Bernauer Straße

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Bernauer Straße
Wappen
Straße in Berlin
Bernauer Straße
Bernauer /Ecke Ackerstraße, 2012
Basisdaten
Ort Berlin
Ortsteil Gesundbrunnen,
Mitte
Angelegt 13./14. Jahrhundert
Neugestaltet um 2006
Hist. Namen Straße 50,
Straße 80
Anschlussstraßen Julie-Wolfthorn-Straße,
Eberswalder Straße
Querstraßen Gartenstraße,
Bergstraße,
Ackerstraße,
Strelitzer Straße,
Brunnenstraße,
Wolgaster Straße,
Ruppiner Straße,
Swinemünder Straße,
Wolliner Straße,
Schwedter Straße
Plätze Mauerpark
Nutzung
Nutzergruppen Straßenverkehr
Straßenbahn
Technische Daten
Straßenlänge 1640 Meter

Die Bernauer Straße ist eine Berliner Straße in der nördlichen Innenstadt. Sie ist benannt nach der Stadt Bernau nordöstlich von Berlin. Als Teil des Berliner Innenstadtrings verläuft sie durch den Bezirk Mitte und markiert die Grenze der Ortsteile Gesundbrunnen und Mitte. Unmittelbar südlich der Straße verlief zwischen 1961 und 1989 ein Teil der Berliner Mauer und die Bernauer Straße wurde zum Ort zahlreicher Fluchten und Fluchtversuche von DDR-Bürgern. Seit 1998 befindet sich hier mit der Gedenkstätte Berliner Mauer der zentrale Erinnerungsort der deutschen Teilung.

Geschichte[Bearbeiten]

Bis zum Mauerbau im August 1961[Bearbeiten]

Die Straße existierte schon frühzeitig als Handels- und Heerweg zwischen Berlin und Orten in der Mark Brandenburg. Am 29. Mai 1862 erhielt sie ihren heutigen Namen. Bei der Planung zum Ausbau von Berlin hatte James Hobrecht sie in Teilen zunächst als Straße 50 und Straße 80, Abt. IX, bezeichnen lassen. Sie führte in Nordostrichtung von der Bergstraße bis zur Kreuzung Schwedter/Oderberger Straße. Am 4. Juli 1904 wurde die südwestliche Verlängerung zwischen Berg- und Gartenstraße in die Bernauer Straße einbezogen.[1] Nach 1945 bildete die Straße die Grenze zwischen dem sowjetischen und dem französischen Sektor Berlins.

August 1961 bis November 1989[Bearbeiten]

Blick von einer Aussichtsplattform zur Eberswalder und Oderberger Straße, 1973

Während der Teilung Berlins verlief auf der südlichen Straßenseite in ganzer Länge die Berliner Mauer. Die nach Nordwesten gelegenen Eingänge und Fenster dieser Häuser wurden sukzessive zugemauert, die Dächer mit Sperren versehen. Im Herbst 1961 wurden die letzten Grenzhäuser zwangsgeräumt. Die Gebäude wurden in den Jahren nach 1963 schließlich bis auf die Straßenfassaden der Erdgeschosse abgetragen, um zu militärisch „übersichtlichen“ Verhältnissen unmittelbar an der Grenze zu kommen. Die Ruinenreste verdeckten zunächst eine wenige Schritte dahinter errichtete und mit Stacheldraht bewehrte Betonmauer.

Als „Vormauer“ dienende Häuserreste entlang der Bernauer Straße, 1978

Berühmtheit erlangte die Bernauer Straße durch Fluchtaktionen aus den Fenstern von Häusern im Ostteil Berlins auf die Straße, deren Bürgersteig bereits in West-Berlin lag.[2]

International bekannt ist weiterhin das Foto des jungen Bereitschaftspolizisten Conrad Schumann, der am 15. August 1961 über Stacheldrahtrollen hinweg in das Gebiet des französischen Sektors sprang und dabei seine Maschinenpistole wegwarf. Der Vorfall ereignete sich an der Ecke Bernauer/Ruppiner Straße.[3] In der Bernauer Straße kam es auf Grund der besonderen örtlichen Gegebenheiten in den ersten Jahren der Mauer immer wieder zu Kontakten zwischen den Grenzsoldaten der DDR und West-Berliner Polizisten bzw. Zollbeamten; so gab es beispielsweise Gespräche über die Mauer hinweg oder die Übergabe von Zigaretten.

Von Hauskellern auf der West-Berliner Seite der Bernauer Straße wurden Fluchttunnel in den lehmigen Boden getrieben. Der Tunnel 29 endete 1962 in der Schönholzer Straße 7 auf Ost-Berliner Gebiet. Ost-Berliner, von der Großmutter bis zum Kleinkind, krochen damals – von den Grenzwachen unbemerkt – in den Westteil der Stadt.[4][5] Dramatischer ging es 1964 bei einer weiteren Tunnelunternehmung zu, dem Tunnel 57, dessen Endpunkt die Strelitzer Straße 55 im Osten war. In zwei Nächten ermöglichte er 57 Ost-Berlinern und Ostdeutschen die Flucht. Es kam aber auch zu einen Schusswechsel mit den Grenzwächtern, bei dem der Grenzsoldat Egon Schultz ums Leben kam.[6]

„Modernisierung“ der Berliner Mauer an der Bernauer Straße, 1980
Der Zugang zur 1985 gesprengten Versöhnungskirche war in die Grenzbefestigung mit eingemauert

Bis 1980 wurde die alte Grenzbefestigung beseitigt und von einer massiven Betonplattenkonstruktion mit runder Mauerkrone abgelöst. In der Bernauer Straße wurde 1980 das letzte Teilstück der Berliner Mauer auf diese Weise umgewandelt. Bis Mitte der 1980er Jahre stand auf dem Mauerstreifen an der Bernauer Straße die Versöhnungskirche, die am 28. Januar 1985 gesprengt wurde.

Von Zerstörungen betroffen war auch ein Teil des an die Bernauer Straße grenzenden Friedhofs II der Sophiengemeinde. Unter anderem wurde das Grab des Berliner Verlagsbuchhändlers und langjährigen Stadtverordneten Julius Springer beseitigt.

An zehn namentlich bekannte Personen, die ihren Fluchtversuch im Bereich der Bernauer Straße mit dem Leben bezahlten, erinnert ein um 1995 aufgestellter Gedenkstein an der Einmündung zur Swinemünder Straße.

Ab 1990 – Neubebauung und Mauergedenkstätte[Bearbeiten]

Auf einem Teilabschnitt der an der Bernauer Straße gelegenen Grenzbefestigungsanlagen wurde 1998 die Gedenkstätte Berliner Mauer eingerichtet.[7] Dazu gehören das Dokumentationszentrum und das nationale Denkmal für die Opfer des Mauerbaus und der deutschen Teilung, entworfen vom Stuttgarter Büro Kohlhoff & Kohlhoff. Es trägt die Inschrift

„In Erinnerung an die Teilung der Stadt vom 13. August 1961 bis 9. November 1989
und dem Gedenken an die Opfer kommunistischer Gewaltherrschaft“.

Bis heute zeugt eine breite Schneise auf der Südseite der Bernauer Straße vom einstigen Verlauf der Grenzanlagen, die seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts allerdings schrittweise bebaut wird. An Stelle der Versöhnungskirche wurde 2000 die Kapelle der Versöhnung errichtet.

Im Juni 2007 wurde eine ausführliche Dokumentation von Resten der Grenzanlagen in der Bernauer Straße vorgelegt, die im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt erstellt worden ist.

Am 12. Dezember 2007 wurde ein internationaler Wettbewerb für die Erweiterung der Gedenkstätte Berliner Mauer in der Bernauer Straße entschieden. Als Gewinner gingen die Berliner Landschaftsarchitekten sinai.Faust.Schroll.Schwarz mit ihren Team-Kollegen Mola Winkelmüller Architekten BDA und ON architektur hervor.[8]

Verkehr[Bearbeiten]

Mit der Verbreitung der Straßenbahn als Nahverkehrsmittel wurden Linien über die Eberswalder und Bernauer Straße bis zum Stadtzentrum eingerichtet. Als Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg eine Viersektorenstadt wurde, befand sich die Grenze zwischen dem sowjetischen und französischen Sektor in Höhe des Cantianstadions. Die Fahrer und Schaffner mussten an dieser Stelle ausgetauscht werden (West-BVG, Ost-BVG). Nach 1961 wurde die Bernauer Straße von den damaligen Linien 4 und 13 nicht mehr befahren und man entfernte größtenteils die Oberleitungen und Schienen.

U-Bahnhof Bernauer Straße nach der Sanierung

Der gleichnamige U-Bahnhof der U8 liegt unter der Kreuzung mit der Brunnenstraße. Während der Teilung war er geschlossen und galt als „Geisterbahnhof“. Der nördliche Ausgang, der direkt auf die Bernauer Straße führt, war zu Mauerzeiten zugeschüttet. Da der U-Bahnhof komplett im Grenzgebiet lag, war das Betreten weder von der Ost- noch von der Westseite möglich.

Im Jahr 2006 wurden einige alte Straßenbäume unter starkem Protest der Anwohner für den Umbau der Straße gefällt. Im Rahmen der Planungen für den nördlichen Innenstadtring wurden das laute Kopfsteinpflaster gegen eine Asphaltdecke ausgetauscht, Fahrradwege angelegt und die Straßenbahnlinie M10 von ihrer Endhaltestelle am Mauerpark bis zum Nordbahnhof verlängert, die Gleise liegen in der Straßenmitte.

Entlang des größten Teils der Bernauer Straße verläuft der Berliner Mauerweg, für Fußgänger und Radfahrer nutzbar. Auf der Höhe der Schwedter Straße und des Mauerparks wird die Bernauer Straße vom Radfernweg Berlin–Usedom gekreuzt.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Marion Detjen: Ein Loch in der Mauer. Die Geschichte der Fluchthilfe im geteilten Deutschland 1961–1989. Siedler Verlag, München 2005, ISBN 3-88680-834-3, S. 134ff..
  • Bettina Effner, Helge Heidemeyer (Hrsg.): Flucht im geteilten Deutschland: Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde. (Ausstellung Flucht im Geteilten Deutschland, Erinnerungsstätte Notaufnahmelager Marienfelde e. V.) Berlin 2005, ISBN 3-89809-065-5
  • Gisela Helwig (Hrsg.): Die letzten Jahre der DDR. Texte zum Alltagsleben. Edition Deutschland Archiv, Köln 1990, ISBN 3-8046-8760-1
  • Norbert Nail: Handeln und Sprachhandeln an der Berliner Mauer. Zur frühen Dekonstruktion einer Staatsgrenze. In: Muttersprache 106, 1996, S. 302–307. ISSN 0027-514X
  • Die Berliner Mauer – Ausstellungskatalog Dokumentationszentrum Berliner Mauer. Verein Berliner Mauer. Berlin/Dresden, ISBN 3-930382-80-6
  • Peter Brock (Hrsg.): Berliner Straßen neu entdeckt. 33 Streifzüge durch die Hauptstadt. Jaron Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-89773-114-2, Seiten 33–38: Die Schneise

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Bernauer Straße – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bernauer Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  2. Flucht an der Bernauer Straße
  3. Protokoll und Tonbericht zur Flucht Conrad Schumanns in der Bernauer Straße
  4. Mauer-Zwischenfälle 1961/1962
  5. Tunnel Schönholzer Straße 7
  6. Tunnel Strelitzer Straße 55
  7. Gedenkstätte Berliner Mauer
  8. Präsentation der Wettbewerbsentwürfe

52.53513.389722222222Koordinaten: 52° 32′ 6″ N, 13° 23′ 23″ O