Olympische Sommerspiele 1900/Rugby

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Rugby bei den
II. Olympischen Sommerspielen
Olympische Ringe
Rugby
Informationen
Teilnehmer: 47 Athleten
Datum: 14. Oktober-28. Oktober
Austragungsort: FrankreichFrankreich Vélodrome de Vincennes
Wettkampfort: Paris
Entscheidungen: 1
London 1908
Olympische Sommerspiele 1900
(Medaillenspiegel Rugby)
Platz Mannschaft Silbermedaillen Bronzemedaillen 3. Total
1 FrankreichFrankreich Frankreich 1 1
2 Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Deutsches Reich 1 1
3 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Großbritannien 1 1

Die in der französischen Hauptstadt Paris im Rahmen der Weltausstellung (Exposition Universelle et Internationale de Paris) ausgetragenen Internationalen Wettbewerbe für Leibesübungen und Sport (Concours Internationaux d’Exercices Physiques et de Sports) umfassten auch zwei Rugbyspiele. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) ordnete diese Spiele dem Programm der Olympischen Sommerspiele 1900 (Spiele der II. Olympiade) zu. Rugby, das bis 1863 eine gemeinsame Geschichte mit dem Fußball hatte, besaß damit in der frühen Geschichte der Olympischen Spiele eine Gleichstellung zum Fußball.

Mannschaften[Bearbeiten]

Die Leitung der Weltausstellung hatte drei Spiele zwischen der französischen Auswahl, sowie je einer Vereinsmannschaft aus Deutschland und dem Vereinigten Königreich vorgesehen, die jeweils gegeneinander antreten sollten.[1] Es handelte sich in den Überlegungen der Veranstalter aber nicht um ein Turnier, sondern um drei gleichrangige Spiele mit eigenen Siegern und Preisen. Zum für den 21. Oktober angesetzten Spiel gegen Deutschland konnten die Briten nicht rechtzeitig anreisen, so dass es nur zu zwei Partien kam.[1]

Mannschaftswettbewerbe waren zu jener Zeit allgemein als Wettkämpfe zwischen Vereins- oder Verbandsmannschaften ausgeschrieben. Diese vertraten in der Regel bei internationalen Wettbewerben das jeweilige Land, in dem der Verein oder Verband ansässig war. Das deutsche Team bestand hauptsächlich aus dem in Frankfurt am Main beheimateten Verein Fußballclub Frankfurt (später SC 1880 Frankfurt). Die Mannschaft wurde aber zusätzlich durch Hugo Betting vom FV Stuttgart 93 verstärkt, sowie durch August Schmierer, der nachdem er den Fußballclub Frankfurt im Jahr 1897 verlassen hatte inzwischen zum Vorstand des Cannstatter Fußball-Clubs gewählt wurde.[2] Aus Großbritannien reiste unter dem Namen Moseley Wanderers eine Auswahl von Spielern des Moseley RFC[3] und anderen Mannschaften aus den Midlands an.[4] Die Mannschaft des französischen Verbandes Union des Sociétés Françaises de Sports Athlétiques (USFSA) war tatsächlich ein Team, das dem heutigen Begriff einer Nationalmannschaft ähnelt. Es handelte sich um ein Auswahlteam mit Spielern aus den besten französischen Rugby-Vereinen.

Spiele[Bearbeiten]

Szene aus dem Spiel des deutschen (gestreiftes Trikot) gegen das französische (weißes Trikot) Team

Das Spiel der Franzosen gegen die deutsche Mannschaft fand am 14. Oktober und das gegen die Briten am 28. Oktober statt. Spielort für beide Partien war das Vélodrome Municipal auf dem Gelände der Weltausstellung in Vincennes. Gespielt wurde die am weitesten verbreitete Variante des Rugby Union, bei der eine Mannschaft aus 15 Spielern bestand.

Das Spiel Frankreich gegen Deutschland war nach Ansicht aller Beteiligten, sogar den französischen Zuschauern und der Presse, wegen unverständlicher Entscheidungen des Schiedsrichters, ein Skandal. Die Überlegenheit der deutschen Mannschaft drückte sich in der Führung zur Halbzeit aus. Je länger das Spiel dauerte, desto unbegreiflicher pfiff der französische Unparteiische, Monsieur Potter. Einen Vorschlag der Deutschen vor dem Spiel, einen englischen Schiedsrichter zu benennen, wurde zurückgewiesen. So bleibt der Verdacht der Parteinahme unausgeräumt. 3500 Zuschauer verfolgten die Partie.

Spielaufstellung Moseley Wanderers (falsch als Mooseley Wanderers bezeichnet) gegen Frankreich

Das zweite Spiel wurde vom selben Schiedsrichter geleitet, auf dem nun der Schatten des ersten Spiels lastete. Jedoch war dieses Spiel frei von jeglicher Parteinahme; zu überlegen war die französische Mannschaft und es gab ein klares Ergebnis. Die Briten waren jedoch erst in der Nacht vor den Spiel nach Frankreich gereist - einige Spieler waren noch am Vortag bei einem Heimspiel eingesetzt worden und somit vollkommen erschöpft. Mit 6.000 Zuschauern war das Spiel Frankreich-England das meistbesuchte Sportereignis der gesamten olympischen Spiele 1900.[1]

14. Oktober FrankreichFrankreich U.S.F.S.A. - Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich Fußballclub Frankfurt 27:17 (5:14)
28. Oktober FrankreichFrankreich U.S.F.S.A. - Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland Moseley Wanderers 27:8 (?:?)

Männer[Bearbeiten]

Trotz des fehlenden Charakters eines Turnieres hat das IOC nachträglich eine Endplatzierung festgelegt und eine Zuteilung der Medaillenränge vorgenommen, die sich, wie dargestellt, auch im Medaillenspiegel niederschlägt. Durch das nicht zustande gekommene Spiel zwischen den Briten und Deutschland wurde beiden Mannschaften der zweite Platz zugewiesen.

Platz Land Athleten
1 FrankreichFrankreich FRA U.S.F.S.A.
Vladimir Aïtoff, A. Albert, Léon Binoche, Jean Collas, Jean-Guy Gautier, Auguste Giroux, Charles Gondouin, Constantin Henriquez de Zubiera, J. Hervé, Victor Larchandet, Hubert Lefèbvre, Joseph Olivier, Alexandre Pharamond, Frantz Reichel, André Rischmann, Albert Roosevelt, Emile Sarrade
2 Deutsches ReichDeutsches Kaiserreich GER Fußballclub Frankfurt
Albert Amrhein, Hugo Betting1, Jacob Herrmann, Willy Hofmeister, Hermann Kreutzer, Arnold Landvoigt, Hans Latscha, Erich Ludwig, Richard Ludwig, Fritz Müller, Eduard Poppe, Heinrich Reitz, August Schmierer2, Adolf Stockhausen, Georg Wenderoth
2 Vereinigtes Konigreich 1801Vereinigtes Königreich Großbritannien und Irland GBR Moseley Wanderers
F. C. Baylis, J. Henry Birtles, James Cantion, Arthur Darby, Clement P. Deykin, L. Hood, M. L. Logan, H. A. Loveitt, Herbert S. Nicol, V. Smith, M. W. Talbot, J. G. Wallis, Claude Whittindale, Raymond Whittindale, Francis Henry Wilson

Die Franzosen Collas, Gondouin, Henriquez de Zubiera und Sarrade stellten zwei Drittel der französischen Mannschaft dar, die am Wettbewerb im Tauziehen teilnahm.

Das deutsche Team aus Frankfurt
v.l.n.r. oben: Beiler (Ersatz), Poppe, R. Ludwig, Hofmeister, Latscha, Müller, Wenderoth, Stockhausen, Kreuzer
mitte: E. Ludwig, Reitz, Amrhein, Landvoigt, Herrmann
unten: Betting, unbekannt, Schmierer


1 Hugo Betting gehörte nicht dem Fußballclub Frankfurt, sondern dem FV Stuttgart 93 an.
2 August Schmierer hatte den Fußballclub Frankfurt inzwischen verlassen und war Vorstand des Cannstatter Fußball-Clubs

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Ian Buchanan: Rugby Football at the Olympic Games, In: Journal of Olympic History, Vol.1, No 1, Spring 1997, S. 12ff, S. 12f (pdf).
  2. Philipp Heineken: Erinnerungen an den Cannstatter Fussball-Club. Verlag Hermann Meister, Heidelberg 1930. S. 86 f.
  3. Vereinsgeschichte auf der Website des Moseley RFC
  4. Rugby and the Olympics auf der Website des International Rugby Board