Michael Amon

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Michael Amon (* 25. Februar 1954 in Wien) ist ein österreichischer Schriftsteller, Dramatiker und Essayist bzw. Feuilletonist.

Leben[Bearbeiten]

Amon besuchte acht Jahre ein katholisches Knabeninternat in Wien, danach die Handelsakademie I der Wiener Kaufmannschaft. Tätigkeit beim Verband sozialistischer Mittelschüler (Mitglied des Bundesvorstands, Stv. Wiener Landesobmann) und Geschäftsführer des Österreichischen Schülerzeitungs-Zentrums. Ab 1977 Broterwerb in der Privatwirtschaft, nebenberufliche Tätigkeit als Essayist und Feuilletonist in der Furche, im Wiener Journal und vielen anderen österreichischen und deutschen Zeitschriften. Seit 1992 hauptberuflich als freier Schriftsteller tätig. Lebt abwechselnd in Wien und Gmunden.

Neben vielen Veröffentlichungen in Anthologien erscheint im Jahr 1989 sein erstes Buch Nachtcafé, eine Sammlung von Erzählungen, über die der Wiener Kritiker Edmund Hartl schrieb: „Polgar redivivus!“ Nach einem ersten Theaterstück über den Bürgerkrieg in Österreich vom 12. Februar 1934 (gemeinsam mit Helmut Mayer, Förderungspreis des Wiener Volkstheaters 1984) erscheinen Ende der 80er-Jahre bis in die Mitte der 90er-Jahre eine Reihe von Theaterstücken (Horvath, Roth, Celan, Villach oder Provinz ist überall). Auch einige Arbeiten für den Österreichischen Rundfunk (ORF) entstehen in dieser Zeit.

1998 erscheint der erste Roman Lemming – Geschichte eines Aufstiegs (Neuauflage 2003), eine Geschichte über den Verfall der Sozialdemokratie. Der zweite Roman Yquem erscheint 2002 und findet bereits großen Anklang nicht nur bei der Kritik, sondern auch beim Publikum.

2005 Veröffentlichung von Michael Amons Abrechnung mit der seit 2000 im Amt befindlichen blau-schwarzen Regierung in Österreich: Kollateralschäden. Darüber hinaus setzt er sich mit den Thesen verschiedener Essayisten zu dieser Regierung auseinander. Im Mittelpunkt seiner Kritik steht dabei vor allem Robert Menasse. Aber auch Konrad Liessmann, Rudolf Burger und Peter Sloterdijk werden einer Kritik unterzogen. Für diese Essaysammlung erhält Amon den „Bruno Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch 2005“.

2006 erscheint der Roman Sonnenfinster, der sich mit dem patriarchalischen Kapitalismus und der Frage beschäftigt, wie Macht ausgeübt wird. Was Marx den „Fetischcharakter der Ware“ nennt, wird hier am Beispiel von Romanfiguren vorgeführt. Auch historische Themen wie der Lebensborn fließen in die Geschichte ein. Von der Kritik gelobt wurde das hohe Niveau der Dialoge. Kritisiert wurde vereinzelt wie schon bei Yquem, dass der „leichte“ Ton, der Amons Prosa auszeichnet, der „Schwere“ seiner Themen nicht adäquat sei.

2007 Essay-Sammlung Nach dem Wohlstand. Politik jenseits der Menschen. Amon beschreibt wie die Politik unter den Bedingungen der Globalisierung (nicht) handelt, sich den neoliberalen Dogmen unterordnet, und wie die Gefahr eines autoritären Kapitalismus wächst.

2008 ist Amons Buch zum Mai 1968 erschienen: Erzählende Essays mit autobiografischen Anklängen. Titel: 1968 – Ein kurzes Lächeln im langen Mai.

2009 erscheint Amons böse und sarkastische Abrechnung mit dem Neoliberalismus Und sie lügen doch. Unter dem Vorwand der Beschäftigung mit bekannten Sprichwörtern setzt sich Amon mit den Dogmen der neoliberalen, marktextremestischen Ideologie und den Folgen der von ihr verursachen Weltwirtschaftskrise auseinander. Er selbst ordnet diese Auseinandersetzung der literarischen Form des wütenden Essays zu, der Verlag spricht von satirischen Essays.

2010 Die Erzählsammlung "Krisennovellen - Erzählungen aus dem Wellental der Konjunktur" erscheint im Wiener Neustädter Verein Alltag Verlag, eine literarische Auseinandersetzung mit den kapitalistischen Krisen seit 1973 (Ölkrise). Neben den bisher großteils unveröffentlichten Texten werden auch drei Erzählungen aus dem vergriffenen, ersten Buch Nachtcafé wieder veröffentlicht.

2011 zieht die Leitung der Styria-Buchgruppe den für März angekündigten Kriminalroman "Der Glanz der Welt" zurück. Es entwickelt sich eine Kontroverse zwischen dem Autor und der Verlagsleitung, in deren Verlauf Amon dem Verlag politische Zensur vorwirft, weil der Krimi sich in teils persiflierender Weise auch mit den umstrittenen Geschäften des ehemaligen Finanzministers Karl Heinz Grasser (KHG) beschäftigt und auf die unaufgeklärten Vorgänge rund um die ehemalige Gewerkschaftsbank BAWAG eingeht. Die IG Autorinnen und der österreichische P.E.N. erklären sich mit dem Autor solidarisch und verlangen in öffentlichen Stellungnahmen, dass der Verlag das Werk unverzüglich druckt und in Vertrieb bringt. Der Autor hat angekündigt, die Drucklegung des Auftragswerkes gerichtlich zu erzwingen. Die Verlagsleiterin Gerda Schaffelhofer weist diesen Vorwurf zurück. In der Zwischenzeit kam es zu einer Einigung zwischen dem Autor und Styria-Buch, in der von einer Reihe von Missverständnissen im Hinblick auf die gegenseitigen Erwartungen die Rede ist, der Krimi zwar (im Rahmen einer "Wiener Trilogie") in einem anderen Verlag erscheinen soll und gleichzeitig neue Projekte mit Styria in Ausarbeitung sind.

Seit Mitte August ist eine überarbeitete Neuauflage des Romans "Yquem" (nunmehr dem Wunsch des Autors folgend mit dem ursprünglich geplanten Titel "Yquem oder Schlafende Konten") als E-Book für den Kindle/Amazon erschienen. Mitte September folgt auch die überarbeitete Neuauflage als Hardcover.

Ebenfalls im Herbst 2011 erscheint im Wiener Klever-Verlag der autobiographische Roman "Fromme Begierden", in dem Amon sich sowohl mit den Fragen von Missbrauch und sexuell konnotierter Gewalt während seiner Zeit im katholischen Internat "Neulandschulsiedlungen" beschäftigt, als auch der Frage nachgeht, wieso diese Schule, die ursprünglich von reformpädagogischen Ansätzen geprägt war, bei der "schwarzen" Pädagogik landen konnte. Die Wiener Tageszeitung Kurier (26. November 2011, Peter Pisa) über den Roman: "Er schont niemanden. Er klärt auf. Ist Dokument."

Der erste, vom Styria-Verlag (siehe oben) einst zurückgezogene Band der "Wiener Tetralogie der Vergeblichkeiten" (ursprünglich als Trilogie geplant) erscheint unter dem Titel "Der Glanz der Welt" im April 2012 im Wiener echomedia-Buchverlag. In der literarischen Form des Kriminalromans legt der Autor eine ironische Beschreibung der "feinen" Wiener Gesellschaft vor und rechnet gleichzeitig mit der Korruption während der Ära des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Schüssel ab, die derzeit auch Gegenstand eines Untersuchungsausschuss des österreichischen Parlaments ist. Der Band ist als Auftakt der Serie angelegt, eine Art Exposition der Motive und Personen.

Der zweite Band des nunmehr "Wiener Bibliothek der Vergeblichkeiten" genannten Zyklus ist im Frühjahr 2013 im Wiener echomedia-Buchverlag erschienen. Die satirischen Klänge des ersten Bandes weichen einem schärferen, ernsthaften Ton. Im Wiener Prater geschieht Unheimliches: bekannte Wahrzeichen wie Riesenrad oder Toboggan werden Schauplatz von Morden an Priestern. Die Spuren führen zu geheimnisvollen Kreisen im Vatikan und einem berüchtigten SS-Massaker im Rom des Jahres 1944 (Ardeatinische Höhlen). Zusammenhänge mit der sogenannten "Rattenlinie", über die nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges viele Nazis mit Hilfe eines österreichischen Bischofs im Vatikan, Hudal, geflüchtet sind, werden hergestellt. Laut STERN-Empfehlung ein "raffinierter Krimi", dessen "Parallelen zum real existierenden Österreich nicht von der Hand zu weisen" sind.

Ende Februar 2014 ist der "Panikroman" im Wiener Klever Verlag erschienen. Der Roman wird ausschließlich in Gegenwartsformen erzählt, ein "stream of consciousness" eines Börsenhändlers. Es entsteht das Psychogramm sowohl eines von Panikattacken geplagten Individuums als auch ein Psychogramm von in Panik verfallenen Finanzmärkten.

Anmerkungen zum Werk[Bearbeiten]

Michael Amon steht offenkundig nicht in der österreichischen Tradition der Sprachspielerei oder der Selbstbespiegelung, vielmehr folgen seine Romane einem traditionellen Erzählverständnis mit klaren Strukturen und moderner Sprache. Sein Werk nimmt offensichtlich die nicht fortgeführten Traditionen eines Joseph Roth auf und entwickelt dabei seinen eigenen, den heutigen Gegebenheiten angepassten Stil. Als weiteres Vorbild kann man den jungen Franz Werfel erkennen. In den satirischen Ansätzen seiner Romane klingt auch Kurt Tucholsky an. Sein sehr prägnanter und eleganter Stil verweist auch auf Alfred Polgar (insbesondere in den Erzählungen und Feuilletons).

Darüber hinaus entfaltet Michael Amon eine rege Tätigkeit als Essayist und Kommentator u. a. in der österreichischen Tageszeitung Der Standard sowie im XING Magazin und vielen anderen Medien. Der renommierte österreichische Politik-Journalist Engelbert Washietl (Salzburger Nachrichten, WirtschaftsBlatt, Wiener Zeitung, Die Presse) kommentierte das in der Wiener Zeitung mit den Worten: „Michael Amon hat sich als undisziplinierter politischer Schriftsteller etabliert.“ Womit wohl gemeint war, dass Amon einen klaren Standpunkt hat, keine parteipolitischen Scheuklappen trägt und mit seiner Kritik auch jene nicht „schont“, die ihm gedanklich und weltanschaulich nahestehen.

Werke[Bearbeiten]

  • 1983 Sozusagen eine Welt - Geschichte zweier Bürger (gemeinsam mit Helmut Mayer), Theaterstück, Edition Reinhard Deutsch, Bochum
  • 1989 Nachtcafé, Erzählungen, Edition Atelier, Wien
  • 1993 Villach oder Provinz ist überall, Edition Reinhard Deutsch, Bochum
  • 1994 Horvath Roth Celan - Die Toten von Paris, Edition Reinhard Deutsch, Bochum
  • 1998 Lemming - Geschichte eines Aufstiegs, Roman, Edition Atelier, Wien Erstauflage
  • 2002 Yquem, Roman, Otto Müller, Salzburg
  • 2003 Lemming - Geschichte eines Aufstiegs, Roman, Otto Müller, Salzburg, überarbeitete Neuauflage
  • 2005 Kollateralschäden - Essays zur blau-schwarzen Wende in Österreich, Essays, Verein Alltag Verlag, Wiener Neustadt
  • 2006 Sonnenfinster, Roman, Molden Verlag, Wien, 2006
  • 2007 Nach dem Wohlstand. Politik jenseits der Menschen., Essays, Molden Verlag, Wien 2007
  • 2008 1968. Ein kurzes Lächeln im langen Mai. Erzählende Essays, Molden/Styria, Wien 2008
  • 2009 Und sie lügen doch. Satirische Essays, Molden/Styria, Wien 2009
  • 2010 Krisennovellen - Erzählungen aus dem Welltental der Konjunktur, Erzählungen, Verein Alltag Verlag, Wiener Neustadt
  • 2011 Yquem oder Schlafende Konten, Roman, überarbeitete Neuauflage, eDITION vorschritt, Wien, E-Book/Kindle/Amazon
  • 2011 Yquem oder Schlafende Konten, Roman, überarbeitete Neuauflage, eDITION vorschritt, Wien, Hardcover
  • 2011 Fromme Begierden, autobiographischer Roman, Klever Verlag, Wien
  • 2012 Der Glanz der Welt, Kriminalroman, 1. Teil der Wiener Bibliothek der Vergeblichkeiten, echomedia Buchverlag, Wien
  • 2013 Wehe den Besiegten, Kriminalroman, 2. Teil der Wiener Bibliothek der Vergeblichkeiten, echomedia Buchverlag, Wien
  • 2014 Panikroman, Roman, Klever Verlag, Wien
  • 2014 Nachruf verpflichtet, Kriminalroman, 3. Teil der Wiener Bibliothek der Vergeblichkeiten, echomedia Buchverlag, Wien (erscheint Anfang Mai 2014)

Beiträge in Anthologien (Auswahl)[Bearbeiten]

  • 12. Februar 1934/12. Februar 1984 Materialien/Exposés, Szenen, Gedanken - Hrsg.: Volkstheater Wien/Österr. Ges. f. Kulturpolitik, Wien 1984
  • Neuestes Wiener Leserbuch (Hrsg. D. Axmann), Edition Atelier, Wien 1988
  • Österreich-Literatur-Jetzt Almanach 1989 (Hrsg. Rainer Götz), Droschl Verlag, Graz 1989
  • Ganz Wien ist ein Beisl (Hrsg. Franz M. Eybl), Döcker Verlag, Wien 1998
  • Solidarität - Gestern Heute Morgen, Verein Alltags Verlag, Wr. Neustadt 2004
  • Politische Kultur in Österreich 2000 - 2004 (Hrsg. N. Dimmel/J. Schmee), Promedia Verlag, Wien 2005 (Beitrag: Beten für den Ständestaat) mit Bruno Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch 2005
  • Gerechtigkeit - Allen alles oder jedem das Seine?, Verein Alltags Verlag, Wr. Neustadt 2006
  • Gleichheit - Fragen der Identität, Ähnlichkeit, Vielfalt und Differenz , Verein Alltag Verlag, Wr. Neustadt 2007
  • Jede andere Seite, 46 Kubinesken von Alfred Rossi begleitet von eben so vielen literarischen Assoziationen, Hrsg. Helmuth A. Niederle, mit Beiträgen von Michael Amon, Marianne Gruber, Gerhard Jaschke, Konstantin Kaiser, Ulrike Längele u. a., plattXform Johannes Martinek Verlag, Wien 2009
  • Armut und Reichtum - Ungleiche Lebenslagen, -chancen, -stile und -welten in Österreich (Hrsg. Michael Rosecker und Sabine Schmitner), Verein Alltag Verlag, Wr. Neustadt 2011

Preise[Bearbeiten]

Im Laufe der Jahre erhielt Michael Amon verschiedene Preise, unter anderen den Peter-Altenberg-Preis, diverse Theaterpreise, den Feuilletonpreis der Tiroler Tageszeitung und den Bruno-Kreisky-Anerkennungspreis für das politische Buch 2005.

Sonstiges[Bearbeiten]

Seit 1998 ist Amon Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Kulturpolitik, einer Vorfeldorganisation der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ). Seit August 2011 ist er Schatzmeister des Österreichischen P. E. N.-Zentrums (Österreichischer P.E.N. Club), um gemeinsam mit dem neuen Vorstand den P.E.N. nach dessen Konkurs/Ausgleich im Jahr 2010 neu aufzustellen.

Nach schweren Differenzen mit der Vorstandsmehrheit über die inhaltliche Ausrichtung des P.E.N. (Amon kritisierte die enge Bindung des österreichischen P.E.N. und einiger seiner Funktionäre an die Konfuzius-Institute und die damit einhergehende relativierende Haltung gegenüber chinesischen Dissidenten), aber auch die Form der Führung (Vorwurf: Präsidialdikatur, Ignorierung der Statuten) und die finanzielle Gestion, legte Amon seine Funktionen im September 2013 zurück und trat aus dem österreichischen P.E.N. aus. Dies tat im August 2013 wegen ähnlicher Kritik bereits die 2011 gewählte Generalsekretärin Susanne Scholl (Journalistin), früher: ORF-Moskau. Siehe einen Kommentar in der Wiener Tageszeitung Die Presse vom 20. September 2013: http://diepresse.com/home/meinung/gastkommentar/1454874/PEN-Oesterreich_Praesidiale-Willkuer-statt-Statuten

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]