Metropolitana di Torino

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Metropolitana di Torino
Torino mappa metropolitana 2011.svg
Basisdaten
Staat Italien
Stadt Turin
Eröffnung 2006
Linien 1
Streckenlänge 13,2 km
Stationen 21
Tunnelstationen 21
Nutzung
Betreiber GTT

Die Metropolitana di Torino ist die U-Bahn der italienischen Stadt Turin sowie die erste fahrerlose U-Bahn des Landes. Sie basiert auf dem VAL-System und wurde zu den Olympischen Winterspielen 2006 eröffnet.

Strecke[Bearbeiten]

Die vollständig unterirdische Strecke ist zurzeit 13,2 km lang und führt vorerst vom Vorort Collegno bis direkt in die Innenstadt hinein und endet am Bahnhof Lingotto. Die Strecke beginnt bei der Betriebswerkstatt auf dem Gelände des ehemaligen Flugplatzes von Collegno. Ein paar hundert Meter weiter befindet sich die westliche Endstation Fermi mit einer großen Park and ride-Anlage. Bei der nächsten Station Paradiso an der Stadtgrenze zu Turin wird der Corso Francia erreicht. Die U-Bahn folgt dieser mehrspurigen Ausfallstraße fast bis zum Stadtzentrum. Nach der Station Principi d'Acaja folgt eine enge 120°-Kurve und die Strecke erreicht die Station XVIII Dicembre unter dem Straßenzug Corso San Martino. Nach der Unterquerung des Bahnhofes Porta Susa, unter dem nach dessen Neubau auch ein neuer U-Bahnhof eröffnet werden soll, schwenkt die Strecke unter den Corso Vittorio Emanuele II ein und führt zum Bahnhof Porta Nuova an der Piazza Carlo Felice. Von dort geht es über fünf Zwischenstationen zum aktuellen Endbahnhof Lingotto.

Station Fermi – auf der rechten Seite sind die Bahnsteigtüren zu sehen

Die Stationen, die durchschnittlich 16 m unter der Erdoberfläche liegen, sind in einem sehr einheitlichen Stil gehalten; jeder Bahnhof ist 60 Meter lang und 19 Meter breit. Nur die Stationen unter den Hauptbahnhöfen Porta Nuova und Porta Susa werden großzügiger ausgestaltet. Entworfen wurden die Stationen von Bernhard Kohn & Associés. Die künstlerischen Gestaltungselemente nehmen dabei Bezug auf die unmittelbare Umgebung, wie z.B. geschichtliche Ereignisse, Sehenswürdigkeiten oder Persönlichkeiten, nach denen die Stationen benannt sind. Ein wichtiges Merkmal sind die Glaswände mit Schiebetüren zwischen den Bahnsteigen und den Fahrspuren der Fahrzeuge. Durch den automatischen Betrieb werden die Züge zielgerecht eingefahren, so dass die Türen der Station und des Zuges synchron öffnen und schließen.

Während der Streckentunnel mit einem Durchmesser von 7,8 Metern von einer Tunnelbohrmaschine gegraben wurde, entstanden die Stationen in Deckelbauweise. Das heißt, dass zuerst durch spezielle Tiefbautechniken die Wände im Rohbau entstanden, auf die ein Deckel aufgesetzt wurde. Somit konnte die Straßenoberfläche relativ schnell wiederhergestellt werden, während der eigentliche Aushub und der Vollausbau erst unter dem bestehenden Deckel erfolgten.

Technik und Betrieb[Bearbeiten]

Die U-Bahngleise sind in den Bahnhöfen komplett überdacht - so entsteht keine Zugluft in den Stationen

Technisch gesehen ist die Turiner Metro das genaue Pendant der Métro Lille, des ersten U-Bahn-Netzes, welches das VAL-System verwendet. Alle Maße und Größen wurden 1:1 übernommen. Die Züge mit einer Gesamtlänge von 52 m sind aus zwei Zugeinheiten zusammengesetzt. Jede dieser Einheiten wiederum besteht aus zwei Einzelwagen, die 13 m lang, 2,08 m breit und 14 t schwer sind. Ein Zug fasst maximal 440 Personen.

Die beleuchteten U-Bahn-Tunnel sind von den vordersten Sitzplätzen gut einzusehen

Die Wagen besitzen zwei Achsen mit jeweils zwei Gummirädern und vier horizontal dazu angeordneten Rädern mit Gummibereifung. Letztere üben Druck auf die Führungsschiene aus und führen somit den Wagen. Im Inneren der Gummiräder befindet sich jeweils ein weiterer Reifen, um bei Beschädigungen eine Verformung zu verhindern. So kann abgesichert werden, dass bei Zwischenfällen die Fahrzeuge mindestens bis zum nächsten Haltepunkt fahren können. Gesteuert werden die vollautomatisch verkehrenden, d.h. fahrerlosen, Züge zentral von der Betriebsleitstelle in der Betriebswerkstatt am westlichen Streckenende aus. Sowohl die Züge als auch die Automatisierungstechnik wurden von der Siemens AG geliefert.

Die Turiner Metro verkehrt tagsüber mit einem Intervall von vier bis sechs Minuten, in der Hauptverkehrszeit alle zwei Minuten. Betriebszeiten sind montags bis donnerstags zwischen 6:00 Uhr und 24:00 Uhr, freitags und samstags 6:00 Uhr bis 1:30 Uhr, sonntags 8:00 Uhr bis 24:00 Uhr.

Geschichte[Bearbeiten]

U-Bahn-Bauarbeiten beim Hauptbahnhof Porta Nuova

Im Jahr 1936 gab es erstmals Pläne für den Bau einer U-Bahn. In der Via Roma entstand versuchsweise ein Tunnel mit einer Länge von 300 m, doch das Projekt wurde fallengelassen. 1960 gab es Überlegungen, in der Innenstadt einen sieben Kilometer langen Tunnel zu bauen, in dem die Straßenbahn verkehren sollte; auch dieses Vorhaben wurde zu den Akten gelegt.

Der Grund, dass Turin es im Gegensatz zu Rom und Mailand lange Zeit nicht schaffte, den Bau einer U-Bahn durchzusetzen, lag vor allem daran, dass die notwendigen Gelder nicht durch ein Gesetz oder Fördermittel aufzubringen waren. Zwar wurde im November 1995 die Förderwürdigkeit der geplanten Strecke Fermi - Porta Nuova anerkannt, der Fördersatz des Staates von 35 % entsprach jedoch nicht den Erwartungen. Gleichwohl begannen 1998 die Detailplanungen. Schließlich wurde der Fördersatz im April 1999 auf 60 % aufgestockt.

Schließlich begannen die Bauarbeiten am 19. Dezember 2000 in Collegno, insgesamt kamen drei Tunnelbohrmaschinen zum Einsatz. Am 18. März 2005 war der Rohbau vollendet. Bereits vier Monate zuvor, nach der Lieferung des ersten Zuges am 10. November 2004, hatten auf einem kurzen Teilstück bei der Betriebswerkstatt die ersten Testfahrten stattgefunden. Die offizielle Eröffnung des ersten Teilstücks zwischen Fermi und XVIII Dicembre erfolgte am 4. Februar 2006, sechs Tage vor Beginn der Olympischen Winterspiele.

Der zweite Teil der ersten Phase des Metroausbaus konnte am 5. Oktober 2007 abgeschlossen werden. Mit der Eröffnung drei weiterer Stationen (Vinzaglio, Re Umberto und Porta Nuova) wuchs die Streckenlänge auf 9,6 Kilometer; die Fahrt vom Bahnhof Fermi bis Porta Nuova dauert nun 15 Minuten. Gleichzeitig ließ die Turiner Stadtverwaltung einen U-Bahnhof unter dem Fern- und Regionalbahnhof Porta Susa vorbereiten, erst wenn dieser selbst rekonstruiert ist, soll auch die Metro dort halten.[1]

Am 6. März 2011 ging die Verlängerung vom Bahnhof Porta Nuova zum Bahnhof Lingotto mit insgesamt sechs neuen U-Bahnhöfen in Betrieb. Die Streckenlänge wuchs auf 13,2 Kilometer. Die U-Bahn Station am Bahnhof Porta Susa wurde am 9. September 2011 eröffnet.[2]

Ausbau und Planungen[Bearbeiten]

Die Metro wird im Süden von Lingotto bis nach Bengasi, um 1,6 km, verlängert. Die Strecke soll Ende 2015 in Betrieb gehen und die Zwischenstation Italia ´61 besitzen.[3] Eine Verlängerung in Richtung Westen vom Bahnhof Fermi bis in den entfernteren Vorort Rivoli ist in der Planung. Die Finanzierungsfragen für diese Erweiterung stehen noch aus.[4]

Quellen[Bearbeiten]

  1. Pressemitteilung Erfolgsgeschichte der ersten vollautomatischen Metro Italiens geht weiter der Siemens Transportations Systems, innovations-report.de, 5. Oktober 2007
  2. http://www.comune.torino.it/gtt/avvisi/stazione_porta_susa.shtml
  3.  Turiner Val wird länger. In: Eisenbahn-Revue International. Nr. 4, 2013, S. 191.
  4. Informationen zum weiteren Bauablauf auf metrotorino.it

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Metropolitana di Torino – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien