Straßenbahn Florenz

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Straßenbahn
Straßenbahn Florenz
Bild
Basisinformationen
Staat Italien
Stadt Florenz
Eröffnung 2010
Betreiber GEST
Infrastruktur
Streckenlänge 7,4
Haltestellen 14
Betrieb
Linien 1
Fahrzeuge AnsaldoBreda Sirio
Statistik
Fahrgäste 14 600 000 pro Jahr
Netzplan

Die Straßenbahn Florenz ist ein im Aufbau befindliches modernes Straßenbahnnetz in Florenz, Italien. Das Gesamtsystem soll im Endausbau drei Linien umfassen. Eine erste Linie wurde am 14. Februar 2010 offiziell eröffnet. Sie wird im Rahmen einer von der Stadt Florenz nach einer Ausschreibung zugeteilten Konzession mit einer Laufzeit von 30 Jahren von RATP Dev, einer Tochtergesellschaft des Betreibers der Pariser Metro RATP betrieben und gewartet[1]. Die RATP Dev hält dabei 51% der Anteile, 49% gehören dem lokalen Betreiber ATAF[2]. Dabei wird die neutrale Betriebsbezeichnung Gestione del Servizio Tramviario (GEST), zu Deutsch einfach Straßenbahnbetrieb, benutzt. RATP Dev arbeitet gleichzeitig an der Konzeption der weiteren Linien (Linien 2 und 3)[1].

Geschichte[Bearbeiten]

Dampfstraßenbahn in Florenz (Ansichtskarte von 1890)

In Florenz hatte bereits seit dem 19. Jahrhundert ein ursprünglich dampfbetriebenes, später elektrisches Straßenbahnsystem bestanden. Dieses erreichte in der Mitte des Jahrhunderts seine größte Ausdehnung. Im Jahr 1936 bestanden über 20 Linien. Mit der Stilllegung der Linie 17 Via de'Pecori - Cascine endete am 20. Januar 1958 der Betrieb des ersten Florentiner Straßenbahnnetzes. Planungen für eine neue Straßenbahn begannen in den 1990er Jahren. Zwischen dem alten und dem nun neu gebauten Straßenbahnnetz besteht keinerlei Zusammenhang.

Neues Straßenbahnnetz[Bearbeiten]

Linie 1[Bearbeiten]

Die Linie 1 ist fertiggestellt und wurde am 14. Februar 2010 eröffnet. Sie hat auf einer Länge von 7,8 Kilometern 14 Stationen.[1] Sie beginnt an der Villa Costanza in der Gemeinde Scandicci, wo sich auch jenseits der Autobahn, mit einer Stichstrecke angebunden, die Remise und die Werkstätten befinden. Die Tram verläuft weiter über die Via delle Sette Regole, die Via Fabrizio de Andre und den Viale Aldo Moro. Kurz nach Überqueren des Flusses Greve passiert sie die Stadtgrenze von Florenz und führt weiter durch den Viale Pietro Nenni. Nach Unterquerung einer Straßenkreuzung in einem kurzen Tunnel führt die Strecke über den Viale Francesco Talenti und die Via del San Sovino zur Piazza Paolo Uccello.

Der Arno wird auf einer neu errichteten Brücke überquert. Die Strecke verläuft nun durch den Parco delle Cascine entlang der Via Stendhal und des Viale degli Olmi. Über die Piazza Vittorio Veneto führt die Trasse durch den Viale Fratelli Rosselli, die Via Jacopo da Diacceto und die Via Luigi Alamanni, wo die Gleise später auch von der Linie 2 bis zum Hauptbahnhof Florenz Santa Maria Novella befahren werden sollen, wofür die Abzweigweichen bereits eingebaut sind. Die vorläufige Endstation mit doppeltem Gleiswechsel befindet sich an der Westseite des Bahnhofs, obwohl die Gleise bereits bis zur Südseite verlegt sind.

Der erste Abschnitt in der Gemeinde Scandicci dient der besseren Erschließung des Raums südlich von Florenz, in dem es bisher noch nie ein schienengebundenes öffentliches Verkehrsmittel gab.

Geplante Linien[Bearbeiten]

Diese Linien befinden sich derzeit noch im Projektstadium

Die Linie 2 soll vom Florentiner Flughafen Amerigo Vespucci in die historische Altstadt am Dom Santa Maria del Fiore vorbeiführen. Dies war Gegenstand von Befürchtungen einer Bürgerinitiative, die aufgrund der möglichen Vibrationen Schaden für die Bausubstanz des Domes befürchtete.

Linie 2[Bearbeiten]

Geplante Linie 2

Die Linie 2 wird ihre Endstelle beim Flughafen Amerigo Vespucci haben, von wo sie die Bahnstrecken nach Osmannoro und Pisa unterqueren und danach der Via di Novoli folgen wird. Nach dem Kreisverkehr beim Viale Forlanini soll der Fluss Mugnone überquert werden. Sie soll die Via Buonsignori und die Via Gordigiani durchfahren, dem Ufer des Mugnone folgen und auf das Gelände der zukünftigen Hochgeschwindigkeitsstation Firenze Belfiore gelangen, welches sie auf dem Viale Belfiore wieder verlassen soll. Dort soll eine Unterführung für den Individualverkehr errichtet werden. Zudem ist hier eine umfangreiche Neugestaltung des städtischen Raums geplant. Weiter soll sie durch die Via Guido Monaco und die Via Alamanni führen, wo sie in die Strecke der Linie 1 münden wird, die bis zum Bahnhof befahren wird. Bei der Piazza Unità Italiana wird die Strecke durch die Altstadt beginnen, entlang der Via Panzani, der Via de' Cerretani, der Piazza San Giovanni, der Via de' Martelli, der Via Cavour und zur Piazza San Marco. Hier wird sich die Strecke je nach Richtung teilen; nach Norden über die Via La Pira und die Via La Marmora, nach Süden über die Via Cavour. Auf der Piazza della Libertà soll sich die Endstation befinden.

Der Linie wird entscheidende Verkehrsbedeutung zukommen, denn sie wird

  • durch das wichtigste Stadtentwicklungsgebiet führen,
  • den Flughafen mit dem zukünftigen Hochgeschwindigkeitsbahnhof verbinden,
  • das neue Universitätsgelände und das Gerichtsgebäude in Novoli erschließen,
  • durch die Altstadt führen und dadurch die Einrichtung einer Fußgängerzone entlang der Achse neben dem Dom und dem Baptisterium ermöglichen.

Eine Verlängerung von Peretola bis Castello ist im Planungsstadium. Diese soll die neuen Sitze der Provinz und der Regionalverwaltung und das Forschungs- und Universitätszentrum von Sesto Fiorentino anbinden.

Der neue Bürgermeister von Florenz, Matteo Renzi, hat ab 25. Oktober 2009 die vollkommene Verkehrssperre und Einrichtung einer Fußgängerzone auf dem Domplatz angeordnet. Gleichzeitig kündigte er eine Trassenänderung der Linie 2 an, die nun nicht mehr über den Domplatz, die Via Martelli und die Via Cavour fahren soll. Vorerst soll mit den Bauarbeiten vom Flughafen Amerigo Vespucci bis zum Bahnhof Santa Maria Novella begonnen werden. In 2011 gab es beim Weiterbau eine größere Pause, da es Schwierigkeiten bei der Finanzierung gibt. Die Stadt Florenz gab aber bekannt, dass der Bau so schnell wie möglich weiter gehen und der zeitliche Rückstand aufgeholt werden soll.

Linie 3[Bearbeiten]

Geplante Linie 3
Projektierter Netzplan der Straßenbahn Florenz

Die Linie 3 wird vor dem Eingang zum Krankenhaus Careggi beginnen. Von dort wird sie über die Via Morgagni zur Piazza Dalmazia führen, von wo aus die Gleise Richtung Süden durch die Via Corridoni, die Via Pisacane und die Via Romagnosi verlaufen sollen. Richtung Norden wird sie durch die Via Tavanti und die Via Vittorio Emanuele trassiert. In der Via Tavanti werden beide Richtungen wieder zusammenlaufen. Die Strecke soll weiter über die Via Gianni, die Piazza Vieusseux, die Via Guasti und die Piazza Muratori führen. Nach der Unterführung Statuto soll die Strecke durch die Via dello Statuto, die Piazza della Costituzione und den Viale Strozzi verlaufen. Danach soll die Trasse in die Via Valfonda und die Piazza Adua einbiegen, um schließlich am Bahnhofsvorplatz auf die Linien 1 und 2 zu stoßen.

Die Linie 3 soll vor allem den Norden der Stadt und das Krankenhausviertel, welches überregionale Bedeutung hat, an das Zentrum und den Hauptbahnhof anbinden. Aufgrund der Streckenführung durch eher enge Straßenläufe ist die Errichtung dieser Linie aufwändiger, denn es wird notwendig sein, den Individualverkehr in den betroffenen Gebieten neu zu ordnen.

Vorgesehen ist eine Netzerweiterung Richtung Osten, von der Burg Fortezza durch die Alleen über Piazza Libertà, von wo sich die Strecke in zwei Äste gabeln soll, einen sieben Kilometer langen Richtung Rovezzano und einen acht Kilometer langen nach Bagno a Ripoli.

Ebenso ist eine ein Kilometer lange Erweiterung Richtung Norden über den Viale Pieraccini geplant, um direkt die Krankenhäuser Careggi, CTO und Meyer anzubinden.

Die 2009 neu gewählte Stadtverwaltung hat zur Linie 3 die Überarbeitung der Streckenführung in Richtung Careggi im Bereich der Via dello Statuto angekündigt.

Fahrzeuge[Bearbeiten]

Bei den eingesetzten Bahnen handelt es sich um sogenannte Sirio-Fahrzeuge von AnsaldoBreda. Diese Fahrzeuge sind auch bei den italienischen Straßenbahnsystemen von Mailand, Neapel, Bergamo, Sassari sowie in Athen, Göteborg und Kayseri im Einsatz.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Formatlesechos.fr: La RATP met en service le tramway de Florence. Abgerufen am 5. März 2011.
  2. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-Formatratpdev.com: RATP Dev - Nos filiales - Florence ITALIE. Abgerufen am 18. November 2012.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trams in Florence – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien