Oralverkehr

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Oralverkehr, Lithografie von Francesco Hayez

Oralverkehr (von lat. os, oris „Mund“) ist ein Sammelbegriff für Sexualpraktiken, bei denen ein Sexualpartner die Genitalien des anderen mit dem Mund (den Lippen, der Zunge, den Zähnen) liebkost und stimuliert.

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen zwei Arten des Oralverkehrs:

Umgangssprache

Umgangssprachliche Umschreibungen für den Oralsex sind zum Beispiel es französisch machen oder blasen. Oft wird inzwischen auch in Europa der vor allem in den Vereinigten Staaten gebräuchliche Ausdruck Blowjob verwendet. Im Englischen werden Bezeichnungen wie to go down on somebody oder to give head bei beiden Geschlechtern verwendet. Jedoch bezeichnet „french kiss“ im Englischen lediglich einen Zungenkuss und hat keine genitalen Konnotationen. Die gesellschaftliche Akzeptanz vieler Aspekte der Sexualität hat heute zu einer größeren Unbefangenheit im sprachlichen Umgang mit Oralsex geführt.

Bedeutung

Oralverkehr wird von den meisten Menschen als eine reizvolle Möglichkeit empfunden, den Partner zu stimulieren und zum Orgasmus bringen zu können. Außerdem kann diese Praxis ein Teil im sexuellen Vorspiel sein, zum Beispiel um beim Mann eine Erektion und bei der Frau den Sekretfluss anzuregen.

Er kann von beiden Partnern als intensiv empfunden werden, weil die Geschlechtsorgane vom Mund und mit der Zunge zielgenau und auf variable Weise stimuliert werden können, und weil es sich dabei um eine besonders intime Geste handelt, da der oder die Praktizierende Geruch und Geschmack der Genitalien intensiv wahrnimmt und darüber hinaus auch die Sinne (Hören, Sehen) und Fühlen beteiligt sind.

Oralsex gehört zu den verbreitetsten Sexualpraktiken neben dem vaginalen Verkehr und wurde zu allen Zeiten praktiziert. In einer US-amerikanischen Studie aus 1999 gaben 70 % der männlichen und 57 % der weiblichen Jugendlichen an, aktiv bei einem Partner Oralverkehr praktiziert zu haben, bevor sie das erste Mal Vaginalverkehr hatten[1]. Da es nicht zur Penetration kommt, wird Oralverkehr teilweise nicht als „richtiger Sex“ empfunden. In der Lewinsky-Affäre behauptete US-Präsident Bill Clinton, keine sexuelle Beziehung mit Monica Lewinsky gehabt zu haben,[2] da es nur zum Oralverkehr gekommen sei. In der aktuellen deutschen Rechtsprechung wird Oralverkehr nicht als Beischlaf gewertet, siehe Juristische Terminologie des Geschlechtsverkehrs.

In einigen antiken Kulturen, auch solchen, die sonst bei Sexualpraktiken eher tolerant waren, wurde der Oralverkehr – jedenfalls offiziell – abgelehnt. Möglicherweise lag dies an der damals höheren Infektionsgefahr durch die geringeren Möglichkeiten der Hygiene, wobei Infektionen sehr viel häufiger ernste Krankheiten zur Folge hatten, da moderne Medikamente noch nicht bekannt waren.

Fellatio auf einem präkolumbianischen Trinkgefäß der Mochica–Kultur, (1. – 8. Jh.), Larco Museum, Lima

Techniken

Fellatio

Die männlichen Genitalien, vor allem der Penis, aber auch die Hoden, werden mit Zunge und Lippen zur sexuellen Stimulation geleckt, geküsst und in den Mund genommen. Dabei ist es möglich, die Eichel mit der Zunge zu stimulieren, indem man mit ihr um diese kreist. Das Gleiche gilt auch für den Schaft und die Hoden. Es ist aber genauso möglich, die Eichel oder Teile des Penis in den Mund zu nehmen und leicht daran zu saugen. Die selektive Stimulation des Hodens wird als Teabagging bezeichnet.

Eine besondere Form der Fellatio ist die tiefe Aufnahme des erigierten Penis bis in den hinteren Rachenbereich, was nur bei (erlernter) absoluter Entspannung der Kehle möglich ist (siehe Deepthroating). Als besonders schwierig gilt diese Variante der Fellatio, wenn dabei der Samenerguss zugelassen werden soll. Dies setzt bei der aufnehmenden Person eine bestimmte Atemtechnik voraus, bei dem stimulierten Partner ein hohes Maß an Aufmerksamkeit und Selbstkontrolle und bei beiden ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Vertrauen.

Cunnilingusszene; Pompejanische Wandmalerei, Vorstadt-Thermen, Südwand des Auskleideraums, 79 n. Chr.

Cunnilingus

Die weiblichen Genitalien, vor allem die Schamlippen, der Scheidenvorhof und insbesondere die Klitoris, werden mit Zunge und Lippen berührt. Auch der Vaginaleingang kann mit der Zunge stimuliert werden. Mittels Cunnilingus gelingt es leichter, die Frau zu besonders intensiven Orgasmen zu bringen, weil eine direkte Reizung der Klitoris möglich ist.

Neunundsechzig

Die gegenseitige Anwendung von oraler Stimulation bei beiden Partnern wird als „Neunundsechzig“ bezeichnet – entsprechend der Form der beiden arabischen Ziffern 69.

Grundsätzlich gibt es bei dieser Technik zwei Varianten: Ein Partner liegt oben der andere unten. Die Position oben gilt gewöhnlich als die bequemere, da man in dieser Position eine bessere Kontrolle hat. In einer für beide Partner gleich bequemen Stellung liegen beide auf der Seite.

Anilingus

Auch wenn der Anus nicht ursprünglich zu den Geschlechtsorganen zählt, gehört die Stimulation des Afters mit Mund oder Zunge, der sogenannte Anilingus, doch zu den oralen Sexualtechniken. Sie wird auch als „zungenanal“ oder englisch als „Rimming“ oder „Rimjob“ bezeichnet. Der Anilingus reicht von ganz flüchtiger Berührung der Umgebung des Anus mit den Lippen bis hin zu intensiver Penetration mit der Zunge. Der Reiz besteht darin, dass der Anus ein hochsensibles, von vielen Nervenenden belegtes Körperteil ist, dessen Stimulation direkt oder durch die Nähe zu den Genitalien von vielen als sehr erotisch empfunden wird.

Hygienische und medizinische Aspekte

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(teilweise)

Eine amerikanische Studie vermutet, dass die beim Oralsex übertragbaren Humanen Papillomviren (HPV) Krebs der Mundschleimhaut (Plattenepithel-Ca) verursachen können. Da aber Alkohol- und Zigarettenkonsum die Hauptverursacher des Mundkrebses bleiben, raten die Wissenschaftler der Studie nicht zur Oralsexabstinenz. Zusätzlich ist zu beachten, dass kein kausaler Zusammenhang nachgewiesen wurde, sondern lediglich ein rein quantitativer Vergleich in einer Stichprobe von 300 Personen durch Befragung vorliegt.[3] Folgt man den Zahlen und nimmt einen kausalen Zusammenhang an, erhöht sich das absolute Risiko, Mund- und Rachenkrebs zu bekommen, nach Schätzungen von etwa 0,013 Prozent auf etwa 0,11 Prozent, auch dies (statistisch) erst bei Oralverkehr mit mehr als sechs Partnern. Unklar bleibt, welche Rolle ansonsten der Zeitpunkt, Zeitraum oder die Häufigkeit spielt.

Die Zahlen zur HPV-Verbreitung relativieren das Risiko weiter: Schätzungen zufolge ist fast ein Viertel aller Frauen unter 25 Jahren infiziert. Nur die wenigsten bekommen allerdings Krebs, der mit den Viren in Zusammenhang gebracht wird, etwa Gebärmutterhalskrebs. Bei den allermeisten bleibt die Ansteckung folgenlos: Schätzungen zufolge waren bis zu 60 Prozent der Gesamtbevölkerung schon einmal mit HPV infiziert und haben Antikörper im Blut.

Papillomaviren nisten sich häufig im Penis- und Scheidengewebe ein; HPV kann daher nicht nur beim Oralsex, sondern auch beim vaginalen Verkehr übertragen werden, außerdem möglicherweise auch beim Küssen.[4][5]

Geschlechtskrankheiten wie Gonorrhoe und Syphilis können durch Oralsex übertragen werden. Die durch Fellatio im Rachen übertragenen Primärläsion heißt Angina specifica. Weiterhin kann Oralverkehr Hepatitis B und besonders Anilingus Hepatitis A übertragen sowie natürlich alle Krankheiten, die bereits ohne direkten Körperkontakt ansteckend sind.

Die Wahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion ist gering, trotzdem wird nach allgemeiner Lehrmeinung empfohlen, beim Fellatio kein Sperma im Mund aufzunehmen und auf Cunnilingus während der Regelblutung zu verzichten oder ein Lecktuch zu benutzen. Um die Wahrscheinlichkeit einer Ansteckung mit HIV weiter zu minimieren, sollte der Verkehr nicht durchgeführt werden, wenn gröbere Verletzungen am Körper im allgemeinen oder den Verkehrsorganen im speziellen bestehen.

Position der Religionen

Christentum

Nach der Überzeugung einiger christlicher Glaubensrichtungen dient Sex ausschließlich der Zeugung von Kindern. Daher werden abweichende sexuelle Praktiken aller Art oft als unerwünscht angesehen. Die Folgen dieser Überzeugung finden ihren Ausdruck in manchen Gesetzen von US-Staaten, welche jedoch durch ein Urteil des Supreme Court im Jahre 2003 im Fall Lawrence v. Texas aufgehoben wurde. Für gegengeschlechtliche Paare besitzt kein weiteres christlich geprägtes Land derartige Gesetze.

Islam

Im Islam ist der orale Geschlechtsverkehr erlaubt, gilt jedoch als „makruh“ (eine Tat, die nicht empfohlen, aber geduldet wird).[6]

Judentum

Der Oralverkehr, wie auch der Analverkehr, sind im Judentum erlaubt. Jedoch sollte beides eher als Vorspiel gesehen werden, welches letztlich zum Vaginalverkehr führt.[7]

Rechtliche Situation

In nahezu sämtlichen Ländern gibt es keine gesetzlichen Einschränkungen oder Vorschriften zu den beschriebenen Praktiken.

In Singapur wurde Oral- und Analverkehr für heterosexuelle Personen ab 16 Jahren erst im Oktober 2007 legalisiert.[8]

Siehe auch

Literatur

  • Susan Crain Bakos: Sex-Geheimnisse für den ultimativen Lust-Trip. ISBN 3-442-16538-5 (Autorin hat weltweit recherchiert, unter anderem bei Edelprostituierten, Gigolos und Meistern des Tantra, und viel Wissenswertes zum Thema Sex, besonders zum Thema Oralsex zusammengetragen.)
  • Laura Duberstein Lindberg, Rachel Jones, John S. Santelli: Noncoital Sexual Activities Among Adolescents, In: Journal of Adolescent Health, Volume 43, Issue 3, S. 231-238, September 2008, doi:10.1016/j.jadohealth.2007.12.010

Weblinks

 Commons: Oralsex – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Oralverkehr – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise

  1. Janell L. Carroll: Sexuality Now: Embracing Diversity, Cengage Learning, 2009, ISBN 978-0-495-60274-3; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche
  2. What Clinton Said. In: The Washington Post. 1998, abgerufen am 15. Juli 2013 (englisch).
  3. wissenschaft.de: Studie: Oraler Geschlechtsverkehr erhöht Mundkrebsrisiko
  4. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,482252,00.html
  5. http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/14652239?dopt=AbstractPlus
  6. Sex in Islam
  7. Kosher Sex
  8. Singapur: Neuer §377
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