Mitchell Leisen

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Mitchell Leisen (* 6. Oktober 1898 in Menominee, Michigan, USA; † 28. Oktober 1972 in Woodland Hills, Kalifornien, USA) war ein amerikanischer Regisseur, Produzent und Kostümdesigner.

Karriere[Bearbeiten]

Leisen begann seine Karriere unter Cecil B. DeMille, mit dessen despotischer Art er als einer der wenigen bei Paramount gut zurechtkam. Als DeMille einmal eine ungewöhnliche Schabracke für einen Elefanten in einer Massenszene verlangte, fragte Leisen:

Wollen Sie sie sofort oder wollen Sie, dass alles richtig ist?

Nach einigen ersten Versuchen als Regisseur hatte er seinen Durchbruch 1935. Der Film Hands Across the Table machte aus Carole Lombard den größten weiblichen Star der Paramount nach Claudette Colbert und half Leisen, zum führenden Frauenregisseur des Studios zu werden. Besonders gut kam er mit Colbert aus, die er in Midnight – Enthüllung um Mitternacht zu einer ihrer besten Darstellungen brachte. Die Schauspielerin, bekannt für ihre Neurose, nur die linke Seite ihres Profils zu zeigen und auch sonst extrem um ihr Aussehen besorgt, bekam von Leisen in ästhetischen Fragen stets Recht, ansonsten jedoch fast kaum Regieanweisungen. Seine Philosophie:

Wenn eine Schauspielerin zufrieden ist, mit der Art, wie sie auf der Leinwand erscheint, dann kann sie sich von ganz allein auf die Rolle konzentrieren. Ich muss nur etwas nachhelfen.

Auch mit einer anderen Schauspielerin mit einer ganz bestimmten Schokoladenseite (diesmal die rechte) kam Leisen gut aus: Jean Arthur lieferte in Easy Living eine ihrer besten Leistungen und der Film selbst gilt als Klassiker der screwball comedy. Mitte der Vierziger drehte er zwei opulente Kostümstreifen: Der Pirat und die Dame mit Joan Fontaine als nobler Dame bei Tag und Piratenbraut bei Nacht. Solche Melodramen waren zeitgleich in England sehr populär. Phyllis Calvert spielte eine vergleichbare Rolle in Madonna of the Seven Moons und Margaret Lockwood hatte mit The Wicked Lady den größten finanziellen Erfolg ihre Laufbahn. Der andere Streifen war Kitty, eine Cinderellageschichte, die Paulette Goddard groß herausstellte.

Seine Version des Musicals Lady in the Dark von Kurt Weill wurden von den Kritikern trotz eines hohen Budgets und einiger gut inszenierten Nummern (besonders spektakulär die Traumsequenzen der Heldin, gespielt von Ginger Rogers) gemischt aufgenommen. Der Vergleich mit der Broadwayshow, in der Gertrude Lawrence und Danny Kaye wichtige Rollen hatten, fiel meist negativ aus. 1946 half er Olivia de Havilland, mit ihrer Darstellung einer ledigen Mutter in Mutterherz den Oscar zu gewinnen. Der Film war der erste Streifen nachdem de Havilland ihren langjährigen Rechtsstreit mit Warner Brothers bis vor den Obersten Gerichtshof der USA durchgefochten hatte. Die Schauspielerin gewann den Prozess.

Gegen Ende der Dekade hatte Leisen eine schöpferische Krise und mit Ausnahme des Streifen No Man of Her Own von 1950 waren seine Filme von minderer Qualität. Der Film präsentiert Barbara Stanwyck in einer typischen Joan Crawford Rolle: eine junge Frau verlässt ihren brutalen Liebhaber, nimmt nach einem Zugunglück die Identität einer Toten an und erlebt glückliche Stunden, bis die Wahrheit ans Licht kommt.

Leisen, der aus seiner Homosexualität nie einen Hehl gemacht hat, war zeitlebens eng mit Carole Lombard befreundet. Eine bekannte Anekdote, die unter anderen auch von Kenneth Anger in seiner Buch Hollywood Babylon zitiert wird, geht so: Clark Gable, der aktuelle Ehemann der Lombard, fragte sie eines Tages, warum sie mit fast jedem Mann in Hollywood befreundet sei, aber dem Anschein nach keine einzige Freundin habe. Lombard, bekannt für ihren Witz meinte trocken:

Ich habe zwei wunderbare Freundinnen: William Haines und Mitch Leisen.

Regiearbeiten (Auswahl)[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]