Konfuzius-Institut

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Basislogo der Konfuzius-Institute

Die Konfuzius-Institute (chinesisch 孔子學院 / 孔子学院Pinyin Kǒngzǐ xuéyuàn) sind Einrichtungen zur Förderung der Kenntnisse der chinesische Kultur und Sprache im Ausland. Sie werden vom Büro für chinesische Sprachausbildung (Hanban) in derzeit über 100 Ländern gemeinsam mit lokalen Partnern betrieben. Wegen einer vermuteten politischen Einflussnahme auf die Darstellung sensibler Themen (wie die Lage der nationalen Minderheiten in China, die Menschenrechte und den Umgang mit abweichenden politischen Meinungen) sind die Konfuzius-Institute nicht unumstritten. Eine Gleichsetzung mit Kulturinstituten anderer Länder (wie dem deutschen Goethe-Institut) ist daher nicht ohne Weiteres möglich.

Die Institute[Bearbeiten]

Aufgabe[Bearbeiten]

Das Konfuzius-Institut organisiert Sprachkurse für Anfänger, Fortgeschrittene, Kinder und Senioren. Hinzu kommen Seminare, Vorträge und Workshops zur chinesischen Kultur über Literatur, Philosophie, Kalligraphie, Medizin oder die chinesische Küche.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Initiative zur Gründung der Institute kam vom ehemaligen chinesischen Botschafter in Berlin, Lu Qiutian. Das erste Institut wurde im November 2004 in Seoul gegründet. 2006 gab es 121 Konfuzius-Institute und Konfuzius-Hörsäle in 55 Ländern. Im Dezember 2012 waren es bereits 398 Institute in 108 Ländern. Heute lernen etwa 30 Millionen Nichtchinesen die chinesische Sprache, in Deutschland etwa 10.000, unter anderem an den Konfuzius-Instituten. Bei der Gründung der Institute wird auf die bestehende Infrastruktur der Gastländer zurückgegriffen, wie Hochschulen, Verbänden oder Handelskammern.

Institute in Deutschland[Bearbeiten]

In Deutschland wurden die ersten Institute in Berlin und Nürnberg in den Räumen der Freie Universität Berlin und der Universität Erlangen-Nürnberg im April bzw. Mai 2006 eröffnet. Das Konfuzius-Institut an der Heinrich-Heine-Universität, Düsseldorf, begann am 6. Dezember 2006 seine Arbeit. Im April 2007 wurde das Konfuzius-Institut Hannover als Kooperationsprojekt zwischen der Tongji-Universität in Shanghai und dem Chinesischen Zentrum, Hannover e.V. gegründet. Es bleibt bislang auch das einzige Institut in Deutschland, die nicht auf der Basis einer vorhandenen Hochschulzusammenarbeit funktioniert und beschränkt sich somit auch nicht auf den Hochschulbereich. Im September 2007 startete das Konfuzius Institut Frankfurt mit einem vielfältigen Programm. Das Frankfurter Institut hat sein Kursprogramm insbesondere auf Manager und Wirtschaftsvertreter ausgerichtet. Das Institut an der Universität Hamburg wurde am 20. September 2007 eröffnet.[2] Am 5. November 2007 öffnete die Confucius Class, das Chinesische Sprach- und Kulturinstitut München seine Pforten. Weiterhin gibt es Konfuzius-Institute am Chinesischen Zentrum Hannover (seit 24. April 2007), an der Universität Leipzig (seit 9. April 2008) und der Universität Trier (seit 29. Oktober 2008). Am 6. November 2009 wurde in Duisburg das Konfuzius-Institut Metropole Ruhr eröffnet, das an der Universität Duisburg-Essen angesiedelt ist. Am 20. April wurde das neue Konfuzius-Institut an der Universität Heidelberg offiziell eröffnet. Heidelberg ist damit das zehnte Institut in Deutschland. Das Konfuzius-Institut an der Universität Freiburg ist ein eingetragener gemeinnütziger Verein, der im Jahr 2009 in Kooperation mit der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg gegründet wurde.

Finanzierung[Bearbeiten]

Finanziert werden die Institute jeweils zur Hälfte vom Gastland und von China; in den Ländern der Dritten Welt werden sie vollständig von der chinesischen Volksrepublik übernommen.

Kritik[Bearbeiten]

Regierungen, Dozenten und Journalisten bewerten die Konfuzius-Institute uneinheitlich. Mitglieder des schwedischen Parlaments haben ihre Sorge darüber ausgedrückt, dass die Institute als Plattform für die Kommunistische Chinesische Partei dienen können.[3] In einem Bericht des kanadischen Geheimdienstes heißt es: „Beijing ist losgezogen, die Herzen und Köpfe der Menschen zu gewinnen, nicht nur im ökonomischen Bereich, um dadurch seine Macht zu zementieren.“[4]

Die indische Regierung wies die Idee zurück, Konfuzius-Institute in Schulen einzurichten und nannte sie „einen chinesischen Entwurf, zum Ausbau der weichen Macht. [Hierdurch würde] der Einfluß ausgeweitet, indem Kultur als Mittel zur Verbreitung genutzt wird.“[5][6] Bei den Verhandlungen mit der Universität Sydney zur Gründung eines Konfuzius-Instituts haben einige Professoren dort verlangt, es vom Fachbereich Sinologie zu trennen. Jocelyn Chey, dortige Gastprofessorin und ehemalige Diplomatin, kritisierte es als “as a propaganda vehicle for the Chinese communist party, and not a counterpart to the Goethe Institute or Alliance Française (Jocelyn Chey[7], deutsch: „Propaganda-Vehikel für die Kommunistische Partei Chinas, das nicht als Gegenstück des Goethe-Instituts oder der Alliance Française mißverstanden werden darf“).

Die Fakultät an der Universität von Pennsylvania hat entschieden, dass akademische Freiheit die Vorteile des Konfuzius-Institutes überwiege. G. Cameron Hurst III erklärte, „Wir hielten es generell für unangemessen. Wir vertrauen vollkommen auf die Lehrkräfte, die wir hier ausbilden und wollten keine Einmischung in unser Curriculum“.[8]

Die Vorsitzende eines rund 80.000 Schüler umfassenden amerikanischen Schuldistriktes haben sich gegen die Einrichtung eines Konfuzius-Institutes ausgesprochen. Das wurde von der Geschichtslehrerin Jane Shults als Jingoismus und Xenophobie kritisiert.[9]

Die Asia Times Online kritisiert das ambivalente Verhältnis zwischen der Kommunistischen Partei Chinas und Konfuzius und fragt sich, warum die Institute seinen Namen tragen. Sei unter Mao Zedong Konfuzius noch als „feudalistisch“ verworfen worden, so werde er jetzt wieder neu entdeckt, diene aber im Konfuzianismus des 21. Jahrhunderts als „Assistent für den chinesischen Gott des Geldes (sc. Cai Shen) und als Repräsentant der chinesischen Diplomatie“.[10] Der Economist stellt fest, „Mao schmähte Konfuzius als Symbol des rückwärtsgewandten vor-kommunistischen China. Jetzt wurde der Philosoph, der im 6. Jahrhundert vor unserer Zeit lebte, wiederentdeckt als Verkünder von Frieden und Harmonie: Genau so wie auch Hu Jintao gerne gesehen werden möchte. Li Changchun, ein Funktionär der Partei, beschrieb die Institute als 'wichtigen Teil der chinesischen Übersee-Propaganda'.“[11]

Die NZZ Online begrüßt „[die] Existenz der Konfuzius-Institute – sie sind Chinas Teil zum Pluralismus der Weltkulturen. Doch müssten den ausländischen Partnern grössere Mitgestaltungsmöglichkeiten eingeräumt werden. Ein Konfuzianisierungsprozess müsste in den Instituten selbst beginnen. Es gibt Zeichen, dass manche Partner im Ausland eine opportunistische Haltung gegenüber China einnehmen, aber es gibt – Gott sei Dank – auch ausländische Intellektuelle, die versuchen, mehr positive Dynamik ins Institutsleben zu bringen.“[12]

Als der chinesische Menschenrechtler Liu Xiaobo im Jahr 2010 den Friedensnobelpreis bekam, wurde dies von den meisten deutschen Konfuzius-Instituten bewusst ignoriert und nicht gefeiert.[13] Generell sei es schwierig, in den Instituten Themen wie Tibet, Taiwan und den Nobelpreis 2010 anzusprechen.[14]

Der Sinologe Michael Lackner sieht bei manchen deutschen Fachkollegen vorauseilenden Gehorsam. Die Konfuzius-Institute sind für ihn die legitime Soft Power Chinas; er selbst sitzt im Vorstand des Erlanger Instituts. Er habe nicht den Eindruck, dass die Volksrepublik China Einfluss nehme. Natürlich seien diese Institute nicht für Kritik an China da; diese Freiheit nehme er sich lieber an seiner Fakultät am gleichen Ort. Heiner Roetz von der Ruhr-Universität Bochum will dagegen lieber kein „chinesisches U-Boot“ an seiner Fakultät haben.[15]

Professorin June Teufel Dreyer, die an der University of Miami Chinesische Politik und Außenpolitik lehrt, machte darauf aufmerksam, dass in einem autoritärem Staat wie China die meisten Projekte eine politische Agenda hätten. So könne etwa bei der Verwendung von Chinesisch-Lehrbüchern die Sprachvermittlung nicht von den Inhalten losgelöst betrachtet werden; sie seien nun einmal von der Kommunistischen Partei vorgegeben.[16]

Im Juni 2014 hat die Amerikanische Vereinigung der Universitätsprofessoren (AAUP) alle US-Universitäten dazu aufgefordert, sich für die akademische Freiheit einzusetzen indem diese die Arbeit mit den Konfuzius-Instituten einstellen oder grundlegend neu verhandeln.[17] Die Professoren-Vereinigung kommt zu dem Urteil, dass die Konfuzius-Institute durch ihr Recht auf Berufung von Dozenten und das Vorschreiben von Lehrplänen die Integrität und Unhabhängigkeit der Universitäten untergraben hat.[18] Damit folgt die AAUP anderen Institutionen wie etwa der Kanadische Vereinigung der Hochschullehrer. Konkret wird immer wieder die Einschränkung der Lehrpläne kritisiert (Tibet und der Dalai Lama dürfen nicht behandelt werden) sowie die restriktive Auswahl von Lehrkräften, welche den Vorschriften der Institute entsprechen würden.[19]

Durch die Kritik in den USA haben die Probleme 2014 auch in Deutschland wieder an Aufmerksamkeit gewonnen: "Wir erleben das in sehr vielen Konfuzius-Instituten, dass systematisch eigentlich alle heiklen Punkte ausgeblendet werden. Und dazu zählen natürlich auch Probleme wie die Tibetfrage. Wie steht es um die Gewalt im Nordwesten Chinas? Wie steht es um das sehr breite Engagement von der Zivilgesellschaft? Diese Fragen gehören einfach dazu, wenn man ein realistisches Bild der Volksrepublik China entwickeln will.", kritisiert Ulrich Delius, Asienreferent des Instituts für bedrohte Völker in Göttingen.[20]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

  • Offizielle Website (deutsch)
  • Vera Sprothen, Frank Sieren: Freundlicher Drache Konfuziusinstitute. Im Zuge einer Kulturkampagne überzieht China den Globus mit Sprachschulen. Jetzt starten die ersten Konfuziusinstitute in Deutschland. (Wirtschaftswoche 16/2006)
  • Erste Konferenz der Konfuzius-Institute (China.org.cn / Botschaft der Volksrepublik China in der Bundesrepublik Deutschland, 6. Juli 2006)
  • 3sat, Kulturzeit - Fernöstliche Charmeoffensive? China will Konfuzius-Institute in Deutschland etablieren (Bericht vom 4. Juli 2007)
  • Falk Hartig Wie Konfuzius Europa erobert China geht auch in der Auswärtigen Kulturpolitik eigene Wege: bei der Gründung neuer Kulturinstitute setzt das Reich der Mitte auf die Anpassungsfähigkeit der Europäer (KULTURAUSTAUSCH III/2007)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Konfuzius-Institut Nürnberg: Wir über uns Onlinefassung
  2. Konfuzius-Institut Hamburg, Über uns [1]
  3. Riksdagens snabbprotokoll 2007/08:46 (in Schwedisch)
  4. „Beijing is out to win the world's hearts and minds, not just its economic markets, as a means of cementing power.“ CSIS say: Confucius part of Chinese bid to win over western hearts, The Chronicle, 27. Mai 2007.
  5. No Chinese in India, says government news, Domain-b, 8. Oktober 2009.
  6. How to be a cultural superpower, Times of India, 22. November 2009.
  7. „Confucius deal close despite concerns“, The Australian, 22. August 2007.
  8. China expands language institutes at US colleges, Christine Armario, Associated Press, 30. Oktober 2009.
  9. Der Schul-Distrikt heißt Hacienda La Puente Unified School District.Chinese government classroom grant divides S. Calif. community suspicious of motivation, Associated Press, 24. April 2010.
  10. Confucianism a vital string in China's bow, Jian Junbo, Asia Times Online, 9. Oktober 2009.
  11. A message from Confucius; New ways of projecting soft power, Economist.com, 22. Oktober 2009.
  12. NZZ Online, 26. Februar 2010 [2]
  13. http://www.europeonline-magazine.eu/chinesische-kulturinstitute-ignorieren-nobelpreis_99109.html
  14. Nach einer DPA-Meldung im Greenpeace Magazin Nachricht vom 8. Dezember 2010, 15:48; in Chinesisch bei der Deutschen Welle.
  15. Sueddeutsche Zeitung, Nr. 286 vom 10. Dezember 2010, S. 15, unter dem Titel „Die Chinaversteher“. online
  16. Miami Herald vom 13. Mai 2010.
  17. http://sinosphere.blogs.nytimes.com/2014/06/17/u-s-professors-call-on-colleges-to-re-evaluate-confucius-institutes/?module=BlogPost-Title&version=Blog%20Main&contentCollection=World&action=Click&pgtype=Blogs&region=Body
  18. http://www.aaup.org/report/partnerships-foreign-governments-case-confucius-institutes
  19. http://sinosphere.blogs.nytimes.com/2014/06/17/u-s-professors-call-on-colleges-to-re-evaluate-confucius-institutes/?module=BlogPost-Title&version=Blog%20Main&contentCollection=World&action=Click&pgtype=Blogs&region=Body
  20. http://www.deutschlandfunk.de/chinesische-forschung-konfuzius-institute-auf-dem-pruefstand.680.de.html?dram:article_id=291511