Straßenbahn Mailand

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Straßenbahn
Straßenbahn Mailand
Bild
Ventotto-Wagen auf der Linie 1 an der Piazza Cavour
Basisinformationen
Staat Italien
Stadt Mailand
Eröffnung 1881
Betreiber Azienda Trasporti Milanesi (ATM)
Infrastruktur
Streckenlänge 115 km
Spurweite 1445 mm
Kleinster Radius 15 m
Stromsystem 600 Volt = Oberleitung
Betriebshöfe 5
Betrieb
Linien 18
Netzplan

Die Straßenbahn Mailand ist eines der traditionsreichsten Nahverkehrsmittel Italiens mit einem einst sehr ausgedehnten Streckennetz. Das Straßenbahnnetz in der lombardischen Hauptstadt Mailand besteht heute aus 18 Linien, davon 17 innerstädtischen. Es hat eine Gesamtlänge von fast 115 Kilometern.[1]

Netz[Bearbeiten]

(Stand: 1. März 2014)

  • 1 Greco (Via Martiri Oscuri) ↔ Piazza Castelli
  • 2 Piazza Bausan ↔ Piazzale Negrelli
  • 3 Duomo (Via Cantù) ↔ Gratosoglio
  • 4 Piazza Castello ↔ Niguarda (Parco Nord) (Metrotranvia Nord)
  • 5 Ortica (Via Milesi) ↔ Ospedale Niguarda
  • 7 Piazzale Lagosta ↔ Precotto (Via Anassagora) (Metrotranvia di Bicocca)
  • 9 Stazione Centrale (Piazza IV Novembre) ↔ Stazione Genova
  • 12 Roserio ↔ Viale Molise
  • 14 Cimitero Maggiore ↔ Lorenteggio
  • 15 Piazza Fontana ↔ Rozzano (Via Cabrini) (Metrotranvia Sud)
  • 16 Piazzale Segesta ↔ Via Monte Velino
  • 19 Stazione Genova ↔ Roserio
  • 23 Piazza Fontana ↔ Stazione Lambrate
  • 24 Duomo (Via Dogana) ↔ Vigentino (Via Selvanesco)
  • 27 Piazza VI Febbraio ↔ Viale Ungheria
  • 31 Bicocca ↔ Cinisello (Via Monte Ortigara) (Metrotranvia di Cinisello)
  • 33 Piazzale Lagosta ↔ Lambrate

Geschichte[Bearbeiten]

Nach langjährigen Diskussionen wurden die erste Pferdebahnen 1881 eröffnet und von der Società Anonima degli Omnibus (SAO) betrieben.[2]

Die erste elektrische Straßenbahn wurde am 1. November 1893 durch die Edison als Versuchsstrecke eröffnet.[3] Dank der guten Erfolg wurde die SAO in die Edison eingegliedert und ihren Strecken schrittweise elektrifiziert.[4]

1917 wurde der Straßenbahnbetrieb direkt von der Stadtverwaltung übernommen, die dafür der Ufficio Tramviario Municipale (Städtischer Straßenbahnamt) gründete.[5]

Die Bahnen, die im Linksverkehr betrieben wurden, stellte man 1926 auf Rechtsverkehr um. Das große Straßenbahnnetz war auch der Grund, warum Mailand als letzte Stadt Italiens die Straßen auf Rechtsverkehr umstellte, während in der Provinz Mailand bereits früher rechts gefahren wurde. Es waren umfangreiche Umbauten und Anpassungen notwendig. Die Umstellung erfolgte am 3. August 1926. Am Abend fuhren alle Straßenbahnwagen ins Depot, um nach Mitternacht wieder auszufahren, diesmal rechts. Während der ganzen Nacht wurde geprüft, ob alles richtig funktioniert. Im Corriere della Sera finden sich ganze fünf Artikel zu diesem Großereignis.

1928 gingen die ersten Serienwagen der berühmten Baureihe 1500 in Betrieb, die das Stadtbild bis heute prägen.

1931 wurde der UTM als autonome Gesellschaft erklärt mit dem Name Azienda Tranviaria Municipale (ATM).

Im Zweiten Weltkrieg erlitt das Netz schwere Schäden, konnte aber bis Ende 1945 wieder vollständig in Betrieb genommen werden. Die in den Nachkriegsjahren etwas vernachlässigte Bahn bekam ab dem 1. November 1964 die Konkurrenz der neugebauten Mailänder U-Bahn zu spüren. Mittlerweile sind von den 40 Linien nach Ende des Krieges noch 17 übrig geblieben.

Seit Oktober 2006 gibt es mit ATMosfera die Möglichkeit, in einem restaurierten und umgebauten Tramwagen zu speisen.

Netzentwicklung[Bearbeiten]

Durch Streckenverlängerungen an der Peripherie von Karte zu Karte verändert sich der Maßstab.

Planungen[Bearbeiten]

In den kommenden Jahren sind weitere neue Linien vorgesehen:

  • Die Linie 15 wird in das Zentrum von Rozzano verlängert, von der jetzigen Endstelle Via Cabrini zur Via Guido Rossa (im Bau).
  • Die Linie 27 soll von der Viale Ungheria durch das neue Viertel Santa Giulia zum Bahnhof Rogoredo verlängert werden.
  • Die Linie 24 soll von Vigentino über die Stadtgrenze hinaus über Noverasco und Opera nach Locate di Triulzi verlängert werden.
  • Mittelfristig sollen die Überlandstraßenbahn nach Limbiate und die ehemalige Linie nach Desio in moderne Schnellstraßenbahnen umgewandelt werden (mit teilweise zweigleisigem Ausbau).
  • Langfristig soll die Bicocca-Linie (7) als Metrotranvia interperiferica Nord zwischen dem Piazzale Bausan über den S-Bahnhof Certosa zum U-Bahnhof Cascina Gobba fahren.
  • Eine oder mehrere Linien sind zwischen Cascina Gobba, Sesto San Giovanni und Monza in Planung.

Die Überlandstraßenbahnen[Bearbeiten]

Das Netz der TIP um 1915

Neben dem innerstädtischen Straßenbahnnetz wuchs auch das Überlandnetz um Mailand herum. Die erste mit Pferden betriebene Überlandstraßenbahn wurde 1876 eröffnet zwischen Mailand und Monza durch die Società Anonima degli Omnibus.

Die erste Dampfstraßenbahn kam 1878 zwischen Mailand und Vaprio d’Adda und wurde von den Società Anonima del Tramway Milano-Gorgonzola-Vaprio betrieben. Später fusionierten die zahlreichen Gesellschaften in den Tranvie Interprovinciali Padane, eine der größten Straßenbahnbetreiber Europas.

1919 gründete die Edison, die bis 1917 das städtische Tramnetz betrieben hatte, die Società Trazione Elettrica Lombarda (STEL). Die STEL übernahm von der TIP die meistfrequentierten Strecken und elektrifizierte sie, die anderen wurden auf Omnibusverkehr umgestellt. Das Netz der STEL wurde am 1. Juli 1939 durch die städtische Azienda Tranviaria Municipale übernommen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Netz stetig verkleinert. Mit Ausnahme einer Strecken nach Limbiate wurde der Betrieb auf sämtlichen Überlandlinien mittlerweile eingestellt. Die Strecken nach Osten und Norden wurden von der U-Bahn-Linie 2 übernommen. Komplett eingestellt wurden auch die Linien nach Monza.

Betriebswerkstätten[Bearbeiten]

Derzeit gibt es fünf Betriebshöfe:

  • Deposito Baggio
  • Deposito Leoncavallo
  • Deposito Messina
  • Deposito Precotto
  • Deposito Ticinese

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Nummern Bezeichnung Baujahre Hersteller Länge Breite v/max Sitzplätze Stehplätze Anzahl
Tram ATM storico 1503.jpg 1501–2002 Ventotto 1927–1930 diverse 13,89 m 2,35 m 42 km/h 29 101 502,
noch 151 in Betrieb
JHM-1977-2039 - Italie, Milan, tramway.jpg 4601–4613 1955 OMS, TIBB, Breda 19,58 m 2,4 m 45 km/h 36 140 13,
noch 10 in Betrieb
Milano tram 4700 verde.jpg 4714–4733 1956–1960 OMS, TIBB, Breda 19,58 m 2,4 m 45 km/h 36 140 20
Elettromotrice 4938 in Piazza Cordusio.jpg 4900–4999 Jumbotram 1976–1978 GAI 29,01 m 2,38 m 60 km/h 59 207 100
ATM 7021.jpg 7001–7026 Eurotram 1999–2000 Adtranz 34,10 m 2,47 m 70 km/h 68 194 26
ATM 7147.jpg 7101–7148 Sirio 2002–2009 AnsaldoBreda 35,35 m 2,4 m 70 km/h 71 214 48
ATM 7524.jpg 7501–7535 Sirietto 2003–2009 AnsaldoBreda 25,15 m 2,4 m 70 km/h 50 141 35
Milano tram serie 7600.jpg 7601–7633 Sirietto 2008–2009 AnsaldoBreda 25,15 m 2,4 m 70 km/h 50 141 33

Elf nicht mehr benötigte Fahrzeuge der Peter-Witt-Bauart wurden 1998 nach San Francisco verkauft, wo sie auf der F-Market&Wharves-Linie im Einsatz sind. Weitere wurden etwa im Jahr 2005 vom US-Unternehmen Gomaco Trolley Company angekauft. Dieses restauriert die Fahrzeuge und verkauft sie als historische Straßenbahnwagen an US-Straßenbahnunternehmen weiter.

Ehemalige Fahrzeugtypen[Bearbeiten]

Nummern Bezeichnung Baujahre Hersteller Länge Breite v/max Sitzplätze Stehplätze Anzahl
4800– 1973-1977 ATM Milano, Officine di Cittadella 27,89m 2,4m 45 km/h 49 231

Trivia[Bearbeiten]

Die Mailänder Straßenbahn gibt es auch in einem Comic: Storycode I Tl 2924-1. Dieser wurde im Lustigen Taschenbuch 435[6], im Gigant Poleca 150[7], im Topolino 2924 sowie im Super Piscou Géant 172 abgedruckt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Giovanni Cornolò. Fuori porta in tram. Le Tranvie extraurbane milanesi 1876-1980. Ermanno Albertelli Editore, Parma 1980.
  • Giovanni Cornolò, Giuseppe Severi. Tram e tramvie a Milano 1840-1987. Azienda Trasporti Municipali, Mailand 1987.
  • Paolo Zanin: Primi tram a Milano. Nascita e sviluppo della rete tranviaria (1841–1916). Editrice Trasporti su Rotaie, Salò 2007, ISBN 978-88-85068-07-0.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trams in Milan – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. UrbanRail.Net – Milano
  2. Zanin: Primi tram a Milano. S. 19–20
  3. Zanin: Primi tram a Milano. S. 58–59
  4. Zanin: Primi tram a Milano. S. 64–65
  5. Zanin: Primi tram a Milano. S. 121
  6. Streng geheim
  7. Szpieg inny niż wszyscy