Midnight – Enthüllung um Mitternacht

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Filmdaten
Deutscher Titel Midnight – Enthüllung um Mitternacht
Originaltitel Midnight
Produktionsland USA
Originalsprache Englisch
Erscheinungsjahr 1939
Länge 92 Minuten
Stab
Regie Mitchell Leisen
Drehbuch Charles Brackett
Billy Wilder
Produktion Arthur Hornblow, Jr. für Paramount Pictures
Musik Frederick Hollander
Kamera Charles Lang
Schnitt Doane Harrison
Besetzung

Midnight – Enthüllung um Mitternacht (OT: Midnight) ist eine Screwball-Comedy mit Claudette Colbert unter der Regie von Mitchell Leisen aus dem Jahr 1939.

Handlung[Bearbeiten]

Eve Peabody, ein Showgirl aus Amerika, strandet völlig abgebrannt in Paris mit nichts weiter als ihrem Abendkleid. Der Zufall führt sie mit dem freundlichen Taxifahrer Tibor Czerny zusammen. Auf der Fahrt durch die Stadt verliebt sich Tibor in Eve, die jedoch auf der Suche nach einem reichen Ehemann ist. Sie läuft davon und landet geradewegs auf einer etwas steifen Galaveranstaltung, wo sie den exzentrischen Millionär Georges Flammarion trifft. Er bietet Eve eine beträchtliche Summe, wenn sie es schafft, seiner untreuen Frau Helene ihren Geliebten, den stadtbekannten Gigolo Jacques Picot auszuspannen. Georges verschafft Eve die falsche Identität einer Baronin Czerny und etabliert sie in einem luxuriösen Hotelappartement im Ritz. Der Plan, Jacque Picot zu verführen, soll an einem Wochenende auf dem Schloß der Flammarions durchgeführt werden. In der Zwischenzeit hat Tibor, der Eve nicht vergessen konnte, wieder Kontakt zu ihr aufgenommen. Gerade als Helene vor den versammelten Gästen Eve als Betrügerin entlarven will, erscheint völlig überraschend Tibor auf dem Fest, den Eve geistesgegenwärtig als Baron Czerny vorstellt. Gleichzeitig behauptet die vermeintliche Baronin Czerny, ihr Ehemann leide unter der Wahnvorstellung, ein Taxifahrer zu sein und seine Ehefrau ein amerikanisches Showgirl namens Eve. Die sich ergebenden Missverständnisse bringen Jacques dazu, um Eves Hand anzuhalten. Am Schluß der vielen weiteren Verwicklungen erkennt Eve, wie sehr sie in Wirklichkeit Tibor liebt.

Hintergrund[Bearbeiten]

Claudette Colbert war seit 1934 zum größten Kassenstar der Paramount aufgestiegen, vor allem dank zahlreicher Auftritte in romantischen Komödien. Insoweit war es für Mitchell Leisen ein Glücksfall, als Colbert schließlich die Hauptrolle in Midnight übernahm, nachdem die ursprünglich vorgesehene Barbara Stanwyck nicht rechtzeitig zum Drehbeginn zur Verfügung stand. Das Studio erhöhte darauf hin das Produktionsbudget auf über 1 Million US-Dollar und Leisen konnte damit einige der besten Nebendarsteller Hollywoods verpflichten.

Die Produktionsgeschichte von Midnight selber reichte bis in den Februar 1937, als zunächst Marlene Dietrich als Hauptdarstellerin und Fritz Lang als Regisseur angekündigt wurden. Etliche Veränderungen ergaben schließlich, dass Mitchell Leisen die Regie übernahm. Er war seit dem Erfolg von Mein Leben in Luxus mit Jean Arthur ein ausgewiesener Experte für romantische Komödien und kam zudem sehr gut mit Claudette Colbert aus. Die Dreharbeiten waren allerdings nicht unbedingt einfach. Zum einen bestand ein Problem darin, Mary Astors fortschreitende Schwangerschaft zu kaschieren. Daher ist die Schauspielerin nur selten in der Totalen zu sehen, sondern meist erscheint ihr Oberkörper, während der Unterleib hinter Requisiten verborgen bleibt. Zudem trägt Astor in einigen Szenen sehr weite Kleider oder locker sitzende Mäntel.

John Barrymore hatte nach jahrzehntelangem Alkoholmissbrauch massive Probleme, seine Dialoge zu behalten, weshalb Leisen sogenannte Cue Cards einsetzen musste. Der Text wurde auf große Pappscheiben geschrieben und außerhalb des Kamerabereichs vor dem Schauspieler hoch gehalten, so dass dieser den Text nur noch ablesen brauchte. Dazu kamen die bekannte Neurose von Claudette Colbert, die darauf bestand, nur ihre linke Gesichtshälfte im Profil aufnehmen zu lassen. Sämtliche Sets mussten auf diesen Umstand Rücksicht nehmen und entsprechend konstruiert werden. Don Ameche drehte parallel noch bei 20th Century Fox an der Filmbiographie Liebe und Leben des Telefonbauers A. Bell, daher musste Leisen in zwei Schichten drehen: zunächst nahm er alle Szene ohne Ameche auf, um dann, als dieser zur Verfügung stand, die restlichen Aufnahmen nachzuholen.

Die größten Probleme gab es jedoch zwischen Mitchell Leisen und den Drehbuchautoren Billy Wilder und Charles Brackett. Die beiden Autoren waren davon überzeugt, mit ihrem zweiten gemeinsamen Drehbuch eine perfekte Vorlage geliefert zu haben, die ohne weitere Änderungen zu verfilmen sei. Mitchell Leisen war jedoch anderer Ansicht und strich ständig an dem Entwurf herum. Bis an sein Lebensende hörte Billy Wilder nicht auf, Leisen dieses Vorgehen vorzuwerfen.

„Er hatte überhaupt keine Ahnung vom Szenenaufbau. Und es war ihm völlig gleichgültig. Alles, was er machte, war am Skript rumzudoktorn und unser Skript war nahezu perfekt!“[1]

Der Film war ein großer finanzieller Erfolg bei Publikum und Presse. Das Studio drehte 1946 ein Remake unter dem Titel "Masquerade in Mexico" mit Dorothy Lamour in der Colbert-Rolle und Ann Dvorak als Helene.

Kritiken[Bearbeiten]

Die New York Times befand, der Film sei :

„[...] eine der turbulentesten, fröhlichsten, witzigsten und frivolsten Komödien in einer langen Zeit. Die Regie von Mitchell Leisen erinnert auf wunderbare Weise an Lubitsch. Die Darstellerriege [..] ist eine der besten überhaupt. [..] Den größten Beitrag zu Erfolg leistet natürlich Miss Colbert. Sie hat einen superben Stil, Komödie zu spielen [...]“[2]

Das Lexikon des internationalen Films nannte den Film eine:

„[e]legante, vielschichtige Komödie der Irrungen und Verwirrungen mit ironischen Seitenhieben auf die bürgerliche Gesellschaft.“

Quellen und verwendete Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. He didn't know sh-t about construction. And he didn't care. All he did was he f-cked up the script and our scripts were damn near perfection!
  2. [...] one of the liveliest, gayest, wittiest and naughtiest comedies of a long hard season. Its direction, by Mitchell Leisen, is strikingly reminiscent of that of the old Lubitsch. Its cast [..] is in the best of spirits. [..] Most of the credit, of course, belongs to Miss Colbert. She has superb command of the comic style [...].