Niwchen

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Giljak ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu gleichnamigen Schiffen siehe Liste von Schiffen mit dem Namen Giljak.
Niwche im traditionellen Rock aus „Isländer“-Seehundfell

Die Niwchen (historische russische Bezeichnung: Giljaken) zählen zu den indigenen Völkern des russischen Nordens, Sibiriens und des russischen Fernen Ostens. Laut Volkszählung 2002 beträgt die Zahl ihrer Angehörigen 5.162 Menschen. Die Hälfte von ihnen bewohnt den Norden der Insel Sachalin. Nach ihnen wurden mehrere Schiffe benannt.

Sprache[Bearbeiten]

Ihre Sprache, das Niwchische, gehört ebenso wie die korjakische und ketische Sprache zu den keine genetische Einheit bildenden paläosibirischen Sprachen, einer Gruppe von isolierten Sprachen Sibiriens. Die Sprache wurde in der Ära der Sowjetunion verschriftlicht. Der bekannteste niwchische Schriftsteller ist Tschuner Taksami.

Lebensweise[Bearbeiten]

Niwche im Rock aus Sattelrobbenfell

Ein Teil der Niwchen betreibt Rentierzucht mit saisonalem Wohnortwechsel, jedoch ohne Nomadismus. Die wichtigste Lebensgrundlage ist der Fischfang. Die früher bedeutsame Pelztierzucht ist durch den wirtschaftlichen Niedergang weitgehend zum Erliegen gelangt. Auch die Jagd auf Meeressäuger wird praktiziert.

Die größte Gefahr für das Überleben den Niwchen geht derzeit von den internationalen Ölkonzernen Exxon und Shell aus, die auf der Insel gewaltige Offshore-Ölförderprojekte errichten. Diese hatten schon mehrfach ein massenhaftes Fischsterben verursacht. Seit Beginn des Jahres 2005 haben die Niwchen daher gemeinsam mit anderen indigenen Völkern Sachalins mehrere gewaltfreie Protestwellen gegen die Ölkonzerne abgehalten.

Der gewählte Vertreter der Niwchen, Alexej Limanso, war 2005 als Gast des infoe e.V. zu Gast in Deutschland und den Niederlanden.

Areale Verbreitung und Verwandtschaft mit anderen Sprachfamilien[Bearbeiten]

Das Niwchische (oder Giljak) gehört wie das jenissejische Ketische, das Tschuktscho-Kamtschadalische, die tungusischen Sprachen und das Ainu zu den nordeurasiatischen Sprachen mit stetig schwindendem Verbreitungsgebiet und entsprechender ständiger Reduktion der Sprecherzahl. Juha Janhunen nimmt wie aufgrund der historisch besser dokumentierten benachbarten Sprachfamilien ableitbar an, dass in früherer Zeit Proto-Niwchisch auf dem Festland seinen Ursprung und eine weitere Verbreitung hatte. Erst später sei es dann dort abgedrängt und dabei auch Sachalin besiedelt worden, wo es dann wie Ainu gegenüber dem Japanischen in den klimatisch wenig günstigen Gebieten unter harten Lebensbedingungen unangefochten bis heute überleben konnte.

Niwchisch wird von Joseph Greenberg zu der von ihm vorgeschlagenen Makrofamilie „Eurasiatisch“ gezählt. Die Berechtigung dieser Makrofamilie wird unter Linguisten kontrovers diskutiert und mehrheitlich heute abgelehnt, wobei allerdings hauptsächlich die genetische Verwandtschaft zwischen Indogermanisch, Uralisch (inkl. Jukagirisch) und Altaisch im Vordergrund des Interesses steht und nur selten das im Vergleich dazu relativ wenig erforschte Niwchische. Allerdings sprechen sich auch frühere Vertreter einer Urverwandtschaft des Indogermanischen und des (ebenfalls hypothetischen) Uralo-Jukagirischen sowie von letzterem mit sibirischen Sprachen (außer dem Jenissejischen), wie Kortlandt 2004, allerdings nicht auf der Grundlage einer eingehenden Kenntnis der Sprache, für einen genetischen Zusammenhang des Niwchischen mit dem Eurasiatischen oder zumindest mit Teilen davon aus. Allerdings lässt sich Niwchisch deutlich von den umgebenden Sprachfamilien wie den Untergliederungen des (Makro-)Altaischen als eigenständige genetische Einheit abgrenzen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frederik Kortlandt: Nivkh as a Uralo-Siberian language. In: Fs. Rasmussen: Per aspera ad asteriscos. IBS, Innsbruck, 2004, S. 285-29
  • Anton Tschechov: Die Insel Sachalin, Diogenes Zürich 1976
  • Tschingis Aitmatov: Der Junge und das Meer, 1977

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Niwchen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien