Norman Podhoretz

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Norman Podhoretz (* 16. Januar 1930 in Brownsville, New York City) ist ein US-amerikanischer Intellektueller, der gemeinhin als einer der führenden Vertreter des Neokonservatismus in den USA angesehen wird. Er ist Sohn jüdischer Eltern, die aus Europa stammen.

Werdegang[Bearbeiten]

Podhoretz wuchs in Brownsville auf, einem multikulturell geprägten Viertel in Brooklyn, das vornehmlich von ärmeren Schichten bewohnt wird. Die Familie war linksgerichtet; seine Schwester war Mitglied einer sozialistischen Jugendbewegung.

Podhoretz erwarb den akademischen Grad eines Bachelors sowohl an der Columbia University (wo er u.a. bei Lionel Trilling studierte) als auch beim Jüdischen theologischen Seminar (Jewish Theological Seminary). Später erhielt er den BA erster Klasse und den Titel eines Master of Arts der University of Cambridge, England. Danach wurde er Redakteur des einflussreichen, zunächst (bis Ende der 1960er Jahre) eher liberalen, danach zusehends konservativen Commentary Magazine (USA) und löste 1960 Elliot Cohen als Chefredakteur ab; er leitete die von American Jewish Committee initiierte und finanzierte Zeitschrift bis zu seiner Pensionierung 1995. Derzeit (Stand: Januar 2007) fungiert er als Herausgeber des vielfach als Zentralorgan des Neokonservatismus erachteten politischen Magazins.

1963, auf dem Höhepunkt der Rassenunruhen in den Vereinigten Staaten, publizierte er den Essay My Negro Problem - And Ours („Mein Negerproblem - und unseres“), der große Aufmerksamkeit erregte.

Von 1981 bis 1987 diente Podhoretz der United States Information Agency als Berater. Von 1995 bis 2003 war er Senior-Fellow (etwa: leitender Wissenschaftler oder leitender Mitarbeiter) beim Hudson Institute, einer konservativen Denkfabrik in Croton-on-Hudson (New York). Zudem ist er Mitglied des Council on Foreign Relations.

Neben dem bereits erwähnten American Jewish Committee ist Podhoretz mit einer Reihe weiterer Organisationen verbunden:

Einfluss[Bearbeiten]

Norman Podhoretz gilt als sehr einflussreich. Mit seinem Buch The Present Danger über die Gefahr der Finnlandisierung der Vereinigten Staaten hat er die außenpolitischen Leitlinien Ronald Reagans geprägt. Sein Schwiegersohn ist der frühere stellvertretende Berater für Nationale Sicherheit der USA, Elliott Abrams, der als entschiedener Befürworter eines militärischen Vorgehens gegen den Iran gesehen wird. Abrams wurde nach der Iran-Contra-Affäre in den 1980er Jahren für schuldig befunden, dem Kongress Beweise vorenthalten zu haben. Podhoretz gab sich sicher, dass Präsident George W. Bush vor dem Ende seiner Amtszeit den Iran angreifen würde.[1] Podhoretz hatte Ende September 2007 ein Treffen mit Bush öffentlich gemacht. "Bei dem 45 Minuten langen Gespräch, das angeblich im offiziellen Dienstplan Bushs nicht auftauchte, habe Bush sehr aufmerksam den Argumenten Podhoretz’ für einen Luftschlag gegen Iran zugehört, ohne die eigene Präferenz festzulegen", hieß es in einem Bericht der "Welt". "Podhoretz’ Preisgabe des Gesprächs kurz vor dem Auftritt Ahmadinedschads an der New Yorker Columbia University wird mancherorts aber auch als eine indirekte Warnung an den Iran verstanden. Es sei sehr unüblich, ohne Einwilligung des Weißen Hauses über Termine mit Bush öffentlich zu reden." [2]

Seit Oktober 2007 ist Podhoretz auch außenpolitischer Berater [3] des früheren New Yorker Bürgermeisters Rudolph Giuliani, der sich als Präsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei bewarb.[4]

Familiäres[Bearbeiten]

Norman Podhoretz ist mit der Autorin Midge Decter verheiratet (Stand: 2005). Er ist der Vater des syndizierten Kolumnisten John Podhoretz.

Auszeichnungen[Bearbeiten]

2004 verlieh ihm George W. Bush die Presidential Medal of Freedom, die höchste vom Präsidenten zu vergebende Auszeichnung für einen Zivilisten in den USA.

Siehe auch[Bearbeiten]

Publikationen[Bearbeiten]

Deutsch:

  • Der Riese taumelt. Amerika in der Bewährung. Busse-Seewald Verlag, 1984. ISBN 3-512-00620-5

Literatur[Bearbeiten]

  • Thomas L. Jeffers: Norman Podhoretz : a biography, Cambridge [u.a.] : Cambridge Univ. Press, 2010, ISBN 978-0-521-19814-1

Weblinks[Bearbeiten]

Kommentare[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Tim Shipman: Neocons seek to justify action against Teheran ("Sunday Telegraph", 30. September 2007)
  2. Torsten Krauel: Strategie: USA wollen die Revolutionswächter treffen (Welt Online, 1. Oktober 2007)
  3. Toby Harnden: We must bomb Iran, says US Republican guru ("Daily Telegraph", 27. Oktober 2007)
  4. Jörg Lau: Prophet des nächsten Weltkriegs ("Die Zeit", 25. Oktober 2007)

Anmerkung: Dieser Artikel ist im Wesentlichen eine Übersetzung des gleichnamigen Artikels der englischsprachigen Wikipedia.