[4]

Deutschsprachige Version[Bearbeiten]

Inhalte und Ausrichtung[Bearbeiten]

Metapedia beansprucht in der Projektbeschreibung, „über Wahrheiten und Fakten [zu] schreiben und nicht über das, was die politisch korrekte Mehrheit von Schreibern dafür hält und ihren Leser oktroyiert“. Zwar sei politische Agitation und weltanschauliche Missionierung nach dem Selbstverständnis der Metapedia unerwünscht, dennoch trägt sie eindeutige geschichtsrevisionistische und das NS-Regime verharmlosende Züge, urteilte der Verfassungsschutz NRW in seinem Bericht von 2008.[1]

Über den Metapedia-Artikel Holocaust urteilt der Verfassungsschutz NRW, mit den Formulierungen werde versucht, „den Holocaust auf subtile Art in Zweifel [zu] ziehen, indem sie suggerieren, eine wirkliche wissenschaftliche Nachforschung sei aufgrund der geltenden Strafrechtsnormen nicht möglich“. Es solle „der Eindruck erweckt werden, es habe in Wahrheit keine systematische Judenvernichtung gegeben“, es werde „die Deportation zudem in euphemistischer Weise umschrieben“. In dem Artikel über die Reichspogromnacht im Jahr 1938 werde „bestritten, dass die Übergriffe auf Juden und jüdische Einrichtungen auf offizielle Anordnung geschehen seien“ und es würden „die Folgen der Pogrome verharmlosend dargestellt“.[1]

Der Sozialwissenschaftler Thomas Pfeiffer sieht die Metapedia ebenso wie die ähnliche Encyclopædia Germanica als „Versuch, rechtsextremistisches Gedankengut im seriösen Gewand zu präsentieren“.[5] Dabei seien sie „eher dem Anspruch nach breitenwirksam, faktisch erscheinen sie als Projekte unter Gleichgesinnten.“[6]

Die Vorsilbe „Meta“ bezieht sich auf den Begriff „Metapolitik“. Damit ist gemeint, dass die Eroberung der Gesellschaft vor der Politik in der Erlangung der intellektuellen Meinungsführerschaft beginnt. Die Begründer dieses Politikansatzes sind in der „Neuen Rechten“ zu finden.[7] Die „verbale Tarnung“ des Projektes mit Hilfe dieser Begrifflichkeiten mit dem Ziel einer großen Breitenwirkung „gelingt auf Metapedia nur eingeschränkt“.[5] Auf der Seite werden weitere Ideen der neuen Rechten, darunter Ethnopluralismus und Euro-Nationalismus vertreten, die Seite sei „dem pro-europäischen Kulturkampf gewidmet“. Des Weiteren finden sich Fußnoten zu neurechten Organisationen wie dem Thule-Seminar und der Gesellschaft für freie Publizistik (GfP).[8]

Volker Schmidt bezeichnete Metapedia in der Frankfurter Rundschau als „Alternative […] für sehr rechts denkende Menschen, die ihre Weltanschauung vor lästigem Faktenwissen schützen wollen“.[9]

Juristische Auseinandersetzungen[Bearbeiten]

Aufgrund der rechtsextremistischen Inhalte hat das Bundesamt für Verfassungsschutz die zuständigen Strafverfolgungsbehörden unterrichtet. Hinsichtlich einer Verlinkung zu einer Downloadmöglichkeit des NS-Propagandafilms Der ewige Jude, dessen Rechte der Bundesrepublik Deutschland zustehen, ermittelt das Landeskriminalamt Berlin wegen Urheberrechtsverletzung. Darüber hinaus wurde bei der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien ein Indizierungsverfahren eingeleitet.[10]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d „Metapedia“ als nationales Pendant zu „Wikipedia“. In: Innenministerium des Landes Nordrhein-Westfalen: Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen über das Jahr 2008. S. 88 f. (PDF, 1,4 MB).
  2. a b DomainTools, abgerufen am 7. August 2013
  3. http://whois.domaintools.com/metapedia.org
  4. Extremisternas „uppslagsverk“ kan vara olagligt auf corren.se (schwedisch)
  5. a b Thomas Pfeiffer: Virtuelle Gegenöffentlichkeit und Ausweg aus dem „rechten Ghetto“. Strategische Funktionen des Internets für den deutschen Rechtsextremismus. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15911-9, S. 290–309, hier S. 302 (online).
  6. Thomas Pfeiffer: Virtuelle Gegenöffentlichkeit und Ausweg aus dem „rechten Ghetto“. Strategische Funktionen des Internets für den deutschen Rechtsextremismus. In: Stephan Braun, Alexander Geisler, Martin Gerster (Hrsg.): Strategien der extremen Rechten. Hintergründe – Analysen – Antworten. VS Verlag, Wiesbaden 2009, ISBN 978-3-531-15911-9, S. 290–309, hier S. 307 (online).
  7. Peter Nowak: „Rechte Wikipediakopie zwischen Anspruch und Wirklichkeit“. Telepolis, 10. Februar 2008.
  8. Wikipedia-Verschnitt: Das rechte Online-Nachschlagewerk Metapedia, abgerufen am 26. März 2012.
  9. Volker Schmidt: Lexikon für Ignoranten. „Metapedia“ wäre gern ein Nachschlagwerk für die rechte Szene. Frankfurter Rundschau, 4. März 2008.
  10. Bundestags-Drucksache 16/10215 vom 12. September 2008, S. 6f.: Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Bundestagsabgeordneten Monika Lazar (PDF, 460 KB)