Operation Ajax
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Operation Ajax bezeichnet eine historische und in ihrer Art für weitere Aktionen beispielgebende CIA/MI6-Operation im Jahr 1953, bei der im Iran der populäre Premierminister Dr. Mohammad Mossadegh gestürzt und eine vom Schah Mohammad Reza Pahlavi favorisierte Militärregierung installiert wurde. Dadurch wurde die von Mossadegh vorgenommene Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie rückgängig gemacht.
Geleitet wurde die Aktion von Kermit Roosevelt jr., unterstützt durch Donald Wilbur, einem weiteren Agenten der Operation Ajax. Zusammen mit Loy Henderson,[1] dem US-Botschafter im Iran, überredeten sie den Schah zum Sturz Mossadeghs. Vorher sah der Schah sich jedoch veranlasst, den Iran zu verlassen. Er floh vorübergehend über Bagdad nach Italien, kehrte jedoch am 22. August 1953 triumphal zurück – nach dem Sturz Mossadeghs durch General Fazlollah Zahedi.
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[Bearbeiten] Geschichte
[Bearbeiten] Vorgeschichte
Am 29. April 1951 ernannte der Schah Mossadegh zum Premierminister, nachdem am 7. März 1951 ein tödliches Attentat auf Premierminister Haj Ali Razmara begangen worden war. Dessen Nachfolger Hossein Ala' hatte das Amt nur übergangsweise inne. Neun Tage später wurde Mossadegh vom Parlament mit 99 zu 3 Stimmen im Amt bestätigt.[2] Bereits am 30. April 1951, noch vor seiner Bestätigung, ließ Mossadegh vom Parlament das Gesetz zur Verstaatlichung der iranischen Erdölfelder verabschieden. Auslöser war der von Großbritannien geführte internationale Ölkonzern Anglo-Iranian Oil Company (AIOC, später umbenannt in BP), der das Ölgeschäft des Landes beherrschte und sich weigerte, die Gewinne aus dem Ölgeschäft in von iranischer Seite neu gefordertem Umfang zu teilen. Nach dem Abkommen vom 29. April 1933, das eine Laufzeit von 60 Jahren hatte, belief sich der persische Anteil am Gewinn auf 20 %, während der Staatsanteil in den umliegenden Ölförderländern in neueren Verträgen mit amerikanischen Mineralölkonzernen mit bis zu 50% in der Regel deutlich höher lag.
In den folgenden zwei Jahren der Amtszeit Mossadeghs tobte ein erbitterter diplomatischer Kampf zwischen den Briten, die die Verstaatlichung rückgängig machen wollten, und den iranischen Nationalisten. [3] Unter Dwight D. Eisenhower, schwenkte 1953 die USA auf die britische Linie ein, weil es Churchill gelungen war, ihn davon zu überzeugen, dass Mossadegh letztlich dem Kommunismus in Iran Tür und Tor öffnen würde, [4] ein Bündnis Mossadeghs mit der kommunistischen Tudeh Partei und damit eine Annäherung des Iran an die Sowjetunion bevorstehen könnte.
Nachdem am 2. August 1953 Mossadegh die Kontrolle über die königlichen Paläste übernommen hatte, wurde dem Schah nicht mehr gestattet, ohne vorherige Erlaubnis des Ministerpräsidenten Besucher zu empfangen.[5] Ein am 3. August 1953 abgehaltenes Referendum zur Auflösung des Parlaments und zur Bestätigung weitreichender Befugnisse des Ministerpräsidenten brachte Mossadegh eine überwältigende Mehrheit. Damit schien der Schah die Kontrolle über den Iran zu verlieren.
[Bearbeiten] Vorbereitung
Am 6. Juli 1953[6] oder 19. Juli 1953[7] reiste Kermit Roosevelt jr. in den Iran, um sich mit General Fazlollah Zahedi zu treffen. Der Plan zum Putsch gegen Mossadegh, von US-Präsident Eisenhower abgesegnet, beinhaltete die Bildung einer Widerstandsbewegung (Komitee der 46) unter iranischen Offizieren und Zivilisten (u.a. Hasan Arfa), deren Leitung Zahedi übernehmen sollte. Ein weiterer US-Militär, Oberst Schwarzkopf, reiste am 1. August 1953 nach Teheran, soll jedoch Tage später das Land wieder verlassen haben.
„Es war keinesfalls die Absicht der CIA“, wie der französische Journalist Gérard de Villiers schreibt, „einen militärischen Konflikt auszulösen“, was mit den 900 Mann der amerikanischen Militärmission auch nicht möglich gewesen wäre, sondern „den Widerstand gegen Mossadegh zu organisieren und zu koordinieren“.[8]
Dazu stellte CIA-Chef Allen Welsh Dulles eine Million US-Dollar zur Verfügung für „jedwede Maßnahme“, die geeignet war, „zum Sturz Mossadeghs zu führen“. Sein Bruder, der US-Außenminister John Foster Dulles, ordnete den US-Botschafter in Teheran an, putschwillige Iraner als Helfer zu rekrutieren.[9]
[Bearbeiten] Ausführung
Am 15. August 1953 schien Mossadegh von einem geplanten Putschversuch unterrichtet worden zu sein. Eine Belagerung seines Wohnsitzes durch Truppen des Oberst Nematollah Nassiri, dem Leiter der kaiserlichen Palastwache und späteren SAVAK-Direktor, wurde von Mossadegh-treuen Truppen an diesem Tag verhindert. Nassiri wurde verhaftet und der Putsch faktisch niedergeschlagen. Mossadegh sagte am nächsten Morgen in einer Rundfunkansprache:
„In der vergangenen Nacht wurde ein Staatsstreich gegen die Regierung versucht. Die meisten Verräter sind hinter Gittern. Nur Zahedi und einem kleinen Kern konnte die Flucht gelingen. Ich setze eine Belohnung von 500.000 Rial für die Ergreifung Zahedis aus. Tod allen Verrätern![10]“
Als der Schah erfuhr, dass der Staatsstreich misslungen war, flog er am 16. August 1953 von seiner Residenz in Ramsar mit seiner Privatmaschine in Richtung Bagdad. Begleitet wurde er von seiner Frau Soraya, seinem Adjutanten Major Atabai, Oberleutnant Khatami und einem Piloten.[11] Der Weiterflug am 18. August 1953 in Richtung Rom erfolgte mit einer gecharterten englischen Privatmaschine.
Am 16. August 1953 gab es drei Ereignisse zu Ungunsten Mossadeghs. Die Tudeh-Partei und ihr nahe stehende Zeitschriften brachten erstens in Titelzeilen die Schlagzeilen: „Die Macht gehört uns“ sowie „Wir fordern die Ausrufung der Republik und die Eröffnung eines Prozesses gegen den Schah“[12]. Am gleichen Tag wurde von militanten Mitgliedern der Tudeh-Partei das Grabmal Reza Schah Pahlavis in Ray entweiht. Zweitens wendete sich Parlamentspräsident Ayatollah Kashani und sein Stellvertreter Ayatollah Behbahani gegen Mossadegh. Behbahani warnte in öffentlichen Aufrufen vor der „Roten Gefahr“, die durch Mossadegh zum Niedergang des Islam führen würde. Drittens war General Teymur Bachtiar, der Oberbefehlshaber der Streitkräfte in Kermanshah zu Oberst Nassiri übergelaufen und beabsichtigte mit seinen Truppen in Teheran einzumarschieren. Bachtiar wurde später erster Direktor des SAVAK.
Am 17. August 1953 wies Kermit Roosevelt jr. offen gewalttätige Maßnahmen an. Zu diesem Zweck wurde von Roosevelt ein bekannter Kraftsportler der Zurkhaneh mit dem Namen Schabân Bîmuchch (oder Chabahan Bimor, auch Schaban der Hirnlose genannt), beauftragt, mit 300 bis 400 Rowdies auf Anweisung Unruhe zu stiften – er sollte Pro-Schah-Parolen skandieren. Der Tag der endgültigen Entscheidung wurde auf den übernächsten Tag festgelegt.[13]
US-Botschafter Loy Henderson wechselte am 18. August 1953 in Teheran ca. 400.000 US-Dollar bei der persischen Staatsbank Melli in Rial und Toman. Die Banknoten wurden danach vom Mann ohne Gehirn unter Passanten verteilt. Diejenigen, die „Hoch lebe der Schah“ schrien, bekamen eine 10-Rial-Banknote.[14]
Am 19. August 1953 (28. Mordad 1332) schlossen sich Polizei- und Militäreinheiten, deren Anführer aus dem „Komitee der 46“ sich der Schah zuvor versichert hatte, dem Aufruhr an und stürmten Außenministerium, Polizeizentrale und Hauptquartier des Armee-Generalstabs.[9] Mossadegh wurde verhaftet und General Fazlollah Zahedi zum Ministerpräsidenten ernannt, nachdem der Schah auf Drängen der CIA bereits am 13. August 1953[7] das Dekret zur Absetzung Mossadeghs unterzeichnet hatte. Um der Bevölkerung den Erlass bekannt zu geben, ließ Kermit Roosevelt jr. 10.000 Exemplare in einer Druckerei herstellen und unter der Bevölkerung verteilen. Die Pro-Mossadegh-Truppen, die zwar alarmiert waren und wichtige Positionen in Teheran besetzt hatten, verhielten sich neutral bzw. waren nach dem Auftritt Zahedis am Parlamentsplatz auf dessen Seite. „Im Grunde hat die Armee die entscheidende Wende gebracht“, so de Villiers, „die Masse der Demonstranten ist nur für einige besondere Aufgaben eingesetzt worden […] insbesondere aber, um der Intervention der Militärs einen spontan-populistischen Charakter zu verleihen.“[15]
Die bewaffneten Auseinandersetzungen zwischen Mossadegh-Anhängern und Zahedi-Truppen fanden überwiegend vor dem Hause Mossadeghs statt und forderten über 200 Tote und 300 Verwundete.[16] Nach de Villiers hat die Operation Wiedereinsetzung des Schah der CIA genau 32,643 Millionen Rial gekostet, was zu jener Zeit einer Summe von 390.000 US-Dollar entsprach.[17]
[Bearbeiten] Folgen
Jede nach dem Putsch von Schah Mohammad Reza Pahlavi eingesetzte Regierung hielt sich strikt an die Anweisung des Regenten. Ein Ministerpräsident konnte keine eigenständige Reformen ohne Zustimmung des Schahs durchführen. Reformen wie z.B. die Weiße Revolution wurde explizit vom Schah vorgestellt und mittels Referendum verabschiedet. Auch kann die Gründung des iranischen Geheimdienstes SAVAK als Folge der Regierungszeit Mossadeghs angesehen werden. Nach diesen Vorkommnissen wollte der Schah seine Position unter allen Umständen festigen. Der SAVAK bekämpfte jede Oppositionsbewegung rigoros. Jeglicher Widerstand gegen den Schah wurde unterdrückt bis es 1979 durch die Islamische Revolution zur endgültigen Absetzung des Schahs kam.
Die von Mossadegh vorgenommene Verstaatlichung des iranischen Erdöls wurde von der Regierung Zahedi rückgängig gemacht. 1954 übernahm ein internationales Konsortium die Förderung und Vermarktung des iranischen Erdöls. Dabei wurde in der Anglo-Iranian Oil Company der britische Anteil auf 40 % reduziert, bei gleichzeitigem Einstieg von fünf amerikanischen Ölgesellschaften mit 40 % Geschäftsanteil, 14 % gelangten an Royal Dutch Shell und 6 % an die französische Firma CFP (später Total). Der iranische Gewinnanteil an den Erdöleinnahmen betrug danach 25 %.[18]
Der Autor Tim Weiner kommentiert die Rolle der CIA in der Operation Ajax: „Es war kein Beweis dafür, dass die CIA Regierungen stürzen und Herrscher einsetzen konnte; er war ein Einzelfall, in dem gerade zur richtigen Zeit in der richtigen Weise das richtige Quantum Beihilfe geleistet wurde. Dadurch dass die CIA sich die Gefolgschaft von Soldaten und Straßengesindel gekauft hatte, konnte sie den Gewaltpegel schaffen, der zur Durchführung eines Putsches ausreichte. Geldsummen wanderten in bestimmte Hände, und diese Hände führten einen Regierungswechsel herbei. [19] “
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Richard D. McKinzie: Oral History Interview with Loy W. Henderson. In: Truman Library. 14. Juni 1973. Abgerufen am 29. Oktober 2008. (engl.)
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 230.
- ↑ Wilfried von Bredow: Spätfolgen. Der Putsch im Iran 1953.(Rezension). FAZ.net, 12. Februar 2009. Abgerufen am 13. Februar 2009.
- ↑ Wilfried von Bredow: Spätfolgen. Der Putsch im Iran 1953.(Rezension). FAZ.net, 12. Februar 2009. Abgerufen am 13. Februar 2009.
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 271.
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 265.
- ↑ a b Jürgen Martschukat: „So werden wir den Irren los!“. Nr. 34, 14. August 2003 (ZEIT ONLINE; Stand: 29. Oktober 2008).
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 265.
- ↑ a b Rainer Traub: Im Namen der Demokratie. In: Spiegel Special Geschichte. Nr. 3, 29. Juli 2008, S. 57 (PDF; Stand: 29. Oktober 2008).
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 276.
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 277.
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 286.
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 287.
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 291.
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 294.
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 299.
- ↑ Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1, S. 300.
- ↑ http://www.nioc.ir/brief_history/page6.html
- ↑ Tim Weiner: CIA. Die ganze Geschichte. S. Fischer Verlag, 2008, ISBN 978-3-10-091070-7, S. 136.
[Bearbeiten] Literatur
- Stephen Kinzer: Im Dienste des Schah. Weinheim 2008, ISBN 978-3-527-50415-2.
- Gérard de Villiers: Der Schah. Der unaufhaltsame Aufstieg des Mohammed Reza Pahlewi. Heyne, München 1976, ISBN 3-453-00632-1.
- Tim Weiner: CIA. Die ganze Geschichte. S. Fischer Verlag, 2008, ISBN 978-3-10-091070-7.

