Oranienburger Vorstadt

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Die Oranienburger Vorstadt 1897

Die Oranienburger Vorstadt ist ein historischer Stadtteil von Berlin, der in den heutigen Ortsteilen Mitte und Gesundbrunnen des Bezirks Mitte aufgegangen ist. Die Gegend erhielt ihren Namen vom Oranienburger Tor der Berliner Zoll- und Akzisemauer, vor dem dieses Gebiet lag. Heute wird üblicherweise nur noch der zum Ortsteil Mitte gehörende Teil als Oranienburger Vorstadt bezeichnet.

Lage[Bearbeiten]

Die Oranienburger Vorstadt hatte bis 1920 die folgenden Grenzen:

Geschichte[Bearbeiten]

Keimzelle der Oranienburger Vorstadt war die Siedlung Neu-Voigtland, die in der Mitte des 18. Jahrhunderts außerhalb der Akzisemauer in der Gegend zwischen dem Hamburger und dem Rosenthaler Tor angelegt worden war. Sie diente der Ansiedlung von Bauleuten und Handwerkern vorwiegend aus dem sächsischen Vogtland. Das gesamte Gebiet zwischen der nordwestlichen Akzisemauer und dem Wedding wurde seit 1824 Oranienburger Vorstadt genannt und 1831 nach Berlin eingemeindet.

Die Oranienburger Vorstadt entwickelte sich im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industrie-Standort, an dem sich Eisengießereien und Maschinenbaubetriebe auf engstem Raum ansiedelten, wie 1804 die Königliche Eisengießerei in der Invalidenstraße, 1825-1826 die Neue Berliner Eisengießerei sowie 1837 die Maschinenfabrik Borsig an der Chausseestraße.[1] Dieser Ansiedlung entstammte die mittlerweile in Vergessenheit geratene Bezeichnung „Feuerland“. Aufgrund der beschränkten Ausdehnungsmöglichkeiten verlagerten am Ende des 19. Jahrhunderts die meisten dieser Firmen ihre Werksanlagen; so gab zum Beispiel die Firma Borsig ihre Anlagen an der Chausseestraße auf und zog nach Tegel. Im Nordosten der Oranienburger Vorstadt entstanden umfangreiche, zum Teil heute noch guterhaltene Fabrikgebäude der AEG sowie der Humboldthain, einer der ersten großen Berliner Volksparks. Die Gegend um die Invalidenstraße wurde vom Stettiner Bahnhof, einem der großen Berliner Kopfbahnhöfe, dominiert. In weiten Teilen der Oranienburger Vorstadt entstand die typische Berliner Mietskasernenbebauung, oft durchmischt mit gewerblich oder industriell genutzten Bauten. Ein bekanntes Symbol für die schlechten Wohnverhältnisse in den Berliner Arbeitervierteln der Kaiserzeit war Meyers Hof in der Ackerstraße.

Chansonetteneck: Ecke der Friedrich und Chausseestraße. Das Variete und Amüsierviertel am Oranienburger Tor zur Kaiserzeit.

Die Einwohnerzahl der Oranienburger Vorstadt stieg von 56.702 im Jahr 1867 bis auf 126.250 im Jahr 1910.[2]

Bei der Bildung von Groß-Berlin 1920 wurde die Oranienburger Vorstadt auf die neugebildeten Bezirke Mitte und Wedding aufgeteilt, wobei die Grenze zwischen diesen Bezirken entlang der Linie Boyenstraße – Liesenstraße – Gartenstraße – Bernauer Straße gezogen wurde. Von 1961 bis 1990 verlief hier ein Abschnitt der Berliner Mauer, da von 1945 bis 1990 der Bezirk Mitte zu Ost-Berlin und der Bezirk Wedding zum Französischen Sektor von West-Berlin gehörte.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen und Gedenkstätten[Bearbeiten]

Kirchen[Bearbeiten]

Friedhöfe[Bearbeiten]

Mehrere alte Friedhöfe, darunter Begräbnisstätten für prominente Künstler oder Militärs, befinden sich in der Oranienburger Vorstadt:

(siehe auch: Berliner Bestattungswesen)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Herbert Schwenk: "Lexikon der Berliner Stadtentwicklung", Haude und Spener, Berlin 2002, Seite 107
  2. Friedrich Leyden: Gross-Berlin. Geographie der Weltstadt. Hirt, Breslau 1933 (darin: Entwicklung der Bevölkerungszahl in den historischen Stadtteilen von Alt-Berlin, S. 206)

52.53333333333313.383333333333Koordinaten: 52° 32′ N, 13° 23′ O