Geschichte des Fußballs

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Die Geschichte des modernen Fußballs beginnt im Wesentlichen im England der frühen Industrialisierung. Frühere Treibballspiele, auf die auch Rugby und andere Ballspiele zurückgeführt werden, gibt es dagegen schon länger.

Anfänge des Fußballspiels[Bearbeiten]

Fußballspieler aus einem Wandbild in Tepantitla bei Teotihuacán (ca. 6. Jh.)

Es gibt unterschiedliche und viele Überlieferungen über die Anfänge des Fußballspieles. Schon etwa im 3. Jahrhundert v. Chr. wurde in China ein fußballähnliches Spiel mit dem Namen Cuju (Ts’uh-küh) ausgetragen. Von den damaligen Regeln dieses Spieles ist nichts bekannt; es gilt jedoch als sicher, dass dieses Spiel als militärisches Ausbildungsprogramm durchgeführt wurde. Im Laufe der Zhou-Dynastie breitete sich das Sportspiel auch im Volke aus und man versuchte mit strengeren Regeln Gewalt und Ruppigkeiten zu verhindern. Der Ball war aus Lederstücken zusammengenäht und mit Federn und Tierhaaren ausgestopft. Das Fußballspiel wurde in der Qin bis zur Sui-Dynastie immer beliebter. Neueste Forschungen ergaben, dass bis ca. 600 n. Chr. Zu Qiu sogar Nationalsport gewesen ist und es damals schon eine Profiliga gegeben haben könnte. In diesen Jahren wurde ein luftgefüllter Ball erfunden und Fußballregeln (Tore, Torhüter und Spielführer) festgehalten. Etwa 100 Jahre später geriet das Ballspiel wieder völlig in Vergessenheit und hat keinerlei Bezug zur Entstehung des modernen Fußballspiels.

Auch in den präkolumbischen Kulturen Mesoamerikas wurde das Ballspiel als kultisch-religiöse, aber auch als Freizeitbeschäftigung betrieben. Der vollrunde Ball bestand aus Kautschuk, war meist mehrere Kilogramm schwer und sprang demzufolge nach dem Aufprall weiter. Auch hier ist über die Regeln nur wenig bekannt; beim rituellen Ballspiel scheint das Berühren des Balles mit den Füßen nicht erlaubt gewesen zu sein – beim reinen Freizeitvergnügen war dies wohl anders. Das mesoamerikanische Ballspiel hat jedenfalls großen Einfluss auf die weitere Entwicklung europäischer Ballspiele ausgeübt.

Im 17. Jahrhundert wurde in Florenz eine Art Fußball gespielt

In der frühen Neuzeit wurde in England Fußball gespielt, indem zwei Dörfer versuchten, einen Ball in das gegnerische Stadttor zu befördern. Dabei war alles erlaubt, schlimme Verletzungen kamen häufig vor. Das „Spielfeld“ lag immer zwischen zwei Dörfern, selbst wenn diese mehrere Kilometer auseinander lagen. Diese Spiele waren äußerst brutal und wurden deshalb von Kirche und Krone mehrere Male verboten, weshalb ihre Bedeutung nach der Industriellen Revolution Anfang des 19. Jahrhunderts immer mehr zurückging.

Obwohl England als das Mutterland des Fußballs gilt, gab es auch schon in Frankreich und Italien mit dem Treibballspiel verwandte Kampfspiele. Seit dem 15. Jahrhundert wurde in Florenz der Calcio Storico praktiziert, eine Art Fußballspiel, bei dem es recht rüde zugehen konnte.

Entstehung des modernen Fußballspiels[Bearbeiten]

Zur gleichen Zeit, als die Bedeutung des Fußballspiels als Freizeitbeschäftigung der Landbevölkerung zurückging, wurde an englischen Privatschulen und Universitäten (beispielsweise Rugby School (Rugby), Cheltenham School (Cheltenham), Marlborough School (Woodstock, Oxfordshire), Eton College (Eton, Berkshire), Harrow School (London), Westminster School (London), Charterhouse School (Godalming, Surrey), Shrewsbury School (Shrewsbury)) Fußball zur „Leibesertüchtigung“ immer populärer. Allerdings waren die Regeln alles andere als einheitlich, was lange verhinderte, dass Fußballmannschaften verschiedener Universitäten gegeneinander antreten konnten. 1848 verfassten Studenten der Universität Cambridge die ersten Fußballregeln. Danach bestand eine Mannschaft aus 15 bis 20 Spielern. 1857 wurde der erste Fußballklub der Welt, der FC Sheffield, gegründet. England gilt vor allem deshalb heute als Mutterland des Fußballs, weil 1863 in London die Football Association (FA) gegründet wurde und das umfangreiche Regelwerk die Entwicklung des gesamten Fußballs förderte. 1866 wurde die Abseitsregel modifiziert: Ein Spieler befand sich nur noch dann im Abseits, wenn er bei der Ballannahme weniger als drei Gegner vor sich hatte. Im Sheffield Code wurden Eckball und Freistoß eingeführt. 1870 begrenzte die FA die Zahl der Spieler auf elf. Ein Jahr später verbot der englische Fußballverband allen Feldspielern das Handspiel (davor war der sog. Fair Catch erlaubt). Nur der Torwart durfte noch den Ball in der eigenen Hälfte mit der Hand spielen, hatte ihn aber nach zwei Schritten wieder freizugeben. Damit wurde erstmals das Fußballspiel vom damals weit verbreiteten Rugby Football abgegrenzt.

Mit diesen Festlegungen und der Umsetzung gebührt den Engländern der Ruhm, das heutige Fußballspiel erfunden zu haben.

Das erste Länderspiel fand im Jahre 1872 statt (Pressezeichnung)

1872 legte die englische Association eine einheitliche Ballgröße fest. Am 30. November 1872 standen sich auf dem Hamilton Crescent bei Glasgow eine schottische und eine von Cuthbert Ottaway angeführte englische Auswahl gegenüber – das erste offizielle Länderspiel im Fußball endete torlos 0:0. Im selben Jahr wurde mit dem FA-Cup der erste nationale Fußballwettbewerb eingeführt.

Zwei Jahre später kam der Fußballschiedsrichter hinzu, der das Spiel als Unparteiischer leitete. In den folgenden Jahren wurden die Regeln konkretisiert und erweitert: Die Querlattenunterkante in 2,44 m (8 feet) Höhe wurde als obere Begrenzung des Tores festgelegt und eine Halbzeitpause mit Seitenwechsel eingeführt (1875). Der Schiedsrichter durfte einen Platzverweis erteilen (1877) und der Freistoß wurde als Strafe für ein Vergehen definiert (1880). Damit der Schiedsrichter sich besser gegen die Spieler durchsetzen konnte, verwendeten Unparteiische, erstmals 1878 in Nottingham, eine Trillerpfeife. Ab 1882 war der Einwurf mit beiden Händen erlaubt. Im Jahr darauf erhielt der Schiedsrichter alleinige Entscheidungsbefugnis und zur Unterstützung zwei Linienrichter (Schiedsrichter-Assistenten). Das Tornetz (1890), der Strafstoß (1891), die Abstufung des Strafkataloges für ein vorsätzliches und absichtliches Foulspiel (1897) sowie die Verlängerung (1897) wurden noch vor der Jahrhundertwende ins Regelwerk übernommen.

1878 fand das erste Spiel bei elektrischer Beleuchtung (durch sog. Flutlichter) in Sheffield auf dem Bramall-Lane-Platz statt. 1888 wurde die erste Fußballliga in England gegründet, erster Meister war Preston North End. 1899 wurde in England der bezahlte Vereinswechsel erlaubt, vorerst zu einem Höchstbetrag von 10 Pfund.

Einführung des Fußballs in Kontinentaleuropa[Bearbeiten]

Schweiz als Vorreiter[Bearbeiten]

FC St. Gallen im Jahr 1881

Im Kontinentaleuropa konnte sich der Fußball vor allem in der Schweiz durchsetzen. In der Genferseeregion wurde von Engländern, die an dortigen Privatschulen studierten, in den 1860er-Jahren der Fußball eingeführt. Der vermutlich älteste Schweizer Verein war der Lausanne Football and Cricket Club, der 1860 gegründet wurde. Der älteste noch bestehende Schweizer Klub, der 1879 ebenfalls von englischen Studenten gegründete FC St. Gallen, spielte anschließend eine zentrale Rolle bei administrativen Fragen rund um den Fußball.

Von der Schweiz aus wurde der Fußball in die umliegenden Länder exportiert: Der von Schweizern gegründete Stade Helvétique Marseille wurde 1909 französischer Meister; die Mannschaft bestand aus zehn Schweizern und einem Engländer. Der FC Barcelona wiederum wurde von Hans Gamper gegründet. Da der nationalistisch orientierte Milan Cricket and Football Club keine Ausländer akzeptierte, wurde von Schweizern und Italienern der Verein Inter Mailand gegründet.

1895 formierten elf Schweizer Klubs den Schweizerischen Fussballverband. Dieser trug die erste Schweizer Meisterschaft in der Saison 1897/98 unter dem Sponsor «La Suisse Sportive», einer welschen Sportzeitung, aus.

Im Kontinentaleuropa spielte auch Dänemark eine Vorreiterrolle.

Der Fußball kommt nach Deutschland[Bearbeiten]

Ein Fußballteam in der Preußischen Hauptkadettenanstalt, 1900

1874 wurde das Fußballspiel erstmals in Deutschland von Konrad Koch eingeführt, einem Lehrer am Gymnasium Martino-Katharineum in Braunschweig. Ziel war die Pflege der ethischen Tugenden sowie die Bekämpfung des Bewegungsmangels. Zitat Koch: „Beim Fußballspiel findet unsere deutsche, des frischen Spiels im Freien entwöhnte Jugend am schnellsten ihre verlorene Spiellust wieder.“ 1875 veröffentlichte Koch den ersten deutschen, dem heutigen Fußball sehr ähnlichen, Regelsatz: Regeln des Fußball-Vereins der mittleren Classen des Martino-Catharineums. Die heute gebräuchlichen Ausdrücke Abseits, Halbzeit und Eckball sind ebenfalls auf Konrad Koch zurückzuführen.

Der Fußball musste in Deutschland viel länger als im Mutterland England um seine gesellschaftliche Anerkennung ringen, denn bis ins 20. Jahrhundert war deutsche Leibesertüchtigung und -erziehung gleichbedeutend mit dem seit der Reichsgründung im Jahre 1871 in Schule und Militär fest verankerten Turnen. Der Vater der deutschen Turnbewegung, Friedrich Ludwig Jahn, hatte dieses System als Reaktion auf die französische Fremdherrschaft 1810 geschaffen, um die deutsche Jugend auf den Befreiungsschlag körperlich vorzubereiten. Der aus England importierte Fußball war im Kaiserreich eine neue Form der Körperkultur. Die Sportler und Sportfunktionäre verfolgten mit der Ausübung ihrer Sportarten indes weniger übergeordnete politische Ziele, sondern eine Freizeitgestaltung im bürgerlichen Umfeld. Der „englische Sport“ (bis in das frühe 20. Jahrhundert hinein oft noch abwertend als „Fußlümmelei“ oder „englische Krankheit“ bezeichnet) wurde in den Anfangsjahren vor allem von britischen Unternehmern, Studenten, Technikern, Geschäftsleuten und Botschaftsangehörigen ausgeübt; so gab es in Darmstadt z.B. seit 1878 einen - englischen - Fußballklub, deutsche Oberschüler spielten darin unter der Hand mit, als sie aber dem Klub beitreten wollten, wurde ihnen dieses vom Rektor des Gymnasiums streng verboten, denn 'es wäre ein blutiges Spiel'. Auch gab es Einheimische, die das Fußballspiel in England - beispielsweise durch ihr Auslandsstudium - kennengelernt hatten, die - zurückgekehrt - dieser Sportart weiter nachgingen.

Der Fußballsport wurde vorwiegend von den Besserverdienenden bevorzugt, Arbeiter hatten kaum die finanziellen Mittel für die hohen Anschaffungskosten der Ausrüstung. Dagegen waren Angestellte offener für Neues, zudem waren 30 bis 40 Prozent von ihnen bereit, einen großen Teil ihres Einkommens für Freizeitbeschäftigungen auszugeben. Bis auf das Ruhrgebiet wo bereits die Arbeitervereine Schalke 04 und Borussia Dortmund zu Beginn des 20. Jahrhunderts gegründet wurden, verfügten viele Arbeiter jedoch weder über genügend Freizeit noch über finanzielle Mittel für die Ausrüstung. Imitation von studentischen Verbindungskulturen wie die latinisierten Vereinsnamen „Borussia“, „Alemannia“, Übernahme von Couleurgebräuchen und Umdichtung von Liedgut, so O wonnevolles Fußballspiel und die Verwendung Attribute bürgerlicher Respektabilität, z. B. Orden, Medaillen und Titel wie „Meister“, den es im Berufsleben der Angestellten nicht gab, waren für das frühe Fußballspiel in Deutschland prägend.[1][2] Im westlichen Rheinland brachten ansässige englische Kaufleute und Industrielle neben dem traditionellen Reitsport den Fußballsport ins Land. In Aachen gründeten Schüler und Studenten im Jahr 1900 den „Fußballclub Alemannia“.[3]

Fußballspiel Dresden gegen Berlin im Jahre 1892

Durch die vielfältigen internationalen Kontakte der Herrnhuter Brüdergemeine fand 1887 das erste internationale Fußballspiel auf deutschem Boden in Neuwied statt.[4]

1893 fand die Gründung des Arbeiter-Turnerbundes (ATB) statt. Drei Jahre später wurde in den Jenaer Regeln festgelegt, dass in Deutschland die Spielfelder frei von Bäumen und Sträuchern sein müssen. Der Fußball bekam durch die Gründung des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) 1900 einen übergeordneten Verband. Im selben Jahr wurde der Fußball olympisch.

Ab 1908 entdeckte auch das Militär den Fußball als erzieherische und körperertüchtigende Maßnahme. Es entstanden Militärmannschaften aus Infanterie, Matrosen und anderen. Ideologisch konnte der sportliche Wettbewerb auch im Sinne des Militarismus genutzt werden, in dem „Schlachten um die Vorherrschaft“ geführt wurden: Angriff, Abwehr, Flanke, Deckung und Parade sind Worte, die direkt aus dem Militärischen stammen. Der ideale Fußballer entsprach dem Bild des modernen Soldaten, er war pflichtbewusst, treu und selbstständig. Der Grund für den Einsatz des Fußballs im Militär waren Teamgeist, Wettkampf, Training sowie die moderne Pädagogik.

Heinrich von Preußen (1862–1929) stiftete 1909 mit dem Deutschland-Schild den ersten Wanderpreis für die Fußballmeisterschaft der deutschen Kaiserlichen Marine.[5]

Weiterentwicklung und Fußball als globale Sportart[Bearbeiten]

Am 21. Mai 1904 wurde in Paris mit der Fédération Internationale de Football Association (FIFA) ein Weltverband gegründet, der Länderspiele organisieren und die internationalen Fußballregeln aufstellen sollte. Die FIFA definierte den Begriff „gefährliches Spiel“, führte den direkten Freistoß ein und hob die Bestimmung auf, wonach die Hosen der Spieler die Knie bedecken müssen. Weitere neue Regeln des Weltfußballverbandes verboten dem Torwart, beim Elfmeter die Torlinie zu verlassen, er durfte sich aber bewegen, um den Schützen zu irritieren. Ferner wurden Metalleinlagen in den Fußballschuhen untersagt, der Ball musste aus Leder bestehen und die Schiedsrichter wurden angehalten, ein Spielprotokoll anzufertigen. 1907 wurde das Abseits in der eigenen Spielhälfte aufgehoben. Zwei Jahre später wurden Bestimmungen zum Platzverweis festgelegt. 1913 führte die FIFA den sogenannten „gebührenden Abstand“' (10 Yards = ca. 9,15 m) zwischen Schütze und Gegenspielern beim Freistoß ein. 1920 wurde das Abseits beim Einwurf aufgehoben. Seit 1924 darf der Eckball direkt in ein Tor verwandelt werden.

Österreich war mit der Einführung einer Profi-Liga im Jahre 1924 der erste kontinentaleuropäische Staat mit einer Liga für Berufsfußballspieler. Drei Jahre später initiierte der Österreichische Fußball-Bund mit dem Mitropacup den ersten bedeutenden internationalen Wettbewerb für Vereinsmannschaften in Europa. Der Mitropacup gilt als Vorläufer des heutigen Fußball-Europapokals.

Im Jahre 1930 wurde von der FIFA auf Initiative von Jules Rimet und Enrique Buero die erste Fußball-Weltmeisterschaft in Uruguay (Weltmeister: Uruguay) ausgerichtet. 13 Mannschaften nahmen an der WM teil, die deutsche Mannschaft verzichtete jedoch aus Kostengründen auf die Reise nach Südamerika. Der europäische Fußballverband UEFA wurde 1954 in Basel in der Schweiz gegründet. Die UEFA richtete bereits 1955/56 den ersten Europapokal der Landesmeister aus. 1960 fand erstmals der Europapokal der Nationen statt, der acht Jahre später in Europameisterschaft umbenannt wurde.

Das Fußballspiel wurde in den kommenden Jahren immer populärer, die Massenmedien und die Entwicklung des Fernsehens steigerten das weltweite Interesse am Fußball. Bei der Qualifikation zur Fußball-Weltmeisterschaft 2002 waren 198 Nationalmannschaften gemeldet. Im Weltfußballverband FIFA sind mit 208 Mitgliedern mehr Länder vertreten als in den Vereinten Nationen (192).

Vor einem Spiel der Champions League (2005)

1992 wurde der Europapokal der Landesmeister durch die UEFA Champions League ersetzt. Am 15. Dezember 1995 erschütterte ein Gerichtsurteil die gängige Ablösepraxis im Fußball: Der Europäische Gerichtshof entschied auf Klage von Jean-Marc Bosman, dass Fußballer normale Arbeitnehmer sind („Bosman-Urteil“). Das bewirkte hauptsächlich, dass für Fußballer nur noch Ablöse verlangt werden kann, wenn sie einen laufenden Vertrag haben.

2004 feierte der Weltfußballverband FIFA sein 100-jähriges Jubiläum. Im gleichen Jahr wurde der Weltpokal zum letzten Mal ausgetragen (Sieger FC Porto) und im folgenden Jahr durch die Klub-Weltmeisterschaft ersetzt.

Chronologie der Fußballregeln[Bearbeiten]

  • 1848: Studenten der Universität Cambridge verfassten die ersten Fußballregeln, die sogenannten „Cambridge Rules“. Danach bestand eine Mannschaft aus 15 bis 20 Spielern.
  • 1862: J.C. Thring, Rektor der Uppingham School, veröffentlicht einen Spielregelentwurf („The simplest game“).
  • 1863: Die Football Association (FA), der erste nationale Fußballverband der Welt, wird in London gegründet. Es wird ein umfassendes Regelwerk beschlossen, welches 14 Absätze umfasst. Es basiert auf den Cambridge Rules. Demnach wird fundamental verankert: das Spielen mit dem Fuß und das ausschließliche Treten nach dem Ball. Die erste Abseitsregel besagt, dass jeder Spieler vor dem Ball, also zwischen Ball und gegnerischem Tor, abseits ist.
  • 1864: Vorschriften zur Spielkleidung - Hosen müssen die Knie bedecken und die Mützen mit Quasten versehen sein.
  • 1865: Begrenzung der Tore mit einer Schnur in Höhe von 2,44 m
  • 1866: Erste Modifizierung der Abseitsregel: Ein Spieler ist nur dann im Abseits, wenn er bei der Ballannahme weniger als drei Gegner vor sich hat. Im „Sheffield Code” werden Eckball und Freistoß eingeführt.
  • 1870: Die FA beschränkt die Zahl der Spieler auf elf.
  • 1871: Die FA verbietet allen Feldspielern das Handspiel (davor war der sog. Fair Catch erlaubt), nur der Torwart darf den Ball in der eigenen Hälfte mit der Hand spielen, hat ihn aber nach zwei Schritten wieder freizugeben. Danach treten einige Vereine aus dem Verband aus und gründen die Rugby Football Union.
  • 1872: Einführung des Eckstoßes. Festlegung einer einheitlichen Ballgröße. Erstes offizielles Länderspiel findet in Glasgow zwischen Schottland und England statt (Endstand 0:0).
  • 1874: Fußballschiedsrichter leiten das Spiel.
  • 1875: Querlattenunterkante in 2,44 m Höhe als obere Begrenzung des Tors. Einführung von Halbzeitpause und Seitenwechsel. Konrad Koch, Lehrer in Braunschweig, gibt die ersten deutschsprachigen Fußball-Regeln heraus.
  • 1877: Der Schiedsrichter darf einen Platzverweis erteilen.
  • 1878: Erste Verwendung der Schiedsrichterpfeife
  • 1880: Der Freistoß wird als „Strafe” definiert. Die FA schreibt Schienbeinschützer vor.
  • 1882: Einwurf mit beiden Händen wird erlaubt.
  • 1886: Das IFAB (International Football Association Board), die bis heute höchste internationale Instanz zur Änderung und Beschließung von Fußballregeln, wird in London gegründet; es besteht zunächst nur aus britischen Vertretern.
  • 1889: Der Schiedsrichter erhält die alleinige Entscheidungsbefugnis und zur Unterstützung zwei Linienrichter.
  • 1890: Einführung der Tornetze.
  • 1891: Einführung des Strafstoßes.
  • 1893: In den „Jenaer Regeln” wird unter anderem festgelegt, dass in Deutschland die Spielfelder frei von Bäumen und Sträuchern sein müssen. Außerdem hat der Strafraum fortan die Form eines Rechteckes und ist kein Halbkreis mehr.
  • 1897: Einführung der Begriffe „vorsätzlich” und „absichtlich” zur Abstufung des Strafkataloges für Foulspiel.
  • 1899: Der bezahlte Vereinswechsel wird erlaubt. Der Höchstertrag ist vorerst 10 Pfund.
  • 1902: Aus dem Strafraum-Halbkreis wird ein Rechteck. Der Strafstoßpunkt wird eingeführt.
  • 1903: Dem Torwart wird das Handspiel nur noch im eigenen Strafraum gestattet.
  • 1904: Die FIFA definiert den Begriff „gefährliches Spiel”, führt den indirekten Freistoß ein und hebt die Bestimmung auf, wonach die Hosen der Spieler die Knie bedecken müssen.
  • 1906: Neue Regeln verbieten dem Torwart, beim Elfmeter die Torlinie zu verlassen. Er darf sich aber auf ihr bewegen. Ferner werden Metalleinlagen in den Fußballschuhen untersagt, der Ball muss aus Leder sein und die Schiedsrichter sind gehalten, ein Spielprotokoll anzufertigen.
  • 1907: Das Abseits in der eigenen Spielhälfte wird aufgehoben.
  • 1909: Bestimmungen zum Platzverweis werden festgelegt.
  • 1913: Der „gebührende Abstand“ zwischen Schütze und Gegenspielern beim Freistoß wird auf 10 Yards = 9,15 Meter festgelegt. Die ersten vier nichtbritischen Vertreter der FIFA werden ins IFAB aufgenommen.
  • 1920: Abseits beim Einwurf wird aufgehoben.
  • 1924: Der Eckball darf direkt in ein Tor verwandelt werden.
  • 1925: Änderung der Abseitsregel - im Augenblick seiner Ballabgabe müssen sich zwischen dem Spieler und dem Tor mindestens zwei Gegenspieler (bisher drei) aufhalten.
  • 1929: Regeländerung beim Elfmeter - der Torwart darf sich bis zum Schuss auf der Torlinie nicht mehr bewegen. In den aktuellen Regeln des DFB (2005) befindet sich diese Einschränkung nicht mehr.
  • 1937: Die Masse des Balls wird offiziell erhöht und beträgt nun 14 bis 16 Unzen (396g bis 453g).
  • 1938: Das IFAB verfasst das Regelwerk neu, welches bis auf geringfügige Änderungen im Wesentlichen bis heute konstant geblieben ist.
  • 1939: Offizielle Einführung der Rückennummern
  • 1948: In der Dimayor, der Profiliga in Kolumbien, welche zwischenzeitlich nicht offizielles Mitglied des eigenen Landesverbandes und somit nicht FIFA-Mitglied ist, werden zwei Auswechslungen pro Spiel und Mannschaft erlaubt.
  • 1960: Schiedsrichter kontrollieren vor internationalen Spielen das Schuhwerk der Spieler.
  • 1963: Das Barfußspielen in Indien wird verboten.
  • 1965: In der englischen Liga wird die Auswechslung eines verletzten Spielers während der gesamten Spielzeit gestattet.
  • 1966: Die englische Liga führt ein neues Auswechsel-System ein. Unabhängig von Verletzungen dürfen zwei Spieler während des gesamten Spiels ausgewechselt werden. Diese Regel gilt bald weltweit.
  • 1967: Die „Vier-Schritte-Regel“ für Torhüter wird eingeführt. Demnach darf sich ein Torhüter nur noch vier Schritte mit dem Ball in der Hand bewegen. Andernfalls erhält der Gegner einen indirekten Freistoß.
  • 1968: Beim Olympischen Fußballturnier in Mexiko werden gelbe und rote Karten erprobt.
  • 1969: Offizielle Einführung der Auswechselregel, wonach jede Mannschaft während des gesamten Spiels zwei Spieler austauschen darf. Einführung der Auswärtstorregel in den UEFA-Wettbewerben. Zur Ermittlung des Tabellenstandes wird die Tordifferenz (Subtraktionsverfahren) eingeführt, sie löst das Torverhältnis (Divisionsverfahren) ab.
  • 1970: Bei der IX. Fußball-WM in Mexiko werden offiziell die gelben und roten Karten eingeführt. Einführung des Elfmeterschießens nach Verlängerung (von der UEFA initiiert).
  • 1970: Das Fußballspielverbot für Frauen durch den DFB wird aufgehoben.
  • 1971: Mannschaften dürfen 5 Auswechselspieler vornominieren.
  • 1974: Automatische Sperre nach 3 gelben Karten im Pokal oder in der Liga
  • 1978: Die UEFA führt den 5-Jahres-Koeffizienten für ihre Vereinswettbewerbe ein.
  • 1983: Rote Karte für die „Notbremse
  • 1984: Gelbe Karte für „überschwänglichen Jubel”
  • 1988: Bei der Fußball-EM in der BR Deutschland kommen nur noch Schiedsrichterkollektive aus einem Land zum Einsatz.
  • 1990: „Gleiche Höhe” ist nicht mehr Abseits
  • 1991: Einführung der gelb-roten Karte als abgestufter Platzverweis
  • 1992: Der Rückpass zum Torhüter wird eingeschränkt, indem dieser den Ball nicht mehr mit der Hand aufnehmen darf.
  • 1993: Verbot der „Grätsche von hinten” (so genannte Blutgrätsche)
  • 1995: Einwechslung von drei Ersatzspielern wird erlaubt. Festlegung der Halbzeitpausendauer von „5 Minuten in der Kabine“ auf „maximal 15 Minuten“ geändert.
  • 1996: „Golden Goal” wird erstmals bei der EM eingeführt.
  • 1998: Ein Foul von hinten ist ab sofort vom Schiedsrichter mit Platzverweis zu ahnden.
  • 1999: Die „Schwalbe“ wird verboten und zwingend mit einer gelben Karte bestraft.
  • 2002: „Golden Goal” wird nach der WM wieder abgeschafft.
  • 2002: Die UEFA führt die „Silver Goal“-Regelung ein.
  • 2004: Die „Silver-Goal“-Regel wird wieder abgeschafft. Nach der Europameisterschaft 2004 wird wieder zur ursprünglichen Regelung von vor 1994 zurückgekehrt.

Literatur[Bearbeiten]

  • Das Beste Spiel aller Zeiten. Ein Minutenprotokoll aus 100 Jahren Fußball. Fons Hickmann, Markus Büsges, Oli Gehrs: (Hrsg) Kein & Aber Verlag Zürich 2014, ISBN 978-3-0369-5700-5
  • Elisabeth Angermair, Roman Beer, Manfred Peter Heimers, Anton Löffelmeier, Ingo Schwab: Fußball in München – von der Theresienwiese zur Allianz-Arena. Hrsg. vom Stadtarchiv München. München Verlag, München 2006, ISBN 978-3-937090-12-2.
  • Karl Ulrich Bertrams: „O wonnevolles Fußballspiel“. Der akademische Hintergrund einer volkstümlichen Sportart. In: Studentenkurier Nr. 3/1998, S. 13–15.
  • Beatrix Bouvier (Hrsg.): Zur Sozial- und Kulturgeschichte des Fußballs. Studienzentrum Karl-Marx-Haus der Friedrich-Ebert-Stiftung, Trier 2006, ISBN 978-3-89892-572-3 (Volltext als PDF).
  • Christiane Eisenberg, Pierre Lanfranchi, Tony Mason, Alfred Wahl: FIFA 1904–2004 – 100 Jahre Weltfußball. Verlag Die Werkstatt, Göttingen 2004. (Namhafte Historiker berichten darin über Entstehung und weltweite Verbreitung des Fußballs, untersuchen die Entwicklung der Spielstile und analysieren das heutige Spannungsfeld zwischen Fußball, Medien und Politik. Hinzu kommen Interviews mit internationalen Superstars wie Pelé, Maradona oder Beckenbauer.)
  • Christiane Eisenberg and Pierre Lanfranchi, eds. (2006): Football History: International Perspectives; Special Issue, Historical Social Research 31, no. 1. 312 pages. Volltext-Download.
  • Nils Havemann: Fußball unterm Hakenkreuz. Der DFB zwischen Sport, Politik und Kommerz. Bundeszentrale für Politische Bildung, Bonn 2005, ISBN 3-89331-644-2.
  • Konrad Koch: Die Geschichte des Fussballs im Altertum und in der Neuzeit. 2. Auflage. Gaertner, Berlin 1895 (Nachdruck: Lit, Münster 1983, ISBN 3-88660-110-2).
  • Florian Reiter: Der Kick mit dem Ball: Die Geschichte des Fußballs. Vergangenheitsverlag, Berlin 2009. ISBN 978-3-940621-06-1.
  • Francis Peabody Magoun: History of football from the beginnings to 1871. Pöppinghaus, Bochum-Langendreer 1938 (Kölner anglistische Arbeiten; Bd. 31).
  • Wolfram Pyta: Der lange Weg zur Bundesliga. Zum Siegeszug des Fußballs in Deutschland. Lit, Münster 2004, ISBN 3-8258-7261-0.
  • Helmut Brinker: Laozi flankt, Konfuzius dribbelt. China scheinbar im Abseits: Vom Fußball und seiner heimlichen Wiege. Lang, Bern u. a. 2006, ISBN 3-03910-890-5 (Welten Ostasiens; Bd. 9).
  • „Elf Freunde müsst ihr sein!“ Einwürfe und Anstösse zur deutschen Fussballgeschichte. Haug, Freiburg im Breisgau 1995, ISBN 3-928276-08-5 (Geschichtswerkstatt; 28).
  • Zeitschrift: Libero international. International Federation of Football History & Statistics. IFFHS, Wiesbaden 1992ff.; Vorgängerzeitschriften: 11 (1985–1987); Libero. Dt. Fußballzeitschrift (1988–1991); Fußball-Weltzeitschrift (1987–2000).

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Geschichte des Fußballs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christiane Eisenberg: Fußball in Deutschland 1890-1914. Ein Gesellschaftsspiel für bürgerliche Mittelschichten. In: Geschichte und Gesellschaft, 20. Jg., Heft 2/1994, S. 184ff
  2. http://www.seiten.faz-archiv.de/faz/19940622/f19940622fuba---100.html Mit falschem Bart halbrechts Als sich das unverkrampfte Bürgertum im Abseits siezte: O wonnevolles Fußballspiel, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. Juni 1994, Nr. 142, S. N5 Geisteswissenschaften
  3. Beginn des Fußball in Aachen
  4. Herrnhuter Viertel. In: neuwied.de.
  5. Deutschlands Fussball – Das Lexikon, herausgegeben vom DFB und dem Sportverlag Berlin, 1. Auflage 2000, S. 504