Neroberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Neroberg
Neroberg um 1900

Neroberg um 1900

Höhe 245 m ü. NN
Lage Wiesbaden, Hessen, Deutschland
Gebirge Taunus
Koordinaten 50° 5′ 55″ N, 8° 13′ 50″ O50.0986111111118.2305555555556245Koordinaten: 50° 5′ 55″ N, 8° 13′ 50″ O
Neroberg (Hessen)
Neroberg
Besonderheiten Russische Kirche, Bergbahn, Bergpark
Luftbild vom Neroberg im Jahr 2008

Der Neroberg (245 m ü. NN), früher auch Ersberg[1], ist der Hausberg der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden. Er ist ein beliebtes Ausflugsziel, das die Innenstadt am Schloßplatz um 130 m überragt. Die Bezeichnung „Neroberg“ als Anspielung auf die römische Vergangenheit ist eine Erfindung des 19. Jahrhunderts.

Russische Kirche[Bearbeiten]

Weithin sichtbar mit ihren fünf vergoldeten Kuppeln ist die russisch-orthodoxe Kirche, welche der nassauische Herzog Adolph 1847–1855 in russisch-byzantinischem Stil als Grabeskirche für seine verstorbene Ehefrau Elisabeth Michailowna (eine Nichte der Zaren Alexander I. und Nikolaus I.) erbauen ließ. Ganz in der Nähe befindet sich auch ein russischer Friedhof, auf dem zahlreiche Persönlichkeiten begraben sind, die sich in der Stadt niedergelassen hatten, als diese noch Weltkurstadt war. Der bekannteste hier Bestattete ist der Maler Alexej von Jawlensky (1865–1941).

Nerobergbahn[Bearbeiten]

Hauptartikel: Nerobergbahn

Auf den Neroberg führt vom Nerotal seit 1888 die Nerobergbahn herauf, eine mit Wasserballast betriebene Standseilbahn. Ihre beiden Wagen sind mit einem Stahlseil verbunden, das über ein nicht angetriebenes Umlenkrad in der Bergstation läuft. Der Tank des jeweils oben stehenden Wagens wird mit bis zu 7.000 Litern Wasser gefüllt. Bei der folgenden Talfahrt zieht der betankte Wagen den anderen den Berg hinauf. Das Gleis besteht aus drei Schienen, wovon die mittlere von beiden Fahrzeugen gemeinsam genutzt wird. In der Mitte zwischen den beiden Schienen des Fahrweges eines Fahrzeuges liegt jeweils eine Zahnstange. Beide Fahrzeuge begegnen sich in der Mitte der Strecke an einer Ausweichstelle, an der sich die Fahrwege der beiden Fahrzeuge teilen.

Die Geschwindigkeit liegt bei ca. 7,3 km/h und wird durch eine Handbremse reguliert, die über ein Zahnrad auf die jeweilige Zahnstange wirkt. Die Füllmenge des Tanks ist abhängig von der Anzahl der zu transportierenden Passagiere. An der Talstation wird der Wassertank geleert und das Wasser wieder auf den Berg gepumpt. Dies geschah ursprünglich mit einer von einer Dampfmaschine angetriebenen Pumpe. Heute erfolgt der Antrieb durch einen Elektromotor. Um Energie zu sparen, wird die Pumpe nur alle drei bis vier Tage betrieben.

Monopteros auf dem Neroberg
Turm

Bergpark[Bearbeiten]

Auf der Spitze des Nerobergs, unweit der Bergstation der Nerobergbahn, wurde bereits 1851 von Philipp Hoffmann ein kleiner Bergpark angelegt.

Monopteros[Bearbeiten]

Mittelpunkt ist ein von Philipp Hoffmann entworfener Monopteros, von dem man einen sehr guten Blick auf die Stadt hat. Seine Säulen gehörten ehemals zur Straßenbeleuchtung der Wilhelmstraße mittels Öllampen. Von Oktober 2010 bis August 2013 wurde er saniert.

Turm[Bearbeiten]

Das alte Neroberghotel, das ebenfalls im 19. Jahrhundert ganz in der Nähe errichtet wurde, fiel 1989 einem Brand zum Opfer. Übrig blieb nur der Turm, der 1993 renoviert wurde und heute ein Restaurant mit Gartenwirtschaft beherbergt.

Löwenterrasse und Ehrenmal[Bearbeiten]

Etwas unterhalb des Parks gibt es eine Aussichtsterrasse, die von zwei Steinlöwen flankiert wird. Diese gehören zu einem 1930 errichteten Ehrenmal für im Ersten Weltkrieg Gefallene des Füsilier-Regiments von Gersdorff (Kurhessisches) Nr. 80 und seiner Kriegstruppenteile. Von der Terrasse hat man einen Panoramablick auf den Weinberg, die Villen des Nerotals, der Stadt Wiesbaden bis nach Rheinhessen.

Opelbad auf dem Neroberg

Freizeiteinrichtungen[Bearbeiten]

  • Neben dem Turm wurde eine Erlebnismulde angelegt, in der im Sommer unter anderem der „Wiesbadener Impro-Theater-Sommer“ mit dem Improvisationstheater-Ensemble „Für Garderobe keine Haftung“ für Unterhaltung sorgt.
  • Direkt auf dem Neroberg befindet sich seit dem Juni 2006 der Kletterwald Neroberg. Der Hochseilgarten mit etwa 80 Kletterelementen wurde in den Baumbestand integriert. Der Kletterwald Neroberg besteht aus mehreren Parcours in unterschiedlichen Schwierigkeiten und Höhen.
  • Zwischen Bergpark und Russischer Kirche stiftete Wilhelm von Opel 1934 den Bau eines Freibades. Das in den klaren Linien des Neuen Bauens vom österreichischen Architekten Franz Schuster erbaute Opelbad gilt vor allem aufgrund seiner Lage als eines der schönsten in Deutschland.

Weinbau[Bearbeiten]

An dem nach Süden ausgerichteten Hang unterhalb dieser Terrasse und des Opelbades befindet sich ein 4,1 Hektar großer Weinberg, der Wiesbadener Neroberg. Hier wird auf steinigem Gneisboden mit Beimengungen von lehmigem Löß ausschließlich die Rebsorte Riesling angebaut. Die Weine werden als „fruchtig und würzig mit pikanter Säure“ bezeichnet. Die Weinlage des Nerobergs zählt ebenso wie diejenigen der Wiesbadener Vororte Dotzheim, Frauenstein, Schierstein und Kostheim zum Anbaugebiet Rheingau.

Als die Lage zum ersten Mal für den Weinbau gerodet wurde, hieß sie „Ersberg“ ("Der hintere Berg"), was im 17. Jahrhundert zu „Mersberg“ oder „Neresberg“ wurde. Seit 1900 gehört der Weinberg der Stadt, die es vom Staatsweingut erworben hatte. Seit dem 1. Oktober 2005 haben die Hessischen Staatsweingüter die Lage zurückgepachtet. Sie wird von der Weinbaudomäne Rauenthal aus bewirtschaftet.

Wiesbaden vom Neroberg, Panorama

Literatur[Bearbeiten]

  • G. Ulrich Großmann: Mittel- und Südhessen, Dumont Verlag, Köln 1995, ISBN 3-7701-2957-1 (S. 122-123)
  • Baedeker Wiesbaden Rheingau, Karl Baedeker GmbH, Ostfildern-Kemnat, 2001, ISBN 3879540764

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Neroberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Neroberg. In:  Heinrich August Pierer, Julius Löbe (Hrsg.): Universal-Lexikon der Gegenwart und Vergangenheit. 4. Auflage. Bd. 11, Altenburg 1860, S. 791 (online bei zeno.org).